DSC_0761

Editorial Roger Köppel - Arroganz der Grösse © Weltwoche

Journalismus als Beruf – oder als Kampagne

Robert Ruoff /  Die «Weltwoche» pflegt zuverlässig die parteipolitische Agenda der SVP. Bei Gelegenheit auch mit Falschmeldungen.

Die «Weltwoche» pflegt zuverlässig die parteipolitische Agenda der SVP. Bei Gelegenheit auch mit Falschmeldungen.

Das Deutschschweizer Wochenblatt für die SVP hat sich in der letzten Ausgabe wieder einmal der «bekanntlich einseitig linken, SVP-feindlichen SRG» gewidmet und ihrer grössten Unternehmenseinheit, dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Das ist alles nicht neu, und so könnte man sagen: Es ist abgehakt.

Aber die «Weltwoche» schiesst, wie die SVP, gerne und immer lieber auf Menschen, macht sie zu Feindbildern und bereitet sie so zum Abschuss vor. Das beginnt mit der Chefetage und der Top-Prominenz, zum Beispiel mit den beiden «SVP-Hassern» Roger de Weck und Roger Schawinski, und soll nun offenkundig weiter gehen zu Kadern, Redaktionsleitern und Redaktor_innen von Schweizer Radio und Fernsehen.
Das ist ein Grund, noch einmal nachzuhaken.

Ausserdem zeigt die stete Kampagne auch bei vermeintlichen Fachleuten bereits Wirkung. Der Anti-SRG-Reflex – an dem das nationale Medien-Unternehmen nicht unschuldig ist -, ist in der Medienszene schick geworden. Und es braucht eine kleine intellektuelle Anstrengung, um hinter der Maske der «liberalen» Transparenzforderung der SVP und ihres Medienkonglomerats die verborgene Agenda nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Demontage der SRG ist Programm.

Kritik der Kritik

Köppels «Weltwoche» wollte wissen, welche politischen Vorlieben die Mitarbeiter_innen von Schweizer Radio und Fernsehen haben, ob sie Mitglied einer Partei sind, und wenn ja: welcher Partei? Oder NGO? Oder gewerkschaftliche Organisation? Oder irgendwie politisch aktiv? Früher oder gegenwärtig? Und wenn ja: Wie? – Das SSM und andere Mediengewerkschaften fanden diese Fragen einigermassen unsittlich, weil tendenziös gestellt, und sahen einen eingriff in die Privatsphäre.

Diese Gewerkschaftsaktion wiederum fanden Medienkritiker wie Nick Lüthi (Medienwoche) einigermassen irritierend, und sein Redaktionskollege Ronnie Grob sieht auf seinem persönlichen Blog sogar «die Pressefreiheit in ernsthafter Gefahr». Nun kann man sich beim Bloggen auch versteigen: von Gefahr für die Pressefreiheit kann durch die Gewerkschaftsaktion keine Rede sein. Die «Weltwoche» kann die Meinung ihrer Geldgeber und Eigentümer weiterhin ungeschmälert verbreiten, und sie wird auch künftig ohne Einschränkung ihre Fragen stellen können. Sie wird sich aber auch künftig der Frage stellen müssen, was sie mit ihren Fragen eigentlich will und wie sie arbeitet.

Journalismus als Kampagne

Misstrauen ist berechtigt. Roger Köppel fährt mit seiner «Weltwoche» seit der Wahl von Roger de Weck einen stahlharten Anti-SRG-Kurs, voll auf der Linie des SVP-Parteiprogramms. Und er schreckt vor persönlichen Diffamierungen nicht zurück. Zur Begrüssung des neu gewählten SRG-Generaldirektors veröffentlichte er einen Beitrag von Urs Paul Engeler über «die antidemokratischen Wurzeln des Roger de Weck», der zeigt, dass das «erzkatholische…Geschlecht der de Wecks bis heute stets auf der Seite der Herrschaft gestanden ist, die das Volk verachtete und entrechtete. Die früheren Generationen gehorchten Rom. Die heutige betet Brüssel an.» (Die Weltwoche, 21/2010)

Das ist nicht nur schlechter Stil. Das ist Diffamierung der üblen Sorte, unter dem Deckmantel der «historischen» Recherche, nach dem Muster des helvetischen Kulturkampfs des 19. und der Schriftleiter des 20. Jahrhunderts, die jeweils beweisen soll, was zu beweisen war. Mich schaudert bei dieser Lektüre. Der Text kennzeichnet das Journalismus-Verständnis von Roger Köppel und seiner Gefolgsleute: Journalismus als Kampagne, auch ohne Rücksicht auf menschliche Verluste.

