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Heer als Wahlbeobachter in der Türkei: «Es gibt hier nur Plastikkübel, keine schönen Holzurnen» © srf

SVP beschwert sich beim SRG-Ombudsmann

Red. /  Ein DOK-Film hinterfragte die Weltanschauung von Alfred Heer. Für die SVP-Exponenten Rickli und Rutz «absolut tendenziös».

Am 18. Dezember schrieb Infosperber: «Das Fernsehen SRF hat ein Kränzchen verdient. Ein ausgezeichneter DOK-Film hinterfragte die Weltanschauung von Alfred Heer.» Für einmal hielt SRF nicht einfach das Mikrofon hin, sondern die Reporterin Karin Bauer stellte die richtigen Fragen, reagierte auf Aussagen mit Gegenfragen, so dass es ihre Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen nicht bei vorbereiteten PR-Sprüchen oder bei jovialen Allgemeinplätzen belassen konnten.

Das passt den beiden SVP-Nationalratsmitgliedern Natalie Rickli (Interessenvertreterin der Privatmedien) und Gregor Rutz (Inhaber einer PR-Agentur) nicht. Sie erklärten dem «Sonntags-Blick», gegen den SRF-Dokumentarfilm beim Ombudsmann eine Beanstandung einzureichen. Der Beitrag sei «absolut tendenziös». Allein mit dieser Ankündigung war ihnen ein Platz im «Sonntags-Blick» sicher.
Der SRF-DOK-Film vom 17.12.2015 konfrontierte namentlich den als nationalistisch geltenden Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer mit seinen Aktivitäten als Wahlbeobachter in der Türkei oder als Schweizer Vertreter im Europarat.
Es wurde im Dok-Film auch klar, dass die politische Ausrichtung von Richtern einen grossen Einfluss auf die Auslegung und Anwendung der Gesetze hat: Um den Konflikt zwischen dem Parlament und der Justiz zu entschärfen, schlägt Alfred Heer vor, künftig mehr SVP-Leute in die Gerichte zu wählen. Trotz des offensichtlichen Einflusses der Parteifarbe informieren die Medien in der Schweiz praktisch nie über die Parteizugehörigkeit der an Urteilen beteiligten Richter und Richterinnen.
Am Schluss des Artikels vom 18. Dezember meinte Infosperber: «Es wäre zu begrüssen, wenn das Schweizer Fernsehen die in dieser Reportage gezeigte journalistische Haltung überall an den Tag legt und nicht nur, wenn es um das Thema «Die Macht des Volkes» und die SVP geht: Journalisten und Journalistinnen als kritisch beobachtende und kritisch Hinterfragende.»


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10 Meinungen

  • am 20.12.2015 um 12:27 Uhr
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    ja, sehr aufschussreicher DOK, Kompliment an die Macher-Innen!
    Es ist schon sehr bedenklich, was dieser Heer ins Mikrofon sagt. UNSERE «fremde Richterin» argumentiert hingegen sehr sachlich.
    Entlarvend sind die effektiven Zahlen der Verfahren zu denen der Propaganda.
    Offensichtlich schwindelt die SVP ganz extrem um einfache Gemüter für ihre Sache zu gewinnen. Die meisten Medien schweigen zu diesen verdrehten Zahlen. Die 4. Gewalt im Staat ist zu einer simplen Firma geworden, welche zum freien Markt passt wie die Mafia, aber nicht zur direkten Demokratie.
    ich finde auch, die direkte Demokratie ist die beste Staatsform, wir müssen uns aber fragen, ob wir selbst den Ansprüchen gerecht werden.

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  • am 21.12.2015 um 11:42 Uhr
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    stimmt: ich finde Alfred Heers Meinung auch extrem tendenziös. Man sollte solchen Leuten kein Podium bieten.
    P.S. die Sendung war sehr gut!

