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Kann ein Angebot des Westens Frieden in die Ukraine bringen? © Pixabay

Der Stärkere soll nachgeben und ein Friedensangebot machen!

Urs P. Gasche /  Europa schaut dem Grauen empört zu, anstatt zu versuchen, den Krieg mit einem zumutbaren Angebot zu beenden.

Die Ukraine wird zermalmt

Britischer Ex-General Richard Barrons, NZZaS 6.3.2022

Die Folgen des Krieges sind Tote, Verletzte, Vertriebene, zerstörte Lebenswerke, auseinandergerissene soziale Lebensgemeinschaften, kaputte Infrastrukturen und Wohnhäuser, Elend und jahrelange Rachegefühle. 

Doch niemand stoppt diesen fürchterlichen Krieg. Das Zuschauen ist nicht zum Aushalten. 

Noch so viele Hilfs- und Waffenlieferungen an die Ukraine und selbst die drastischen Sanktionen stoppen weder die russische Armee noch bewahren sie die Bevölkerung vor unermesslichem Leid. 

Die Nato kann die Russen nicht militärisch stoppen, weder am Boden noch im Luftraum. Zu gefährlich wäre eine direkte Konfrontation mit Russland. Für die ukrainische Bevölkerung ist dies eine Katastrophe.

Treffen und Telefonate mit Präsident Putin erwecken den Eindruck, westliche Politiker täten für den Frieden das Menschenmögliche. Doch diese Gespräche führen zu nichts, weil die Nato die Forderung Putins nach einer NATO-freien Ukraine noch immer zurückweist. Maximalforderungen stehen Maximalforderungen gegenüber.


Einen ernsthaften Versuch unternehmen

Mit einem Entgegenkommen an Russland könnten die USA, Europa und die Ukraine einen ernsthaften Versuch unternehmen, um den Krieg sofort zu beenden. Es läge dann an Putin, ebenfalls von seinen Maximalforderungen zurückzutreten.

Als die weitaus stärkere Seite kann der Westen einen wichtigen Schritt entgegenkommen, ohne die Sicherheit Europas und der Ukraine zu gefährden: Die Ukraine soll ein neutrales Land werden, das weder einem Bündnis angehört noch schwere Waffen auf seinem Territorium duldet. Ein solches Angebot an Russland, verbunden mit einem sofortigen Waffenstillstand, wäre längst fällig. Ob es den Krieg beenden würde, ist nicht sicher. Aber Putin sähe eine wichtige Forderung erfüllt und könnte sein Gesicht wahren. 

Kein Land hat ein Recht, der NATO beizutreten. Denn dem Beitritt eines Staates müssen sämtliche NATO-Staaten zustimmen. Die NATO müsste jetzt einen Beitritt der Ukraine ausschliessen. Das ist keine unzumutbare Konzession, wenn es darum geht, die Not und das Elend dieses Krieges zu stoppen. Im Gegenteil: Es ist lediglich der Verzicht auf einen Wunsch der Ukraine, der in absehbarer Zeit ohnehin nicht durchgesetzt werden kann.

Vielleicht hätte Putin vor Lancierung seines Angriffskriegs eingelenkt, falls die europäischen NATO-Partner nicht ständig und stur daran festgehalten hätten, dass die Ukraine wie jedes andere Land das Recht habe, dem Militärbündnis beizutreten. Aber diese Chance wurde vertan.

Jetzt geht es um den Versuch, den Krieg zu beenden und weiteren verheerenden Schaden zu vermeiden. «Der Stärkere gibt nach», lernt man bereits als Kind. Die Angst vor einem Gesichts-und Prestigeverlust darf niemals ein Grund sein, um zu versuchen, einen Krieg zu beenden. Einem Gegner muss ermöglicht werden, sein Gesicht zu wahren. Ob Putin einlenken würde, bleibt natürlich offen.

Der grossen Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung wäre ein Friede unter Bedingung der Neutralität heute sicher lieber, als zuzusehen, wie ihr Land zerstört wird und unter russischen Einfluss gerät. 

Eine neutrale Ukraine kann eine westliche Gesellschaftsform wählen. Das Schicksal der Krim und des Donbass kann mit überwachten Abstimmungen über verschiedene Zukunftsvarianten demokratisch gelöst werden.


Der Westen muss dem Grauen nicht alternativlos zuschauen

Der Versuch einer Einigung ist ein Gebot der Stunde. Denn die unmittelbaren und längerfristigen Folgen des Krieges sind masslos.