Mit allen Mitteln: mit Falschmeldungen, mit manipulativen Windungen und mit pseudo-wissenschaftlichen «Untersuchungs»-Ergebnissen. Das Misstrauen gegen die «Weltwoche» als Fragesteller ist berechtigt.

Journalismus als Pseudo-Wissenschaft

Mit «Schlagseite statt Vielfalt» attackierte die «Weltwoche» (Nr., 2011) das Schweizer Fernsehen. Grundlage war eine Studie von «Media Tenor», einer einigermassen umstrittenen Firma für Unternehmensanalysen, die sich vor allem durch eine Reihe von Insolvenzen und wechselnden Namen und Geschäftssitzen auszeichnet, und die sich mit etlichen Studien den Vorwurf der «Datenmanipulation» eingehandelt hat.

Die «Weltwoche» behauptet, die SVP komme im Schweizer Fernsehen zu kurz – eine BAKOM-Studie und das SF-Archiv zeigen, dass die SVP 2010 mit 85 Beiträgen Spitzenreiter war in der Hauptausgabe der «Tagesschau» (SP: 76; FDP: 58; CVP: 35). «Media Tenor» stützt sich auf die Hauptausgabe der «Tagesschau», auf die «Rundschau» sowie auf die Wirtschaftssendungen «Eco» und «Börse» – verzichtet aber auf die Analyse von «10 vor 10», «Schweiz aktuell» und «Arena», sprich: auf Kernelemente der politischen Berichterstattung des Schweizer Fernsehens. Auf dieser Grundlage kann die «Weltwoche» auch behaupten, die kleinen Kantone (und ihre SVP-Wähler…) kämen systematisch zu kurz. Unabhängige, professionelle Beobachter wie Christian Bütikofer zeigen auf, dass diese Behauptung voll an der Realität vorbei geht («Umstrittenen Pleitier als Medien-Experte herangezogen», in: Aargauer Zeitung, 24.2.11). Bei Lichte besehen erweist sich die Darstellung der «Weltwoche» als pseudo-wissenschaftlicher Schrott.

Die Schlusspointe zu dieser «Untersuchung» setzt die «Weltwoche» mit der Behauptung, SF wolle sich nicht zu den Ergebnissen der Analyse äussern – aber SF hat «sehr wohl eine Stellungnahme geliefert, die jedoch von der ‚Weltwoche’ nicht abgedruckt wurde.» (Siehe: persönlich.com – http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=93776&criteria=Yanez&display_search=true).

Falschmeldung statt Fakten

Das hat Methode. Auch in der jüngsten Attacke gegen SRF operiert die «Weltwoche» mit einer Falschmeldung. Sie behauptet, dass «im ‚10 vor 10’-Bericht über die Flüchtlingsdebatte im Ständerat ausschliesslich linke Positionen zu Wort kamen» – Tatsache ist, dass es einen solchen Bericht in «10 vor 10» nie gab. Köppel, wird das in der nächsten «Weltwoche» eingestehen müssen – und im gleichen Atemzug behaupten, es sei die «Tagesschau» gewesen. Da hätte er von seinem rechten Standort aus sogar recht, weil er Dick Marty (FDP) gewiss für einen Linksextremen hält.

Schwieriger wird es für Chefredaktor Köppel, wenn er die Scheuklappen ein bisschen öffnet und die «Arena» einbezieht: Am 25. Februar (Arabische Welt im Umbruch) konnten auch Parlamentarier wie SVP-Nationalrat Luzi Stamm mehrfach vor dem drohenden Flüchtlingsstrom warnen. Und in der einschlägigen «Arena» vom 4. März («Droht eine Flüchtlingswelle?») durfte neben Philipp Müller (FDP) auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli eine ausführliche Hauptrolle spielen.

Aber Mörgeli war hinterher vorwiegend beleidigt, weil der noch etwas neue Moderator Urs Wiedmer die Diskussion über die SP und ihre Rolle in der Sozialistischen Internationale kurzfristig abbrach. Schon wieder hat die «Weltwoche» einen Beweis für die «Linkslastigkeit der Schweizer Fernsehens»! (s. Mörgeli in:«Weltwoche» 10, 2011).

