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Noch verstehen sie nichts von der Politik: Strahlende Kinderaugen am 2. Januar 2014 in Uzhgorod. © cm

Europa – von aussen gesehen

Christian Müller /  Während sich die EU-Europäer in Selbstkritik zerfleischen, werden sie von aussen bewundert und begehrt. Ein Augenschein vor Ort.

Wenigstens die Architekten wissen es: Um ein Haus, eine Kirche, welches Gebäude auch immer, beurteilen zu können, muss man es von innen und von aussen betrachten.

Das gleiche gilt, selbstredend, für politische «Gebäude», Gebilde, Wohn- und Lebensräume. Man kann im Innern sitzen und alles von innen betrachten, belobigen, kritisieren, aber man soll auch hinausgehen, das Ganze auch von aussen anschauen, im Umfeld von anderen «Gebäuden», von anderen Gebilden.

Die EU von innen…

Was lese ich nicht täglich Schreckliches über Europa, über die EU im Allgemeinen und über Brüssel im Besonderen. Da ist vor allem von Krise die Rede, von Finanzkrise, von Schuldenkrise, von Wirtschaftskrise. Fast alle Staaten, auch die grossen, sind überschuldet. Alle Staaten, auch die reichen, müssen sparen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Jugendarbeitslosigkeit erschreckend. Wie lange gibt es den Euro noch? Wie lange noch die EU?

… und die EU von aussen

Was aber denken die Menschen ausserhalb der EU? Ein Augenschein vor Ort zeigt es in aller Deutschlichkeit: Sie sehen es ganz anders. Sie sehen die positiven Seiten der EU. Sie sehen ihre funktionierenden Demokratien. Sie sehen vor allem den funktionierenden Rechtsstaat; eine Justiz, die diesen Namen verdient. Sie sehen die Industrien, die Schulen, die – alles in allem – doch blühende Wirtschaft.

Ein Um- und Einblick vor Ort

Ich weiss, wovon ich rede. Ich gehöre nicht zu jenen, die die Welt nur aus dem Fernsehen kennen. Und von den Beaches an der Costa Smeralda, in Antalya oder auf den Malediven. Ich habe auch im Ausland gearbeitet. Und auch jetzt weile ich nicht in Berlin, Paris oder London, sondern in Uzhgorod, der Hauptstadt von Transkarpatien, im Südwesten der Ukraine. Uzhgorod ist eine Stadt mit rund 100’000 Einwohnern. Hier leben Ruthenen, Russen, Ungaren, Rumänen, Slowaken, alle in der gleichen Stadt. Und sie alle möchten eines Tages nicht nur auf der Landkarte zu Europa gehören. Sondern auch im Leben, im Alltag!

Nein, diese Menschen wollen nicht zu Europa gehören, weil sie von unseren Sozialwerken profitieren wollen – oder gar um diese zu missbrauchen. Sie wollen arbeiten, ein paar Euros oder Franken nach Hause schicken, für die Familie, für die Verwandten. Sie möchten in einem Land leben, wo sie ihre Rechte haben, ihre Freiheit, wo sie eine Perspektive, eine Zukunft haben. Und diese Zukunft sehen sie nicht durch die Gesetze und Regulierungen aus Brüssel bedroht, im Gegenteil! Sie sehen ihre Zukunft durch diese Gesetze und Regulierungen aus Brüssel überhaupt erst möglich, als Garantie gegen die Willkür einzelner Repräsentanten ihres jetzigen Staates und gegen die allgegenwärtige Korruption.

Europa – für Viele ein Traumland

Die Europäische Union ist kein gescheitertes Projekt. 60 Jahre kein Krieg, keine Unterdrückung, keine politischen Gefangenen. Millionen von Menschen rund um Europa bewundern dieses Europa und haben einen Wunsch: in diesem Europa leben zu dürfen.

Die Menschen hier in Transkarpatien sind nicht nur freundlich. Sie sind betont warmherzig, sie geben Alles, um einem Gast eine Freude zu machen. Kein Wunder, dass in Deutschland, in der Schweiz, ja selbst in Italien immer mehr betagte oder behinderte Leute eine Ukrainerin beiziehen, wenn es um die tägliche Pflege geht. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, die Sprachbarrieren zu überwinden.

Und die Schweiz?

Und was tun wir, wir Schweizerinnen und Schweizer? Wir lästern über Europa, über die EU im Allgemeinen und über Brüssel im Besonderen. Und wir haben die Überheblichkeit zu meinen, unsere Ansicht sei objektiv, sei die einzig richtige.

Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit selber nach aussen zu gehen, die Perspektive zu wechseln, die Dinge mit den Augen Anderer anzuschauen. Die Realität ist – fast immer – irgendwo dazwischen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor weilt zurzeit in Uzhgorod und Mukachevo in Transkarpatien im Südwesten der Ukraine.

Zum Infosperber-Dossier:

EU_Schweiz

Die EU und die Schweiz

Europa ist für die Schweiz lebenswichtig. Welchen Grad an Unabhängigkeit kann die Schweiz bewahren?

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13 Meinungen

  • am 4.01.2014 um 10:17 Uhr
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    Für die Ukraine wäre der Einzug in die Europäische Union die endgültige Lostrennung von Russland und sozial sowie wohl auch rechtsstaatlich, aber nur bedingt wirtschaftlich und finanziell, der Umzug von bescheidener Pension in ein Zweitklasshotel. Bei der Schweiz würde es sich aber um einen Umzug von einem Erstklasshotel in ein Zweitklasshotel handeln, wobei aber weiterhin der Tarif eines Erstklasshotels zu bezahlen wäre. Es ist aber von höchster Wichtigkeit, Vergleiche der EU mit imperialistischen oder gar faschistischen bzw. diktatorischen Mächten zurückzuweisen. Die Demokratiedefizite der EU sind nicht mit den Demokratiedefiziten auch nur schon mal in Russland zu vergleichen.

    Was den Umzug von der Einsternpension betrifft, so findet derzeit bei der CSU in Bayern und generell in Deutschland eine heftige Diskussion betr. die Personenfreizügigkeit aus Rumänien und Bulgarien ins deutsche Hartz-IV-System statt. Dabei erklärte Fritz Dinkelmann im Echo der Zeit, aus Rumänien und Bulgarien kämen nicht nur Fahrende, sondern Computerspezialisten, Ärzte und Pflegefachleute. Er meinte das beschwichtigend. Henrik Broder machte darauf aufmerksam, dass jeder Zuzug von Hochqualifizierten aus Rumänien und Bulgarien dazu beitrage, dass diese Länder das Durchschnittsniveau der EU unmöglich erreichen können. Die Personenfreizügigkeit ist in diesem Sinn der genau gegenteilige Fehler des kommunistischen Ausreiseverbotes. Logisch gesehen kann das Gegenteil des Falschen auch wieder falsch sein.

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  • am 5.01.2014 um 08:06 Uhr
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    Was Pirmin Meier hinsichtlich Erst- und Zweitklasshotels da von sich gibt, ist an Arroganz, ja sogar Dummheit nicht zu überbieten.
    Statt der EU verächtlich Zweitklassigkeit zu unterstellen, täte er besser, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, weshalb der schweizerische Finanzplatz von den Amerikanern in seiner Existenz bedroht werden kann, während insbesondere der luxemburgische und österreichische nichts zu befürchten hat, obowhl deren Bankster wohl kaum besser sind als die unsrigen. Würden die USA gegen diese beiden Finanzplätze vorgehen, müssten sie sich mit der EU anlegen. Und das ist den Amerikanern angesichts ihrer 500 Millionen Einwohner doch etwas riskanter, als der Schweiz mit ihren 8 Millionen Bürgerinnen und Bürgern die Hosenträger lang zu ziehen.
    Wäre die Schweiz EU-Mitglied, würden sich die USA niemals erlauben, mit ihr auf derart unflätige Art und Weise umzuspringen. Bevor Sie, Herr Meier, jetzt allenfalls vor Empörung nach Luft schnappen, müssen Sie sich bewusst sein, dass es den Abstieg aus der «Luxusklasse» in die Nullstern-Hotelklasse bedeuten würde, brächten es die USA tatsächlich fertig, unseren Finanzplatz hops gehen zu lassen.

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  • am 5.01.2014 um 23:13 Uhr
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    Das mit den Hotelkategorien stammt nicht aus der schweizerischen, sondern aus der deutschen Diskussion über die Europäische Union. Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Ukraine sind nun mal nicht die gleiche Kategorie wie die Bundesrepublik, das ist weder arrogant noch dumm. Und meine Metapher erklärt die unterschiedliche Ausgangslage der Schweiz und der Ukraine im Hinblick auf einen Beitritt. Für die Ukraine ist die Perspektive sicher interessanter. Für die Abschaffung v. Franken u. Direkter Demokatie mit wirklicher Mitbestimmung wäre wohl militärische Besetzung der CH nötig.

