Sewastopol. Google Maps

Russischer Flottenstützpunkt auf der Krim. Die neue Regierung in der Ukraine hatte ihn vorzeitig per 2017 gekündigt. © Google Maps

«Russland hat im Baltikum und in Polen keine Expansionsabsicht»

Rainer Simon /  Andreas Zumach macht Vorschläge für eine militärische und wirtschaftliche Entspannung zwischen der Nato und Russland.

Besonders Deutschland sollte von einem Propaganda-Krieg gegen Russland absehen, sagt Andreas Zumach. Der langjährige Korrespondent bei der Uno in Genf und Spezialist für geopolitische Fragen erinnerte in einer Vortragsserie daran, dass der Feldzug Nazi-Deutschlands gegen Russland im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Russen das Leben gekostet hat. Spannungen und Kriege zwischen Berlin und Moskau hätten in den letzten Jahrhunderten auch stets grosse Teile von Eurasien destabilisiert. Daraus ergibt sich für Deutsche und Russen eine besondere gemeinsame Verantwortung, für Stabilität, Frieden und Kooperation auf dem eurasischen Kontinent zu sorgen. Und schliesslich läge Deutschland im Falle einer militärischen Auseinandersetzung im Brennpunkt eines potentiell atomaren Konfliktes.

Der Konflikt wird seit den 1990er Jahren vom Westen systematisch aufgebaut

Zumach bemängelt, dass das offizielle Narrativ der meisten westlichen Politikerinnen, Politiker und Medien über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den NATO/EU-Mitgliedsstaaten meist erst 2014 beginnt, mit der Eskalation des Konfliktes in der Ukraine und der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland. Doch der Ursprung des Konfliktes reiche bis in die frühen 1990er Jahre zurück, also bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Ein Narrativ erst ab 2014 verzerre die Wahrnehmung extrem und münde darin, dass das Wesentliche des Konfliktes aus russischer Sicht gar nicht mehr verstanden werde. 

Militärpolitische Situation 

Die etappenweise Osterweiterungen der NATO von 1999, 2004, 2009, 2017, 2020 hat die Präsenz der NATO bedrohlich nahe an die russische Grenze vorgeschoben: Von den westlichen Nachbarstaaten Russlands gehören lediglich Belarus und die Ukraine noch nicht zur NATO. 

Nato-Staaten 2021
Die NATO-Staaten in Europa. Stand 1.11.2021. An der Grenze zu Russland fehlen die Ukraine und Belarus (Weissrussland).

Parallel dazu haben die USA wichtige Rüstungsbegrenzungsverträge gekündigt oder wie den KSE-Vertrag nie ratifiziert:

2002 den bilateralen ABM-Vertrag zwischen Washington und Moskau über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme; 2019 den bilateralen INF-Vertrag über die Vernichtung von landgestützten Mittelstreckenraketen; 2020 den 1992 von den Mitgliedsstaaten der KSZE vereinbarten Open Sky-Vertrag über definierte Überflugrechte über fremde Territorien zu Beobachtungszwecken – als vertrauensbildende Massnahme konzipiert; 2004-2015 der 1990 unterzeichnete KSE-Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa trat 1992 in Kraft und sollte Obergrenzen für die Zahl schwerer Waffensysteme vom Atlantik bis zum Ural festsetzen. Nach Auflösung des Warschauer Paktes, dem Zerfall der Sowjetunion und der bis dato erfolgten NATO-Erweiterung wurde der Vertrag 1999 angepasst (A-KSE) und 2004 von Russland, Belarus, Ukraine und Kasachstan ratifiziert, nicht aber von den NATO-Staaten. Daher setzte Russland 2007 die Umsetzung der Verträge aus und nahm seit 2015 auch nicht mehr an den Sitzungen der Beratungsgruppe teil, was als faktischer Austritt bewertet wurde.

Militärisch ist die NATO heute Russland gegenüber im konventionellen Bereich haushoch überlegen. Dies wird sogar von der NATO selber erklärt, obwohl bisher eine russische Überlegenheit bei konventionellen Waffen als Hauptargument für die nukleare Abschreckung des Westens galt. 

