«Die Angebote der SRG braucht es mehr denn je»
SVP-Bundesrat Albert Rösti hat die jährlichen Gebühren für die SRG bereits eigenmächtig von 335 auf 300 Franken jährlich gesenkt. Die Halbierungsinitiative will sie bei 200 Franken deckeln.
Vor allem Sport- und Unterhaltungssendungen sollen SRF, RTS und RSI den Privaten überlassen – so die Forderung der Initianten.
«Anker der Stabilität»
Die Halbierungsinitiative sei ein «Angriff auf unser demokratisches System», heisst es in einer Stellungnahme, die der Verband «Medien mit Zukunft» am 13. Januar veröffentlichte. Mit diesem Verband vertreten unabhängige Medien ihre Interessen gegenüber grossen Verlagskonzernen und der Politik.
Im krisenhaften Medienumfeld sei die SRG ein «Anker der Stabilität», erklärt der Verband. Sie stelle sicher, dass alle Sprach- und Randregionen der Schweiz und alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu unabhängigen und qualitativ hochstehenden Informationen haben. Und sie schaffe Vertrauen: Laut Reuters Digital News Report sind SRF-News die vertrauenswürdigste Medienmarke für die Schweizerinnen und Schweizer.

Es stimme nicht, dass die SRG den privaten Medien schade. Der Verband stützt sich auf eine Studie, wonach sich der mediale Service Public auf die Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte sogar positiv auswirke.
Die SRG fördert in grossem Umfang Schweizer Musik, Literatur, Film, Theater und Volkskultur, und zwar in allen vier Sprachen: «Kürzt man die Mittel der SRG, führt dies zu Verlusten in den genannten Kulturbereichen», erklärt der Verband.
Pflichten und Beschwerdestellen
Die bundesrätliche Konzession schreibt der SRG vor, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung beizutragen, auf die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone Rücksicht zu nehmen, die Ereignisse sachgerecht darzustellen und die Vielfalt der Ansichten widerzuspiegeln. SRF, RTS und RSI müssen der Aufsichtsbehörde Uvek detailliert und transparent Bericht erstatten (Details hier). Gegen Pflichtverletzungen können sich Betroffene bei einer Ombudsstelle und einer Beschwerdeinstanz wehren. In letzter Instanz entscheidet das Bundesgericht.
Wird das Budget der SRG gekürzt, wie es die Initiative vorsieht, kann die SRG diesen breiten Auftrag nicht mehr erfüllen.
Eine Schwächung der SRG würde die Marktmacht der paar kommerziellen Medienkonzerne noch verstärken. Die TX-Group («Tages-Anzeiger»-Gruppe) hält im Online-Bereich der Deutschschweiz einen Marktanteil von 32 Prozent, Ringier 20 Prozent und die SRG 16 Prozent.
Kosten für Pay-TV und Streamingdienste
Wenn SRG-Sender verschiedene Sportereignisse nicht mehr übertragen, müssen sich Zuschauerinnen und Zuschauer an kostenpflichtige private Angebote wenden. Das würde die kommerziellen Verkäufer von Pay-TV und die zahlungspflichtigen Streaming-Diensten freuen. Am Schluss zahlt das TV-Publikum mehr als die 27 Rappen Gebühren, die jeder Haushalt täglich sparen würde, wenn die Halbierungsinitiative angenommen würde.
Weniger Unterhaltungssendungen führen zu sinkenden Einschaltquoten und damit zu sinkenden Werbeeinnahmen. Die SRG müsste ihre Fernseh- und Radioangebote noch stärker amputieren. Dabei würden die Werbeeinnahmen nicht etwa zu den Privaten abwandern, sondern in erster Linie zu den grossen ausländischen Tech-Plattformen.
Es wäre auch vorbei mit dem grossen Fundus der kostenlosen Mediatheken von SRF, RTS und RSI.
Vom Staat finanziell abhängige Sender in der Westschweiz und im Tessin?
Eine Analyse im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation kam zum Schluss, dass bei einer Annahme der Halbierungsinitiative die Einnahmenverluste im französischen und italienischen Sprachgebiet überdurchschnittlich hoch ausfallen würden.
Nach einer Senkung der SRG-Gebühren auf 200 Franken jährlich müssten die Westschweiz und das Tessin entweder auf attraktive TV- und Radiokanäle verzichten oder sie würden staatlich finanzierte und somit vom Staat abhängige Sender erhalten.