    Ihre hofierte Supermacht USA hat nun den Eintritt der Al Kaida in den Irak bewirkt, und angesichts der 2 Millionen Migranten, welche unter Obama nach Mexiko ausgeschafft wurden, könnten Sie sich vorübergehend von Ihrer bekannten Blochophobie ausruhen und dem Friedensnobelpreisträger ein paar Feindbildeinheiten verabreichen. Dass die Rechtsnationalen die EU zerstören, wie Sie in Ihren Polemiken schreiben, stimmt für die Schweiz insofern nicht, als es nun einmal vor allem in der Deutschschweiz eine erdrückende Mehrheit gibt, die, jenseits von Blocheritis, nun mal zu Ihren und meinen Lebzeiten diesem Verein nicht beitreten wollen, was nur bei Ihrem Blocher, aber nicht beim Volk bös gemeint ist. Wegen seiner politischen Meinung ist sowieso niemand «dumm". Abgesehen davon, dass in diversen Märchen jeweils von drei Brüdern, von denen zwei klug sind, einer dumm, am Ende gewöhnlich der Dumme überlebt.

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  • am 6.01.2014 um 07:27 Uhr
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    Ihre Antwort passt ins sattsam bekannte SVP-Schema: Wenn die Argumente zur Sache nichts hergeben, wird einfach auf Nebenschauplätze ausgewichen. Mit der von Ihnen angeregten Obamakritik liesse sich unser Finanzplatz nicht besser schützen. Ausserdem, wie Sie dazu kommen mir zu unterstellen, ich würde die USA hofieren, bleibt Ihr Geheimnis. Wenn etwas nicht genug Zündstoff hergibt, wird er einfach hergezaubert. Ob die Behauptung stimmt oder nicht, ist seit eh und je der Schweizerischen Volksgesinnungs Polizei geringste Sorge. Geanu deswegen geht mir Blocher mitsamt dem von ihm mit eiserner Hand geführte Verein derart auf den Wecker.

    Den Finanzplatz, um den es in meiner Entgegnung zu Ihrer Meinung geht, erwähnen Sie mit keinem Wort. Die Einschätzung, dass er in Gefahr ist, stammt übrigens nicht von mir, sondern von Patrick Odier, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

    Mit Ihrer Antwort bestätigen Sie meine Überzeugung, wonach Sie und Ihresgleichen lieber den Finanzplatz hochgehen liessen, als auch nur ansatzweise zu überlegen, ob die EU-Mitgliedschaft zur Wahrung unserer grundlegenden Interessen nicht doch nützlich sein könnte. Und das ist hochgradig schizophren, ungeachtet der Tatsache, dass die von der SVP seit 20 Jahren betriebene EU-Verteufelung dazu geführt hat, dass der Beitritt gegenwärtig tatsächlich von einer grossen Mehrheit agelehnt wird.

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  • am 6.01.2014 um 10:36 Uhr
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    Ich würde lieber den Finanzplatz hochgehen lassen als schweizerische Freiheiten, wäre auch als Bewohner einer Dachmansarde bereit, für unsere Freiheit sogar eine Wohlstandseinbusse in Kauf zu nehmen. Druck von aussen, reine Macht, was sich in der Herrschaft des Geldes ausdruckt, bedeutet mir als historischer Volkskundler nichts. Da sind wir nicht gleicher Meinung. Blocher ist der unpopulärste Politiker der Schweiz. Niemand ist auf ihn angewiesen, um «richtig» zu stimmen. Um zum Beispiel die Masseneinwanderung in den Griff zu bekommen – im Oktober kamen mehr Leute als in der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert in 50 Jahren – braucht es zum Beispiel die von Rudolf H. Strahm messerscharf charakterisierten flankierenden Massnahmen, die v. SVP bekämpft werden. Ohnehin sind Einwanderungsinitiativen undurchdacht. Eine Annahme (ich gehe von 44 bis 52 Prozent Jastimmen aus) würde Bundesrat u. Parlament ein vernichtendes Zeugnis ausstellen. Die Personenfreizügigkeit sowie eine Elfmillionenschweiz, wie von Bodenmann und Bäumle gefordert, halte ich jedoch für Wahnvorstellung. Für Natur nicht «besser» als vier neue Atomkraftwerke. Auch wäre es realistischer 5,5 Millionen Menschen mit 4000 Watt zu versorgen als 11 Millionen mit 2000 Watt; die CH ist im Gegensatz zur EU ein langfristig als «Ewiger Bund» Freiwilliger angelegtes Projekt. Der Jusochef meiner Region (Beinwil am See) ist auch als überzeugter Blochergegner gegen den EU-Beitritt, unter meinen Schülern kenne ich kaum Befürworter.