Im nuklearen Bereich lässt sich ein Stärkevergleich naturgemäss nicht so einfach anstellen, weil schon wenige Atombomben über den Ausgang eines Konfliktes entscheiden können. Nach Darstellung im Jahresbericht 2021 des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI ist die Situation im atomaren Bereich einigermassen ausgewogen – mit 6255 Sprengköpfen in Russland und 5550 in den USA und einer durch das START-Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen genau festlegte Obergrenze für die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boote und Fernbomber). 

Bei den Militärausgaben ist Russland den NATO-Staaten deutlich unterlegen. 2021 lag das russische Militärbudget mit umgerechnet 62 Milliarden Euro nur unwesentlich über dem von Deutschlands (wobei die Kaufkraft dieser Summe in Russland höher ist als in Deutschland). Die USA gaben rund 750 Milliarden US-Dollar aus, die 30 NATO-Staaten gesamthaft 1’103 Milliarden (oder 1,1 Billionen) Dollar.

Politisch ist Russland neben der Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien besonders durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die Unterstützung der Aufständischen in der Ostukraine negativ exponiert. Die Krim-Annexion ist gemäss Zumach aus einer gewissen Notwehr erfolgt, wobei die Art und Weise auch nach Ansicht Zumachs völkerrechtswidrig gewesen sei: „Das Tüpfelchen auf dem i“ sei aber gewesen, „dass die Ukraine nach dem Sturz von Janukowytsch im Februar 2014 den Pachtvertrag für den Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte Sevastopol, der gerade erst bis 2042 verlängert worden war, per 2017 gekündigt hatte. Im gleichen Zug wurde Russisch als zweite Amtssprache in der Ukraine verboten; selbst in den Schulen und im gesamten öffentlichen Raum durfte und darf bis heute nicht mehr russisch gesprochen werden. 

In der Unterstützung der Aufständischen in der Ostukraine sieht Zumach keine territoriale Expansionsabsicht – erst recht nicht gegen die baltischen Staaten oder Polen. Die Unterstellung, dass Russland in diesen Ländern Expansionsabsichten habe, hält Zumach „analytisch für völligen Quatsch“. 

Innenpolitisch müsse Putin an seinem Ukraine-Kurs festhalten, weil dieser in Russland sehr populär sei. Deshalb sei ein erster Schritt der Entspannung von Seiten Russlands nicht zu erwarten. Für Zumach hat Putin mit seinem Verhalten in der Ukraine zwei nüchtern geplante Ziele erreicht: 

  1. Sevastopol wurde als Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte gesichert;
  2. Die latente Unruhe in der Ostukraine sorgt dafür, dass weder NATO noch EU einen Beitritt der Ukraine in absehbarer Zeit erwägen.

Für Zumach folgt aus dieser Ausgangslage: „Den ersten Schritt muss der Stärkere, d.h. die NATO machen.“ Denn Konzessionen seitens Putins, dessen Ukraine-Politik in der russischen Bevölkerung nach wie vor grosse Unterstützung erfährt, würden innenpolitisch einen Gesichtsverlust bedeuten.

Vorschläge für eine De-Eskalation im militärischen Bereich

Zumach stellt folgende konkreten Vorschläge für eine De-Eskalation der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen im militärischen Bereich zur Diskussion:

  1. Gemeinsam: Wiederaufnahme der Gespräche über eine Revitalisierung und Anpassung des KSE-Abrüstungsvertrags;
  2. Seitens der NATO: Offizielle Rücknahme des „unseligen Beschlusses des NATO-Gipfels von 2008, der Ukraine, Georgien und Moldawien eine Option zum Beitritt in die NATO anzubieten“; (Nachtrag von Zumach am 17.1.2022: Dieser Schritt, den Zumach bereits seit 2015 in Artikeln und Vorträgen immer wieder vorgeschlagen hat, ist, nachdem Putin ihn seit Mitte Dezember 2021 öffentlich und in Form einer vertraglichen Zusicherung verlangt und damit bei US-Präsident Joe Biden sofort auf strikte Ablehnung („rote Linien“) gestossen ist, für die NATO noch viel schwieriger geworden. Auch westliche Regierungen haben Angst vor einem (vermeintlichen) Gesichtsverlust.
  3. Gemeinsam: Mässigung der beidseitigen Manöver entlang der russischen Grenze; Zumach sieht in den Manövern zwar keine ernsthafte Kriegsgefahr, doch die Manöver „könnten eines Tages ausser Kontrolle geraten“.

