Strom-Blackout: Lektion gelernt

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Kurt Marti /  Vor einem Jahr verpulverten die Stromkonzerne die Wasserkraft vorzeitig. Jetzt treten sie auf die Bremse.

Die zwei Wochen zwischen dem 24. Oktober und dem 7. November haben gezeigt, dass die Strom-Konzerne auch anders können, wenn genügend öffentlicher Druck aufgesetzt wird. In dieser Zeit liefen die Turbinen der Schweizer Speicherkraftwerke im Schongang. Das zeigt der Verlauf des Füllungsgrads der Speicherseen, den das Bundesamt für Energie (BFE) regelmässig publiziert (siehe BFE-Grafik). Die Kurve verläuft fast waagrecht. Damit beweist die Strombranche, dass die Speicherkraftwerke im Hinblick auf den Atomausstieg sehr flexibel eingesetzt werden können.

Letztes Jahr war das ganz anders, wie Infosperber berichtete («Blackout: So hält uns die Strombranche zum Narren»). Ende September 2015 waren die Stauseen besser gefüllt als die fünf Jahre zuvor. Mitte Dezember waren sie bereits halbleer. Ohne Not verpulverten die Stromkonzerne den wertvollen Speicherstrom und suchten den schnellen Profit. Die Stromkonzerne liessen sich vorerst auch nicht beeindrucken, als die Schweizer Netzgesellschaft Swissgrid Anfang Dezember den möglichen Strom-Blackout an die Wand malte.

Auf die Blackout-Warnungen der Swissgrid folgte der Medien-Blackout. Die Schweizer Medien beschränkten sich grösstenteils darauf, die Meldung von den halbleeren Stauseen zu verbreiten, ohne die Hintergründe zu klären.
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Ergänzende Bemerkung von Freitag, 18. November 2016, 12.15 Uhr:

Kaum war der vorliegende Beitrag heute Morgen online, hat das BFE die neusten Zahlen zum Füllungsgrad vom 14. November online gestellt. Dort kann man ablesen, dass der Füllungsgrad in der Woche vom 7. bis 14. November wieder stärker abgenommen hat als die zwei Wochen zuvor. Infosperber bleibt dran.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Zum Infosperber-Dossier:

Stromleitungd

Die Politik der Stromkonzerne

Elektrizitätsgesellschaften verdienen am Verkaufen von möglichst viel Strom. Es braucht endlich andere Anreize.

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Eine Meinung zu

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    am 18.11.2016 um 16:19 Uhr
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    ich denke, das hängt wahrscheinlich auch mit den Niederschläen zusammen. Ist meiner Meinung nach bei einer Diskussion mit zu berücksichtigen.

    0

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