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«Alleine das Projekt Nant de Drance verschlingt 1,8 Milliarden Franken» © Nant de Drance

Alpiq bettelt Subventionen für Pumpspeicherwerke

Kurt Marti /  In der Schweiz werden Pumpspeicherwerke für 4,5 Milliarden Franken gebaut. Laut Alpiq steht deren Rentabilität «in den Sternen».

Nachdem die Stromkonzerne im Ausland Milliarden in den Sand gesetzt haben, kreist bereits anderswo der Pleitegeier, nämlich über den Pumpspeicherwerken. Die beiden grössten Projekte Nant de Drance (Alpiq, SBB, FMV) und Linthal 2015 (Axpo) sind zur Zeit im Bau und kosten 1,8 Milliarden (Nant de Drance) und 2,1 Milliarden Franken (Linthal).

«Ob diese Kraftwerke jemals rentieren, steht in den Sternen»

Der Alpiq-Konzern ist an Nant de Drance im Unterwallis mit 54 Prozent beteiligt, die SBB mit 36 Prozent und die Walliser Elektrizitätsgesellschaft (FMV) mit 10 Prozent. Nachdem die SBB im letzten Februar rund die Hälfte ihres Anteils überraschend an die norwegische Firma Statkraft verkauft hat, bekommt nun auch der Stromkonzern Alpiq kalte Füsse. Auf der von Alpiq betriebenen Internetseite immergenugstrom.ch verbreitet der Stromkonzern den Alarmruf: «Ob diese Kraftwerke also jemals rentieren oder gar subventioniert werden müssen, steht in den Sternen». Der Bund halte Pumpspeicherwerke für «die grosse Hoffnung der neuen Energiepolitik». Die Energiebranche hingegen sei «skeptischer, denn solche Kraftwerke sind teuer. Alleine das Projekt Nant de Drance verschlingt 1,8 Milliarden Franken».

Alpiq-Manager fordert Subventionen für Pumpspeicherwerke

Alpiq-Manager Pierre Guesry begründet diese Skepsis der Energiebranche mit der schwindenden Preisdifferenz zwischen teurem Spitzenstrom und günstiger Bandenergie: «Wenn die Differenz nur gering ist, haben wir ein Rentabilitätsproblem». Der Pumpspeicherstrom verliere an Wert, weil «die Verbrauchsspitzen bei günstigen Wetterbedingungen zunehmend durch Wind und Sonne abgedeckt werden». Vor einem solchen Szenario mit sogenannten nicht-amortisierbaren Investitionen (NAI) warnen Kritiker seit Jahren, auch Infosperber hat das Problem aufgegriffen (siehe Links unten).

Mit seiner Krisenanalyse geht Alpiq-Manager Guesry gleich zu einer brisanten, energiepolitischen Forderung über: «Um Unternehmen zu motivieren, in Pumpspeicherkraftwerke zu investieren, muss ein Teil der Zuschüsse für die erneuerbaren Energien in die Entwicklung von Pumpspeicherwerken fliessen». Das klingt paradox: Die Pumpspeicherwerke, welche mit Milliardenbeträgen ausgebaut werden, um Profite für die Stromwirtschaft abzuwerfen, sollen mit Öko-Beiträgen subventioniert werden.

Milliarden-Investitionen und Subventionen für EU-Stromversorgung

Noch paradoxer werden die Subventionen für die Pumpspeicherwerke, wenn man bedenkt, wie diese von der Alpiq begründet werden: «Wenn die Schweiz in Zukunft der Stromspeicher Europas sein soll, um die Schwankungen von Wind- und Solarstrom zu kompensieren, dann müssen weitere Pumpspeicherwerke gebaut werden». Und folglich muss laut Alpiq auch die Transportkapazität zwischen Deutschland und der Schweiz ausgebaut werden.

Im Klartext: Die Milliarden-Investitionen und zusätzlich die Subventionen in die Pumpspeicherwerke dienen der Stromversorgung Europas, denn für die Regulierung des Solar- und Windstroms in der Schweiz braucht es diesen massiven Ausbau der Pumpspeicherwerke nicht, wie Infosperber in einem früheren Artikel gezeigt hat (siehe Link unten). Es fehlt nur noch, dass die Stromkonzerne auch für den Ausbau der Transportkapazitäten zwischen der Schweiz und Deutschland Subventionen des Bundes beantragen.