Zwei wichtige erste Schritte in Richtung Entspannung seien beim Gipfeltreffen von Biden und Putin Mitte Juni 2021 in Genf beschlossen worden: Erstens eine gemeinsame Erklärung, nach der bilaterale Gespräche über strategische Stabilität aufgenommen werden sollen. Zweitens eine konkrete Massnahme bezüglich Cybersicherheit: Es soll ein umfassender Katalog kritischer ziviler und militärischer Infrastrukturen erstellt werden, die bei einem allfälligen Konflikt allseitig tabu seien.

Vorschläge für eine wirtschaftliche Entspannung

Nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich wurde Russland über die letzten zwanzig Jahre stark in die Enge getrieben. Die parallel zur NATO-Erweiterung erfolgten EU-Erweiterungen 2004, 2011, 2013 auf fast alle westlich gelegenen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und die seit der Annexion der Krim verschärften Wirtschaftssanktionen der USA und der EU (keine UNO-Sanktionen!) hätten die Wirtschaft Russlands beträchtlich geschädigt. Doch ihr erklärtes Ziel, Russland zum Einlenken in der Krim-Frage zu bewegen, hätten die Sanktionen deutlich verfehlt.

Die Beilegung des Konfliktes um Nordstream II könnte dazu beitragen. Die Ablehnung dieses inzwischen fertiggestellten Projektes im Westen fusst auf ganz unterschiedlichen Beweggründen. Die Ablehnung der Grünen in Deutschland etwa basiert auf ökologischen Argumenten: Der Gebrauch fossiler Brennstoffe sollte wegen der Klimakatastrophe eingeschränkt und nicht noch gefördert werden. Diese Argumentation lässt allerdings ausser Acht, dass Russland auf die Exporte seines Gases angewiesen ist und wegen dieser Abhängigkeit auch seinen Beitrag an der Klimarettung ohne Hilfe vom Ausland nicht wird leisten können: Russland muss schrittweise ertüchtigt werden, seine Wirtschaft von der Abhängigkeit der Rohstoffexporte zu befreien und andere Wirtschaftssektoren aufzubauen, die dies ermöglichen. 

Da Russland heute ohne seine Rohstoffexporte nicht überlebensfähig wäre und seine technologische und industrielle Entwicklung aufgrund der Sanktionen nicht in dem Masse weiterentwickeln konnte, seien Lockerungen der Sanktionen sowie anderweitige Wirtschaftshilfe angezeigt.

Zumach schlägt Massnahmen vor, um eine Entspannung auf dem wirtschaftlichen Gebiet zu erreichen:

  1. Seitens Russlands: Offizielle Rücknahme der Androhung Russlands von 2017 gegenüber der Ukraine, die Gaspreise um 80 Prozent zu erhöhen. Daneben verbindliche Zusage, dass ein garantiertes Gas-Kontingent weiterhin durch die ukrainischen Pipelines fliesst und der Ukraine Durchleitungsgebühren sichert. Ausserdem Abbau von Wirtschaftssanktionen gegenüber westlichen Staaten (vornehmlich deren Landwirtschaft).
  2. Seitens des Westens: Abbau anstatt Verlängerung und Verschärfung von Wirtschaftssanktionen der USA und EU gegenüber Russland.
  3. Gemeinsam: Nordstream II als fertiggestelltes Infrastrukturprojekt schrittweise alternativ nutzen, z.B. für einen Wasserstoff-Transport, wobei dieser in Russland zunächst aus fossilen und später mit Hilfe westlicher Technologien auch umweltfreundlich („grüner Wasserstoff“) gewonnen werden könnte; Untersuchungen haben gezeigt, dass notwendige technische Nachrüstungen machbar wären; Ökologischen Bedenken sollte entgegengehalten werden, dass ein übergangsloser Sprung zu ökologisch erzeugter Energie nirgendwo auf der Welt möglich sei.

