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Eine Handvoll Unternehmen verursacht den Grossteil des weltweiten Plastikmülls. © Break free from Plastic

Plastikmüll: Immer die Gleichen

Daniela Gschweng /  Recycling hin, Greenwashing her, an den Top 10 der grössten globalen Verschmutzer mit Plastik ändert sich wenig.

Branchenweit an der Spitze – und dies seit Jahren: Das würde sich so manches Unternehmen wünschen. Für die Coca-Cola Company ist es in diesem Fall aber eher peinlich. Der Getränkehersteller führt das vierte Mal in Folge die Plastikmüll-Charts an und lässt dabei den Zweitplatzierten PepsiCo deutlich hinter sich.

Das berichtet die Dachorganisation «Break free from Plastic», die jedes Jahr Mitte September weltweit eine Müllzählung durchführt, bei der Freiwillige in mehr als 50 Ländern Plastikmüll sammeln und zählen

Trotz der wegen Corona schwierigen Bedingungen kam in diesem Jahr nicht weniger Plastikmüll zusammen als 2020, schreibt die Organisation in ihrer Auswertung 2021.

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Müllsammeln im September 2021 in Bang Kra Chao, Bangkok, Thailand.

Etwa drei Fünftel des gesammelten Abfalls lassen sich einem Hersteller zuordnen. Aus der Anzahl der Länder, in denen eine Marke im Müll auftaucht, und aus dem absoluten Müllaufkommen erstellt die Organisation dann ein Ranking. Repräsentativ ist das nicht, durch die grosse Anzahl und die jährliche Wiederholung hat das «Brand Audit», wie «Break free from Plastic» es nennt, aber eine gewisse Aussagekraft.

Seit der ersten Zählung 2018 hat sich die Tabelle der globalen Plastikmüllschleudern nur wenig verändert, was einige Unternehmen in Erklärungsnot bringen dürfte. In den Top 10 stehen trotz aller Müllvermeidungs- und Recyclingversprechen noch immer dieselben Konzerne, ganz vorne Coca-Cola, PepsiCo und Nestlé. Auffallend ist dabei der grosse Abstand, den Coca-Cola (19‘826 Stück) mit doppelt so viel Müll zum Nächstplatzierten PepsiCo (8231 Stück) hat.

Break free from Plastic Brand Audit – Top 10 Plastikverschmutzer global


2018201920202021
1Coca-Cola Coca-Cola Coca-Cola Coca-Cola
2PepsiCo Nestlé PepsiCo PepsiCo
3Nestlé PepsiCo Nestlé Unilever
4DanoneMondelez Int. Unilever Nestlé
5Mondelez Int.Unilever Mondelez Int. Procter&Gamble
6Procter&Gamble MarsMarsMondelez Int.
7Unilever Procter&Gamble Procter&Gamble Philip Morris
8Perfetti van MelleColgate-Palmolive Philip MorrisDanone
9MarsPhilip MorrisColgate-Palmolive Mars
10Colgate-Palmolive Perfetti van Melle Perfetti van Melle Colgate-Palmolive
Im Ranking änderte sich nur wenig: die Top-Plastikverschmutzer weltweit nach den Brand Audit Reports von «Break free from Plastic» (Daten: Break free from Plastic, Tabelle: Infosperber)

2021, hatte Coca-Cola im vergangenen Jahr angekündigt, sollen Getränkeflaschen weltweit zu einem Viertel und in einigen Ländern vollständig aus Recyclingplastik bestehen. Das ist selbst in Gegenden mit funktionierendem Pfandsystem ambitioniert. PepsiCo kündigte an, die Verwendung von Neuplastik bis 2030 zu halbieren.

Ein grösserer Recyclinganteil freilich ändert wenig, wenn gleichzeitig die Gesamtmenge steigt. Die Anzahl der gezählten Plastikmüllstücke von Coca-Cola habe sich seit 2018 verdoppelt, führt «Break free from Plastic» auf, was aufgrund der Methodik nur ein Anhaltspunkt ist, aber deutlich macht, dass sich wenig zum Guten geändert hat. Nach Schätzungen wird sich die globale Plastikproduktion bis 2035 gegenüber 2019 verdoppelt haben.  

Lobbyismus verhindert Recyclingsystem, besser wäre ohnehin Mehrweg

Nicht nur die Coca-Cola Company engagiert sich zudem in Organisationen, die ein Pfandsystem in Ländern, in denen keines existiert, möglichst verhindern wollen. Von Mehrweglösungen wollen die meisten Konzerne noch immer nichts wissen.

Wieviel ein funktionierendes Rückgabesystem ausmacht, zeigt die Einzelanalyse für die Schweiz. Die drei grössten Plastikverschmutzer sind hier Philip Morris International, Parisienne und an dritter Stelle Coca-Cola, was darauf hindeutet, dass die Müllsammelnden vor allem Zigarettenkippen gefunden haben. Im vergangenen Jahr stand Coca-Cola vor Danone und Migros allerdings an erster Stelle. Wegen der geringen Menge von mehreren hundert zuordenbaren Gegenständen sind die Zahlen mit Vorsicht zu betrachten.

