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Auf Strassen darf man sich nicht mehr verhüllen, nur noch in Internet-Foren. © geralt

Was kommt nun, Walter Wobmann?

Rainer Stadler /  Erneut gewann SVP-Nationalrat Walter Wobmann eine Abstimmung. Wir hätten eine neue Idee für den «Mann des Volks».

Nach Abstimmungen kommen die Zensoren. Die Redaktionen bewerten die Bundesräte danach, ob diese das Volk für sich gewinnen konnten. Diesmal lief es schlecht für Bundesrätin Keller-Suter, die zwei Abstimmungen «verlor», wie man zu schreiben pflegt. Die Erfolgsquote der politischen Berichterstatter sieht allerdings kaum besser aus, wie eine Auswertung des Zürcher Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft zeigt. Die meisten Medien informierten in der Summe kritisch bis ablehnend über das Verhüllungsverbot; doch das Volk nahm die Vorlage an, wenn auch relativ knapp.

Das Gesetz über die elektronische Identität verwarfen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger deutlich. Die Westschweizer Redaktionen widerspiegelten in ihrer Berichterstattung die Stimmung in der Bevölkerung viel besser als jene in der Deutschschweiz, wobei vor allem der «Blick» mit seiner auffallend positiven Bewertung völlig quer zum Volk stand. Zum Freihandelsabkommen mit Indonesien äusserten sich die Redaktionen überwiegend positiv, während das Volk bloss knapp zustimmte. Kurz gesagt, gab es also nicht nur eine Kluft zwischen Regierung und Bevölkerung, sondern auch eine zwischen Journalisten und Bevölkerung.

Doppelt so viele Artikel über die Burka-Initiative

Kommen wir zurück auf das Verhüllungsverbot. Sachlich gesehen, war diese Vorlage unter den drei eidgenössischen Abstimmungen die unbedeutendste, weil sie die geringste Auswirkung hat – eigentlich nur eine symbolische. Doch die Redaktionen schenkten ihr am meisten Aufmerksamkeit. Sie publizierten dazu fast doppelt so viele Beiträge wie zur elektronischen Identität und zum Freihandelsabkommen. Kopftücher wecken Emotionen und lassen sich entsprechend besser bewirtschaften als abstrakte Fragen zu Technik und Handel.

Wohlwollende Worte gab es für den Vater des Burka-Verbots, Nationalrat Walter Wobmann. Mehrere Redaktionen zeichneten ihn als Mann des Volks, der nach der Minarett-Initiative und dem Referendum gegen höhere Autobahngebühren nun die dritte Abstimmung gewonnen habe. Man attestiert ihm ein Gespür für die Stimmungen in der Bevölkerung – sogar ein besseres als mancher seiner grossen Gesinnungsgenossen bei der SVP.

Lärm ist Musik

Wobmann ist auch Zentralpräsident der Schweizer Motorradfahrer (FMS). In dieser Funktion wehrt er sich gegen Einschränkungen der Freiheit der Töff-Besitzer. So kämpft er gegen einen Vorstoss der sozialdemokratischen Nationalrätin Gabriela Suter, die unnötigen Fahrzeuglärm verhindern will. Wobmann spricht jedoch nur von «sogenannt lauten Töffs». Im vergangenen Sommer fragte ihn der «Tages-Anzeiger», wie er das Geräusch bezeichnen würde, das beim Gasgeben entstehe. Er sagte: «Das ist Musik.»

Diese Antwort aus dem Mund eines Motorradfans und Töff-Lobbyisten überrascht nicht wirklich. Seine Neigung sei ihm gegönnt. Die grosse Freiheit des einen endet aber dort, wo sie die Freiheit eines anderen beschneidet. Die Lust an unnötigem Lärm ist unter Motorradfahrern und Liebhabern ähnlicher benzinbetriebener Fortbewegungsmittel bekanntlich ausgeprägt. Ganze Landstriche und insbesondere Pässe sind für wandernde Naturfreunde Zonen des akustischen Schreckens. Und gerade Hausbewohner, die sich keine teuren Wohnungen mit Parkaussicht leisten können, leiden täglich unter den Lärmexzessen einer Minderheit.

Arrogant

Entsprechend klingt Wobmanns Bekenntnis, Motorenlärm sei Musik, doch recht arrogant und abgehoben. Das passt nicht zum Image eines Manns, der ein Gehör für die Sorgen der Bevölkerung haben soll. Wir sind also gespannt auf die nächste Initiative von Wobmann. Hoffen wir, dass er sich mit Massnahmen zur Verhinderung von unnötigem Lärm befasst. Bestimmt würde er damit viel mehr Bürgerinnen und Bürger von einem Problem befreien, als dies ein Burka-Verbot je tun könnte.


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7 Meinungen

  • am 10.03.2021 um 12:33 Uhr
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    Ich gehöre vermutlich zu jener Minderheit, die da JA in Bezug auf vermummte Chaoten bei deren Demonstrationen gesetzt haben. Und hoffe, dass unsere Behörden endlich einmal den Mut haben, das Vermummungsverbot konsequent durchzusetzen.