Vorschläge für eine zivilgesellschaftliche und kulturelle Annäherung zu Russland

Zumach erinnert daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg diverse Aussöhnungsbemühungen zwischen Deutschland und Russland auf kulturellem Gebiet und auf zivilgesellschaftlicher Ebene unternommen wurden, die in den letzten zwanzig Jahren unter den zunehmenden Spannungen wieder stark zurückgefahren wurden. 

Ein Grund ist laut Zumach, dass das systematisch gezüchtete Negativimage Putins zunehmend übertragen wird auf das russische Volk. Und im Unterbewussten vermutet Zumach vor allem bei den Älteren noch Erinnerungen an die Propaganda im Zweiten Weltkrieg, der zum Vernichtungskrieg gegen die slawischen Untermenschen erklärt worden war.

Zumachs Appell geht dahin, die zivilgesellschaftliche Ebene durch Kontakte und Austausch wieder zu beleben.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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13 Meinungen

  • am 22.01.2022 um 12:48 Uhr
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    «Von den westlichen Nachbarstaaten Russlands gehören lediglich Belarus und die Ukraine noch nicht zur NATO», steht im Artikel. Hier ging Finnland vergessen, das sich allerdings um eine Nähe zur NATO bemüht. Der Lapsus ist insofern nicht überraschend, als einmal mehr Russland als «bedrängte Grossmacht», umzingelt von einem feindlichen Bündnis, dargestellt wird. Der Grossmacht-Status mit Ewigkeitsanspruch stützt sich ab auf das Waffenarsenal, vor dem man mit guten Gründen Angst haben muss. Leider operiert die russische Regierung mit Einschüchterung und Demonstrationen physischer Stärke. Kleinere Länder werden als Puffer betrachtet, ohne dass sie für diese Rolle mit Wertschätzung oder einer Belohnung rechnen können – ausser dass ihnen die Knute erspart bleibt, vielleicht. Natürlich kann man das «pragmatisch» als unvermeidliches globales Kräfteringen betrachten. Die Haltung der Regierung Russlands bietet aber keine Basis für den Aufbau eines nachhaltigen Vertrauensverhältnisses.

    21
    • am 23.01.2022 um 11:47 Uhr
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      Heute sollte es wohl heissen: Am des Cowboys Wesen soll die Welt genesen? Siehe auch Irak, Afghanistan, arabischer Frühling und, und, und z.B. 350 militärische Stützpunkte verteilt über die ganze Welt. Ist da keine Umzingelung erkennbar?

      1
  • am 22.01.2022 um 16:21 Uhr
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    Es ist nicht nachvollziehbar wie Russland immer wieder als d e r Aggressor dargestellt wird – gegen besseres Wissen – nehme ich an. W
    Hat nicht Zenlensky, der heutige US genehme Politführer der Ukraine ein Präsidentendekret Nr. 117/2021 unterzeichnet, in dem er erklärt, dass es Leitlinie seiner Aussenpolitik sei, die Krim zurückzuerobern?
    Mit der Angstmacherei wegen einer bevorstehenden russischen Invasion soll wahrscheinlich dafür gesorgt werden, dass im Konfliktfall «jedermann» schon im Voraus weiss, wer der Aggressor ist
    Die «Annexion» der Krim war eine Folge des gewaltsamen Umsturzes und nachvollziehbar. Uebrigens hat die Krim schon immer zu Russland gehört

    1
    • am 24.01.2022 um 06:21 Uhr
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      Schon immer? Die Krim wurde 1783 vom Russischen Imperium annektiert. So kurz ist die Menschheitsgeschichte?

      3
    • am 24.01.2022 um 09:39 Uhr
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      Wenn Sie schon die lange, sehr wechselvolle Geschichte der Krim ansprechen, so fängt diese auch nicht erst 1783 mit der Annektion durch das Russische Reich an … Die Ukraine jedenfalls kommt vorher nie als Mutterland, sondern nur als Opfer von Übergriffen der Krimtataren vor … Im übrigen bin ich Überzeugung, dass der Rückgriff auf die Geschichte über Jahrhunderte hinweg keine heutigen Besitzansprüche mehr rechtfertigen kann – erst recht nicht in Eurasien.

