Primitives Bashing gegen Varoufakis

upg © Peter Mosimann

upg /  Der griechische Finanzminister verteidigt sich gegen Falschmeldungen und wird dafür lächerlich gemacht.

Yanis Varoufakis habe am Wochenende «zugegeben», ein als vertraulich eingestuftes Treffen mit seinen Kollegen aus der Euro-Zone aufgezeichnet zu haben. So melden es aufgeregt die Agenturen, so steht es in vielen deutschen Medien.
Varoufakis hat lediglich noch einmal bestätigt, was er bereits fünf Tage vorher selbst gesagt und an die Öffentlichkeit gebracht hatte.
Es ist üblich und zum Teil sogar vorgeschrieben, dass Verhandlungen auf Tonband aufgenommen werden. Die Aufnahmen bleiben für die Öffentlichkeit vertraulich, bis Historiker sie auswerten dürfen. Varoufakis hat denn auch keinen Satz aus den Tonbandaufnahmen zitiert.
Sein Hinweis auf die Tonbandaufnahmen sollte nur glaubhaft machen, dass ihn kein EU-Minister als «Spieler», «Amateur» und «Zeitverschwender» beschimpft hatte, wie dies die Tagesschau des Schweizer Fernsehens sowie der «Tages-Anzeiger» und der «Bund» gleich wie andere Medien im Ausland als Tatsache berichtet und bisher nicht dementiert haben. Vor Varoufakis hatte bereits sein italienischer Amtskollege Pier Carlo Padoan, der am Ministertreffen in Riga dabei war, öffentlich dementiert, dass es diese Beleidigungen bei dem Treffen gegeben habe. Doch auch dieses Dementi haben die Medien ignoriert.
Im Schlepptau der deutschen Bild-Zeitung führt der «Blick» seit Monaten eine Rufmordkampagne gegen die Person des griechischen Finanzministers.

Nachdem jetzt Varoufakis über Pfingsten nochmals bestätigt hat, dass es den Beleg der Tonbandaufnahmen gebe und die Beschimpfungen eine Erfindung der Medien und deren Einflüsterer gewesen seien, drehen deutsche Medien fast unisono dem Finanzminister einen Strick daraus. Offensichtlich soll er die von Medien weiter verbreiteten falschen Beleidigungen schlucken, ohne gicks oder gacks dazu sagen zu können.
Lesen Sie selber eine Zusammenfassung der deutschen Medienberichte vom Journalisten Stefan Niggemeier:


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3 Meinungen

  • am 26.05.2015 um 11:51 Uhr
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    Wie Griechenland, resp. deren Vertreter in div. Zeitungen und auch von Politikern behandelt werden entbehrt jeder Sachlichkeit. Man will Griechenland auf diese Weise fertig machen. Auch hier zählt in erster Linie die Rückzahlung der Kredite und nicht das Wohlergehen des Landes und der Bevölkerung. Die Kreditgeber – Banken etc. – haben ihr gutes Gerd in diesem Land verdient und wollen ein zweites Mal die Bevölkerung zur Kasse bitten. Über die damaligen Begebenheiten während der Kriegszeit äussere ich mich besser nicht! Die Regierung hat recht wenn sie sich massiv zur Wehr setzt. Höert endlich auf dieses Land so in den Dreck zu ziehen.

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  • am 26.05.2015 um 23:49 Uhr
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    In seinem neusten Blogeintrag zu Riga findet Varoufakis auch deutliche Worte zur europäischen Presselandschaft:

    http://yanisvaroufakis.eu/2015/05/24/the-truth-about-riga/

    Auch hier ist es aber wieder glasklar: Die Schlagzeilen der deutschen transatlantischen Medien, sowie der ferngesteuerten Schweizer Tagesmedien, sind eine wortwörtliche Uebersetzung der angelsächsischen Agenturen- und Zeitungsmeldungen: http://www.reuters.com/article/2015/05/24/us-eurozone-greece-varoufakis-meeting-idUSKBN0O90GT20150524.

    Ich hoffe es ist allen klar, dass Reuters London nicht beim Blick abschreibt, sondern der Blick bei Reuters, bzw. bei den transatlantischen Netzwerken in Deutschland. Und dies nicht ganz freiwillig.

    Was ist das Interesse der Angelsachsen? Vermutlich geht es um die Gelder sowie um die Privatisierungen im Namen des IMF/Washington, denen sich Varoufakis entgegenstellt. Deutschland wird von den Angelsachsen in dieser Sache im Wesentlichen via Medien als Schachfigur genutzt und gegen Griechenland ausgespielt.

    Bislang ist das wie gesagt noch harmlos. England ist 1915 und 1940 in Griechenland einmarschiert, dann wieder 1946 gegen die Kommunisten, dann kam 1964 der von Washington (CIA/Gladio) orchestrierte Militärputsch und die Verlegung der US-Mittelmeerflotte nach Griechenland. Ein US-Putsch ist auch diesmal absolut im Bereich des möglichen, wenn Griechenland bezüglich Gasabkommen mit Russland oder dem Piraeus-Deal mit China zu weit gehen sollte.

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  • am 27.05.2015 um 09:10 Uhr
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    Da ich mich an vielen Problemen die diese Welt beschäftigen interessiert bin beschäftige ich mich mit den Einzelnen vielleicht zu wenig tief. Ich glaube aber dass da einiges weit her geholt ist und meiner Meinung nach wieder einer Hetze entspricht, jedoch im umgekehrten Sinne. Genau das sollten wir vermeiden.
    Vielleicht kann sich da eine dritte Person äussern und dies ins rechte Licht rücken.
    Gruss Zweifel Schweiz

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