Der ukrainischen Bevölkerung, die Bomben ausgesetzt ist und in Massen flüchtet, wird ein enormes Mitgefühl entgegengebracht. Doch noch so offene Grenzen und eine noch so grosse Hilfsbereitschaft für Millionen von Flüchtenden können diesen Krieg und die Zerstörung der Ukraine nicht stoppen. 

Putin in die Ecke eines Dämonen und Psychopathen zu stellen, stoppt den Krieg nicht, sondern verstärkt den falschen Eindruck, der Westen sei dazu verdammt, dem Fortgang des Krieges tatenlos zuzusehen.

Das Ausmass des Elends führen die Medien täglich vor Augen. Es ist kaum zu ertragen, dass die westlichen Regierungen angeblich alternativlos nur zuschauen. Auch rational ist es nicht nachzuvollziehen, dass das Angebot einer neutralen, westlich orientierten Ukraine ein zu hoher Preis sein soll. Natürlich müsste Putin einlenken. Aber damit er einlenken kann, muss das Angebot zuerst auf den Tisch.

Die Ukraine erhielte eine Chance, von weiteren Folgen dieses Krieges verschont zu bleiben. Und die Menschheit erhielte die Chance, vor unabsehbaren Kollateralschäden eines anhaltenden Krieges bewahrt zu werden.


Wenn der Westen kein Angebot macht und Putin nicht einlenkt


Katastrophen für unzählige Menschen:

  • Mehrere tausend Tote und noch mehr Verletzte.
  • Millionen von Flüchtlingen und getrennte Familien.
  • Die Infrastruktur eines riesigen Landes wird zerstört.
  • Ukrainische Grossstädte riskieren eine Zerbombung und Zerstörung wie im tschetschenischen Grosny, im syrischen Aleppo oder im irakischen Mossul.

Unkontrollierbare Risiken:

Klimakrise

Statt alle Kräfte und genügend Ressourcen für Massnahmen gegen die bedrohliche Klimakrise zu bündeln, werden Abermilliarden für Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau verwendet.

Stark gestiegene Weizenpreise 
Sie können in Nordafrika zu Hunger, Aufständen und noch mehr Flüchtlingen führen. Nordafrika bezieht über die Hälfte des Getreidebedarfs aus Russland und der Ukraine (Quelle: Syngenta).

Stark gestiegene Heizöl- Gas- und Benzinpreise 
Sie können in den USA zu Wahlverlusten der Demokraten führen, so dass Präsident Biden ein Lame Duck wird. In Europa können Öl, Gas und Benzin die Inflation so stark anheizen, dass einige Länder politisch ins Wanken kommen.

Das krisenanfällige Finanzsystem
Die Notenbanken FED und EZB können sich zu Zinserhöhungen gezwungen sehen. Das treibt einige Länder und einige Finanzinstitute in den Ruin – mit unabsehbaren politischen und sozialen Folgen.

Aufrüstung
Statt über Abrüstungen zu verhandeln rüstet Westeuropa gewaltig auf – zur Freude des Militärisch-Industriellen-Komplexes in den USA und in Europa.

Alle diese unkontrollierbaren Risiken müssen einen Versuch wert sein, Russland das Angebot einer neutralen, von schweren Waffen befreiten Ukraine zu machen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte noch näher an Russland. Russland führt einen rücksichtslosen Angriffskrieg und missachtet das internationale Kriegsrecht.

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33 Meinungen

  • am 8.03.2022 um 11:16 Uhr
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    Gut gemeint aber…
    Nicht „der Stärkere gibt nach“ (das wäre himmlisch!) sondern der Klügere – so lernten Kinder.
    Das Problem liegt aber darin, dass der Diktator auf lebenszeit nicht Angst vor der NATO sondern vor freien Bürgern, der Demokratie hat.
    Und hier weiss der KGB-Mann ganz genau, dass er da niemals Konzessionen machen kann.
    Solange Putin an der Macht ist, werden wir mit einer neuen Epoche wie jener vor 1989 leben müssen.

