kontertext: Wie ich zum Mitläufer wurde

Rudolf Bussmann © Claude Giger

Rudolf Bussmann /  Rechte Medien, Philosophen und Kommentatoren haben meine Stellung in der Gesellschaft radikal verändert.

Ich hatte nicht im Sinn, zum Mitläufer zu werden. Dennoch wurde ich einer. Ich konnte mich nicht wehren, man hat mich dazu gemacht. 

Im Nachhinein lässt sich sagen, dass das Mitlaufen vor rund zehn Jahren begann. Zuvor gehörte ich, verallgemeinernd gesprochen, zu denen, die bei Wahlen und Volksabstimmungen regelmässig daran erinnert wurden, dass sie zur Minderheit gehören. Seit den 68er Jahren hatten wir versucht, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, festgefahrene Strukturen aufzubrechen und die überkommenen Formen von Herrschaft in Frage zu stellen. Uns leitete die Überzeugung, dass eine demokratische Gesellschaft nur überleben kann, wenn sie von jenen, die nicht durch ihre Stellung im Machtgefüge korrumpiert sind, kritisch begleitet und mit emanzipatorischen Perspektiven konfrontiert wird.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerbröckeln des Ostblocks verloren die Auseinandersetzungen zwischen Kommunismus und Antikommunismus ihre Bedeutung. Die Debatten wurden entspannter. Vordringliche Sachfragen wie die Rettung des Planeten, die Bewältigung von Flüchtlingsströmen, der Umgang mit der Digitalisierung traten in den Vordergrund. Die Diskussion verlief mitten durch die Parteien; Etikettierungen wie «rechts» und «links» wurden obsolet. 

Ein Sieg …

Das hiess aber nicht, dass der ideologische Kampf zwischen liberalen und erzkonservativen Kräften verschwunden wäre. Er machte zu Beginn der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts wieder vermehrt von sich reden. Um diese Zeit erreichten uns spektakuläre Meldungen von Leuten, die vorne an der ideologischen Front mit dabei waren. Sie sprachen von Sieg. Nicht von ihrem eigenen Sieg, sondern von dem ihrer Gegner. Damit waren wir gemeint: «kritische Bewusstseine», «Linksintellektuelle». Wenn man diesen Stimmen glauben durfte, war es uns gelungen, nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch «die sogenannten seriösen Medien, vor allem aber das öffentlich-rechtliche Fernsehen», auf unsere Seite zu ziehen. Wir hatten es geschafft, das öffentliche Bewusstsein von der Dringlichkeit unserer Anliegen zu überzeugen. 

Einer der Überbringer solch froher Botschaft war der damals an der FU Berlin lehrende Medien- und Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz. Die obigen Zitate entstammen seinem Artikel «Der Reaktionär und die Konformisten des Andersseins», erschienen im September 2011 in Merkur. Kulturzeitschrift für europäisches Denken, Heft 9/10. «Längst haben die Funktionäre der politischen Korrektheit die Stellen der sozialen Kontrolle dessen besetzt, was als diskutabel gilt», schreibt Bolz. Er ist, wenn es um die Benennung der Gegner geht, nicht zimperlich. Das hat seinen Grund. Denn was er beobachtet, ist mehr als eine Tendenz, es ist eine veritable Machtdemonstration. «Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht», konstatiert er.» Heute wird eine abweichende Meinung schärfer kontrolliert als eine abweichende Handlung.»

Norbert Bolz hatte in seinem 1999 erschienenen Buch Die Konformisten des Andersseins. Ende der Kritik (Wilhelm Fink Verlag München) den Versuch Linksintellektueller gegeisselt, ihre Meinungen als allgemeine Norm zu setzen. 12 Jahre später sieht er die neuen Normen an der Macht. Das Merkur-Doppelheft setzt mit seinem Themenschwerpunkt «Konformismus» die Debatte der neuen Machtverhältnisse im Herbst 2011 auf die politische Agenda. In den folgenden Jahren werden Analysten aus dem rechtsbürgerlichen Lager die von Bolz konstatierten Befunde bekräftigen und endlos variieren. Es klingt wie ein Echo, wenn der Berliner Historiker Jörg Baberowski am 20. Mai 2017 in einem Gespräch mit dem damaligen NZZ-Feuilletonchef René Scheu festhält, dass «die Linke die Deutungshoheit errungen hat und allein darüber befinden kann, wer als links und wer als rechts zu gelten hat.» 

