Stromleitungen_Heiko82

Rekordverbrauch von Strom im 2010 © Heiko82 / Flickr

Schweiz braucht so viel Energie wie noch nie

Hanspeter Guggenbühl /  Die Schweiz konsumierte im 2010 mehr Erdgas und Strom als je zuvor. Rekord auch beim Gesamtenergie-Verbrauch – trotz «Cleantech».

Der Absatz von Erdgas in der Schweiz stieg 2010 gegenüber 2009 um 11,7 Prozent. Gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2008 resultierte ein Zuwachs von 7,2 Prozent. Das zeigen die gestern veröffentlichten Daten des Branchenverbandes VSG. Der VSG führt die massive Zunahme einerseits auf die kältere Witterung zurück, andererseits auf Netzerweiterungen. Der Anteil von Erdgas am Schweizer End-Energieverbrauch beträgt rund 12 Prozent. Erdgas ist nach dem Erdöl in der Schweiz die zweitgrösste Quelle für den Ausstoss des klimawirksamen Treibhausgases CO2.

Rekord auch beim Strom

Der Stromverbrauch im Jahr 2010 wuchs gegenüber dem Vorjahr um rund 3,5 Prozent, gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2008 um 1,5 Prozent. Das lässt sich aus den Daten der ersten elf Monate 2010 abschätzen. Die offiziellen Daten übers Jahr 2010, die diesen Verbrauchsrekord bestätigen werden, folgen im April.
Strom partizipiert mit einem Anteil von 24 Prozent am Schweizer End-Energieverbrauch. 2010 waren Verbrauch und Produktion nahezu gleich gross; in früheren Jahren resultierte meist ein Produktions- respektive Exportüberschuss. Produziert wird der Schweizer Strom zu 56 Prozent aus Wasser-, zu 39 Prozent aus Atomkraft sowie zu 5 Prozent aus fossiler Energie, Kehricht und Biomasse. Solar- und Windkraftwerke erzeugen nur je 0,1 Prozent des Stroms in der Schweiz.

Leichter Zuwachs beim Erdöl

Noch nicht bekannt ist der Verbrauch von Erdölprodukten, die zusammen rund 55 Prozent des Schweizer Endenergiebedarfs decken. Bei den Treibstoffen allein war der Absatz, der statistisch dem Verbrauch gleichgesetzt wird, 2010 um 0,6 Prozent höher als 2009; er liegt damit um ein Prozent unter dem Rekordwert von 2008.
Noch unbekannt ist der Verbrauch von Heizöl; dieser muss aufgrund eines komplizierten Modells berechnet werden, weil der unterschiedliche Tankfüllungsgrad dazu führt, dass Absatz und Verbrauch weit auseinander klaffen. Der Umstand, dass die Wintermonate 2010 überdurchschnittlich kühl waren (hohe Zahl an Heizgradtagen), lässt aber auch hier eine grobe Schätzung zu: Der Heizölverbrauch dürfte um null bis fünf Prozent zugenommen haben.
Alle andern Endenergieträger zusammen (Holz, Kohle, Solarwärme u.a.) decken knapp zehn Prozent des Endenergieverbrauchs. Hier dürften die kalten Wintermonate ebenfalls einen Mehrverbrauch bewirkt haben. Die offiziellen Daten über den Energieverbrauch insgesamt im Jahr 2010 werden erst Mitte Jahr vorliegen. Aufgrund obiger Daten und Schätzungen ist zu befürchten, dass der gesamte Energieverbrauch in der Schweiz 2010 den Rekordwert aus dem Jahr 2008 ebenfalls überschritten oder aber nur geringfügig unterschritten hat. Dieses Resultat steht in Kontrast zu den Erfolgsmeldungen der Gebäude- und «Cleantech»-Branche. Grund: Die wachsende Menge an Energieanwendungen übertrifft immer noch die bescheidenen Verbesserungen der Energieeffizienz.


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Zum Infosperber-Dossier:

SolaranlageBauernhof-1

Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Erstes, zweites und drittes Gebot: Der Stromverbrauch darf nicht weiter zunehmen.

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Eine Meinung zu

  • am 1.04.2011 um 19:06 Uhr
    Permalink

    Das wundert mich nicht. Mit jedem digitalen TV d.h. Settopbox kommen mind. 20W Standbyverbrauch dazu. In der Schweiz entsprechen diese neuen Stromfresser der Leistung des geplanten Gaskraftwerkes Chavalon im Wallis. Unter 1 W Standby ist problemlos möglich. Cablecom hat schon vor über 1 jahr versprochen den Verbrauch auf Anfang 2011 auf unter 1 W zu senken. Bis jetzt ist noch nichts geschehen. Was macht da Swisscom?

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