    16
    • am 9.03.2022 um 09:22 Uhr
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      Mit Ihrer Einschätzung der Situation kann ich nicht übereinstimmen. Womöglich wurden sie einseitig informiert.( Literaturhinweise: M. Rosenberg, non violence communications an strategie. Schulz von Thun: Miteinander Reden Band 1 + 2 ) Der Stärkere hat immer die grössere Verantwortung. Klugheit kann nicht von Stärke getrennt werden, sie ist ein Aspekt von Stärke. Der Spruch, der Klügere gibt nach, kann je nach Situation Missverständnisse schaffen. Friedensangebote sind dazu da, nicht um nach zu geben, sondern um gemeinsame Lösungen zu finden wo alle Beteiligten Gewinner sein können.

      1
  • am 8.03.2022 um 11:24 Uhr
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    Ein Versuch wäre es allemal Wert. Danke. Heidi Zingg Knöpfli

    0
  • am 8.03.2022 um 11:39 Uhr
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    Wer könnte Urs Gasche nicht zustimmen? Doch wenn ein Angriffskrieg erst einmal in Gang gesetzt ist, folgen die Aktionen und Reaktionen anderen Gesetzen und Logiken als in Nicht-Kriegzeiten. Eine totale Kapitulation allein könnte die Kriegsmaschine stoppen. Doch diese Entscheidung kann nur die ukrainische Gesellschaft selbst treffen, nicht irgendwelche äußeren Mächte. Insofern müssen wir, soweit wir nicht selbst zur aktiven Kriegspartei werden wollen, mit dem Gefühl der Ohnmacht leben. Im Moment ist es wichtig, die vielen Flüchtlinge aufzunehmen und zu beschützen, die ukrainischen Verteidiger zu unterstützen und die russischen Aggressoren zu sanktionieren und zu isolieren.

    9
    • am 8.03.2022 um 22:56 Uhr
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      @Frank Linnhoff : Sehe nicht ein, wieso das Neutralitäts-Angebot kein guter Versuch wäre und wie Sie auf die absolut formulierte Idee kommen:
      „… Eine totale Kapitulation allein könnte die Kriegsmaschine stoppen. …» ?

      0
    • am 9.03.2022 um 13:08 Uhr
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      @ Frank Linnhoff
      Sie vereinfachen! – alleine schon dadurch, dass sie vom Ukrainischen Volk reden, denn dieses ist tief geteilt! Eine Möglichkeit der Differenzierung ist der objektive oder geglaubte Beginn des Bürgerkrieges.
      Wer glaubt, Krieg gäbe es erst seit Februar 2022, und eindeutig durch Russland, der stellt sich auf die Seite des gewaltverherrlichenden und von der NATO unterstützten Bandera-NS-Rechts-Blocks.
      Um zur Erkenntnis zu gelangen, dass der Krieg mit dem Putsch auf dem Majdan mit dem unaufgeklärten Masaker durch die wahrscheinlich gedungenen Scharfschützen begonnen hat, muss nicht unbedingt Putin-Versteher sein. Es genügt die Berichte von BBS, Time, ARD aus den Jahren 2014 bis 2018 über die Machenschaften der Faschisten zu konsultieren!
      Es ist leider ein Bürgerkrieg, der vom grössten Imperium schamlos zu einem Stellvertreterkrieg gemacht wird!

      0
  • am 8.03.2022 um 12:23 Uhr
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    Ist die Forderung nach einer Ukraine ohne Nato eine Maximalforderung? Hat nicht Russland die Eintritte vieler Länder entgegen den Versicherungen der USA akzeptiert?
    Wie Sie das schön aufzeichnen, ist die Ukraine kein wesentlicher Akteur, sondern es sind die USA, die EU und die NATO. Putins Reden tönen vernünftiger und wahrer als die Reden fast aller anderen Staatspräsidenten. Dass antirussische Emotionen durch westliches Geld massiv befördert werden, dass der Staat den faschistischen Gruppen (Asov-Regiment…) nichts entgegensetzt, die Vorkommnisse in Kiev und Odessa nicht aufklärt, Minderheiten im Land nicht schützt (Sprache, Religion), ist offensichtlich. Die USA bestimmt die Politik der Ukraine und will offensichtlich seit 8 Jahren Krieg. Und was ist mit den unzähligen Biolabors? Ich wäre an Putins Stelle auch besorgt und wüsste gerne, was die USA an seiner Stelle gemacht hätten, was diejenigen gemacht hätten, die ihn als unberechenbaren Irren bezeichnen… Christian Müller fehlt.