Zu meinem Erstaunen wird hier das Links-Rechts-Schema wieder hervorgeholt. Der bewusst unscharf gehaltene Begriff «die Linke» muss in dieser Debatte, nicht nur in der Gujer/Scheu-NZZ, pauschal für tatsächliche und imaginierte gesellschaftliche Fehlentwicklungen herhalten: «staatliche Bevormundung der Bürger, Selbstbestimmung auf Kosten anderer, die Tribalisierung und Ethnisierung der Gesellschaft, offene Grenzen und die Verteufelung des Nationalstaats, die Anbetung der Globalisierung, die Moralisierung aller politischen Fragen und die Rehabilitierung der Religion gegenüber der Aufklärung», wie Jörg Baberowski im Gespräch aufzählt. 

Dass das Wort Moral auftaucht, ist Programm. Es dient dazu, das politische Engagement dieser derart angewachsenen Linken für die Respektierung von Minderheiten, für schonenden Umgang mit Ressourcen, oder für eine gerechte Einkommensverteilung auf die Schlagworte «Moralisierung» oder «Empörungskultur» einzudampfen. In die ruppige Ausdrucksweise der Tagespolitik übernommen und zu Schlagworten mutiert, radikalisieren sich die entsprechenden Begriffe zu «Tugendterror» (in einem Buchtitel von Thilo Sarrazin 1), «Moraldiktatur» (der Journalist Michael Winter 2), «Ökonazis» (die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch 3). 

… der sich als Kapitulation entpuppt

Donnerwetter, wo bin ich da hineingeraten! Kein angenehmes Gefühl, sich unversehens als Teil einer intransigenten Mehrheit wiederzufinden, die Andersdenkende blossstellt, diskreditiert, unterdrückt. Dabei war hier von der eigentlich deprimierenden Erkenntnis, die Norbert Bolz in seiner Analyse zutage fördert, noch gar nicht die Rede. Nicht ohne Genugtuung konstatiert Bolz, dass Linke und Linksliberale, von ihren Erfolgen verwöhnt, sich darauf beschränkten, ihre Thesen nur immer zu wiederholen. Die vormals kritischen Geister sieht er zu Mitläufern geworden. «Diversität, der neue Kultbegriff aller politisch korrekten Behörden und Universitäten, bedeutet im Klartext Konformismus. (…) Alle sind gleich verschieden!» 

Auch dieser Gedanke wird vom konservativen Feuilleton gerne aufgenommen. «Manchmal habe ich den Eindruck», verrät Harald Martenstein knappe zwei Monate nach Erscheinen des «Konformismus»-Merkur in der Zeit, «dass Deutschland von einer Einheitspartei neuen Typs beherrscht wird, der Mainstreampartei. Diese Partei ist ökologisch, für einen höheren Bildungsetat, für Frauenquoten, für Klimaschutz, für Umverteilung des Wohnraums, dafür, dass die hier lebenden Ausländer Deutsch lernen. Konsens, wohin man schaut.»4 Als Hotspots werden Parlamente, Schulen, Kirchen sowie die europäischen und US-amerikanischen Universitäten ausgemacht, deren Sprachregelungen, gendergerechte Schreibweisen, deren Proteste gegen rechtsbürgerliche Referenten in ihren Auswüchsen genüsslich zerpflückt werden. 