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  • am 6.01.2014 um 10:53 Uhr
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    Dass Sie lieber den Finanzplatz hochgehen liessen als das, was Sie als schweizerische Freiheiten bezeichnen, ist Ihr gutes Recht und ich respektiere ihre Meinung, obwohl ich sie natürlich nicht teile. Ob aber die erdrückende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger damit einverstanden wäre, dafür mit einer Dachmansarde vorlieb zu nehmen, ist doch stark zu bezwiefeln…

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  • am 7.01.2014 um 03:16 Uhr
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    Während wir es uns scheinbar leisten können, über Vor- und Nachteile einer EU oder gar des Euros zu philosophieren, sahnen deren Konstrukteure tüchtig ab. Man kann den einen Naivität unterstellen, den anderen Engstirnigkeit; Tatsache bleibt, dass letztlich gerechnet werden muss, ob es sich rechnet. Es gibt erdrückend viele Beweise, welche der EU und dem Euro keine Chance geben. Die Pro-Europäer können, wider besseren Wissens, nur die Friedenskarte ausspielen. Die EU-Staaten hätten gar kein Geld, gegen jemanden in den Krieg zu ziehen. Die «Friedens-Lösung EU» wird zunehmend zum «Bürgerkriegs-Problem EU". So lange die Menschen einen warmen Hintern und einen (womit auch immer) gefüllten Bauch haben, werden sie nicht auf die Strasse gehen. Genau so lange werden wir es uns auch leisten, uns des Gutmenschentums zu erfreuen. Wenn aber die ersten Griechen einen easyJet oder Ryanair Billigflug nach Brüssel buchen, wird der Wind drehen. Strassenschlachten in Bruxelles? Übergriffe auf Villenviertel der EU-Angestellten? Man muss kein Prophet sein. Aber dass sich die Schweiz in der Endphase der EU auch noch Gedanken macht, auf die Titanic zu springen, spricht Bände. Insofern sollte Christian Müller vielleicht aus einem anderen Land heraus schreiben, denn die liebenswürdigen Transkarpaten würden ihre Grossmutter verkaufen, um sich am EU-Topf die Bäuche zu füllen. Es geht nicht um Perspektiven, es geht nur ums Geld. Gruss; ein Auslandschweizer mit jahrelanger Sicht aus der Vogelperspektive.

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  • am 7.01.2014 um 08:13 Uhr
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    Es wird in Brüssel keine Strassenschlachten geben. Die Aggression der Griechen richtet sich fast exklusiv gegen die Bundesrepublik, den vorläufigen Hauptprofiteur der Europäischen Union, weswegen sich am 6. Januar auch die FDP dem Kurs der CDU und SPD angeschlossen hat. Im Ganzen sollte man sowohl innenpolitisch wie auch aussenpolitisch die Friedensdividende nicht kleinschreiben, wiewohl die Fehlkonstruktion der Zusammenfassung von Ländern, die nun wirklich nicht zusammenpassen, vor allem ökonomisch nicht, Konfliktpotential enthält.

    Es müsste eine positive Europa-Idee erarbeitet werden, auch mit Beiträgen von Schweizern, wie es dies früher schon gab, als geistiges Europa. Der Bedarf nach einem geistigen Europa nimmt umso mehr zu, als praktisch alle führenden Politiker der Gegenwart als geistig substanzlos, philosophisch minderbemittelt und als Karrieristen und Profiteure ohne wirkliche Perspektive anzusehen sind. Ein Kaiserreich mit Kaisern ohne Kleider. Dass Frau Merkel heute die bedeutendste europäische Politikerin ist, verdankt sie nebst der objektiven Wirtschaftsmacht Deutschlands nicht Horizonten und Perspektiven, sondern lediglich ihrer hohen Basisintelligenz und dem nicht unbeträchtlichen Befund, dass sie wirklich nicht einen korrupten Eindruck macht.

    Christian Müllers Engagement in der Ukraine verfolge ich mit Sympathie und bin überzeugt, dass auch wir uns durch solche Perspektiven den Horizont erweitern könnten.

