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Erneut Kämpfe zwischen Israeli und Palästeninensern in Jerusalem. Auslöser waren Umsiedlungen im Osten der Stadt - die Gebäude gehörten angeblich Israel. © al Jazeera

Israel – Palästinenser: Schrecklich deprimierend vorhersehbar

Erich Gysling /  Vom Unrecht des Stärkeren – und der Frage, wen dieser Konflikt noch bewegt.

Es ist alles schrecklich deprimierend vorhersehbar: Hamas wird aus dem Gazastreifen weitere Raketen auf Israel abfeuern; Israel wird jeden Angriff massiv vergelten; in Jerusalem werden Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte sich mindestens sporadisch immer neu  bekämpfen; die palästinensische Führung wird sich hinter Mauern verschanzen, um keine Wahlen durchführen zu müssen – und die israelische Regierung, mit oder ohne Netanyahu, wird weiterhin taktieren zwischen den Forderungen der Kräfte rund um die mächtige Siedlerbewegung und jenen politisch schwachen Kreisen, welche eine gemässigtere Strategie gegenüber den Palästinensern verlangen. Westliche Regierungen werden (ebenfalls weiterhin, es langweilt wohl schon fast alle Leserinnen/Leser weltweit) so genannte Zurückhaltung aller Beteiligten fordern. Und die tonangebenden arabischen Regime (Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate in erster Linie) werden bei jedem neuen Gewaltausbruch ihrer Empörung über Israel Ausdruck geben, dann für einige Zeit schweigen, um danach zum courant normal zurück zu finden, der konkret beinhaltet: «Wir sind solidarisch mit den Palästinensern, mit Muslimen überhaupt, in Wirklichkeit aber anerkennen wir die Realitäten, d.h. die Stärke Israels und die Möglichkeiten, dank Beziehungen mit Israel Bündnispartner der USA zu bleiben.»

Human Rights Watch brandmarkte kürzlich Israel mit dem Begriff «Apartheid». Über zeitgeschichtliche Vergleiche kann gestritten werden – aber wie, mit welch anderem Ausdruck soll beispielsweise dieser Fall bezeichnet werden (er ist ein Mosaik- oder Dominostein in der aktuellen Konfliktgemengelage in Jerusalem).

Israelische Gerichte stützen «Recht auf Rücknahme»

Jüdische Siedlerorganisationen haben vor israelischen Gerichten durchgesetzt, dass demnächst mehrere palästinensische Familien aus ihren Häusern im Bezirk Sheikh Jarrah, Ostjerusalem, vertrieben werden. Die Begründung: Das Grundstück, auf dem sich die betreffenden Häuser befinden, sei 1876 von einer jüdischen Stiftung gekauft worden. Aber 1948 eroberte Jordanien den Ostteil von Jerusalem und liess dort Wohnungen für palästinensische Flüchtlinge errichten, die aus dem Gebiet des neuen Staates Israel vertrieben worden waren. 1967 jedoch eroberte Israel, im Sechs-Tage-Krieg, u.a. den Ostteil Jerusalems. Und seither versuchen gewisse israelische Organisationen (im konkreten Fall finanziert von Sympathisanten in den USA), bei Gerichten in Israel ein Recht auf „Rücknahme“ entsprechender Häuser / Wohnungen / Grundstücke durchzusetzen. Oft mit Erfolg.

Das ist die eine Seite der Medaille – die andere müsste fairerweise wohl lauten, dass auch Palästinenser, die früher einmal, auf dem Gebiet Israels, ein Haus, eine Wohnung, ein Grundstück ihr Eigen nannten, ein Recht auf die Wiederinbesitznahme des entsprechenden Objekts hätten. Aber: Fehlanzeige, ein solches Recht gibt es nicht. Weshalb? Weil auf diese Frage keine Antwort gegeben wird, brandmarkt, wie erwähnt, Human Rights Watch Israel als Apartheid-Staat.

