Nancy Pelosi

Nancy Pelosi, Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus © Depositphotos

«Warum in aller Welt unterstützen Demokraten die Trumpisten?»

Urs P. Gasche /  Demokraten gaben schon Millionen aus, um Trump-Kandidaten in den Vorwahlen zu unterstützen, kritisiert NYT-Kolumnist David Brooks.

Die taktische Absicht: Wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen im Herbst extreme Trump-Anhänger aufstellen, rechnen sich einige Demokraten bessere Wahlchancen aus. Diese Rechnung könnte nicht aufgehen, warnt David Brooks, konservativer Kolumnist der «New York Times».

  • Allein in Illinois haben die Demokratische Gouverneursvereinigung und der demokratische Gouverneur J.B. Pritzker mindestens 30 Millionen Dollar ausgegeben, um den gemässigten Gouverneursgegner eines Trumpisten anzugreifen.
  • In Pennsylvania gab eine demokratische Kampagne Hunderttausende von Dollar für Inserate aus, die einem Trump-Kandidaten zum Sieg bei den Gouverneursvorwahlen verhelfen sollten.
  • Ein politisches Aktionskomitee, das mit Nancy Pelosi verbunden ist, unterstützte rechtsextreme republikanische Kandidaten für das Repräsentantenhaus in Kalifornien und Colorado.

Sie tun dies, weil sie meinen, dass rechtsextreme Trump-Kandidaten bei den Parlamentswahlen leichter zu schlagen sind als gemässigte Kandidaten. Brooks nennt diese Taktik «schäbig» und «unpatriotisch»: «Wenn man sein Land mehr liebt als seine Partei, sollte man wollen, dass die besten Kandidaten in beiden Parteien weiterkommen. Das, was sie tun, ist wahnsinnig. Denn rechtsextreme Kandidaten, die die Demokraten unterstützen, könnten leicht gewinnen.»

Viele Demokraten, die in ihrer eigenen Informationsblase leben und offenbar nichts aus dem Jahr 2016 gelernt haben, scheinen nicht zu verstehen, wie sehr ihr «Business-as-usual»-Ansatz zu einer vollständigen Übernahme durch die Republikaner im Jahr 2025 führen könnte, schreibt Brooks. «Das wäre – wie uns die Anhörung zum Aufstand am 6. Januar diese Woche wieder einmal vor Augen geführt hat – eine Katastrophe für unsere Demokratie.»

Brooks weiter: «Ich bin überzeugt, dass es bei dieser Wahl vor allem um die Wirtschaft und die existenzielle Lage des Landes gehen wird. Für die Regierungspartei sieht es äusserst düster aus.» Laut einer Wall Street Journal-NORC-Umfrage vom Mai seien 83 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass die Wirtschaft schlecht oder nicht so gut ist. Und laut einer Gallup-Umfrage sind ebenfalls 83 Prozent der Amerikaner unzufrieden damit, wie sich die Dinge im Lande entwickeln.

Wir würden in einem Zeitalter der Bedrohung leben, meint Brooks, einem Zeitalter, in dem sich die Menschen an vielen Fronten unsicher fühlen. In solchen Zeiten würden die Wähler dazu neigen, konservative Parteien zu wählen, die sie mit Recht und Ordnung in Verbindung bringen.

Die Republikanische Partei sei in den letzten Jahren ziemlich extrem geworden. Aber man dürfe nicht vergessen, dass die Amerikaner auch die Demokratische Partei heute für extrem halten. Laut einer CNN-Umfrage sind 46 Prozent der Amerikaner der Ansicht, dass die G.O.P. «zu extrem» sei, und 48 Prozent, dass die Demokratische Partei «zu extrem» ist: «Ich vermute, dass es hier nicht um die Innenpolitik der Demokraten geht, von denen viele populär sind, sondern um fortschrittliche kulturelle und soziale Standpunkte. Es geht darum, dass sich die Menschen von den grossstädtischen Eliten entfremdet fühlen.»

«Und was tun die Demokraten, um das Problem zu lösen? Sie geben Geld aus, um Trumpisten zu unterstützen. Diese Verrückten könnten in ein paar Jahren das Land regieren.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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