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Gerade die Gewinnung von Rohstoffen erregt moralische Bedenken. © Michael Gaida (Pixabay)

Aussergewöhnliches Medienecho auf die KVI

Rainer Stadler /  Die KVI fand vor allem bei den Deutschschweizer Redaktionen viel Aufmerksamkeit. Die Tonlage ist leicht kritisch.

Die Medien widmeten der Konzernverantwortungsinitiative (KVI) auffällig viel Aufmerksamkeit. Die Abstimmungsvorlage löste sogar ein grösseres Echo aus als die Selbstbestimmungs- und die Begrenzungsinitiative. In den vergangenen beiden Jahren befassten sich die Redaktionen mit keiner Vorlage so intensiv wie mit der KVI. Sie publizierten dazu 703 Beiträge. Die Kriegsgeschäfteinitiative, über die ebenfalls an diesem Wochenende abgestimmt wird, fand mit 194 Beiträgen viel weniger Beachtung.

Dies zeigt eine Analyse des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (fög). Sie basiert auf der Auswertung von 14 Online-Zeitungen, 6 Wochenblättern und 5 SRG-Sendungen in den vergangenen elf Wochen.

Als Gründe für die grosse Resonanz nennen die Forscher die emotionale Auseinandersetzung, den Fokus auf grosse multinationale Unternehmen und die Beteiligung von überdurchschnittlich vielen Akteuren im Abstimmungskampf. Auch die Berichterstattung über die teils sehr umstrittenen Kampagnen von Initianten und Gegnern gab der Vorlage Auftrieb. Dazu trug ferner das starke Engagement der Kampagnenakteure bei. Es erschienen überdurchschnittlich viele Zeitungsinserate. Eine vergleichbare mediale Hitze entsteht sonst nur bei Abstimmungen über Ausländerfragen und europapolitische Themen.

In der Westschweiz schenkten die Redaktionen der KVI deutlich weniger Aufmerksamkeit als in der Deutschschweiz. Auffällig viele Beiträge realisierte die «Aargauer Zeitung» (66). Die Forscher machen im Weiteren kenntlich, wie stark die Mantelredaktionen von CH-Media und Tamedia die Berichterstattung prägen. Sie realisierten 40 Prozent der vom fög-Monitor erfassten Beiträge. Die einzelnen Zeitungen, die den beiden Verbünden angeschlossen sind, publizierten nur wenige eigene Artikel. Den überwiegenden Teil bezogen sie von den Mantelredaktionen – hier wird die Medienkonzentration deutlich sichtbar. Die Eigenständigkeit der CH-Media-Blätter war dabei etwas grösser als jene der Tamedia-Redaktionen.

Die mediale Tonlage gegenüber der KVI war leicht kritisch. Die negative Tonalität prägten vor allem die redaktionellen Kommentare und die Interviews, in denen Mitglieder des Bundesrats und Wirtschaftsvertreter prominent zu Wort kamen (siehe Grafik). Der Grossteil der Publikationen bestand allerdings aus Nachrichtenbeiträgen, die nur leicht negativ gefärbt waren.

Quelle: Abstimmungsmonitor fög
Die einzelnen Redaktionen gewichteten die KVI recht unterschiedlich. Deutlich negativ ist die Tonalität bei der «Weltwoche» und der «NZZ», aber auch bei den drei grossen Sonntagsblättern und dem «Blick» ist die Stimmungslage kritisch. Insgesamt leicht positiv gestimmt sind nur die Beiträge von Westschweizer Redaktionen, und zwar von «Le Matin», «Le Temps» und «20 minutes» (siehe Tabelle). In der Deutschschweiz behandelten die Mantelredaktion die KVI kontradiktorisch, während sich der «Tages-Anzeiger» für die Vorlage aussprach. Der Chefredaktor der «Blick»-Gruppe plädierte für ein Nein.


Quelle: Abstimmungsmonitor fög


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