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  • am 7.01.2014 um 08:31 Uhr
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    Herr Stiefenhofer, was Sie da als «Auslandschweizer mit jahelanger Sicht aus der Vogelperspektive» von sich geben, ist seit Jahrzehnten ebenso sattsam bekanntes wie dämliches SVP-Gelabber.
    Hitler hat einmal gesagt, «Eine zehn Mal wiederholte Lüge bleibt eine Lüge, zehntausend Mal wiederholt wird sie jedoch zur Wahrheit."
    Seit Beginn kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Gang gesetzten europäischen Integrationsprozesses schnorren angeblich ach so um das Wohl des Landes besorgte Leute den Untergang zunächst der Montanunion, dann der EWG, später der EG und nun der EU herbei. Dieses einfältige Gelabber wurde so oft wiederholt, dass Sie nun zu behaupten glauben können, es gebe «erdrückend viele Beweise, welche der EU und dem Euro keine Chance geben". Solche gibt es aber nicht und somit ist Ihre Behauptung eine durch zehntdausendmalige Widerholung zur «Wahrheit» herbeigeschnorrte Lüge.

    Bewiesen ist jedoch etwas ganz anderes: In den beiden Weltkriegen kamen in den zehn Jahren zwischen 1914 und 1918 sowie 1939 und 1945 während 3‘752 Kriegsgstagen rund 74 Millionen Kinder, Frauen und Männer um., Das ergibt einen Tagesdurchschnitt von knapp 20’000 getöteten Soldaten und Zivilisten. Das entspricht der heutigen Einwohnerzahl von Aarau!

    Seit 1945 kam zumindest in Westeuropa niemand mehr in einem Krieg um. Diese Tatsache degradiert Ihre «Wahrheiten» zu einer kleinkarierten Erbsenzählerei eines Menschen, der die Voraussetzungen herbeisehnt, welche 1914 und 1939 zum Krieg führten.

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  • am 7.01.2014 um 11:23 Uhr
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    Ja, Herr Jost, Adolf selig zu zitieren bedarf schon eines ziemlich grossen Mutes. Auch die mir von Ihnen fälschlicherweise attestierte Herbeisehnung der Zustände von 1914/39 will ich Ihnen verzeihen. Fakt scheint jedoch zu sein, dass ich mit meiner vorangegangenen Aussage wiederholt recht bekomme; nämlich dass Sie und Ihresgleichen einmal mehr nur die «Friedenskarte» als Argument hervorkramen können. Dass es den über 500 Millionen EU-Bürgern dereinst sehr schlecht gehen könnte, blenden Sie in Ihrer Sichtweise offenbar völlig aus. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich die Europäische Geschichte sehr gut kenne und zudem mit der SVP nichts am Hut habe. Ich habe bestenfalls eine dezidiert andere Meinung als Sie, welche ich mir auch erlaube hier darzustellen. Auch wenn diese Ihnen nicht in Ihr, ach so modernes, Weltbild passen mag. Polemik ist auch hier nicht zielführend, also versuchen wir doch, die Probleme einer Analyse zu unterziehen und danach den Europäern wirkliche Verbesserungen vorzuschlagen. Eine wichtige und unmittelbare Verbesserung der Zustände wäre, einen teilweisen Schuldenerlass für die Südstaaten zu erwirken und diese in ihre eigenen Währungen zu entlassen. Aber eine solche kühne, aber richtige Entscheidung hat damals schon Alfred Herrhausen den Kopf gekostet. Der Deutsche Bank Vorstandssprecher wurde 1989 in die Luft gesprengt. Die Europäer sind verschuldet. Privatverschuldet! Das ist übrigens genau, was die Banken, der IMF und Brüssels Elite geplant haben.

