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Stress-Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag des Seco © pd

Nachhilfe im Rechnen für «Blick» bis «NZZ-online»

Red. /  Laut Infosperber gibt es 30 Prozent mehr Stressgeplagte als im 2000. Laut andern Medien nur sieben Prozent mehr. Wer hat recht?

Newsletter-Abonnenten von Infosperber machten uns darauf aufmerksam, dass die Zahl gestresster Leute am Arbeitsplatz seit dem Jahr 2000 nur um sieben Prozent zugenommen habe, und nicht wie von Infosperber berichtet um beachtliche dreissig Prozent.
Tatsächlich meldeten zum Beispiel der Blick, NZZ-online oder der Tages-Anzeiger, dass sich nur «sieben Prozent mehr Erwerbstätige häufig oder sehr häufig gestresst» fühlen als noch im Jahr 2000. Das habe eine Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco ergeben.
Leicht ersichtlicher Fehler der SDA
Die erwähnten sowie andere Medien haben im Wesentlichen eine Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur SDA übernommen. In dieser SDA-Meldung hiess es wörtlich: «Gemäss der Studie stehen 34,4 Prozent der Werktätigen chronisch, also länger anhaltend, unter Stress. In der früheren Befragung aus dem Jahr 2000 waren es noch 26,6 Prozent gewesen» Daraus zog die SDA in der gleichen Meldung den falschen Schluss: «Das sind 7 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.»
Falsch deshalb, weil uns die Mittelschule gelehrt hatte, dass 34,4 genau 29,3 Prozent mehr sind als 26,6. Korrekt wäre lediglich, dass 34,4 sieben ProzentPUNKTE mehr sind als 26,6. Falsch ist jedoch hundertprozentig, dass 34,4 sieben Prozent mehr sind als 26,6. Sonst wären zum Beispiel 4 nur 2 Prozent mehr als 2.
Vermutlich waren sowohl der SDA-Redaktor als dann auch die Redaktoren von Blick, NZZ-online und Tages-Anzeiger am Arbeitsplatz gerade gestresst.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung zu

  • am 16.09.2011 um 14:44 Uhr
    Permalink

    Weder «Blick» noch «NZZ online» noch die sda braucht Nachhilfe im Rechnen, sondern das Seco. Natürlich, die Angabe in der sda-Meldung war falsch. Und zugegeben, man hätte den Fehler erkennen können und müssen. Der Ursprung des Fehlers liegt aber nicht in den mangelnden Mathematikkenntnissen des Redaktors, sondern in einer falschen Angabe in der Medieninformation des Seco. Mittlerweile hat das Staatssekretariat ihren Presstext auf dem Internet korrigiert, am 6.9.11 lautete der Wortlaut im Communique aber noch wie folgt: «Gemäss einer vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) in Auftrag gegebenen Studie fühlen sich rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz häufig oder sehr häufig gestresst. Dies sind 7% mehr als noch vor 10 Jahren."
    Mit freundlichen Grüssen: Jürg Rüttimann, Leiter der sda-Wirtschaftsredaktion

    0

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