    5
    • am 9.03.2022 um 00:22 Uhr
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      Selbst wenn die Ukraine in der Nato wäre: Russland hat niemals irgendwelche territorialen Angriffe von seiten der Nato zu befürchten. Das weiss natürlich auch Putin. Sein vorgeschobenes russisches «Sicherheitsbedürfnis» verschleiert nur seine wahren Ambitionen: Er möchte als Wiederhersteller des imperialen Grossrusslands in die Geschichte eingehen. Als ruhmvoller Nachfolger der Zaren. Darunter geht es für ihn als durchgedrehten Narzissten (und gekränkten Ex-KBG-Agenten) nicht.
      Allerdings merkt Putin inzwischen, dass er den Widerstand des Westens und der Ukrainer schwer unterschätzt hat. Und dass er sich selber in eine desaströse Lage hineinmanövriert hat. Ihm einen gesichtswahrenden Rückzieher in Form einer ukrainischen Neutralitätszusage anzubieten, wäre tatsächlich einen Versuch wert. Denn jeder Tag weniger von diesem Krieg ist ein gewonnener Tag.

      14
    • am 9.03.2022 um 08:48 Uhr
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      Furcht und Angst sind ja auch subjektive Wahrnehmungen. Die Nato hat immerhin einige völkerrechtswidrigen Angriffskriege hinter sich: Serbien, Afghanistan, Irak. Und das Nato-Land Türkei hat ein grösseres Kurdengebiet in Nordsyrien annektiert.

      1
  • am 8.03.2022 um 12:40 Uhr
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    Grüezi Herr Gasche
    Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Ich sehe auch keinen anderen Weg.

    Bei den unkontollierbaren Risiken ging vergessen, dass durch einen Unterbruch der Gasversorgung nach Deutschland, aus welchem Grund auch immer, die deutschen Gaskraftwerke zur Stromproduktion ausfallen.
    Dieser Ausfall würde mit extrem grosser Wahrscheinlichkeit zum Ausfall der europäischen Stromversorgung führen, da diese zur Stabilisierung des Netzes benötigt werden.
    Nach einem solchen Totalasufall hätte die Schweiz nach meinem Kentnisstand die grössten Schwierigkeiten ihr Netz wieder hoch zu fahren. Es dürfte tagelang dauern.
    Gerne liefere ich Ihnen weitere Infos dazu (Enefco.eu)
    Mit konstruktiven Grüssen

    0
  • am 8.03.2022 um 13:25 Uhr
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    Lieber Herr Gasche. Ich habe viel Sympathie für Ihren Vorschlag. Aber geht es Putin wirklich um die NATO-Bedrohung oder ist das nur vorgeschoben, um gegen die Zivilgesellschaft in den russischsprachigen Nachbarstaaten vorzugehen? Putin ist ein Autokrat, für den jeder Demokratieprozess nur akzeptierbar ist, solange er ihn kontrollieren kann, so wie auf der Krim. Deshalb seine komprommislose Bekämpfung aller zivilgesellschaftlichen Aktivitäten (wie zB unabhängige Presse in Russland, Memorial) und Unterstützung der brutalen Unterdrückungsregimes in Tschetschenien und Weissrussland. Was ihm noch fehlt ist ein analoges Regime in der Ukraine. Insofern versteht Putin unter «Neutralität» sicher nicht eine demokratisch legitimierte (d.h. von ihm ungelenkte) Regierung. Jede Regierung, welche ihm nicht hörig ist, ist dann automatisch eine Naziregierung.
    Mit Ihrem Vorschlag, müsste Putin Farbe bekennen und von dem her, wäre es tatsächlich ein Versuch wert. Aber er wird wohl erst Fakten schaffen.

    16
  • am 8.03.2022 um 13:48 Uhr
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    Gratuliere Herr Gasche, Ihr Beitrag ist der Beste, den ich auf Infosperber sei jeher gelesen habe. So ist es, die USA sind gefordert, sie wähnen sich ja ohnehin immer als die Stärkeren! Aber sie lassen andere für ihre Stärke kämpfen….., wie töricht! Was spricht denn gegen eine Ukraine, welche vor der Uno-Vollversammlung ihren immerwährenden Nicht-Beitritt zur Nato öffentlich deklariert? Dann muss auch Russland liefern! Wir sprechen nicht über den Donbass,wird sprechen nicht über die Krim, wir sprechen nicht über einen EU-Beitritt der Ukraine, aber warum soll die Ukraine nicht der EU beitreten?
    Der Krieg hat ultima subito zu stoppen, dies ist die Weltgemeinschaft der ukrainischen Bevölkerung schuldig! Und die USA und die EU gehören zur Weltgemeinschaft, warum schläft Jo Biden im Weissen Haus noch immer??