    0
  • am 21.12.2015 um 13:47 Uhr
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    Ich fand den Film recht ausgewogen. Die zwei jungen Frauen, eine innerhalb, die andere ausserhalb der SVP beheimatet, kamen immer wieder mit ausgeprägten Statements zu Wort. Die Schweizer Richterin am Menschenrechtsgerichtshof argumentierte differenziert. NR Alfred Heer sprach als Mitglied der Europaratsdelegation. Zu meinem Erstaunen hat er seine Chance nicht genutzt. Seine Aussagen waren eher oberflächlich bis salopp.
    Judith Stamm, Luzern

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  • am 21.12.2015 um 17:15 Uhr
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    Karin Bauer hat eine sehr gute Dokumentation erstellt. Es hat sich auf erschreckende Art gezeigt, dass massgebliche SVP-VertreterInnen den Rechtsstaat, die Schweizer Verfassung und den Menschenrechtsgerichtshof in Frage stellen. Alfred Heer hat sich noch vor kurzem in einem Beobachter-Interview eher gemässigt gezeigt, seine Aussagen in der Fernsehdokumentation waren jedoch schockierend. Wenn in Europa SVP, Front National, FPÖ und NDP noch mehr zulegen, muss ich mir Gedanken machen, wohin ich auswandern werde.

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  • am 22.12.2015 um 23:58 Uhr
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    Karin Bauer kann man nur gratulieren zu dieser Dokumentation. Sie hat den ProtagonistInnen ausgewogen den nötigen Platz zur Verfügung gestellt, ihre Position darzustellen. Dann ist halt passiert, was passieren muss, wenn ein Alfred Heer auf der EINEN Waagschale herumtrampelt.
    Dass sich die SVP nun beschwert, ist verständlich. Der Film ist so zur entlarvendsten Darstellung ihrer menschen(rechts)feindlichen Politik geworden, die ich bisher gesehen habe.
    MfG
    Werner T. Meyer

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  • am 23.12.2015 um 00:37 Uhr
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    Was sich die SVP in letzter Zeit über die SRG beschwert, ist lächerlich und reiner Wahlkampf für NoBillag. Damit will man bloss vom Schwachsinn der Privatmedien ablenken, der von uns Werbezahlern mit undemokratischen Zwangsgebühren quersubventioniert wird. Nimmt man ein Hetzblatt wie 20Minuten, das mit seinen SVP-Schreibwerkstätten und seiner einseitigen Themenwahl nur der Politpropaganda dient, könnte man jeden Tag 3 bis 5 Artikel herauspicken und sich beim Ombudsmann oder beim Presserat beschweren. Das Dumme ist nur, dass diese Leute Respektlosigkeiten, die regelmässig unter der Gürtellinie liegen, unter Meinungsfreiheit subsumieren und somit die Pressefreiheit selber ab absurdum führen. Darum macht es gleich umso wütender, wenn die Heuchler von der SVP, die genug Zeit und Geld haben, sich permanent über angeblich tendenziöse Berichterstattung beklagen, während die von rechts gekauften Medien von Redaktion und Journalistenkuchen gedeckt werden.

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  • am 23.12.2015 um 12:12 Uhr
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    Glücklicherweise habe diesen Monat nie irgendeine Fernsehsendung konsumiert. Über das Zwangsabonnement wundere ich mich, unabhängig, wer es bekämpft.

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  • am 31.12.2015 um 18:00 Uhr
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    @Pirmin: Wo bleibt der Dürrenmatt-Beitrag?
    Allen ein friedlicheres 2016

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  • am 1.01.2016 um 17:09 Uhr
    Permalink

    @Pirmin Meier: Ich wundere mich auch über die Zwangsgebühren, die ich als Konsument den Firmen unfreiwillig ans Werbebudget abliefere, damit sie ungefragt den Schrott der Privatmedien und Onlinezeitungen alimentieren. Für den Schwachsinn von TeleZueri oder 20Minuten ist jeder Franken von uns Werbezahlern reine Geldverschwendung.

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