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Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher. In der täglichen Sendung «SRF Börse» können sich fast nur Firmenchefs und Bankanalysten äussern. Kein Wunder: Diese Informationssendung des «linkslastigen» Fernsehens wird von Banken und Finanzinstituten gesponsert. Auch die SRF-Sendung «Eco Talk» lässt mehrheitlich Wirtschaftsvertreter ein. © srf

SRG: Linksopposition oder doch eher Sprachrohr der Regierung?

upg. /  Thomas Matter, Initiator der SVP-Halbierungsinitiative, wirft der SRG «Linksdrall» vor – ohne Beweise. Die Forschung widerspricht.

SVP-Nationalrat Thomas Matter vertritt als Präsident einer Bank die Interessen der Finanzindustrie. Über ein ganzseitiges Interview mit Matter setzten die Tamedia-Zeitungen den Titel «Wollen Sie mir ernsthaft sagen, dass die SRG keinen Linksdrall hat»?

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Die «Tages-Anzeiger»-Redaktorinnen Anja Burri und Claudia Blumer liessen die provozierende Frage von Matter stehen, ohne von Matter konkrete Beispiele für den angeblichen Linksdrall einzufordern.

SRF-Sendungen schaue er «praktisch keine mehr», meinte Matter. Er schalte den Fernseher nur «bei einem interessanten Dokfilm oder auch bei Sportereignissen» ein. Trotzdem fuhr er fort: «Bei jeder Nachrichtensendung weiss ich innert zwei Minuten, wie der Moderator politisch tickt, wegen seiner Bemerkungen und Seitenhiebe.»

Nach konkreten Beispielen des «Linksdralls» wurde Matter im ganzseitigen Interview nicht gefragt. Er sehe einen Hinweis für die «Linkslastigkeit» darin, dass «SP und Grüne unsere Initiative bis aufs Blut bekämpfen». Das war alles.


Die Medienforschung widerspricht

Man kann der SRG kaum eine politische Schlagseite nach links vorwerfen. Häufig verbreitet beispielsweise die SRF-Tagesschau unbedarft Stellungnahmen der bürgerlichen Mehrheiten in Exekutiven und von Regierungsbehörden.

Die relevante Medienforschung sieht keinerlei «Linksdrall»:

  • Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich hat die Berichterstattung von 23 grossen Schweizer Medien vor 44 Volksabstimmungen der Jahre 2018 bis 2023 untersucht und kam zum Schluss, dass sich SRF und RTS als unparteiliche Berichterstatter profilieren. SRF würde bei Abstimmungen politisch neutral berichten und bilde die politische Mehrheit der Stimmbevölkerung ab.
    Studien zeigten, so das fög weiter, dass Medien bei gesellschaftspolitischen Vorlagen wie «Ehe für alle» oder der Pflegeinitiative tendenziell positiver berichten als bei repressiven Sicherheits- oder Migrationsvorlagen. Das entspreche gesellschaftlichen Trends und habe nichts mit parteipolitischer Ausrichtung zu tun.
    Das fög sei eben selber «linkslastig», entgegnen Exponenten der Halbierungsinitiative aus dem Bauch heraus. Die Logik: Wer bei der SRG keinen «Linksdrall» feststellt, hat selber einen Linksdrall.
  • Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich hatte schon 2014 Daten der VOX-Analysen ausgewertet und kam zum Schluss: «Es gibt keine empirische Evidenz für die Linkslastigkeit der SRG.» 
    Die politische Linke und Mitte würden sich selbst benachteiligt sehen: «Sie bemängeln, dass in Diskussionssendungen wie der ‹Arena› Repräsentanten der SVP bevorzugt würden und der Themenfokus häufig mit der SVP-Agenda übereinstimme.
  • Falls die SRG die Rolle als Vierte Gewalt im Staat ausfüllen soll, muss sie Schwachstellen und Filz offenlegen und fragwürdige Entscheide von Bundesrat, Parlament und Kantonsregierungen kritisch hinterfragen. Weil diese exekutiven Behörden in den meisten Fällen bürgerlich dominiert sind, kann ihnen die Kritik in den falschen Hals geraten. – Allerdings informiert die SRG eher regierungsnah.
  • Der Mittelwert der Selbsteinstufung aller befragten Journalistinnen und Journalisten liegt auf einer 0–10‑Skala (0 ganz links, 10 ganz rechts) bei 4.02, also leicht links der Mitte, jedoch nicht «drei Viertel links», wie einige Medien berichtet hatten.
  • Doch selbst eine leicht linke durchschnittliche Selbsteinstufung in Redaktionen bedeutet keinen parteiisch linken Output, weil professionelle Normen wie Trennung von Nachricht und Kommentar, redaktionelle Kontrolle, Ombudsverfahren und Beschwerdestelle dagegenstehen. Den Kurs bestimmen ohnehin die Programmdirektion und die Chefredaktion.

Laut Medienanalysen ist der Vorwurf eines «linken Staatsfernsehens» in vielen europäischen Ländern ein strategisches Instrument rechter Parteien, um öffentlich‑rechtliche Medien unter Druck zu setzen.