    2
  • am 8.03.2022 um 14:57 Uhr
    Permalink

    Eine neutrale Ukraine ist für beide Blöcke ein realistischer Lösungsansatz. Nehmen wir doch die Schweiz am Wienerkongress von 1815 als Vorbild. Die damaligen Mächte, unter Führung des Zarenreiches, wollten eine neutrale Pufferzone zwischen Frankreich und dem Habsburgerreich. Dabei sahen sie eine bewaffnete Neutralität vor. Der tief verankerte Föderalismus half uns Schweizerinnen und Schweizer eine starke Nation zu bilden. Dieser Föderalismus kann auch die verschiedenen Volksgruppen und Sprachen in der Ukraine zu einer prosperierenden Nation zusammen schweissen.
    Aus unserer Geschichte heraus ist es also die Aufgabe der Schweiz, den Ukrainern diese Lösung zu erläutern und zum Durchbruch verhelfen.

    0
    • am 9.03.2022 um 06:21 Uhr
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      Christian Looser ist beizupflichten, eine neutrale Ukraine nach dem Vorbild der Schweiz ist die einzige Lösung und dies ohne Nato Beitritt! Es gibt kein Recht für eine grosses Land sich einem «Verteidigungs-Angriffbündnis» anzuschliessen, ausser die Welt riskiert einen 3. Weltkrieg und da wird die ganze Welt tangiert sein. Armageddon rückt tatsächlich näher. «Wer anderen eine Grube gräbt, fliegt selbst hinein!»..

      0
    • am 9.03.2022 um 19:02 Uhr
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      Bravo Herr Loser, ich kann mit Ihrer Sichtweise übereinstimmen. Eine neutrale Ukraine, die Schweiz könnte mithelfen so etwas in Gang zu bringen, und dabei ihre Neutralität wieder stärken, ihren Ruf als Mediator wieder herstellen, und zurückkehren zu Humanität und Helvetia neu auferstehen lassen.

      0
  • am 8.03.2022 um 15:58 Uhr
    Permalink

    Mich bestürzt es, wie in diesem Beitrag «Russland» mit «Putin» gleichgestellt wird. Wie aus Putins Willen Russlands Wille wird. Es widerstrebt mir, Russland als Grossmacht zu akzeptieren, vor der ich mich fürchten soll und muss, als sei es gottgegeben. Wie der Autor jetzt, nach der hinterhältigen Aggression, für ein «Entgegenkommen» gegenüber Putin wirbt, kann ich nur als Auswirkungen eines Stockholm-Syndroms bezeichnen. Wer jetzt die Ukraine auffordert, sich bedingungslos zu unterwerfen (und auf das läuft es unweigerlich heraus), tritt die aktuelle Weltordnung und das Völkerrecht mit Füssen. Das wird Schule machen. Und bevor jetzt alle mit dem Irak, mit Libyen, Ex-Jugoslawien und Afghanistan kommen: Im Gegensatz zu diesen Ländern ist die Ukraine ein Land, das grundsätzlich funktioniert und in Frieden mit all seinen Nachbarn leben kann.

    15
    • am 9.03.2022 um 02:37 Uhr
      Permalink

      @Manuel Pestalozzi: Wie meinen Sie «grundsätzlich funktioniert»? Das ist doch nicht Ihr Ernst? Seit 8 Jahren Krieg, teils bettelarme, herzliche Menschen, verfallene Infrastruktur, während sich Eliten die Taschen füllen, ein offenbar staatlich zumindest tolerierter Raubbau am Naturerbe, das bisher durch dunkelste Episoden gerettet werden konnte, Polizisten, die (verständlicherweise) wie Wegelagerer versuchen, an Devisen zu kommen … um nur ein paar Beispiele zu nennen.
      Und bevor Sie am Ende womöglich schreiben, ich wolle damit den Krieg rechtfertigen: NEIN, das tue ich explizit nicht. Krieg ist menschenverachtend, brutal, und wird viele dieser Situationen wohl nur verschlimmern.
      Aber ich halte es für zynisch, jetzt Rechthaberei in Sachen Völkerrecht (das scheint mir ohnehin alles sehr relativ zu sein) auf dem Rücken der Menschen in der Ukraine auszutragen. Genau das geschieht aber gerade jetzt.
      Schnellstmögliche Beendigung der Gewalt muss jetzt das erste Gebot der Stunde sein!