Der israelisch-palästinensische Konflikt beruht, auf der Mikro-Ebene, aus solchen und ähnlichen Problemen – hierzulande würden wir salopp vielleicht sagen: «aus Juristenfutter». Das gilt auch für viele Dispute um Rechte in dem von Israel besetzten Westjordanland – sie  gehen auf kulturhistorisch unterschiedliche Vorstellungen und Praktiken zurück. Konkret: in der weit verbreiteten arabischen Tradition, also auch jener der Palästinenser, wurden die Rechte für das Land, das Terrain, jahrhundertelang mehrheitlich nicht für einen Besitz in westlichem Sinn erteilt, sondern lediglich für die Nutzung, beispielsweise für Weiderechte oder für den Ertrag aus den kultivierten Feldfrüchten. Das Land blieb zumindest theoretisch im Besitz der Allgemeinheit – aber das, was auf dem Land gebaut wurde, Häuser etc., das wurde als Privatbesitz anerkannt.

Warum ist das jetzt von Bedeutung? Weil dieses verschiedenartige Verständnis von Rechten auf Land, auf ein Grundstück, dazu führt, dass Israel im Gebiet der Palästinenser oft argumentiert, es gäbe da keine juristisch belegbaren «Titel». Also könne sich der israelische Staat das entsprechende Terrain ohne Verletzung irgendwelcher Ansprüche als «berechtigt» deklarieren. So wurde in vielen Fällen, beispielsweise, der israelische Anspruch auf Ländereien begründet, auf denen im Westjordanland israelische Siedlungen (die sich mehrheitlich zu veritablen Kleinstädten entwickelten) gebaut wurden.

In der gegenwärtigen Eskalations-Spirale wirken verschiedene Kräfte auf verhängnisvolle Weise ineinander:  Empörung vieler Palästinenser über die Verdrängung aus Quartieren in Ost-Jerusalem; Härte des Vorgehens der israelischen Truppen gegen Ansammlungen von Palästinensern rund um die al-Aqsa-Moschee; Frustration vorwiegend bei jugendlichen Palästinensern über die eigene, vergreiste Fatah-Führung; Suche nach Profilierung von Seiten des Wahl-Halbverlierers Netanyahu; Rivalität zwischen den palästinensischen Kräften Fatah und Hamas. Und, bei den Menschen im Gazastreifen, diesem hoffnungslos übervölkerten Mini-Gebiet (360 km2, fast zwei Millionen Menschen), offenkundig ein Gefühl von täglich steigender Hoffnungslosigkeit.

Internationales Desinteresse

Plus: Ratlosigkeit und letzten Endes auch Desinteresse international. Gilt wohl auch für die Schweiz – wer will wirklich noch, ausführlich, in unseren Medien Beiträge über die Palästinenser lesen, hören, sehen? Man blättere nur einmal durch die Zeitungen vom Dienstag, 11. Mai, dem Tag, an dem 24 Menschen im Gazastreifen durch israelische Raketen starben und über hundert in Jerusalem verletzt wurden? An dem, wieder, Raketen aus Gaza in israelischen Städten einschlugen? In den Nachrichtensendungen von Radio SRF gab es mehrheitlich noch kleine Hinweise, zumindest am Vormittag schienen allerdings so genannte Reportagen über die Arbeit von Reinigungskräften in ein paar Städten der Schweiz viel interessanter. Und um die Mittagszeit wurden die Probleme in Nahost ohnehin überlagert durch Videos / Meldungen über einen Amoklauf in Kazan, Russland.

So wird es wohl weiter gehen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

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Atommacht Israel und ihre Feinde

Teufelskreis: Aggressive Politik auf allen Seiten festigt die Macht der Hardliner bei den jeweiligen Gegnern.