Der Befund ist niederschmetternd. Vormals Teil einer stolzen Aufbruchsbewegung, sind wir auf das geistige Format braver Mitbeter geschrumpft. Der Ort des kritischen Beobachtens, das sich von der herrschenden Strömung nicht anfechten lässt, dieser Ort, an dem ich mich zu befinden wähnte, ist inzwischen besetzt durch einen anderen, besseren, einen unbestechlichen Typ Beobachter, den neuen Nonkonformisten. Wechselweise nennt er sich auch Reaktionär, die ehemals pejorative Bedeutung dieses Begriffs hat er zum Ehrentitel umfunktioniert. «Der brillante Reaktionär ist charismatisch und asketisch. (…) Nur Charisma und Askese können nicht zur Mode werden. Sie sind das Ausseralltägliche. Es manifestiert sich im Nonkonformismus der Exzellenz – gegen das Kartell der Mittelmässigkeit», schreibt Bolz. 

Als erste Kulturleistung im Kulturkampf, den er im Namen der Wahrheit führt, unternimmt der Reaktionär einen Beutezug auf das Arsenal der Waffen, mit denen der Feind so erfolgreich gekämpft hat und die während jahrzehntelangen Debatten immer geschliffener und differenzierter wurden: die Begriffe. Der Reaktionär behändigt sich ihrer, schleift ihre Schärfe jedoch zurück, um sich damit nicht in den Finger zu schneiden. Denn er muss sie zurechtbiegen und neuen Inhalten dienstbar machen. Der Begriff Nonkonformist meint jetzt nicht mehr den unbändigen Linksintellektuellen der fünfziger Jahre, Vorläufer der 68er Bewegung, der gegen die geballte Macht von Wirtschaft, Politik, Armee und Kirche ankämpfte, sondern die reaktionäre «Exzellenz» auf ihrem Feldzug gegen das «Kartell der Mittelmässigkeit». Im neu kalibrierten Vokabular sind die Linken nun «die Mächtigen», die, verführt von der «etablierten Ideologie», es unterlassen, die «herrschende Meinung» zu «hinterfragen».5 

Flucht in die Schizophrenie 

Ziel der Angriffe sind nicht, wie im kritischen Diskurs der Linken und Linksliberalen, problematische Tendenzen im wirtschaftlichen und politischen Machtgefüge, sondern ist der Standpunkt der politischen Gegner. Der Kampf hat sich von der gesellschaftlichen Praxis fortbewegt und hin zu Phänomenen des Überbaus verlagert. Nicht Inhalte werden hier diskutiert, sondern Haltungen angeprangert. Man hat vom Theoretiker Antonio Gramsci gelernt, dass es darum geht, die «kulturelle Hegemonie» anzustreben, versteht diese aber nicht wie Gramsci als Basis einer «Philosophie der Praxis», sondern als Verteidigung der Deutungshoheit. Folgerichtig fördert die Suche nach den wahren Missständen nicht die Ungerechtigkeiten in Fabriken und Unternehmen, im Mietwesen, den Geschlechterverhältnissen, im Umgang mit Entwicklungsländern zutage, sondern den «Moralismus» und «Hypermoralismus» jener, welche diese Ungerechtigkeiten beseitigen wollen. 

Zu den beliebten Orten, wohin die Mörser zielen, gehören die Redaktionen, jene Kommunikationszentren, von denen aus angeblich die schreibenden Mitläufer die lesenden Mitläufer mit ihren konformistischen Botschaften versorgen. Von den wenigen Bastionen aus, die den Auf-Rechten in ihrem Kampf für ihre Weltsicht beistehen, wird tapfer gegen den Rest der publizistischen Welt geschossen. In einem seiner ersten Editorials mit dem Titel «Entsteht hier ein Kampfblatt?» vom 17.11.2010 verspricht Markus Somm, frischgebackener Chefredaktor der damals vom Rechtspopulisten und Oligarchen Christoph Blocher finanzierten Basler Zeitung, «wider den Strom» zu schwimmen und dem «Kanon der übrigen Medien» zu widersprechen.6 In der vom selben Geldgeber unterstützten Weltwoche widersetzt sich der Chefredakteur und Herausgeber Roger Köppel seit Jahren dem «linksliberalen Mainstream».