      0
  • am 8.03.2022 um 16:29 Uhr
    Permalink

    Dieser Vorschlag setzt voraus, dass Putin die Ukraine als ein souveränes Land anerkennt. Dies hat er explizit in Abrede gestellt.

    8
  • am 8.03.2022 um 16:39 Uhr
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    Aus diesem Artikel spricht, wie schon so oft in den letzten Monaten bei Urs.P. Gasche, die Stimme der Vernunft. Wenn man Putin (und Lawrov) in den letzten Jahren wirklich zugehört hat, statt sie zu dämonisieren, hat man Grund zur Hoffnung, dass so ein Vorschlag im Kreml Gehör finden könnte. Könnten doch nur eine Handvoll Grossverleger und Geopolitiker den hier dargelegten Standpunkt mit Verve vertreten!

    0
  • am 8.03.2022 um 16:41 Uhr
    Permalink

    Ich tendiere eher, dass die USA anfangen, verdeckt Waffen und Personal ohne Abzeichen, Söldner von Academy oder IS-Terroristen an die Ukraine zu liefern, um den Konflikt am Köcheln zu halten. Die USA sind ja fast am Ende ihrer Träume. Könnte es sein, dass sie in der Ukraine ein zweites Afghanistan anstreben und Russland wie damals die Sowjetunion in den Ruin treiben wollen? Ganz nach Brezinskis Vorstellungen?

    1
  • am 8.03.2022 um 17:24 Uhr
    Permalink

    Es ist doch Unsinn zu glauben, es gehe Putin um die Osterweiterung der NATO, das ist nur ein Vorwand. Putin hat Angst vor der Osterweiterung der Demokratie, nachdem deutliche Signale kürzlich auf der Strasse in Minsk ausgesendet wurden. Kein Land hat das Recht über ein anderes Land zu bestimmen. Auch nicht, welchem Bündnis ein souveräner Staat angehören will.

    15
  • am 8.03.2022 um 17:24 Uhr
    Permalink

    Diesem Vorschlag kann ich mich nur anschliessen.

    Meiner Meinung nach gehört Herr Putin wegen seinem Überfall auf die Ukraine vor Gericht gestellt, wie so viele andere Präsidenten auch, die illegale Kriege führten. Der Grund für sein Tun ist aber ersichtlich und es ist sehr wohl anzunehmen, dass er diesen Krieg beendet, wenn der Grund weg ist. Die sehr einseitige Betrachtung, es gäbe keine Bedrohung für Russland durch die NATO und der Westen könne demzufolge auch nichts tun, ist schlicht faktenbefreit und ideologisch geprägt. Geopolitisch Gebildete wissen, dass die Ukraine der zentrale Staat ist wenn es darum geht, Russland zu schwächen. Egal wie man ideologisch geprägt ist, Fakt ist: Putin wird schlicht alles dafür tun damit die Ukraine, speziell die Ostukraine, kein NATO-Gebiet wird. Wer Frieden will fordert nicht nur Putin, sondern auch die NATO zum Rückzug auf. Alles andere ist, egal ob Putin- oder NATO-Freund, Kriegsfördernd

    1
  • am 8.03.2022 um 17:56 Uhr
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Gasche – Sie haben recht, es zerreisst viele von uns fast vor dem täglichen Grauen, das auf uns einprasselt. Aber ist die Lösung wirklich so ‹einfach›, wie Sie es darstellen?
    Putin will das grossrussische (bzw die Sowjetunion ohne Sowjet.) Reich wieder herstellen – wie können Sie sicher sein, dass er bei der Ukraine stoppt? Ich bin es nicht.
    Putin will die Ukraine als Nation, als Ethnie, auslöschen? wie können Sie nur ansatzweise sicher sein, dass er auch bei einem solchen Angebot stoppt, sich zurückzieht? Ich bin es nicht.
    Der Wunsch nach Demokratie, nach freier Entwicklung, ist die grösste Gefahr der Kleptokratenriege um Putin – können wir nur irgendwie sicher sein, dass mit ihrem Vorschlag für Russland auch langfristig Hoffnung besteht? Ich bin es nicht.
    Mit solchen Vorschlägen fallen wir den Ukrainern, die für ihre Freiheit kämpfen, einfach nur in den Rücken. Zuviel ist schon zerstört, zuviel Leid hat Russland nunin der Ukraine nach 90 Jahren ERNEUT verursacht.

