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Die US-Notenbank erhöht die Schulden und kauft die Schuldpapiere selber zurück © Buch-Cover

«Der Dollar wird sterben, es lebe der Euro!»

Red. /  Der Artikel «In den USA wird eine Megablase platzen» wurde über 8000-mal aufgerufen. Deshalb hier ein Interview mit Myret Zaki.

Die Überschuldung der USA führe zum Desaster, erklärte die wohl hervorragendste Schweizer Finanzanalystin Myret Zaki, Buchautorin und stellvertretende Chefredaktorin des Westschweizer Wirtschaftsmagazins «Bilan».

Ihre Anlayse und ihre Anlage-Tipps sind auf ein enormes Echo gestossen. Deshalb veröffentlichen wir hier ein Interview, das Samuel Jaberg von Swissinfo.ch bereits im April mit Myret Zaki geführt hat, jedoch aktueller denn je ist: Soeben hat Präsident Obama eine neue Konjunktur-Spritze in Höhe von fast einer halben Billion Dollar vorgeschlagen. Zuerst viel Geld ausgeben, und es erst später mit Steuern und Sparmassnahmen wieder herein holen, lautet das alte und neue Rezept.
Für Myret Zaki sind die «Angriffe gegen den Euro nur ein Schutzschild, um den Bankrott der US-Wirtschaft zu verdecken». Der Dollar werde zusammenbrechen, sagt Zaki voraus. Sie empfiehlt, Gold, Sieber und Platin im Portefeuille zu belassen, Diamanten zu kaufen, die Finger wegzulassen von Staatsobligationen der G7-Industriestaaten, und schliesslich in Ländern zu investieren, die Rohstoffe exportieren. Ganz Mutige könnten auf ein Wiedererstarken des Euro spekulieren.
DAS INTERVIEW

Samuel Jaberg: Sie sagen, die amerikanische Schuldenkrise und das Ende des Dollars als internationale Referenzwährung würden zum wichtigsten Ereignis des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden. Sehen Sie da nicht ein wenig zu schwarz?
Myret Zaki: Wenn man ein Ereignis dieser Grössenordnung ankündigt, wenn die Anzeichen einer schweren Krise noch nicht sichtbar sind, verstehe ich, dass das möglicherweise als Panikmache erscheinen könnte. Allerdings stehen meine Argumente auf einer höchst rationalen und sachlichen Basis. Und es ist einfach unmöglich, dass es anders geschehen könnte.

Das Ende des Dollars wird nicht zum ersten Mal angekündigt. Was soll 2011 anders sein?
Das Ende des Dollars wird eigentlich seit den 70er-Jahren angekündigt. Aber niemals waren alle Faktoren erfüllt, damit es zum Schlimmsten kommen konnte. Die Höhe der US-Schulden haben nun ein Rekordhoch erreicht, der Dollar ist auf ein Allzeittief gegenüber dem Schweizer Franken gefallen und die neu aufgelegten US-Schuldpapiere werden hauptsächlich von der US-Notenbank selbst gekauft. Dazu kommt eine beispiellose Kritik von anderen Zentralbanken, die eine Front gegen die US-Geldpolitik bilden.
Grösseres Augenmerk als auf das Ende des Dollars richten Sie auf den Fall der wirtschaftlichen Supermacht USA. Aber sind die Vereinigten Staaten nicht «too big to fail»?
Jedermann hat ein Interesse daran, dass sich die USA halten werden. Also wird die Verleugnung der Tatsachen noch eine Weile weitergehen. Aber nicht unbegrenzt. Niemand kann die USA letztlich retten. Sie werden die Kosten ihres Bankrotts tragen müssen.
Es kündigt sich eine sehr lange Periode der Enthaltsamkeit an. 45 Millionen Amerikaner haben bereits ihre Häuser verloren, 20 Prozent der Bevölkerung sind aus dem Konjunkturzyklus ausgeschieden, sie konsumieren nicht mehr, und ein Drittel der US-Bundesstaaten ist praktisch bankrott. Niemand investiert mehr Eigenkapital in diesem Land. Alles dreht sich um die Schulden.
Sie sind der Ansicht, die Abschwächung des Euro-Währungsgebiets sei nichts weniger als eine Frage der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Befinden wir uns nicht in einer Art anti-amerikanischen Paranoia?
Wir lieben alle Amerika und wir sehen die Welt lieber durch eine Rosa-Brille. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges und nach der Schaffung der Euro-Zone hat ein wirtschaftlicher Krieg begonnen. Die solide europäische Staatsverschuldung verbunden mit einer starken Währung hat sicher die Nachfrage nach US-Schuldtiteln gedrückt. Aber die USA können nicht aufhören, sich weiter zu verschulden. Durch diese Verschuldung ist es ihnen gelungen, die Kriege in Irak und Afghanistan zu finanzieren und ihre Machtansprüche zu sichern. Dies ist für sie von vitaler Notwendigkeit.
Im Jahr 2008 wurde der Euro zu einer Währung, die von der OPEC, den Staatsfonds und Zentralbanken favorisiert wurde. Er war bereit, den Dollar zu entthronen. Und das wollten die USA um jeden Preis verhindern. Die Welt sucht immer einen sicheren Hort, um ihre Überschüsse zu parkieren. Deshalb setzte man sich aktiv dafür ein, Europa als sicheren Geldhafen zu hintertreiben. Das war auch genau jener Moment, als spekulative Hedgefunds die Staatsschulden einiger europäischer Länder attackierten.
Was geschieht, wenn der Dollar wie angekündigt gefallen ist?
Europa ist heute die grösste Wirtschaftsmacht, und es hat eine solide Währung. Und im Gegensatz zu den USA befindet es sich auf Expansionskurs. In Asien wird der Yuan Referenzwährung. China ist der beste Verbündete von Europa. Auf der einen Seite hat China ein Interesse an einem starken Euro, um seine Investitionen zu diversifizieren. Auf der anderen Seite braucht China Verbündete wie Europa und die G20, um zu vermeiden, dass seine Währung schnell neubewertet wird.
Heute sind Europa und China wie zwei Gravitationskräfte. Sie versuchen, die ehemaligen Verbündeten der Vereinigten Staaten, Japans und Englands auf ihre Umlaufbahn zu ziehen.
Und was wird mit dem Schweizer Franken geschehen?
Seine Rolle als sicherer Zufluchtsort wird weiter zunehmen. Eine Krise um die US-Staatsanleihen würde den Schweizer Franken massiv betreffen. Der Schweizer Franken hat einen ähnlichen Status wie Gold. Er wird gegenüber dem Dollar nicht fallen.
In einem monetären System, das total neu organisiert wird, muss der Schweizer Franken wählen, wo er sich anschliessen will. Denn ich bin nicht überzeugt, dass die Schweizer Währung weiter allein existieren kann, da ihre Rolle als Zufluchtsort für die Schweizer Wirtschaft sehr stark behindernd sein könnte.
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Interview von Samuel Jaberg. Übertragung aus dem Französischen: Etienne Strebel. Dieses Interview erschien am 29. April 2011 auf swissinfo.ch


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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Zum Infosperber-Dossier:

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Die Euro- und Währungskrise

Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.

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