In der Schweiz wurde dieses Narrativ bereits im Umfeld von No‑Billag genutzt. Das IPZ argumentiert, dass es weniger um eine empirische Diagnose gehe als um eine politisch motivierte Delegitimierung des Service Public.


«Die SRG vernachlässigt die Städte und informiert zu stark von ‹oben›»

Matthias Zehnder, ehemaliger Chefredaktor der «Basellandschaftlichen Zeitung» und heute Präsident des Vereins «Bajour», welcher diese ergänzende Online-Zeitung herausgibt, hatte bereits 2021 in «Bajour» festgestellt:

«Viel wichtiger als links oder rechts ist heute oben oder unten. Man könnte also SRF den Vorwurf machen, dass SRF sich in Diskussionssendungen zu sehr auf eine gesellschaftliche Oberschicht konzentriert und schlecht ausgebildete Menschen oder Armutsbetroffene zu wenig zu Wort kommen lässt.
Ähnliches gilt für den Gegensatz zwischen Stadt und Land. Nicht nur in gesellschaftspolitischen Fragen öffnet sich die Schere zwischen progressiven Städten und dem konservativen Land immer mehr. In der politischen Schweiz ist die Landbevölkerung strukturell bevorteilt: Das Ständemehr und die Zweiervertretung der Kantone im Ständerat verschaffen ländlichen Kantonen mehr Macht und Einfluss als den Städten.
So wie die SVP dem Schweizer Fernsehen vorwirft, links zu sein, könnte man vorwerfen, SRF sei zu sehr auf eine mittelalterliche, ländliche Bevölkerung ausgerichtet und lasse die jungen, progressiven Städte aussen vor.»

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Techgiganten prägen zunehmend den politischen Diskurs

Die Hintergrundsendung «SRF global» hat die heutigen Probleme der traditionellen Medien und der Social Media in einer Dokumentation analysiert: Einst galten Zeitungen, Radio und Fernsehen in den Demokratien als Vierte Gewalt. Heute prägen zunehmend Tech-Giganten mit ihren Algorithmen und Plattformen den politischen Diskurs – während traditionelle Redaktionen um Geld, Aufmerksamkeit und Vertrauen ringen.

Wer sich für Medien interessiert, sollte diese Analyse vom 29. Januar 2026 nicht verpassen:

«Medien – Kampf um Geld, Vertrauen und Einfluss»

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➔ Kommentare zu diesen Beitrag bitte ausschliesslich über die Frage der politischen Ausrichtung der SRG.

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Medien unter Druck

Wer Zeitungen und Fernsehen kontrolliert und besitzt, hat Einfluss und Macht.

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Medien: Service public oder Kommerz

Argumente zur Rolle und zur Aufgabe der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG.

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13 Meinungen

  • am 10.02.2026 um 12:06 Uhr
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    Warum immer diese Polarisierung? Es geht doch nicht um rechts oder links. Es geht um Wahrheitsfindung und kritische Hinterfragung von Meinungen und Aussagen. Und hier vermisse bei SRG den kritischen Journalismus total. Beispiele gefällig? Wo blieb die Hinterfragung der Koronamassnamen? Wurde je über die massiven Nebenwirkungen der modRNA Injektionen hingewiesen wie sie in der Datenbank des Paul Ehrich Institutes einsehbar sind? Wann wurde über die Sanktionierung von Jaques Baud durch EU Komission berichtet und nach Gründen gefragt? Die Nicht-Berichterstattung wichtiger politischer Ereignisse ist frappant.

  • am 10.02.2026 um 13:25 Uhr
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    Die SRG ist politisch eher ‚Mainstream‘. Sie berichtet was man ‚überall‘ hört und liest. Alternativen fehlen öfters und deshalb braucht es zb Infosperber.

  • am 10.02.2026 um 16:32 Uhr
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    Die SRG widerspiegelt politisch die Mehrheitsverhältnisse in Regierung und Parlamenten. Diese sind bürgerlich dominiert und so ist es das Staatsfernsehen. Eine wirkliche Funktion als 4te Kraft im politischen Spiel, was Stimmen die grundsätzlich alternative Vorschläge präsentieren mit einschliessen müsste, kann ich – wie immer mit seltenen Ausnahmen welche die Regel bestätigen – nicht erkennen.

  • am 10.02.2026 um 16:42 Uhr
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    Dass die Journalisten eher Links stehen ist eine Tatsache, die auch die ZHAW in ihrer Studie «ZHAW-Studie: Journalist:innen in der Schweiz» klar belegt hat (online zu finden). Dies gilt im übrigen nicht nur für die SRG sondern auch für andere Medien. Dass die SRG bei Abstimmungssendungen neutral berichten, ist gut. Dies bedeutet aber nicht, dass bei der Berichterstattung zu anderen Themen, wo die Themen selbst gewählt werden können, die Themenauswahl auch immer neutral ist (siehe Anzahl Berichte zu einzelnen Themen). Ob man dies gut findet oder nicht, hängt natürlich von der eigenen politischen Position ab. Es abzustreiten, macht aber keinen Sinn.