Hier steh ich nun und reibe mir die Augen. Die Redaktionen der Leitmedien, von der FAZ über Die Welt und Die Zeit bis zur NZZ, von ARD und ZDF bis zur SRF, sind fest in der Hand von Linken, Umweltaktivisten, Feministinnen und Globalisierungskritikerinnen. Soll ich mich darüber freuen? Es wäre die Freude des Verführten. Die Freude dessen, der seine unabhängige Meinung an den anonymen Mainstream abgegeben hat. Ob es daraus ein Entkommen gibt? 

Wenn es ein Entkommen gibt, ist es die Flucht in die Schizophrenie. Wie man dahin kommt, weiss der Kultur- und Wissenschaftsjournalist Alexander Grau. Mit einem einfachen Salto rückwärts ist man da. Der Salto geht so: Als Angehöriger der Mehrheit, welche die «Deutungsmacht» an sich gerissen hat, gebe ich mich dem Wahn hin, im Grunde sei ich Teil der Minderheit und leistete tapfer Widerstand gegen die «Populisten». Auf diese Weise bleibe ich, obwohl Mitläufer, ein Held. Grau schreibt in einem Feuilletonbeitrag der NZZ vom 6.7.2021: «Die mit der geballten Deutungsmacht von elektronischen Medien, staatlichen Institutionen und Stiftungen forcierte Weltinterpretation wird aus der Sicht ihrer Apologeten zu einem von Querdenkern und Populisten bedrohten Minderheitenstandpunkt. Der eigene Opportunismus wird zum heroischen Widerstand.» Nach dem Salto ist man etwas benommen, doch der Schwindel vergeht rasch. Man vergisst, dass man ein Lakai ist, und fühlt sich als  Widerstandskämpfer. 

Und so lebe ich, Mitläufer, Instrumentalisierter, Nachbeter, Mainstreamer denn weiterhin in der seligen Illusion, ein freier Denker zu sein.

Der Autor dankt Christoph Wegmann und Rudolf Walther für ihre Unterstützung bei der Recherche.

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FUSSNOTEN:

1 Thilo Sarrazin, Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland. Deutsche Verlags-Anstalt 2014

2 Michael Winter: «Fahnensucht», SZ Nr. 98, 27./28.04.2013

3 auf Twitter https://twitter.com/beatrix_vstorch/status/1196698349157662720

4 Harald Martenstein, Der Sog der Masse.  Die Zeit 10.11.2011

5 Zu dieser Umwertung der Begriffe siehe Bruno Heidlberger, «Konservative Kulturpolitik und die Politik der Spaltung. Über Hypermoral und sprachliche Verwirrspiele», Portal für Politikwissenschaften 18.2.2020

6 https://www.bazonline.ch/meinungen/dossier/kolumnen–kommentare/eine-basler-zeitung-fuer-alle-basler/story/28260244  – Titel in der Internetausgabe leicht abgeändert.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Rudolf Bussmann, geboren in Olten, hat Germanistik und Romanistik studiert, ist Lyriker und Prosaist, arbeitet als Übersetzer und Herausgeber. Er lebt in Basel und im Jura. Zuletzt erschien sein Reise-Essay «Herbst in Nordkorea» (Rotpunkt Verlag 2021).

Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Silvia Henke, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Martina Süess, Ariane Tanner, Rudolf Walther, Christoph Wegmann. Die Redaktion betreuen wechselnd Mitglieder der Gruppe.
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12 Meinungen

  • am 30.08.2021 um 11:14 Uhr
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    Man kann den Kapitalismus in seiner aktuellen Form des Neoliberalismus abgrundtief verachten, man muss ihm dennoch zugestehen, eine unvergleichliche Assimilationskraft entwickelt zu haben und die bis heute noch steigern zu können.
    Wer immer in den letzten 80 Jahren als Linker gestartet ist, heute ist er neoliberal, egal ob den Sozialdemokraten, den Grünen oder einer ehemals echt linken Partei anzugehören oder nahezustehen. Es gibt seit 30 Jahren keine Linken mehr, nicht einmal in der bundesdeutschen Partei, die sich die Linke nennt.
    Dabei hat man ein einfaches Mittel der Orientierung, die Sprache. Wer neoliberal spricht, der ist auch neoliberal. Die Vermenschlichung oder Personalisierung von Rollen ist ein typisches Alleinstellungsmerkmal der neoliberalen Sprache. Ob *, Binnen-I, : oder altmodisch Bürgerinnen und Bürger, das ist neoliberal, der Beweis, nicht links zu sein.