Es gilt zwar, dass «seit mindestens 30 Jahren die Zeit vorbei ist, wo im Schweizer Fernsehen nach drei Linken kein einziger Bürgerlicher zu Wort kam» («10 vor 10»-Chef Hansjörg Utz), aber die «Weltwoche» wird immer wieder Anlass finden, zu beweisen, was sie beweisen will. Sie wird sich die Statistiken besorgen, die sie braucht, und sie wird die Wirklichkeit so zubereiten, dass sie für ihre Propaganda passt. Bei Bedarf auch nach dem Motto: Um so schlimmer für die Tatsachen.

Warum also sollte das SSM, sollten die Mediengewerkschaften auf «Weltwoche»-Fragen in geradezu sträflicher Naivität eingehen? – Die Antworten sind doch ohnehin nur Material für eine vorgefertigte Geschichte?

Journalismus als pseudo-intellektuelle Kampagne

Roger Köppel selber, der sich im gleichen Editorial so stark macht gegen alle Transparenz in Politik (Parteienfinanzierung) und Marktwirtschaft (Besitzverhältnisse bei Zeitungen), agitiert im gleichen Atemzug heftig für das Gesinnungs-Outing der Informationsjournalist_innen beim «staatlichen Rundfunk», welcher «Vielfalt…im eigenen Haus weder zulässt noch pflegt.» («Weltwoche» 10, 2011) Er sagt das ohne auch nur den Hauch eines Belegs. Er präsentiert pseudo-intellektuelle Kurzschlüsse verpackt in eine geschliffene Sprache. Und er spricht einmal mehr vom Staat und «seinem TV-Sender», als ob die SRG nicht ein privater Verein wäre, mit einem öffentlichen Auftrag. Aber das wird Roger Köppel, auch wenn er es begreift, als «Weltwoche»-Chef nie über die Lippen bringen.

Vor allem aber verweigert er sich der Denkarbeit, die mit dem Journalismus als Beruf verbunden ist. Chefredaktor Roger Köppel kann sich offenbar nicht vorstellen, dass publizistische Arbeit etwas anderes ist als die Veröffentlichung der eigenen Meinung mit allen verfügbaren Mitteln. Und so kommt er zwangsläufig zum Schluss, dass die Farbe des Radio- und Fernseh-Programms gleich der politischen Farbe der Redaktorinnen und Redaktoren ist. Oder ihrer Chefs. Oder der Eigentümer. Wie bei der «Weltwoche».

Journalismus als Beruf

David Sieber, nach eigenem Bekenntnis ein «Alt-Linker», heute Chefredaktor der «Südostschweiz», sagt zum professionellen Journalismus folgendes: «Scheuklappen sind Accessoires, die kein Journalist tragen darf. Die persönliche Meinung muss sich auf Kommentare beschränken. Wenn diese Spielregeln eingehalten werden, machen wir unsern Job richtig.» («Interna» – der Blog von David Sieber. http://www.suedostschweiz.ch/community/blogs/der-journalist-und-seine-unabhangigkeit)

Er trifft sich mit dieser Haltung wohl mit Lis Borner, der Chefredaktorin von Schweizer Radio DRS. Sie erwartet von Journalist_innen, dass ihnen die gesellschaftliche und politische Entwicklung «ein Anliegen ist». Und sie fügt sofort hinzu:«Wer nicht differenzieren kann zwischen seiner eigenen Meinung oder seiner eigenen politischen oder wirtschaftlichen oder kulturellen oder religiösen Interessenbindung und der Aufgabe als professionelle Journalist_in, ist bei der SRG nicht am richtigen Ort.»

Das wäre dann, im Unterschied zum Journalismus als Kampagne, Journalismus als Beruf.

Offenlegung, Redlichkeit, Respekt

Sieber wundert sich wie Nick Lüthi und andere über die Abwehrreaktion des SSM und anderer Gewerkschaften auf die Fragen der «Weltwoche». Die Verwunderung ist berechtigt, wenn man voraussetzt, dass den Journalist_innen, die ihre Werthaltungen und organisatorischen Bindungen in Politik, Wirtschaft, Kultur offen legen, mit redlichem Interesse und respektvollem Umgang begegnet wird. Die «Weltwoche» beweist mit unschöner Regelmässigkeit, dass sie das nicht tut.