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19 Meinungen

  • am 12.05.2021 um 12:09 Uhr
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    Die Schweizer Medien und Politik erwecken den Eindruck stehts auf der Seite der für ihre Rechte kämpfenden Bevölkerungen zu stehen. Doch umgehend vermeiden sie es, den Kampf der Palästinenser. als Kampf um Menschenrechte zu bezeichnen und schon gar, ihn zu unterstützen. Er dauert schon über 100 Jahre und fordert fast täglich Menschenleben. Statt gegen den wirklichen Unterdrücker, das skrupellose europäische Besatzer- und Unterdrückerregime Israel Stellung zu beziehen unterstützen alle westlichen Regierungen und deren Bildungs- resp. Intellektuellenschicht, all unsere Parteien, Medien, Institutionen und etablierten Organisationen und dergleichen letztlich Israel. Die angeblich so freiheitsliebende Schweiz steht voll und ganz hinter einem der skrupellosesten Unterdrücker, dem rassistischen, zionistischen Apartheitsregime Israel. Der Einfluss, die Macht und die Allgegenwart der Israel-Lobby in der Schweiz wird tunlichst verschwiegen.

    Grösste Hochachtung den jungen Palästinensern in ihrem Kampf für Menschenrechte sowie dem Engagement der jüdisch-israelischen Menschenrechtsaktivisten Zuckermann, Levy, Halper und anderen mehr. Tiefste Verachtung unseren erbärmlich kuschenden Medien (vor allem dem seit über 70 Jahre zionistische Propaganda betreibenden Schweizer Radio und Fernsehen), den Politikern und Intellektuellen mit ihren Krokodilstränen denen jegliche Würde und Friedenswillen abgeht.

    Moshe Zuckermann
    https://www.youtube.com/watch?v=iL9cRxJQh5Q&t=36s

    3
  • am 12.05.2021 um 12:17 Uhr
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    Nur ein paar Bemerkungen: Die Beschreibung der alten Landrechtsregelung ist wichtig um den Landraub zu illustrieren. Alles was zuvor Allmende war und wofür es naheliegenderweise keine Besitzurkunden gibt, wurde von den Zionisten beschlagnahmt. Die Haltung der arabischen Regierungen – besser vom Westen alimentierte Diktaturen – ist nicht die der arabischen Bevölkerung, die sich den PalästinenserInnen verbunden fühlt. Weshalb die palästinensische Führung in der Frage der Wahlen zögern ist nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass Israel den palästinensischen BewohnerInnen Ostjerusalems nicht erlaubt an ihrem Wohnort abzustimmen und dies – über die Checkpoints seiner Armee – in Dörfern der Umgebung tun sollen. Das ist Symbolik, aber es zeigt die Absicht auf, sie früher oder später aus Jerusalem zu vertreiben auf. Der Kern des Konfliktes ist die schleichend vorangehende ethnische Säuberung mit dem aktuellen Beispiel Sheikh Jarrah. Das darf so nicht weiter gehen, also müssen Sanktionen her, wie in vergleichbaren Fällen auch.

    2
  • am 12.05.2021 um 13:08 Uhr
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    Das Recht des Stärkeren – und Sieger-Justiz könnte ein Natur-Gesetz sein. Pflanzen tun es. Tiere tun es. Aber es gibt auch Zusammen-Arbeit und Kooperationen «in der Natur».

    Die seitherigen Ansätze, Menschen-Rechte, Völker-Rechte FEST-zu-schreiben und Humanität und Menschen-Würde einklagbar zu machen brachten deshalb viel zu wenig, weil die Mächtigen sich trotzdem dauernd, unbestrafbar, weil unangreifbar, «dürfen trauen»diese Gesetzlichkeiten zu «um-gehen».

    Gegen dieses Dilemma gibt es noch kein Rezept. Ausser, dass auch die «Falken» begreifen, dass sie dabei sind, den eigenen Ast abzusägen.Leider.

    Internet, totale Überwachung. Ok, macht mächtig. Den «neuen Adel».
    Aber auch der «alte Adel» war -aus nachvollziehbar besten Gründen- über Jahrhunderte überzeugt, «alles im Griff zu haben».

    Geschichte? Nichts draus gelernt? Drum wiederholt sichs!

    Ein Lösungs-Ansatz könnte sein, mit «Mächten» so zu verfahren, wie -teils- mit wachsenden Gross-Konzernen:

    Dass die Grösse der Macht
    limitiert wird
    und letztendlich Kooperationen und «Zukäufe» untersagt werden.

