Die Tamedia-Zeitungen manipulieren ihre E-Papers
«Gemäss mehreren Quellen prüft der Verband juristische Schritte gegen die zurückgetretene Geschäftsführerin Yvonne Ribi.» Das schrieben die Tamedia-Zeitungen am Samstag. Im Artikel ging es um den Konkurs des Dachverbandes der Pflegerinnen und Pfleger, «Alliance Care».
Die Sache mit den juristischen Schritten gegen Ribi klang spektakulär. Aber sie ist falsch. Der Verband geht nicht juristisch gegen die einstige Geschäftsführerin vor.
Interessanter als der Fehler an sich ist aber ohnehin der Umgang damit. In einem dürren Korrigendum stellen die Tamedia-Zeitungen zwar den Fehler drei Tage später richtig, aber sie entschuldigen sich nicht dafür. Schlimmer noch: In ihren E-Papers versuchen sie, den Fehler zu vertuschen. Sie haben ihre E-Papers, die daherkommen wie gedruckte Zeitungen, manipuliert.
Ursprünglich sah der Artikel in der «Berner Zeitung» so aus:

Mittlerweile sieht der Artikel so aus:

Die Schweizerische Mediendatenbank lässt sich offenbar weniger leicht manipulieren. Deshalb sieht der Artikel dort so aus:

Dass die Tamedia-Zeitungen ihre E-Papers manipulieren, ist – zurückhaltend ausgedrückt – erstaunlich. Immerhin gibt es im Verlag ein Handbuch mit dem vielversprechenden Titel «Qualität in den Medien, Leitlinien für einen hochwertigen Journalismus».
Im Kapitel «Das journalistische Handwerk» steht unter dem Punkt «Fehlerfreiheit und Wahrheit»: «Fehlerkorrekturen müssen für die Leserschaft jederzeit einsehbar sein. Dies gilt vor allem für Korrekturen auf den digitalen Kanälen, die im Abspann mit Zeitangabe der Veränderung und Verweis auf den früheren Wortlaut transparent erfolgen sollen.»
Genau um einen solchen digitalen Kanal handelt es sich beim E-Paper. Aber davon, dass die Tamedia-Zeitungen korrigiert haben, steht nichts.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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