Jo Cox: Treffende Polemik eines Moderators

Daniela Gschweng /  Der britische Radiomoderator James O'Brien ging nach dem Mord an Jo Cox mit den Medien hart ins Gericht. Sie seien mitschuldig.

Eine dreiminütige Polemik des LBC-Moderators James O’Brien über den Anschlag auf Jo Cox wird im Internet gerade viel beachtet. O’Brien beklagt das Klima, in dem eine derart «mörderische» Stimmung entstehen konnte, die den Tod eines Menschen zur Folge hat. Damit meint er auch die Medien, die dieses Klima gefördert hätten.

«Ist es nur ansatzweise bei uns vorstellbar, dass jemand heute einen Mord begeht, um politische Ziele durchzusetzen?», fragt der Moderator eingangs. Und beantwortet diese Frage selbst mit «Ja, das ist vorstellbar.» Auszug:

«Wenn ich jeden Morgen meine Zeitung lesen würde und mir gesagt würde, dass meine Existenz von Leuten bedroht wird, die ich nie getroffen habe, mir aber gesagt wird, dass sie in Horden hierherkommen… Zu hören, dass alle, die hierher kommen, Vergewaltiger sind, und dass sie ein Auge auf unsere Frauen werfen und dass wir keine Chance haben, uns zu verteidigen, ausser wir tun dieses oder jenes… dann sind wir alle verloren. Jedes Mal, wenn ich aufstehe, denke ich, ich fange an, das zu glauben. Wenn ich nicht das Wissen, die Einsicht und die Bildung hätte, um zu wissen, dass es nicht wahr ist»

Der Moderator fügt hinzu: «Von wem wollen wir unser Land zurück? Von welcher Zeit wollen wir unser Land zurück? Wie wollen wir unser Land zurück? Wir wollen es zurück vom 21. Jahrhundert, oder?»
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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund von Berichten mehrerer sozialer Medien und anderer Quellen erstellt.


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6 Meinungen

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    am 20.06.2016 um 14:16 Uhr
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    Dieser Moderator lebt ohne sichere Kenntnis von Hintergründen oder wenigstens historisch vergleichbaren Fällen sein Feindbild aus. In Berlin 1967 bei den Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg entpuppte sich der Täter Jahrzehnte später als Stasi- IM. 1968 beim Attentat auf Rudi Dutschke war der Schütze nachweisbar schon länger in die rechtsextreme Szene integriert, es war kein durch die Medien aufgeschrecker rein isolierter Einzeltäter. Die Medien waren in beiden Fällen also trotz herkömmlich plumpem Auftreten nicht schuld, aber es gab eine Kampagne von Überzeugten, wonach es der Springerpresse anzulasten sei. Es handelt sich also hauptsächlich um einen sicheren Ausdruck der Befindlichkeit des Kommentators, alles andere ist nicht erwiesen. «Treffende Polemik» ist wiederum nur Ausdruck der Befindlichkeit «Ich bin gleicher Meinung». Von Information oder gar Aufklärung kann wohl kaum gesprochen werden.

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    am 20.06.2016 um 14:16 Uhr
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    Dieser Moderator lebt ohne sichere Kenntnis von Hintergründen oder wenigstens historisch vergleichbaren Fällen sein Feindbild aus. In Berlin 1967 bei den Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg entpuppte sich der Täter Jahrzehnte später als Stasi- IM. 1968 beim Attentat auf Rudi Dutschke war der Schütze nachweisbar schon länger in die rechtsextreme Szene integriert, es war kein durch die Medien aufgeschrecker rein isolierter Einzeltäter. Die Medien waren in beiden Fällen also trotz herkömmlich plumpem Auftreten nicht schuld, aber es gab eine Kampagne von Überzeugten, wonach es der Springerpresse anzulasten sei. Es handelt sich also hauptsächlich um einen sicheren Ausdruck der Befindlichkeit des Kommentators, alles andere ist nicht erwiesen. «Treffende Polemik» ist wiederum nur Ausdruck der Befindlichkeit «Ich bin gleicher Meinung». Von Information oder gar Aufklärung kann wohl kaum gesprochen werden.

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    am 20.06.2016 um 16:58 Uhr
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    Was James O’Brien sich gedacht hat, weiss ich nicht. Welches Motiv der Mann hatte, der Jo Cox erschossen hat, weiss noch niemand. Mir ging es weniger ums Wetter als ums Klima. Da ist O’Briens Aussage treffend.

    Er fragt sich, ob es vorstellbar ist, dass jemand aus Fremdenhass zur Waffe greift und woher dieser Fremdenhass kommt. Sie ist genauso übertragbar auf Leute, die Asylantenheime anzünden, ohne je mehr als eine Handvoll Asylanten getroffen zu haben. Und auf eine Öffentlichkeit, die sich darüber nicht mehr wundert.

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    am 20.06.2016 um 16:58 Uhr
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    Was James O’Brien sich gedacht hat, weiss ich nicht. Welches Motiv der Mann hatte, der Jo Cox erschossen hat, weiss noch niemand. Mir ging es weniger ums Wetter als ums Klima. Da ist O’Briens Aussage treffend.

    Er fragt sich, ob es vorstellbar ist, dass jemand aus Fremdenhass zur Waffe greift und woher dieser Fremdenhass kommt. Sie ist genauso übertragbar auf Leute, die Asylantenheime anzünden, ohne je mehr als eine Handvoll Asylanten getroffen zu haben. Und auf eine Öffentlichkeit, die sich darüber nicht mehr wundert.

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    am 22.06.2016 um 09:52 Uhr
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    Herr Meier, es fragt sich nun ob Sie denn diese Kenntnis haben oder da einfach auf die Aussagen der Medien und gewisser Historiker vertrauen, die das dann Jahrzehnte später «richtigstellen». James O’Brien tut gut daran zu hinterfragen, ob denn die Berichterstattung der Medien einen Menschen dazu bewegen können, eine Tat zu begehen, die er ohne diese «tägliche Berieselung» nicht so begangen hätte. Sie kritisieren deise Aussage und Information und finden diese Position nicht OK, weil sie als «wahr» übernommen wird. Welches Blatt und welches Medium ist denn so neutral, dass es schon seine Untersuchungen ungefärbt durchführt, geschweige denn mit gerechter Darstellung unterschidelicher Positionen seine Informationen und Aufklärungen verbreitet? Wenn wir eifach Mal nichts glauben und als wahr betrachten, bis es zig Jahre später endlich wirklich auskommt, erleuben wir womöglich (erneut), dass die «dunkle Seite» an die Macht kommt. Und der Weg der Abscheu gegenüber Mord ist m.E. ein richtiger Anfang.

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    am 22.06.2016 um 13:40 Uhr
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    Der Mord an John F. Kennedy und an seinem Bruder Robert, und viele andere, waren keine politischen Morde? Von einem einzelnen Verrückten nur begangen?

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