    Wenn es beispielsweise 7 (sieben) annähernd gleich grosse Staaten und Blöcke gäbe
    -«gleich gross» hinsichtlich der Möglichkeiten, Macht auszuüben-
    so wäre die Wahrscheinlichkeit immer wiederkehrender «Unterwerfungen» minimierbar.

    Mann hofft, Mann träumt,
    dass die «Falken» nicht noch lange immer mehr triumphieren –
    und die «Tauben» stärker, fruchtbarer werden, sich vermehren und vereinen!

    Wolf Gerlach, Ingenieur

    0
    • am 23.05.2021 um 18:29 Uhr
      Permalink

      Woher kommt die MACHT der «Überlegenen» ? Von wem haben sie diese Macht in die Hände bekommen ?

      Darf man an Eisenhower erinnern, der vor dem militärisch-industriellem Komplex gewarnt hat – bei weitem KEIN Kommunist, sondern Teil der Klasse des Kapitals. Und genau an der Stelle fängt das Problem an. Zuerst sollten alle Rüstungsbetriebe verstaatlicht werden. Dadurch würden sich 1, die Ausgaben für Rüstungsgüter drastisch verringern, da der Staat keine Gewinne machen muß, keine privaten Profite und 2.wenn der Staat für sich selbst produziert, brauchte es keine Banken, keine «Vermittler» die Provision und Bestechnungsgelder «brauchen».

      Wenn erst mal keiner mehr an der Produktion von Waffen privaten Gewinn erwirtschaften kann, gibt es kaum noch Jemanden der an Kriegen Interesse haben wird.

      Das trifft für ALLE Kriege auf der Welt zu, das trifft darauf zu, Angst vor Überfällen, hochzustilisieren, damit Waffen gekauft werden.

      Da aber die Politiker in der Mehrzahl von Rüstungsbossen und Bankern gekauft sind, sie von denen ausgesucht werden, Länder zu regieren, können diese nicht gegen IHRE eigenen Herren vor gehen, Das Volk, der Souverän, hat bei der Auswahl der Kandidaten nur wenig zu sagen, da seine STIMME bei der Wahl mittels Propaganda gelenkt wird und selten den tatsächlichen Interessen der Stimmgeber entspricht.

      0
  • am 12.05.2021 um 13:57 Uhr
    Permalink

    «Ratlosigkeit und letzten Endes auch Desinteresse international» stimmt so nicht wirklich.
    Seit Jahren gibts einen zunehmenden Trend von progressiv-linken Stimmen, Politiker aber auch progressiv-jüdischen Organisationen wie Jewish Voice for Peace, die sich lautstark aussprechen. Bernie Sanders, Elizabeth Warren, Pramila Jayapal, AOC und etliche andere US Abgeordnete haben bereits Statements abgegeben. Ausserdem erreichen europäische Politiker wie Jürgen Todenhöfer und Jeremy Corbyn Zuspruch von Zehntausenden. Neben Grössen die sich seit Jahren für die Palästinenser einsetzten (Roger Waters, Yanis Varoufakis, Naomi Klein, Angela Davis, Cornel West, Judith Butler, Brian Eno, Ken Loach etc), haben sich teilweise erstmals Internationale Superstars geäussert wie bspw. Mark Ruffalo, Bella Hadid, Trevor Noah. Schade, dass Sie alle diese Stimmen nicht wahrnehmen.