    Auch wehre ich mich gegen den Vorwurf der Linken, alles Missliebige dem Fremdenhass oder der Rückwärtsgewandtheit zuzuschreiben.

    4
  • am 10.03.2021 um 14:54 Uhr
    Permalink

    Tja, Herr Wobmann: Was stellte schon Wilhelm Busch fest?
    «Musik wird störend oft empfunden,
    weil mit Geräusch sie stets verbunden»

    0
  • am 10.03.2021 um 15:47 Uhr
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    «Sachlich gesehen, war diese Vorlage unter den drei eidgenössischen Abstimmungen die unbedeutendste, weil sie die geringste Auswirkung hat – eigentlich nur eine symbolische», so Infosperber. Dies ist allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit, das Burka-Verbot war nur Beilage. Es ging um das Verhüllungsverbot von linken Demonstranten, Chaoten und Holligans! Diese sind offenbar längst akzeptiert! So schafft sich der Staat selbst ab, wenn er nicht mehr für Ordnung sorgen will und sich ständig auf die Verhältnismässigkeit beruft. «Machet us em Staat Gurkesalat!», sagten einst die 68er. Nun haben wir den Gurkensalat»! – Den «Burkasalat» gibt es nicht. Wie töricht kann die Berichterstattung der Medien sein? Mit der Gewährung der Chaoten ist der Gesetzesbruch bereits in unserer demokratischen Schweiz festgeschrieben. – Es wird deshalb viele weitere Gesetzesbrüche geben. Schaffen wir doch die Verfassung gleich ab, sie wird ohnehin nicht mehr eingehalten, alles Makulatur!

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    • am 11.03.2021 um 11:16 Uhr
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      Sie treffen es auf den Punkt, Beda Düggelin. In Bezug auf die Chaoten und Rowdys nützt dieses Verbot GAR nichts! Niemand glaubt, dass sich diese Landes- und Demokratiezerstörer an das Wobmann-Gesetz halten werden. Wobmann weiss dies ganz genau, daher sind seine Auslassungen, es sei ihm vor allem um diese Krawallanten gegangen, schlicht unwahr. Auch ihm ging es vielmehr um Krawall, es ging ihm darum, einer ihm fremden Lebens- und Glaubensweise ans Schienbein zu pinkeln, und nun jubelt er und seine Gesinnungsgenossen über diesen «grossartigen», aber total sinn- und nutzlosen «Sieg». All das, was Wobmann angerichtet hat, wird im irgendwann einmal um die Ohren fliegen.

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  • am 10.03.2021 um 21:14 Uhr
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    Ich kann die Initianten sowieso nicht verstehen! Warum werden nur Initiativen gemacht die uns kaum weiterbringen? Im Gegenteil sie schaffen mehr Probleme als sie Nutzen bringen! Diese Verhüllungsinitiative bringt rein gar nichts so wie es der Schreiber dieses Artikels schon erwähnt hat. Weiterbringen würde uns zum Beispiel wenn man die Asylkosten nicht auf die Sozialversicherung abwälzen würde! Viele Gemeinden leiden sehr stark unter diesen Kosten aber niemand unternimmt was!
    Ich könnte hier 100 solche Beispiele nennen! Eine Initiative zu starten für einen kleinen Bürger der selber gerade so über die Runden kommt ist ein Ding der Unmöglichkeit! Da erwarte ich von Leuten wie Herrn Wobann doch mehr als solche sinnlosen Luftblasen!

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  • am 10.03.2021 um 21:34 Uhr
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    Sie werden für j e d e n Politiker Aussagen finden, die unter dem Titel «arrogant» mit einem beliebigen Thema verbunden werden können. Auch für Politiker von links und grün. So gesehen kennt der Leser dieses Artikels nun die persönliche Meinung des Journalisten über Walter Wobmann, weiss sonst aber (zu) wenig neues.

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  • am 10.03.2021 um 22:14 Uhr
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    Ich werde nie verstehen, wie ein erwachsener Mann, der hier in der Schweiz zur Schule gegangen ist, der eine Berufsausbildung hinter sich hat, der tagtäglich mit Menschen und seinem Land zu tun hat, wie ein solcher Mann eine grauenhafte Gefahr für die Schweiz erkennen kann, vor ein paar wenigen (ca. 30!) gesichtsverhüllten Frauen, vor ein paar wenigen linken und fussballverrückten Rowdies. Hat denn dieser Mann kein Selbstvertrauen? Kein Vertrauen in sein Land? Woher nimmt er die Zeit, sich stunden- und tagelang mit eingebildeten Phantomen und verrückten Visionen zu beschäftigen? Woher nimmt er sich das Recht, «für das Volk» zu sprechen, wenn ihm doch nicht mal ein Viertel der Schweizer Bevölkerung folgt? Weshalb mutet er uns allen sein immer wieder wiederholtes, leeres Geschwafel zu? Und warum geben ihm die Medien Raum?

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