Im Gegenteil: Die «Weltwoche» verletzt mit ihren Kampagnen immer wieder das Wertgefüge, das für den nachhaltigen Bestand einer freiheitlichen Diskussion in einer pluralistischen Demokratie eine unverzichtbare Grundlage bietet: Respekt vor den Andersdenkenden. Sie verletzt dieses Fundament mit System.

Sie führt Kampagnen gegen Menschen, zunächst in prominenten Führungspositionen: de Weck, Schawinski, Hildebrand. Sie grenzt andere auf heimtückische Weise aus: «Schwarze Menschen in der Schweiz». Sie spaltet das Land.

Die «Weltwoche» arbeitet wie die SVP mit dem Mittel der fortschreitenden Provokation – haben sich Leser_innen, Stimmbürger_innen, Wähler_innen an das schwarze Schaf de Weck gewöhnt, folgen die Meinungs-Vergewaltiger vom Leutschenbach. – Wer sind die nächsten?

Es ist die Methode, die mit Emotionalisierung arbeitet, mit Angst und, nicht zu vergessen, mit Hass – der selbstverständlich den anderen untergeschoben wird, den «SVP-Hassern» zum Beispiel.

Menschen, die eine andere Position vertreten, die nicht den Machtanspruch der SVP unterstützen (oder die aus einer anderen Kultur stammen), werden an den Pranger gestellt und zum Abschuss präpariert.

Das ist mittlerweile offenkundig. Ich halte es für zwingend notwendig, diese Methode der Etikettierung und Diffamierung nicht mehr zu bedienen.
Und deshalb halte ich es für richtig, solche Fragen der «Weltwoche» auf ihre Absicht hin zu hinterfragen und nicht zu beantworten.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Robert Ruoff war von 1981 bis 2004 in verschiedenen Funktionen Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens bzw. der SRG. Er ist Mitglied des SSM.

Zum Infosperber-Dossier:

Flickr2

Medien unter Druck

Wer Zeitungen und Fernsehen kontrolliert und besitzt, hat Einfluss und Macht.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

9 Meinungen

  • am 23.03.2011 um 23:14 Uhr
    Permalink

    Weltwoche gegen den Rest, SVP gegen den Rest. Gut gegen Böse, böse gegen gut. Kampagnenjournalismus gegen seriösen Qualitätsjournalismus, seriöser Qualitätsjournalismus gegen Kampagnenjournalismus. Etc. Immer die gleiche Leier. Ich habe den Eindruck, dass weder Köppels Konsorten noch jene, die ihn kritisieren, jemals wirklich ihren politischen Drall abstreifen können. Das ist eine Illusion, akzeptieren wir die doch! Der Mensch ist ein subjektives Wesen – wollen wir denn, dass künftig Computer für uns Journalismus machen? Nein danke! Da gelobe ich mir den Spagat zwischen Weltwoche und WOZ, einer Sonntagszeitung, deutschen Wochenblättern und diversen Onlineportalen und Blogs – und behalte trotz köppelschem Journalismus wie auch jenem seiner ärgsten Antipoden kühlen Kopf. Gute Nacht!

    0
  • am 29.03.2011 um 11:27 Uhr
    Permalink

    Wenn ich an dieser Stelle auf den Pubkt 4 im Menüpunkt «Über uns» in der Fusszeile dieser Plattform verwiesen darf:

    4. Die Plattform ist politisch und konfessionell neutral. Sie ist unabhängig von wirtschaftlichen, politischen oder weltanschaulich-religiösen Interessen. Sie will es interessierten Bürgerinnen und Bürgern erleichtern, sich dank zusätzlichen Informationen aus anderen Perspektiven eine eigene Meinung zu bilden.

    Wie neutral kann ein ehemaliger Mitarbeiter vom SF DRS über Berichterstattungen über die SRG sein? http://www.bakom.admin.ch/themen/infosociety/02030/02034/03019/index.html?lang=de

    0
  • am 30.03.2011 um 15:06 Uhr
    Permalink

    Handelt es sich beim Autoren Robert Ruoff nicht um jenen Robert Ruoff, der 25 Jahre lang beim Schweizer Fernsehen gearbeitet hat, Mitarbeiter des Generaldirektors der SRG, sowie Pressesprecher und Leiter der Kommunikation bei SF DRS war?
    Und falls doch, weshalb schreibt er dann, dass er KEINE «Themenbezogene Interessen (-bindung)» habe?