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  • am 12.05.2021 um 14:31 Uhr
    Permalink

    Danke für diesen interessanten Beitrag. Ich denke, man sollte aber vor allem die palästinensische Seite nicht aus den Augen lassen. Aus meiner Sicht beginnt eine mögliche Deeskalation damit, dass sowohl die Hamas als auch die PLO das Existenzrecht Israels anerkennt. Beide Organisationen haben als ihr oberstes Ziel die Vernichtung Israels. Und das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Frieden. Man darf auch wissen, dass bei den Kindern der Palästinenser Comics sehr beliebt sind wo die «Helden» Jagd auf Israelis respektive Juden machen. Das trägt sicher auch nicht zu einer Befriedung bei. Es ist auch noch bemerkenswert, was im Gazastreifen passierte, als die Hamas an die Macht kam. Vorher lebten im Gazastreifen Muslime, Juden und Christen zusammen. Heute gibt es in diesem Gebiet keine Juden mehr und nur noch geschätzte 1’500 Christen, die jedoch ständigen Attacken ausgesetzt sind. Was die Hamas mit den restlichen Juden und Christen gemacht hat kann man sich ja ausmalen. Auch wenn ich die Politik Israels nicht korrekt finde muss man doch sehen, dass ein erster Schritt in Richtung Frieden von den Palästinensern kommen müsste. Aber da sind die Fronten so verhärtet und die Meinungen so fest implementiert dass ein Kurswechsel sehr, sehr schwierig ist…..

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  • am 12.05.2021 um 18:02 Uhr
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    Es ist zum Heulen und Zähneknirschen: Da lebt in der Schweiz ein so intelligenter, scharf beobachtender und selbstständig denkender Mensch, der sich Erich Gysling nennt, aber, lieber Herr Gysling, warum sind Sie nicht Politiker geworden, verflixt nochmal: Dann könnten wir nämlich stolz sein auf unsere Führung, und dann würde sich die Schweiz endlich einmal neutral verhalten, respektive sich einschalten. Vielen Dank, Herr Gysling, wenigsten können wir noch hier und da einen so klar formulierten Beitrag von Ihnen lesen, wenn Ihre Zeilen auch nichts ändern können. Aber wenigstens können doch einige Schweizerinnen und Schweizer solche von Seiten des Bundesrates längst fällige aber nie eintreffende, staatsmännische Stellungnahmen lesen und dankbar sein, dass solche Journalisten wenigstens noch einen Platz finden, um frei ihre Meinung zu äussern. Deshalb: Danke auch dem Infosperber-Team!

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  • am 12.05.2021 um 18:12 Uhr
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    Die Analysen des Autors Erich Gysling sind interessant, verfehlen jedoch den wesentlichen Punkt, wenn er «viele Dispute um Rechte auf kulturhistorisch unterschiedliche Vorstellungen und Praktiken» zurückführt. Sicher gibt es unterschiedliche Rechtsauffassungen, doch gilt im Fall der seit 1967 von Israel besetzt gehaltenen Gebiete, auch dem annektierten Ostjerusalem, das internationale Recht, das humanitäre Völkerrecht, wie es die Vierte Genfer Konvention massgeblich festgelegt hat: Die Besatzungsmacht darf keine Siedlungen bauen, um darin ihre Siedler zu installieren. Sie soll die Zivilbevölkerung schützen. Alle Vertragsstaaten sind dazu verpflichtet, insbesondere die widerrechtliche Kolonisierung durch die Siedler nicht zu begünstigen. Die Genfer Konventionen sind schweizerisches Gesetz. Die Schweiz verletzt es ganz konkret, indem sie zum Beispiel den Handel mit Waren zulässt, die in den illegalen israelischen Siedlungen hergestellt werden. Rund 50 Prozent des Wertes der aus Israel in die Schweiz eingeführten Güter haben ihren Ursprung in diesen völkerrechtswidrigen Siedlungen. Das ist vergleichbar mit der Wäscherei kriminell erwirtschafteter Gelder. Warum sind Schweizer Medien und die eidgenössische Politik so desinteressiert? Sie wollen nicht anerkennen, dass sie selber zu einem der Staaten gehören, die für Kriegsverbrechen und die ethnische Säuberung Palästinas, die seit 53 Jahren vor unseren Augen stattfindet, mitverantwortlich und rechenschaftspflichtig sind.