      2
  • am 22.01.2022 um 17:29 Uhr
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    Vielen Dank Herr Andreas Zumach für so viel guten Willen und so viele konkrete Vorschläge zur Spannungsverminderung. Im kommunistischen Manifest hiess es: «Völker, höret die Signale.» Heute müsste man schreiben: Ihr westeuropäischen Staaten, vernehmet endlich die Signale, löst euch aus dem Würgegriff eurer «US-Freunde», handelt selbstbewusst und endlich selbstständig und verantwortungsvoll angesichts der schrecklichen Vergangenheit. Nicht nur Deutschland, sondern auch die Schweiz hat Schandtatten während des Hitlerfeldzuges ( 2000 SS-Leute wurden «offiziell» der deutschen Wehrmacht zugeteilt und wüten gelassen.
    Russsland ist genau so ein europäisches Land mit einem sehr reichen kulturellen Erbe wie Deutschland, die Schweiz und und und.

    1
  • am 22.01.2022 um 21:10 Uhr
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    Diesen Artikel sollte man in allen europäischen Grossstädten publizieren. Entweder schlafen unsere Regierungen, oder sie haben nicht den Mut, der Realität ins Auge zu sehen: Das Hauptziel der USA ist es, einen Keil zwischen Russland und der EU zu treiben. Nur so können ihre Wirtschaftsführer und die ihnen hörigen Politiker sicher gehen, dass es zu keiner engen und geopolitisch logischen Verbindung zwischen Russland und derEU auf dem europäischen Kontinent kommt. Damit wäre nämlich der neue Wirtschaftsraum der global grösste. Das kann das Land, das nur Verbündete (unter seiner Fuchtel) und Konkurrenten kennt, nicht akzeptieren. Doch die anstehenden Probleme unserer Zeit sowie die Weiterentwicklung der Demokratie lassen sich nur durch Kooperation, nicht durch Konkurrenz lösen.

    1
  • am 22.01.2022 um 23:59 Uhr
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    Danke Ihnen Herr Simon für diesen Artikel und Herr Zumach für Ihre konstruktiven Bemühungen um Lösungsmöglichkeiten! Manchmal ist es schier zum Verzweifeln, wenn man im persönlichen Umfeld sieht, wie diese systematisch verkürzte (ab 2014) und sehr einseitige politische Erzählung und der ebenfalls systematisch auf Präsident Putin und damit indirekt ganz Russland regelrecht geschürte Hass auf fast allen grossen Kanälen zunehmend «Früchte» trägt in unserer Bevölkerung.
    Dass zu wirklicher Befriedung von Konflikten im Grossen und Kleinen die legitimen Anliegen aller Beteiligten zumindest wahrgenommen werden müssen, ist hinreichend bekannt. Russland hat seine Anliegen als Verhandlungsgrundlage gegenüber USA und NATO formuliert. Offenbar gibt es seit Wochen keine adäquate Reaktion darauf seitens des Westens. Was sind eigentlich die Anliegen unserer Bundesrepublik Deutschland in dieser Angelegenheit? Sich bedingungslos hinter die Interessen der USA zu stellen? Ich persönlich erwarte jedenfalls von «meiner» Bundesregierung, dass sie sich ehrlich einsetzt für Verstehen und Frieden in Europa (und der Welt), Frieden, nicht Überlegenheit im militärischen und wirtschaftlichen Druck, für gute, ehrliche, belastbare und gegenseitig förderliche Beziehungen zu unseren Nachbarn im gemeinsamen Europäischen Haus, dass sie der historischen Verantwortung gerecht wird gegenüber ALLEN Völkern der ehemaligen SU, und dass sie weitere Waffenlieferungen zumal in Konfliktgebiete zu verhindern versucht!