    0
  • am 30.08.2021 um 12:12 Uhr
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    Interessanter Artikel, wenn auch etwas langfädig. Muss man die zitierten Quellen alle kennen?
    Ein Lieblingsausdruck von Linken & Linksliberalen ist, alles den Rechtspopulisten zuzuordnen, was nicht genehm ist. Dabei geht unter, dass es genauso Linkspopulisten gibt. Und dazu gehören Sie werter Herr Bussmann!

    4
  • am 30.08.2021 um 17:58 Uhr
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    Unabhängig zum Inhalt des Artikel eine Bitte: «Die Flucht in die Schizophrenie» bedeutet eine Stigmatisierung aller Menschen die an einer Schizophrenie erkrankt sind, ebenso deren Angehörigen. «Schizophrenie» ist eine Krankheit, der Gebrauch des Wortes Schizophrenie in Artikeln und Publikationen beinhält aber eine negative, entwertende Attribution. Also bitte unterlassen!
    Hans Kurt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie .

    2
    • am 31.08.2021 um 08:38 Uhr
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      «Die Flucht in die Schizophrenie» bedeutet eine Stigmatisierung aller Menschen die an einer Schizophrenie erkrankt sind.
      Das ist falsch, bzw. gilt generell für alle Wörter. Worte sind Zeichen, die nur bezeichnen, sonst nichts. Die Unsitte, in Worte indirekt Werte anzusprechen, stammt aus dem Vulgär- Amerikanischen. Zudem ist es (leider) üblich geworden, Sachbegriffe mehrfach zu belegen, Homophobie meint ja auch nicht das, was Phobie psychiatrisch bedeutet.
      Ein Schlüsselwerk des Poststrukturalismus von Deleuze und Guattari, 1972 geschrieben, titelt mit : Anti- Ödipus – Kapitalismus und Schizophrenie. ‹Schizophrenie› wird seit langem auch als kulturelles Phänomen verstanden. So wie analog alle psychoanalytischen Begriffe auch kulturell verstanden werden können.

      0
  • am 30.08.2021 um 18:06 Uhr
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    Soll wohl das, was Herr Bussmann schreibt, aufklärend und erbauend wirken? Oder soll es einfach nur unterhaltsam sein und schöngeistigen Spass machen? Wie auch auch immer: mich berührt es nimmer!

    2
  • am 31.08.2021 um 10:42 Uhr
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    Als ehemals links-grün-liberaler denkender Mensch kann ich den Thesen von Norbert Bolz einiges Verständnis entgegenbringen, vor allem seit den Corona Diskussionen, wo es immer deutlicher wird, dass Meinungen aktiv unterdrückt werden, wenn sie nicht mit der offiziellen Meinung übereinstimmen. Ich denke da vor allem an die Zensur der Leserbriefe in den Medien, aber auch auf FaceBook und Youtube etc. Was soll mit dieser Unterdrückung der Meinungen bezweckt werden? Dass sie ausgelöscht werden? Ob das funktionieren kann in unserer vernetzten Welt?

    Zweitens fällt mir auf, dass früher die Kapitalisten nach Amerika geschaut haben, heute sind es eher die Linken, die jede theoretische Diskussion an amerikanischen Universitäten übernimmt und in die europäischen Länder importiert, sei das die MeToo Bewegung, der Antirassismus, die politische Korrektheit, überhaupt die regulierte Sprache und natürlich die Cancel Kultur. Dabei wird gerne übersehen, dass die Verhältnisse in Amerika etwas anders sind, dass dort das Gewaltproblem und der Rassismus viel ausgepräger sind als hier.