    12
  • am 8.03.2022 um 17:59 Uhr
    Permalink

    Leider,leider,leider kann der Westen nicht. Schließlich haben die USA mit ihrer Erklärung im Falle des Angriffs von Rußland der Ukraine keinen militärischen Beistand oder Unterstützung zu geben diesen Krieg mit provoziert.
    Wie sieht denn das aus,wenn sie jetzt plötzlich sagen:halt,halt war nicht so gemeint.
    Dann kriegen sie Rußland nie von der Backe,sprich von der geopolitischenLandkarte.

    9
  • am 8.03.2022 um 20:02 Uhr
    Permalink

    Danke, Herr Gasche, für Ihren zielführenden Vorschlag. Endlich eine Sicht mit Perspektive. Eigentlich naheliegend und pragmatisch. Die Befangenheit mancher Politiker in dieser vertrackten Situation ist schwer zu ertragen. Auf dem hohen Ross thronend verliert man gerne die Bodenhaftung.

    0
  • am 8.03.2022 um 22:34 Uhr
    Permalink

    Ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag, er war überfällig und entspricht m.E. auch sinngemäß der Friedenslogik, auf die ich in einem früheren Kommentar hingewiesen hatte. Nicht nur als militärisch und wirtschaftlich stärkere Seite empfände ich es angemessen für den Westen, den ersten Schritt in Bezug auf ein ernsthaftes Angebot zu tun, sondern auch, weil der Westen als «Gewinner» des kalten Krieges Russland von gleichberechtigter Mitwirkung an einer Europäischen Neuordnung ausgeschlossen hat.
    Jetzt muss es Gebot der Stunde sein, alles Mögliche zu versuchen, um die brutale Gewalt zu stoppen – nicht nur um das unfassbare Leid (auch Traumatisierungen die an die nächsten Generationen weitergegeben werden!) zu mindern, sondern auch, um nicht alle Chancen auf ein friedliches Zusammenleben in Europa für Generationen wieder zunichte zu machen!
    Dass Christian Müller nicht mehr im Boot ist, bedaure ich sehr – gerade durch seine Beiträge hatte ich Infosperber erst kennen und schätzen gelernt.

    0
  • am 8.03.2022 um 22:38 Uhr
    Permalink

    Ein weiteres Desaster der Nationalstaaten, die Regionen auf Teufel komm raus zusammenhalten wollen. Ein Europa der Regionen, denen Souveränität zusteht. Raus aus dem Globalisierungswahnsinn und raus aus den von Kriegen gesetzten Grenzen. Der Geschmack, der Dialekt, die Musik einer Region, all das macht Sinn fürs einfache, selbstbestimmte Leben. Ein Traum? Das einzige uns bleibende Zukunftsmodell.

    1
  • am 8.03.2022 um 22:58 Uhr
    Permalink

    Ich finde es zynisch, die Sicherheitsbedürftnisse Russlands eine Maximalforderung zu nennen!
    Wir wissen nicht, welche konkrete Erkenntnis Putin zu diesem drastischen Eingreifen veranlasst hat. Gewiss weiss er viel direkter als die fernen US-Deep State Strategen, WAS Krieg im Nachbarland bedeutet.
    Es muss eine extrem gefährliche Entwicklung für Russland gewesen sein, welche nach seiner Einschätzung nicht auf andere Art abgewendet werden konnte.
    Ich vermute, seine Entscheidung hat etwas mit dem vom Ukraine-Regime/»Rechten Sektor»/US-CIA-NATO-Unterstützung zu tun hat.
    Wir werden hoffentlich erfahren, was es mit dem erbeuteten NATO-Laptop auf sich hat.

    Hätte der «Russische Diktator» bis am 8. März warten sollen?
    Zynisch handelten Poroschenke und Selenskyj durch die völlige Nichtbeachtung der Minsker Vereinbarungen, mitschuldig sind auch alle Unterstützer dieser Politik!
    Der Krieg begann 2014 es gab genug Zeit für schlauere Lösungen.
    BBC & ARD berichteten auch früh genug!