    1
  • am 23.01.2022 um 11:31 Uhr
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    Herr Simon, ich habe Ihren Bericht nun zum zweiten Mal sorgfältig gelesen, und mir wiederum gesagt: «Das ist ja vernünftig, was dieser Mann vorschlägt.» Doch erst jetzt dämmert es mir, dass Leute wie Sie das Problem sind: Sie sind ein Spaltpilz,und Sie müssen sich nicht wundern, wenn Sie ins Visier der US-Geheimdienste geraten, denn diese sind ja letztlich allein für die Aufrechterhaltung einer dankbaren, echt demütigen und unterwürfigen Stimmung der Deutschen gegenüber den US-Waffenfabrikanten verantwortlich, also offiziell zuständig.
    Jetzt hat doch der in seiner Heimat so von allen Seiten bedrängte Herr Biden endlich erreicht, dass die europ. Staatschefs (inkl. CH-BR), wie ein Mann hinter ihm stehen (die Frauen machen da grossartig mit).
    In Deutschland hatte JB allerdings leichtes Spiel: Die US-Präsidenten dürfen seit je Drohnen mit der tödlichen Fracht von deutschem Boden aus in die entferntesten Winkel der Erde lenken; nun wollen Sie, Herr Simon, dass der neue Kanzler rechtsumkehrt macht und die unerschütterliche Hass-Einheit zugunsten der Vernunft verlässt, und den Russen signalisieren solle:
    Wir wollen wirklich den Frieden bewahren und auch Ihnen ein Leben ohne die Dauerbedrohung durch die NATO-Generäle ermöglichen! Denn die NATO ist daran, sich in ein Friedensbündnis zu verwandeln.
    Aber was sollen denn diese auf Aggression getrimmten Militärs anderes machen? Und die US-Rüstungsindustrie braucht dringend Übungsgelände in Russland; dort wohnen jasowieso nur Slawen!

    2
    • am 23.01.2022 um 12:02 Uhr
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      1) Ich referiere nur, wie Herr Zumach die Situation einordnet und DASS Herr Zumach – entgegen der meisten sonstigen Einordnungen – versucht, konkrete VORSCHLÄGE für eine De-Eskalation zu machen.
      2) Aber natürlich haben Sie recht: Indem ich Herrn Zumachs Einschätzungen teile und begrüsse, könnte ich womöglich für gewisse Kreise als «Spaltpilz» gesehen werden …

      1
    • am 23.01.2022 um 12:44 Uhr
      Permalink

      In der aktuellen Januar-Ausgabe des „Welttrends“- Journals wird das „westliche“ Völkerrecht in seiner kolonialistischen Ausprägung besprochen. Den beachtenswerten Beitrag fasst Snanews hier zusammen: https://snanews.de/20220123/westliches-voelkerrecht-nur-korrupter-kolonialismus-magazin-mit-kritischem-blick-auf-weltpolitik-5092486.html. Unter anderem weist der Beitrag auch auf die „willkürliche, verfassungs-und gesetzwidrige Schenkung“ der Krim an die Ukraine durch Chruschtschow im Jahr 1954 hin. Weder wurde die Bevölkerung gefragt, noch die Zustimmung des Obersten Sowjet in Moskau und in Kiew ersucht. In der westlichen Darstellung wird dies nie angesprochen, das Pferd wird immer nur von hinten aufgezäumt, wonach das Referendum im Jahr 2014 nicht im Einklang mit der ukrainischen Verfassung gestanden habe. Auch die Auflösung der Sowjetunion, wodurch die Ukraine erst ein souveräner Staat wurde, entsprach nicht dem Recht und der Verfassung der Sowjetunion. Ihre Auflösung durch 3 Personen hat im Westen noch nie einen Kommentator gestört. Die gescheiterte Absicht des Westens, die russische Schwarzmeerflotte in Sewastopol durch einen NATO-Stützpunkt zu ersetzen und Russland zum Objekt von Willkür und Erpressung zu machen, ist der Grund des doppelmoralischen Standpunkts, wonach von „Annexion“ der Krim gesprochen wird.

      1
  • am 23.01.2022 um 15:04 Uhr
    Permalink

    Nichts einigt so sehr wie ein gemeinsamer Feind. Die Russen helfen heute die zentrifugalen Kräfte in der EU zurückzubinden. Wir müssen jetzt zusammenstehen gegen einen bösen Aggressor. Zudem ist die westliche Rüstungsindustrie nach dem Wegfall von Afghanistan auf neue Kunden angewiesen. Die Frage nach den Nutzniessern der westlichen Politik sollte daher auch diskutiert werden.

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