    Wollen Sie mich für dumm verkaufen?

    Und bitte, dieses «Leser_innen, Stimmbürger_innen, Wähler_innen» ist nicht Ihr Ernst, oder doch? Sie haben wahrhaft ein Talent zur Komik. Darüber haben Sie wohl jedes Augenmass verloren. Und Augenmass ist nie falsch. Ihre «Leser_innen» (wie spricht man das aus? Oder hätt ich man_frau schreiben müssen?) nun, Ihr sprachliches Geholper wird uns Frauen nicht retten.
    Bitte lassen Sie es nicht soweit kommen, dass wir die Sprache vor Leuten wie Ihnen retten müssen.
    Gleiche Chancen für Frauen, für gleiche Arbeit gleicher Lohn: Dafür lohnt sich zu kämpfen. Aber nicht für Binnen-I, gender gap und gender character.

    0
  • am 30.03.2011 um 16:59 Uhr
    Permalink

    Danke, dass Sie Ihre themenbezogenen Interessen nach zehn Tagen nach Erscheinungsdatum doch noch offenlegen. Es wäre allerdings flott zu erwähnen, dass Sie dieses Update erst nach meiner Nachricht vom 30. März 2011 um 15:06 Uhr getan haben.

    0
  • am 31.03.2011 um 16:13 Uhr
    Permalink

    @ Loew: Linke müssen, wie alle Mitglieder einer Glaubensbewegung, eine Reihe von Geboten und Vorschriften strikte befolgen. Dass man als guter Linker nur noch von «Leser_innen, Stimmbürger_innen, Wähler_innen» spricht und schreibt, versteht sich von selbst und dies führt uns Herr Ruoff ja auch aufs Vorbildlichste vor. Aber sollte man nicht auch von «Meinungs-Vergewaltiger_innen vom Leutschenbach» reden, zumal ebenda ja nicht wenige Frauen am Werke sind? Der wirklich aufgeklärte Linke muss deshalb konsequent nur noch von Vergewaltiger_innen schreiben – das ist wahre Gleichberechtigung! Und «Feindbilder» sind doch wohl «Feind_innenbilder», die «Chefetage» eine «Chef_innenetage», mit Unterstrich und kleinem i, schliesslich sollen sich auch Menschen angesprochen fühlen, die sich sexuell nicht zuordnen wollen.

    Ich hoffe doch sehr, dass sich der Infosperber zu einer/m Infosperber_in entwickelt – weg vom Patriarchat, hin zu einer konsequent gendergerechten Sprache.

    0
  • am 3.04.2011 um 18:52 Uhr
    Permalink

    mein senf nach wenigen tagen infosperber:
    – sperber ist schon mal ganz gut. grund: die ornithologen wissen in vielen umweltthemen fast immer vor allen anderen bescheid, anscheinend sind vögel ein ein gutes frühwarnsystem und insorfern finde ich den medialen anspruch, der in der marke «infosperber» definiert ist, vielversprechend.
    – die klingenden namen der initianten tönen vertrauenswürdig, es ist ein wenig ein aufatmen, dass die alten kämpen die zeichen der zeit erkannt haben und etwas im internet machen. das ist seit jahren überfällig. aber henusode, schön, dass innert kurzer zeit gleich zwei portale (das andere ist journal21) an den start gegangen sind.
    – die rotierenden topstorys auf der startseite gehen gar nicht. ich will selber bestimmen, wie lange ich brauche, um eine topstory mit bild und teaser zu erfassen. das haben mittlerweile 99% aller portale gemerkt.
    – die interessenbindungen am ende jedes artikel sind zwar vorbildlich gedacht, aber schlecht gemacht. in den meisten artikeln steht da noch nichts, was die idee zumüllt. ich möchte an dieser stelle lieber einen link zu einem autorenporträt, das mir mehr als nur interessenbindungen aufzeigt.
    – die buttons für “gefällt mir” und “tweet” in ehren, aber das ist nur die halbe miete. hat hier niemand einen twitter account? oder ein facebook konto? hallo?
    – die google anzeigen rund um die seite sind extrem hässlich, sie machen die seite optisch zur sau und sie bringen null geld. was soll das? entweder nichts machen oder den werbeplatz irgendwelchen ngo’s zur verfügung stellen wäre eleganter.
    – über alles gesehen finde ich die seite sehr unübersichtlich und überladen. sie macht mir den eindruck, als sei sie in den 90ern kreiert worden. alles sehr grau, die farben führen mich auch nach mehreren tagen/besuchen nicht wirklich weiter.
    – gut gedacht und gemacht sind: die flattr- und paypal buttons. eher daneben finde ich den dortigen hinweis, wie man spenden von steuern abziehen kann. stattdessen würde man an dieser stelle wohl besser erklären, wie flattr oder paypal funzen.