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  • am 13.05.2021 um 08:18 Uhr
    Permalink

    Kann man mit Bomben Frieden schaffen?
    Seit vielen Jahrzehnten stecken die Beteiligten fest. Es geht nicht vorwärts.
    Wäre es nicht an der Zeit, mal andere Lösungswege auszuprobieren?
    «Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin» (Berthold Brecht zugeschrieben)

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  • am 13.05.2021 um 10:10 Uhr
    Permalink

    Meine grösste Hochachtung für die mutige und glasklare Stellungnahme von Herrn Moshe Zuckermann im Youtube-Beitrag, dessen Link von Herrn Wick angegeben wurde. Es ist ein winziger Silberstreifen am Horizont, dass es vermehrt auch Israelis und andere jüdische Menschen aus anderen Ländern gibt, die die skrupellose, sich jeglicher Diskussion entziehende Politik Israels verurteilen. Dass Israel’s Führung einfach «alles» will, alle Rechte für sich beansprucht, den Palästinensern aber jegliche Rechte und jegliche Wertschätzung verweigert, ist ein Skandal. Und dass selbst die leisesten Ansätze von Kritik oder Hinterfragung automatisch als antisemitisch niedergetrampelt werden, verhindert jeglichen, sachlichen Austausch. Es scheint nur noch um Macht, Stärke, Überlegenheit und ums «Rechthaben um jeden Preis» zu gehen.

    Leider trifft das auch auf die palästinensische Führung zu, auch dort sind Leute am Hebel, die nur und ausschliesslich ihre persönliche Macht, ihren Vorteil und ihre Position im Auge haben. Aber vom so potenten, massiv stärkeren, einflussreicheren Land Israel, das sich als demokratisches und westliches Land versteht, das unsere westlichen Werte und unsere Kultur teilt, dürfte man doch mehr erwarten als das? Der Stärkere und Weisere bietet Hand, das wäre ein Signal von bewundernswerter Grösse.

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  • am 13.05.2021 um 10:40 Uhr
    Permalink

    Zusammengefasst: Die Palästinenserinnen und Palästinenser ziehen immer den Kürzeren. Zuerst waren sie die Speerspitze der arabischen Nationen, welche die Fremdlinge vertreiben wollten. Dann waren sie zunehmend auf sich selbst gestellt – und weiterhin Spielball diverser Mächte. Alles, was mir dazu einfällt: lausige Eliten.

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  • am 13.05.2021 um 15:41 Uhr
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    Der palästinensiche-israelische Konflikt ist ein Symptom für ein tiefer liegendes Problem: Das Fehlen des vierten Prinzips der Demokratie: Verantwortung. Ohne sie ist die Freiheit Chaos, die Gleichheit Anarchie, und die Solidarität Heuchelei. Der Grund für das Fehlen der Verantwortung ist die Priorität der Konkurrenz über die Kooperation. Doch das Fundament des Zusammen-lebens ist die Zusammen-arbeit, nicht die Konkurrenz. Das sehen wir täglich am Beispiel der Pandemie sowie in unserem Körper, der Krebs erzeugt, wenn sich einige Zellen mit den anderen konkurrenzieren. Est wenn sich die politische Devise «Zusammenarbeit mit Verantwortung» durchsetzt können wir auf eine bessere und gerechtere Welt hoffen.

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  • am 15.05.2021 um 13:19 Uhr
    Permalink

    @Herrn Derungs
    Weshalb hat eigentlich die Forderung nach einem ausdrücklichen Bekenntnis der PalästinenserInnen zum „Existenzrecht“ Israels einen derartigen Stellenwert? Israel ist existent und besitzt eine der potentesten Armeen der Welt. Seine Existenz ist folglich in keinster Weise in Frage gestellt. Könnte der Grund weshalb die PalästinenserInnen eine solche explizite (!) Anerkennung Israels verweigern nicht darin liegen, dass die Zionisten sich kategorisch weigern, die Grenzen ihres Landes festzulegen? Ist es plausibel oder nicht, dass sie in der Folge weitere Annexionen befürchten?

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  • am 16.05.2021 um 16:14 Uhr
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    Es wäre etwas weniger schrecklich, wenn wenigstens die starken religösen Kräfte der Regierungen das Talionsprinzip in ihren heiligen Schriften beachten würden, z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Auge_für_Auge in Tora und Bibel: „[…] so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ und ganz ähnlich im Koran.