    • am 11.02.2026 um 09:42 Uhr
      Permalink

      Sehe ich genau gleich. Interessant ist auch,wenn man den Artikel zu dieser ZHAW Studie auf SRF liest, ist diese Tatsache genau in einem Satz erwähnt. Der Artikel sieht ein viel größeres Problem darin, dass es mehr männliche statt weibliche Journalisten gibt. Denke dies ein gutes Beispiel, wie «linke» Berichterstattung geht. Unangenehmes wird möglichst kaum erwähnt,wenn überhaupt, dafür der Fokus auf anderes gerichtet. Machen rechte Journalisten sicher auch. Nur gibt es von denen weniger und der ÖRR bezieht Geld von der gesamten Bevölkerung und wäre deshalb in der Pflicht, möglichst viele Sichtweisen einzubringen. Auch finde ich, die Berichterstattung auf SRF hat bei den letzten grossen Themen (Corona, Ukraine-Gazakrieg) schlechte Arbeit abgeliefert. Deshalb reichen für mich 200.- jährlich.

  • am 10.02.2026 um 21:53 Uhr
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    Das Problem ist nicht klassischer linksdrall,sondern eine ideologisch konsistente Ausrichtung der Themenwahl.SRG blendet auffällig systematisch meinungsbildende Fakten oder Perspektiven aus, die kritisch zu EU, NATO, Deutschland, transatlantischen Beziehungen oder globalistischen Institutionen stehen, während Pro-EU, Pro-NATO, transatlantische und pro-globalistische Positionen stark hervorgehoben werden. Auch die Auswahl von Experten erfolgt oft selektiv, um abweichende Sichtweisen zu schwächen oder zu diskreditieren. Zusammen mit kulturell-progressiven, urbanen und akademischen Perspektiven entsteht eine Schlagseite, die verhindert, dass die Öffentlichkeit ein vollständiges Bild erhält. Offene Parteinahme oder Falschmeldungen lassen sich leicht erkennen –strukturelles Weglassen relevanter Fakten bleibt weitgehend unsichtbar. Studien zur Parteinähe erfassen diese Metaebene kaum.

    • am 11.02.2026 um 08:47 Uhr
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      Danke Herr Schaub, so » sehe» ich es auch.

    • am 11.02.2026 um 11:30 Uhr
      Permalink

      Das ist die Sache auf den Punkt gebracht.
      Jedes Mal wenn im Echo der Zeit ein Beitrag über Russland ausgestrahlt wird, wird russlandbashing betrieben. Leider hat Herr Matter recht. Was mich am meisten erstaunt ist, dass Herr Gasche, der sonst vieles so zu recht intelligent, akribisch und kritisch hinterfragt, dies nicht sieht.

      • Favorit Daumen X
        am 11.02.2026 um 12:40 Uhr
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        Es ist nicht ersichtlich, ob Sie mit Ihrem Argument eine Linkslastigkeit oder eine Rechtslastigkeit der SRG suggerieren möchten.

      • am 11.02.2026 um 23:17 Uhr
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        Es gibt Menschen, die nicht begreifen, woher Russland das Recht nimmt, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung der Ukraine zu zerstören. Gerade in einem Land, in dem Teile der Bevölkerung Angst vor der Einflussnahme fremder Richter und Angst vor einem «Unterwerfungsvertrag» haben, sollte doch die angegriffene Bevölkerung unterstützt werden! Was Tatsachen mit Bashing zu tun haben verstehe ich nicht!

  • am 11.02.2026 um 21:25 Uhr
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    Die Berichterstattung der SRG ist einseitig, ohne einem links-/rechts Muster zu folgen. Ich habe zum Beispiel im Rahmen der Berichterstattung der SRG zum Thema Ukrainekrieg noch nie den Namen Mearsheimer gehört.

    • Favorit Daumen X
      am 12.02.2026 um 10:42 Uhr
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      Es geht im Artikel um den Vorwurf, die SRG haben einen «Linksdrall». Nicht um andere Kritik.

  • am 12.02.2026 um 00:48 Uhr
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    Am besten lässt sich der Linksdrall in aussenpolitischen Themen beobachten.

    Eine Meloni ist die neue «Königin der Rechten» mit dem «Sound der 1930er», von den «Postfaschisten» , etc.

    «Die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich oder das Rassemblement National in Frankreich» das sind «die radikale Rechte», «Rechtspopulisten», «Rechtsextrem». Orban, Putin und Trump sind sowieso generell des Teufels, mit Bezeichnungen wie «Lügen-Baron» deren «Ziel ist: autokratische Macht und Terror», welche Strategie anwenden, welche «gezielt bei Völkermorden eingesetzt wird».

    Solche martialischen Schlagworte werden niemals bei linken oder gar sozialistischen Politikern verwendet.

    Diese Berichterstattung färbt dann innenpolitisch in der Grundstimmung auf die SVP und andere Parteien ab, welche auch ein eher konservatives, freiheitlich-liberales bis anti-etatistisches Weltbild und Staatsverständnis haben.

    Bei Bedarf liefere ich der Redaktion weitere Beispiele und einschlägige UBI-Urteile.

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