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  • am 8.01.2014 um 08:47 Uhr
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    Schämen Sie sich, Herr Stiefenhofer. Mit Ihrer, frei nach Adolf selig, durch zehntausendfache Wiederholung zur „Wahrheit“ herbeigeschnorrten Lüge, wonach ich und meinesgleichen „einmal mehr nur die «Friedenskarte» als Argument hervorkramen können“, versuchen Sie mich und meine Mitstreiter als einfältige und verträumte Dummschwätzer hinzustellen. In Tat und Wahrheit verhöhnen Sie damit jedoch das Andenken an die 74 Millionen in beiden Weltkriegen umgekommenen Kinder, Frauen und Männer. Um humanitäre Katastrophen derartigen Ausmasses künftig zu verhindern wurde der europäische Versöhnungs- und In-tegrationsprozess kurz Ende des Zweiten Weltkrieges in Gang gesetzt und bis heute mit durchschlagendem Erfolg weitergeführt. Daran ändern weder die vielen vergangenen noch die gegenwärtige schwere Krise der EU etwas.
    Schauen Sie doch mal bei http://www.hebdo.ch rein und klicken Sie auf „BLOGS“ und danach auf „Suisse-Union européenne“. Meine auf Französisch und Deutsch verfassten Beiträge werden Sie belehren, dass die „Friedenskarte“ alles andere als unser einziges Argument ist.
    Albert Camus, französischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger von 1957 schrieb einmal: „Toute forme de mépris, si elle intervient en politique, prépare ou instaure le fas-cisme“. Und genau das tun Sie und Ihresgleichen seit Jahrzehnten.

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  • am 8.01.2014 um 09:57 Uhr
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    Nerven nicht verlieren, Herr Jos, Meinungsverschiedenheiten sind kein Dummheitsproblem, es braucht Geduld. Günter Anders, selber Angehöriger eines «Opfervolkes", verwies mit grösstem Ernst darauf, dass die von Ihnen genannten 74 Millionen nicht wieder lebendig werden und von niemandem für seine politische Meinung beansprucht werden sollten. Die nächsten 74 Millionen würden wieder aus neuen Vorwänden produziert, «Hofferei muss aufhören", postulierte Anders. Gefragt sind konkrete vernünftige Massnahmen. Beispielsweise bietet direkte Demokratie Möglichkeiten, leider keine Gewissheiten, Blödsinn zu verhindern, doch durfte sich in Europa oder Amerika das Volk noch nie äussern dazu, ob es einen Krieg wolle oder nicht. Ein Kleinstaat wie die Schweiz ist objektiv ungefährlicher und kontrollbarer als Grossorganisationen. Wenn das Volk trotzdem mal einen Blödsinn beschliesst, kann man es mittelfristig wieder zurücknehmen. Z.B. falls das Volk am 9. Februar «falsch» stimmt, ist auch dann noch nichts passiert; auch das kann, wenn es sich nicht bewährt, was sehr wahrscheinlich ist, wieder korrigiert werden. Langfristig brauchen wir eine Friedensordnung mit möglichst viel demokratischer Mitbestimmung. Vor allem sollten wir sehen, Herr Jost, dass wir uns in Einschätzungen irren können, und insofern toleranter und allenfalls sogar humorvoller miteinander diskutieren. Ich glaube durchaus, dass Sie, Herr Jost, intelligente Artikel schreiben können. Herr Stiefelhofer muss sich nicht schämen.

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  • am 8.01.2014 um 10:34 Uhr
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    Herr Jost, jetzt beruhigen Sie sich doch. Können wir uns darauf einigen, die Polemik aussen vor zu lassen? Es ist weder zweckdienlich, noch besonders klug, wenn man jemanden falsch verstehen will, nur um seine Zitate loszuwerden. Es wird Ihnen nicht gelingen, mich (und meinesgleichen) in die Rechte Ecke zu stellen. Diesen Gefallen werde ich Ihnen nicht tun können, weil mir meine liberale Geisteshaltung dazu keinen Anlass gibt. Zu Ihrem Blog: Ich darf Ihnen sagen, dass auch ich in den letzten dreissig Jahren den einen oder anderen Beitrag verfasst habe, auch in Buchform. Aber nie mit dem (ihrem) Ziel, jemanden zu belehren, sondern um jemanden zu überzeugen. Im Übrigen kenne ich den Franco-Algerier Albert Camus auch. Soweit ich mich ans Gymi zurück erinnere, war er ein Anhänger des Anarcho-Syndikalismus mit starker Gewerkschaftsführung. Er wollte also auch führen. Womit der Kreis zum Seligen wieder geschlossen wäre. Lassen wir`s gut sein, Herr Jost. Es bringt nichts. Unsere Auffassungen sind zu verschieden; und mein Energieaufwand, Ihnen meine Argumente gegen die EU zu erklären, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen für dieses Forum. Ich vertraue auf den gesunden Menschenverstand des Schweizer Stimmbürgers. Die Schweiz wird nicht EU-Mitglied werden. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Selbst Bundestrat Didier Burkhalter glaubt nicht mehr an die EU. Das spricht für sich. Das EDA hat endlich die Strategie geändert.

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