    0
  • am 10.04.2011 um 14:15 Uhr
    Permalink

    die Begriffe politisch «Links» und «Rechts» müssten zuerst einmal wieder definiert werden. Neu denfiniert. Wie kann disputiert werden mit unklaren Begriffen?
    Links bedeutete einmal die linke Seite des französischen Parlaments, das sassen die Liberalen. «Rechts» vermutlich die Aristokraten(?).
    Was das Zusammenleben erschwert ist eher der Kollektivismus. Das bedeutet, dass alle ein bischen kollektiv zahlen und eine ausgewählte Minderheit profitiert.
    Diesen Kollektivismus gibt es in unserem Lande sehr üppig und gewiss nicht nur von «Links"!
    Wo wäre die Atomwirtschaft ohne den Kollektivismus äh, Subventionismus? Alle bezahlen ein bischen, damit eine Elite das grosse Geschäft machen kann! Die Verantwortung und Haftung des wirtschaftens wird leider nicht den Urhebern überbunden, wie es eigentlich Prinzip der freien Wirtschaft wäre. Nein, die Probleme werden kollektiv getragen, man nennt dies dann «Gross-Schaden-Regelung". Dies heisst wiederum, dass die Betreiber-Gesellschaften nur mit der Versicherungsdeckung von1 Mia CHF und dem Aktienkapital haften. Das ist ein Nichts angesichts des ernormen Schadens der verursacht werden kann. Unbezahlbar, wer könnte uns eine neue Heimat kaufen? – womit? Mein Haus… unbewohnbar, ausziehen, Oeko-Flüchtling… Entschädigung: nichts! So wirtschaftet die «Wirtschaftselite» der Schweiz mit dem Segen der gekauften Parlamentarier… Ist diese Denk- und Handlungsweise «links» oder «rechts"? – wohl eher finanz-adlig-kollektivistisch! Beheimatet in den Kreisen die sich «bürgerlich» nennen und von Verantwortung schwafeln. Bei Abstimmungen wird kräftig Propaganda gemacht, verlogen und mit unserem Geld, das wir mit der Stromrechnung bezahlen. Das Rechtsextremistische Geschwafel von der «linken Gefahr» ist ein gekonntes Ablenkmanöver. Beschämend für uns (bürgerliche!) Stimmberechtigte, dass diese Taktik erfolgreich ist. Weitere Beispiele kann sich jeder ausdenken… weshalb ist die Pharmaindustrie so mächtig? kollektivistische Finanzierung über die Krankenkassenprämien mit gütiger Mithilfe der «Linken". Vorsorge 2. Säule…. usw. Rüstung….
    Auch heute noch gilt System Stahlin oder System Hitler :-((((
    Was die NSDAP mit Propaganda und Feinbildkonstrukten zustande brachte muss uns allen zu denken geben. Die Hetze ist der erste Schritt!

    0
  • am 14.04.2011 um 14:09 Uhr
    Permalink

    Vielen Dank, dass Sie als ehemaliger SF-Mann mit diesem Beitrag wunderbar aufgezeigt haben, wie links und SVP-hassend die SRG-Journalisten sind.

    0
  • am 14.04.2011 um 20:13 Uhr
    Permalink

    Herr Türler, ich finde das Wort «Hass» ziemlich übertrieben – sie (diese Journalisten, die Sie meinen) können ja in der Regel ja auch wenig bis nichts dafür, weil sie u.a. auch so «sozialisiert» wurden. Genauso, wie etwa Köppel anderweitig «sozialisiert» wurde, wie Sie und ich auch anders «sozialisiert» wurden. Das hat der «rechte» Satiriker Andreas Thiel einmal in einem Interview auf Tagi- oder BZ-online schön gesagt. Mir z.B. geht der ganze Links-Rechts-"Kack» auf den Sack, ich vermisse in der Schweiz den echten, gegen alle Seiten gleich kritischen Journalismus. Schade eigentlich.

    0

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...