    1
    • am 9.03.2022 um 16:52 Uhr
      Permalink

      @Urs Lachenmeier
      «Es muss eine extrem gefährliche Entwicklung für Russland gewesen sein, welche nach seiner Einschätzung nicht auf andere Art abgewendet werden konnte.»

      Ja, wirklich demokratische Wahlen und eine starke Zivilgesellschaft. Beide lösen im Alleinherrscher Putin offenbar existentielle Ängste aus. Deshalb kommt für ihn nur noch der erzwungene Regimechange in Frage. Und er ist offenbar bereit und gewillt, Kiev dazu in Schutt und Asche zu bomben (analog zu Grosny). Hauptsache sein Widersacher Selenski wird ruhig gestellt.

      3
  • am 9.03.2022 um 10:57 Uhr
    Permalink

    So viele kluge Vorschläge! Bloß sind sie leider nicht umsetzbar, weil die europäischen Staaten – von den USA dominiert – die Realitäten nicht anerkennen wollen und dürfen, da sei Biden vor. Wenn ein Staat, und zumal noch eine militärische Weltmacht, seine elementaren Sicherheitsbedürfnisse verletzt sieht, wird er Gegenmaßnahmen einleiten, wie die USA 1962 mit Kuba. Was dem einen recht ist, muss dem anderen billig sein. Ich lehne Kriege als ultima ratio oder Fortsetzung der Politik auf das Schärfste ab, aber ich bin auch nicht zuständig für die Interessen des größten Landes der Erde.

    0
  • am 9.03.2022 um 13:58 Uhr
    Permalink

    Warum in aller Welt soll «der Westen» ein Angebot machen? Was will die Ukraine selber, ist doch die Frage. Wenn die Ukraine ein neutrales Land sein will, ist sie immer noch in der Lage, selbst ein entsprechendes Angebot zu machen – Herr Selenski hat sich in dieser Richtung ja auch tatsächlich schon geäussert. (Inwieweit Herr Putin darauf eingehen wird – inwieweit, wie in anderen Kommentaren schon geschrieben, es überhaupt das ist, was er eigentlich will – ist natürlich wieder dahingestellt.)
    Dass die Grossmächte untereinander über das Schicksal der Kleinen verhandeln, ohne letztere nach ihrer Meinung zu fragen, war wohl gelebte Praxis im 19. Jahrhundert, und es entspricht ohne Zweifel auch Putins Sichweise – aber im Westen ist es heute doch wohl zumindest theoretisch etwas anders…

    3
    • am 10.03.2022 um 12:19 Uhr
      Permalink

      Der Westen hat ganz klare Interessen an der Ukraine. Putin würde ziemlich sicher eine wirklich souveräne, NATO-freie und unabhängige Ukraine akzeptieren. Der Westen nicht.

      Zu ihrer Äusserung bzl. Selenskjy: Er hat sich vor den Friedensgesprächen vor allem dahin gehend geäussert, dass ein möglicher EU-Beitritt der Ukraine Bedingung bleibt. Damit waren die Friedensverhandlungen bereits zum Scheitern verurteilt.

      Und zu guter Letzt:
      Das was die herrschende Machtelite will, ist nicht zwingend das, was das Land/Volk will. Was will denn «die» Ukraine? Ich vermute, einfach frieden und ein anständiges Leben. Mehr wollen die Meisten wohl gar nicht. Dafür braucht es zwei Bedingungen: Rückzug der NATO, Rückzug Putins.

      0
  • am 11.03.2022 um 07:42 Uhr
    Permalink

    Angesichts der möglichen Folgen eines andauernden Krieges (völlig zerstörtes Land, Flüchtlingsdruck, ausfallende Getreideernte, Atom-Gau etc.) und auch sonst scheint mir das skizzierte Vorgehen, das einzig richtige zu sein. Dieser von Herrn Gasche skizzierte Zugang zur Lösung des Konflikts würde unmittelbar den Tatbeweis aller Parteien einfordern. Putin müsste auf den Einfluss in seinem südlichen Nachbarland verzichten und könnte dafür beweisen, dass es ihm wirklich nur um die Sicherheit geht. Die Nato könnte das einlösen, was sie versprochen hat, nämlich auf die Osterweiterung zu verzichten. Und die Ukraine müsste von beiden Seiten unterstützt die Probleme im eigenen Land angehen und lösen, was bei einer solchen Konstellation auch möglich wäre.

    0

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