    D.h. ein Geschädigter soll *nicht stärkere* Vergeltung ausüben. Aktuell ist die Israelische Regierung die mächtigste Kraft, und sie übt, in getöteten Menschen gerechnet, rund zehnfache Vergeltung aus statt wie gefordert einfache. Leider scheinen auch die oppositionellen Politiker, die aktuell den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung in Israel haben, nicht anders zu denken, bzw. nur Minderheiten sind für einen Friedensprozess zu haben.

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  • am 16.05.2021 um 19:16 Uhr
    Permalink

    Wenn Sie sich den beiliegenden Link angesehen haben, werden Sie verstehen, warum es mit der antisemitischen/nazi-ideologie-konformen palästinensischen Behörde keinen Frieden geben kann. Die Saat von Mufti Amin al-Husseini (1897 – 1974) ist aufgegangen. Gestern war es Arafat und heute Abbas, die Husseins hässliches Gedankengut weiterverbreiten, Herz und Sinn von Kindern und Jugendlichen vergifte – und dies schon seit Jahrzehnten. Die PA kennt nur die Sprache der Hetze und des Terrors. Israel kennt nichts anderes. Genau deshalb wurden Checkpoints und Antiterrorzäune (nur 3 – 5% davon ist Mauer) erstellt. Sie sind keine Schikanen. Sie dienen dazu, Terror zu verhindern.

    https://youtu.be/p3QzaBOakL4

    «Denn siehe, deine Feinde toben und die dich hassen, erheben das Haupt. Wider dein Volk machen sie listige Anschläge und ratschlagen wider deine Schützlinge. Sie sprechen: Wohlan, vertilgen wir sie, dass sie kein Volk mehr sind, dass Israels nicht mehr gedacht wird.“ Psalm 83, 3 – 5

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  • am 16.05.2021 um 19:19 Uhr
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    Wenn Sie sich den beiliegenden Link angesehen haben, werden Sie verstehen, warum es mit der antisemitischen/nazi-ideologie-konformen palästinensischen Behörde keinen Frieden geben kann. Die Saat von Mufti Amin al-Husseini (1897 – 1974) ist aufgegangen. Gestern war es Arafat und heute Abbas, die Husseins hässliches Gedankengut weiterverbreiten, Herz und Sinn von Kindern und Jugendlichen vergifte – und dies schon seit Jahrzehnten. Die PA kennt nur die Sprache der Hetze und des Terrors. Israel kennt nichts anderes. Genau deshalb wurden Checkpoints und Antiterrorzäune (nur 3 – 5% davon ist Mauer) erstellt. Sie sind keine Schikanen. Sie dienen dazu, Terror zu verhindern.

    https://youtu.be/p3QzaBOakL4

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  • am 17.05.2021 um 16:30 Uhr
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    Herzlichen Dank Erich Gyslin für den fundierten Artikel. 1965 habe ich während 6 Monaten im von deutschen Holocaust-Überlebenden geführten Kinderdorf «Ahavah» in Kirjat Bialik bei Haifa gearbeitet. Ich war begeistert von der Menschlichkeit, welche die Heimleitung, aber auch Nachbarn, lebten. 1967 ging ich während dem Sechstagekrieg erneut für 6 Monate nach Israel, Kibbuz Kfar Giladi. Hier erlebte ich nicht nur vorbildliche, meist ältere Israeli, sondern auch primitive israelische Soldaten. Noch schlimmer waren die jüdischen Zuwanderer aus den USA. Während diesem Aufenthalt hatte ich auch Kontakt mit Drusen und christlichen Palästinensern und musste dabei erfahren, dass diese Alteingesessenen als Bürger zweiter Klasse behandelt wurden. Israel hat es verpasst, diese Menschen zu integrieren und ihnen eine wichtige Vermittlerrolle zu den geflüchteten Palästinensern zu ermöglichen. Viele Holocaust-Überlebende würden sich ob dem heutigen Staat Israel schämen. Israel hat sich zu einem skrupellosen Apartheid-Staat entwickelt. Viele junge Palästinenser möchten sich von der ebenso skrupellosen Machtelite der Hamas und Fatah befreien. Von der Schweiz würde ich erwarten, dass sie sich mit den zukunftsorientierten Kräften auf beiden Seiten vernetzt und diese stärkt. Mit ihnen könnte die Chance für einen gemeinsamen Staat Israel/Palästina mit rechtlich gleichgestellten Bürgern gepackt werden. Militär und Krieg waren noch nie ein geeignete Mittel für Konfliktlösungen!