    So fällt es mir immer schwerer, mich mit eher linken Gruppierungen zu identifizieren deren Gedanken in der Tat auch in meiner Wahrnehmung den Mainstream erreicht haben und bringe mehr Verständnis auf für eher rechte Ideen, welche die Freiheit des Denkens, des Sprechens und des Handelns betonen.

    3
  • am 31.08.2021 um 11:26 Uhr
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    Da steh ich nun, ich armer Tor… etwas ratlos angesichts all der Wortspiele.
    Dabei: die Reaktionäre reiben sich feixend die Hände ob ihrer gelungenen Umarmungsstrategie.
    Denn nüchtern betrachtet feiern sie seit dem Fall des Eisernen Vorhangs einen Sieg nach dem anderen. Gesellschaftliche Normen haben sich gewandelt, während sich die Besitzverhältnisse bezogen auf die relativen Anteile an Einkommen und Vermögen rasant zugunsten der Vermögenden verschoben haben.
    Ein bezeichnendes Beispiel ist die Bewertung der Politik der deutschen Noch-Kanzlerin als «sozialdemokratisch». Dass, nur als Beispiel, Frauen nicht mehr nur am Herd stehen, sondern sich auch noch in möglichst vollzeitiger gegenderter Berufstätigkeit verschleißen, die Kinder in «Kitas» abgeschoben, ist «sozialdemokratisch». Während gleichzeitig Niedriglöhner und Rentner von Arbeit bzw. Rente nicht leben können. Dass Schwule heiraten dürfen juckt die Vermögenden nicht, ebenso wenig, dass die «Mittelschicht» (fängt in Deutschland bei unter 2000€ netto an…) blutet, während die Vermögenden ungeschoren bleiben.
    Margaret Thatcher hat die Wahl Tony Blairs und den Sieg von «New Labour» als eigentlichen Sieg ihrer Politik gefeiert.
    Diversity schlägt soziale Gerechtigkeit. Das Bild des Mitläufers ist so falsch gar nicht – im Tross der eingelullten Linksliberalen, wie Sahra Wagenknecht das in ihrem jüngsten Buch treffend beschreibt.

    1
  • am 31.08.2021 um 11:36 Uhr
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    Wer als 20-Jähriger kein Linker ist, hat kein Herz. Wer mit 40 immer noch ein Linker ist, hat keinen Verstand.

    Winston Churchill (1874-1965)
    Theodor Fontane (1819-1898)
    Benedetto Croce (1866-1952)
    Bertrand Russell (1872-1970)
    George Bernhard Shaw (1856-1950)
    Björn Engholm (geb. 1939)

    4
    • am 31.08.2021 um 21:23 Uhr
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      Mit Verlaub, das ist hohles Geschwätz.
      In der Tat versuchte uns auch Maggie Thatcher weis zu machen, «there is no such thing as society».
      Und hat zusammen mit Reagan den Monetarismus in die Welt gesetzt – den wer denn nur 2008 retten musste? Ach ja richtig: die Society, die es ja gar nicht gibt, aber immer herhalten muss, wenn die Kapitalisten den Karren wieder mal so richtig krachend an die Wand gefahren haben.
      «Gier ist die Wurzel allen gesellschaftlichen Fortschritts» wollen uns die Neoliberalen einreden.
      «Gier ist die Wurzel allen Übels» sagt Jesus Christus.
      Wer hat wohl recht?
      (Interessanterweise beschreibt S. Wagenknecht in ihrem Buch «Reichtum ohne Gier», wie technischer Fortschritt entstand und entsteht: auf der Basis staatlich finanzierter Forschung, die sich Konzerne unter den Nagel reißen um damit ihren Reibach zu machen.
      Wie übrigens jüngst in der Corona-Geschichte erneut erlebt. Ich empfehle hierzu den Beitrag «Die Impf-Milliardäre» zu finden auf den Nachdenkseiten.de