Top 3 Plastikverschmutzer Schweiz

2018201920202021
Mehrere(80)Red Bull(751)Coca-Cola(255)Philip Morris(577)
Nestlé(71)Feldschlösschen(72)Danone(145)Parisienne(191)
Coca-Cola(47)Coca-Cola(63)Migros(119)Coca-Cola(152)
Die Top 3 der Plastikverschmutzer in der Schweiz seit 2018 nach dem Brand Audit von «Break free from Plastic», Zahlen in Klammern bezeichnen die gefundene Stückzahl. (Daten: Break free from Plastic, Tabelle: Infosperber)

Ressourcen- und klimaschonender und wesentlich umweltfreundlicher wäre ohnehin der Umstieg auf Mehrweg-Produkte, dafür treten Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) oder Greenpeace seit Jahren ein. Oder wenigstens mehr Transparenz seitens der Hersteller.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

goldstein

Plastik-Abfälle für die Ewigkeit

Kunststoffmüll wird zum Problem künftiger Generationen. Weltweit gelangen fast 80% in Umwelt und Deponien.

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5 Meinungen

  • am 10.12.2021 um 12:07 Uhr
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    Danke, sehr gut!
    Zusätzlich könnte noch erwähnt werden, dass die meisten dieserart verpackten Nahrungs-/Genussmittel eher gesundheitsschädlich sind.
    Das Abfall-Ranking wird in der Werbung gerne in ein positives Licht gerückt, selbst wenn das Ranking miserabel ist. Es werden dann die winzigsten Verbesserungen hervorgehoben und als vorbildlich verkauft. Von «ganz-extrem-schlecht» zu «mässig-extrem-schlecht» ist doch auch ein fortschrittlicher Akt für den Umweltschutz…
    So auch die Zementindustrie, welche alleine etwa die gleiche Menge CO2 emmitiert wie die gesamte Mobilität zu Land, Wasser und Luft, nämlich ca 8% des antropogenen Anteils.
    Dann wird ehrgebietend verkündet, die Zementindustrie tue etwas vorbildliches. Ja, sie plant (erst) durch eine neue Rezeptur mit Tonanteil, die CO2-Bilanz um 30% zu verbessern. Schön, doch das dauert viele Jahrzehnte, derweil der Absatz von Zement ungebremst weiter wächst – klar muss alles unendlich wachsen, angeblich auch für den «Klimaschutz».
    Beton sparsamer und gezielter verwenden wäre wirksamer für Mensch und Natur.

    1
  • am 11.12.2021 um 00:25 Uhr
    Permalink

    Solche Rankings tragen wenig zu einer Lösung des weltweiten Plastikmüllproblems bei. Wollte man dieses ernsthaft angehen, so müsste man eine Art Marschallplan für den weltweiten Bau von Kehrichtverbrennungsanlagen fordern.

    1
  • am 11.12.2021 um 01:05 Uhr
    Permalink

    Eine Riesen-Umweltbelastung sind die Hunderte von Millionen Zigaretten-Stummel, die jedes Jahr an Bahnhöfen zwischen den Geleisen landen, an Bushaltestellen, auf Strassen und Plätzen, und dies weltweit. Ein einziger Zigarettenstummel – gelangt er ins Gewässer, vergiftet 400 Liter Wasser.
    Aufklärung, Information auf allen Ebenen wäre dringend.
    Zum Plastik: Wer in Asien einen Shoppingtempel besucht sieht, wie die Leute jedes kleine Item in Plastiksäcke einpacken; sie verlassen den Shop mit einem Dutzend kaum gefüllten Plastiktüten. Am Rande von Nebenstrassen liegen sie dann zu Tausenden. So z.B. auch in Bangkok. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Information zu Umweltthemen. Die Regierung ist unfähig.

    0
  • am 11.12.2021 um 11:02 Uhr
    Permalink

    Was leider immer übersehen wird bei solchen Darstellungen, das ist, dass es die einzelnen M e n s c h e n sind, welche mit den Plastikverpackungen, etc. nicht sachgemäss umgehen und sie entsorgen.

    1
    • am 11.12.2021 um 22:24 Uhr
      Permalink

      Völlig richtig. Wer hierzulande Plastik in der Natur entsorgt, betreibt Littering, also eine Straftat. In vielen Schwellenländern (vgl. obiges Beispiel Bangkok) gibt es zwar ähnliche Lieferketten wie bei uns, aber keine vergleichbare Abfallentsorgung. Deshalb die obige Bemerkung, dass Kehrichtverbrennungsanlagen gebaut werden müssen. Es liegt hier ein Systemversagen vor, dem mit Appellen an individuelle Verhaltensänderung nicht entscheidend beizukommen ist.

      0

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