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  • am 22.05.2021 um 20:32 Uhr
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    Lieber Herr Ruch
    Auch ich war das erste Mal 1973 zwei Wochen vor dem Jom Kippur-Krieg für 7 Monate in Israel (Galiläa). Ihre Erfahrungen decken sich nicht mit den meinigen. Ich habe die Israeli – wie auch deren Soldaten – auf sehr positive Art und Weise erlebt. Mit der Behauptung ‚Apartheidstaat‘ stellen Sie sich in die antiisraelische Ecke, gibt es doch unzählige Beispiele, dass Israel anders tickt (Arbeitsalltag, Spitäler, öffentliche Transportmittel. Auch die Arbeitsverhältnisse in israelischen Firmen in Judäa/Samaria, wo für Palästinenser und Israeli die gleichen Bedingungen gelten!)
    Die Balfour-Erklärung von 1917 sah eine Einstaatenlösung vor. Die scheiterte jedoch an der feindlichen Haltung seitens der Araber und ihres Anführers Amin al-Husseini (der spätere Freund Hitlers und Himmlers! 1947 lehnten die Araber den UNO-Teilungsplan ab und antworteten mit einem Angriffskrieg durch fünf arabische Armeen. Es folgten weitere Angriffskriege. Die Palästinenser lehnten im Jahr 2000 und 2008 Israels grosszügige Friedensofferten ab. Kurz gesagt: Lesen Sie einfach die nach wie vor gültige PLO/Fatah-Charta, wo z.B. in Art. 9 zu lesen ist: „Der bewaffnete Kampf ist der einzige Weg zur Befreiung Palästinas“.

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  • am 23.05.2021 um 18:01 Uhr
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    Erich Gysling hat seinen Kommentar am 12. Mai 2021 geschrieben. Inzwischen hat ein neuer Krieg stattgefunden mit vielen Opfern und riesigen Schäden im Gazastreifen.
    Israel kann seine Politik gegenüber der arabischen Bevölkerung in der Westbank und im Kernland nur aufrechterhalten mit dem stillen Einverständnis des Westens. Sanktionen muss Israel deswegen nicht befürchten. Das will nicht heissen, dass die Politik der Hamas im Gazastreifen zu befürworten ist und die Raketenangriffe.
    Das kleine Israel hätte seine Kriege und jetzt wieder die Bombardierungen im Gazastreifen ohne die Waffenlieferungen der USA, Deutschlands, Italiens, Frankreichs und weiterer EU-Staaten nicht realisieren können. Die Panzer, die Kampfjets, die Bomben und Granaten, wurden zu einem grossen Teil im Ausland hergestellt. Der Einsatz dieses Kriegsmaterial Made in USA, Germany, EU hat diese vielen Opfer inGaza gefordert, hat Wohnhäuser, Spitäler, Wasser- und Abwasseranlagen und die Stromversorgung zerstört.
    Zum Beispiel Grossbritannien: Eine Untersuchung der britischen Kampagne gegen Waffenexport hat die Rolle aufgedeckt, die britisches Kriegsmaterial bei der Bombardierung Israels von Gaza gespielt hat.
    Regierungen, die diese Waffenlieferungen nach Israel bewilligt haben müssten zur Rechenschaft gezogen werden, beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Das Delikt: Beihilfe zum Mord, zum Massenmord. – Wer einem Terroristen eine Waffe oder Sprengstoff verkauft wird auch zur Rechenschaft gezogen.

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