Video-Beitrag wurde von der Webseite entfernt

Inzwischen hat die Redaktion von immergenugstrom.ch das Alpiq-Video von der Webseite entfernt. Auf Anfrage von Infosperber begründet die Redaktion diese Entscheidung damit, dass «das BFE jüngst mit neuen Zahlen bezüglich Potentialen der Wasserkraft herauskam. Die im Beitrag genannten Zahlen waren nicht mehr richtig». Man werde «den Strom-TV-Beitrag, sofern in dieser Form noch verwendbar, adaptieren und demnächst wieder aufschalten».

Diese Antwort erstaunt aus zwei Gründen: Erstens unterscheiden sich die Zahlen nicht sehr stark. Der Bund geht neu von einem maximalen Wasserkraft-Potential von 3,2 TWh aus. Im Alpiq-Video ist von 4 TWh die Rede. Und zweitens ist der Video-Beitrag immer noch auf der Webseite von Alpiq abrufbar. Wie lange noch, steht in den Sternen. (Inzwischen ist das Video auch von der Webseite von Alpiq verschwunden).


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Zum Infosperber-Dossier:

Stromleitungd

Die Politik der Stromkonzerne

Elektrizitätsgesellschaften verdienen am Verkaufen von möglichst viel Strom. Es braucht endlich andere Anreize.

Frderung_Subventionen

Konzerne kassieren Subventionen

Freier Markt? Milliarden an Steuergeldern für Grossbanken, Industrie- und Landwirtschaftskonzerne.

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Eine Meinung zu

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    am 9.06.2012 um 20:01 Uhr
    Permalink

    Es ist mir schon längst klar, dass der substantielle Ausbau der Pumpspeicherung öffentliche Gelder der Schweiz und Europas braucht.

    Leider denkt offenbar noch niemand daran, dass die die unmittelbare grosse Gefahr die Klimakatastrophe und nicht etwa der Nuklearholocaust oder die Sucht nach weiterer überkomfortabler Stromversorgung (preislich und mengenmässig) ist. Deshalb muss so rasch als möglich — um jeden Preis — die Karbonenergie verschwinden und erneuerbarer Platz machen. Das selbstverständlich auch für die Strassenmobilität, den grössten Energiefresser, mit einem Wirkungsgrad von bisher nur 40%, also insgesamt sehr viel schlimmer und sehr viel grösser ist als die dummen Gaskraftwerke.

    Wer das einmal kapiert hat, versteht, dass nur DESERTEC, Offshorewind und Pumpspeicherung aus der Sackgasse führen können, Wir müssen nämlich nicht nur über rund 66 Mrd. kWh Strom pro Jahr, wie bisher, sondern über das rund doppelte verfügen, wenn die (reduzierte) Strassenmobilität und die ganze Wirtschaft und Haustechnik karbonfrei erfolgen soll.

    Die öffentliche Finanzierung der landschaftsverträglichen grossen Stromprojekte muss möglich werden. Die Klimakatastrophe ist zu nahe und viel zu gefährlich um noch lange in der Trickkiste zu suchen!

    Warum fragt niemand nach der Rentabilität der NEAT, die völlig unnötige Transportgeschwindigkeiten erlaubt?

    Wenn die Öffentlichkeit — endlich richtigerweise, aber erst seit kurzem — einen fundamentalen Technologiewechsel der Energiewirtschaft fordert, dann muss sie dafür auch einen Teil an die Investitionskosten bezahlen, wie bei der Bahn, der Wasserversorgung und den Autobahnen. Investitionskredite sind keine Subventionen!

    Die Energiepreise müssen dann aber mindestens um Faktor 3 höher werden, damit die Energie- und Klimaziele erreicht werden können. Das macht niemandem ein grosses Loch ins Portemonnaie!

    Wegen der drohenden Klimakatastrophe werden vermutlich bald Hinz und Kunz wieder Nuklearenergie fordern. Die helvetischen Atomkraftwerke sind — abgesehen von Mühleberg — eine negligeable Gefahr angesichts der 58 französischen, die in einem Land stehen, das wirtschaftlich schwach ist und sich keine kostspieligen Sanierungen leisten kann!

    Andreas Speich

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