      2
  • am 31.08.2021 um 15:35 Uhr
    Permalink

    Ich lebe seit über 76 Jahren auf unserem immer noch schönen Planeten, unverdientermassen in der grossartigen Schweiz; schon nach der Abstimmung über den Geld-Verschleuderungskauf von Flugzeugen, die für unsere Unabhängigkeit nötig wären, können trotzdem ev. gelauft werden; doch hier liegt der Hund begraben: kaum gestartet, befänden sie bereits im Luftraum eines der uns bedrohenden Länder wie Deutschland, Lichtenstein, Frankreich oder Italien. Nun eben, die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer stimmte tatsächlich knapp gegen den Kauf dieser milliardenteuren Luftverpestungsmaschinen, aber ein antiquiertes Entscheidungssystemhat unseren totalen Triumpf im letzten Moment noch verhindert. Nun, also, ich bildete mir trotzdem ein, langsam könne ich mich politisch zur Ruhe setzen, selbst in der Schweiz, in der schon jedes Kleinkind mit dem Militärfanatismus-Virus infiziert wird, bewegt sich trotzdem etwas, und – Freude herrscht – wir Linken werden auch sogar in der Schweiz die Herrschaft übernehmen. Und jetzt lese ich von dir, mein lieber Rudolf, dass wir Linken bereits europa- wenn nicht weltweit die Medienwelt voll im Griff haben – aber es gibt doch ein gibt zum Glück ein Gegengewicht – Weltwoche und Nebenspalter – also müssen Blocher und Co trotzdem nicht ums Vermögen zittern. Nur, der uralte Papa Murdoch, hat doch ausgedient und soll sich endlich in Pension begeben; er wird auch keinen Massenmörder mehr à la Blair ins Amt hieven; lieber Rudolf, geniessen wir unsere Macht!

    2
  • am 1.09.2021 um 08:42 Uhr
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    Selbstbeschau, Verkomplizierung, sich in Worten verliebt verlieren, sich selber gerne Sprechen hören, das garantiert eine sichere Position, man ist da wo man gerade ist, und geisselt sich sebst ein wenig, es geht runter wie Oel. Es erfüllt die eigenen Bedürfnisse nach gehört und gesehen , wahrgenommen werden. Aber es ändert nichts und es spricht nicht die wahren globalen oder nationalen Probleme an. Eine Strategie den Mund zu halten um zwischen Geburt und Tod wenigstens nicht zu vereinsamen und einmal gut Schlafen zu können, ohne Angst haben zu müssen, das der schwarze Mann plötzlich vor der Türe steht. Dafür ehrlich, zu 100%, eine Seltenheit heute, sind wir doch schon lange in der Diktatur angekommen. Diesmal ist es der Elitärismus, gekoppelt mit der Hochfinanz. Nietzsche warnte uns davor. Der Faschismus hat ein neues Gesicht, eine neue Fahne, und er hat alles gekauft was einst nach Ethos, Gerechtigkeit, Sicherheit und Menschlichkeit, nach Würde und Vielfalt strebte. Von der Nato, Uno, Who bis zum Weltethos und den Menschenrechten, alles wurde wertlos und samt den Medien gleichgeschaltet. Die Welt ist am Ende angekommen, im absoluten Egoismus und der Sinnlosigkeit, regiert von Psychopathen welche den nächsten Krieg planen.

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    • am 1.09.2021 um 09:36 Uhr
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      Rundum leider zutreffend, Beatus Gubler. In Wohlfühloasen weiter verwahrlosen bis zum Geht-nicht-mehr, oder krass andere Wege gehen? Wie nach seiner Einschätzung der digital-finanzielle Komplex die Welt beherrscht und viele Länder zu Zweigfirmen eines globalen Regimes macht, das politisch verantwortungsfrei agiert, hat der IWF- und Finanzexperte Ernst Wolff am 26.8.21 mit seinem 39-Minuten-Referat „Die nächste Weltfinanzkrise – eine Riesenchance für die Menschheit?“ am Sommer-WEFF (Wachstum Erde Frieden Freiheit) in Davos aufgezeigt (hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=VM-sNKNd-CU).

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