Die meisten Halbierungs-Befürworter drücken sich um diese Kernfrage: Wie soll die SRG mit halbierten Gebühren ihre Aufgabe in der Westschweiz und im Tessin erfüllen? Einzig der «Tages-Anzeiger» hatte einmal auf die Kernfrage hingewiesen: «Anti-SRG-Initiative schreckt die Romandie auf».
Wer die TV- und Radiogebühren derart senken will, soll nicht um den heissen Brei herumreden, sondern die Konsequenzen für die Westschweiz und das Tessin klar benennen:
- Entweder müssen sich die Westschweiz und das Tessin mit einem einzigen hochwertigen informativen öffentlich-rechtlichen TV-Programm und einem Informationskanal des Radios in ihren Sprachregionen zufriedengeben.
- Oder der Bund hilft dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio mit Steuergeldern.
Im ersten Fall wäre die Deutschschweiz nicht mehr bereit, sich den Föderalismus etwas kosten zu lassen. Im zweiten Fall würden die Westschweiz und das Tessin Staatssender erhalten.
Jedenfalls sollten die Initianten nicht weiter behaupten, in den drei Sprachregionen gleichwertige und hochwertige Programme erhalten zu wollen.
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Das deutsche ZDF verfügte im Jahr 2025 über mehr als doppelt so viel Geld wie die SRG (2,75 Milliarden Euro gegenüber 1,54 Milliarden Franken). Wenn man noch berücksichtigt, dass die SRG Vollprogramme in drei Landessprachen produziert, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der SRG sehr gut.
Aus allen diesen Gründen lehnt der Verband «Medien mit Zukunft» mit seinen über zwei Dutzend angeschlossenen Medien die Halbierungsinitiative ab.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Die Stiftung SSUI, welche Infosperber finanziert, ist Mitglied des Verbands «Medien mit Zukunft».
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.










SRG ja – aber nicht ständig wachsend! Deshalb bin ich für ein JA zur Initiative:
Die SRG hat immer mehr Einnahmen: Von etwa CHF 0,8 – 0,9 Mrd. im Jahr 1995 hat sich der Umsatz kontinuierlich nach oben entwickelt und liegt heute bei rund CHF 1,5 – 1,6 Mrd – also fast doppelt so viel. Etwa 83 % des Umsatzes stammen aus dem Haushalts‑Medienabgabe‑Gebühr (Datenquelle KI – man belehre mich, wenns nicht stinmt).
War denn 1995 die unabhängige Information in allen Sprachregionen nicht gut? Was ist heute besser? Gab es noch keinen Sport damals? Gab es keine Eigenproduktionen? Gab es noch keine dritten Radiosender?
Sie sprechen von den Zuständen vor 30 Jahren! Wie hat sich Ihr Lohn seither entwickelt? Die Frage ist nur, wie viel ist Ihnen eine unabhängige Information wert? Schauen Sie nach Ungarn, in die Türkei, Nach Russland oder die USA. Sind das Ihre Wunschdestinationen? Fr. 100.- pro Jahr sind keine 28 Rappen pro Tag! Ist das der Abbau der Demokratie wert?
Ihre Aussage zu den genannten Ländern spiegelt genau diese Einseitigkeit wie SRG berichtet und wie es von vielen kritisiert wird. Wenn sie nur schon den INFOSPERBER regelmässig lesen (es gibt auch nur andere kritische Medien), dann müssten sie wissen dass die SRG längst nicht das A&O der Bericherstattung ist.
Es gibt noch andere kritische Medien, richtig! Aber Tele Blocher, die Weltwoche etc. gehören nach meiner Meinung nicht dazu. Ich muss nicht alles von SRF glauben, aber ein Teil der Schweizer glaubt, dass die SVP nur die Interessen des einfachen Bürgers vertritt. Und ich bin überzeugt, dass ich lieber in der Schweiz als in Ungarn, Russland oder der Türkei lebe. Im Gegensatz zu vielen habe ich grosse Teile der Welt gesehen und konnte mir eine Meinung bilden.
Private Sender wie BlocherTV wollen ihre Narrative verbreiten und Gewinne maximieren. Es geht ihnen um Einfluss und Profit.
In Ländern ohne unabhängige Medienunternehmen wie die SRG sind kostenpflichtige Angebote die Regel. Wir sparen 100 Franken, nur um später 1000 Franken für Bezahldienste auszugeben. Bald wird eine Gebühr von mindestens 10 Franken pro Spiel für Olympia, Weltmeisterschaften, Schwingen, Ski, Leichtatlethik, Fussball- und Eishockeyspiele fällig. Es sind Fake News, das mit weniger Geld die gleiche Leistung zu bekommen ist.
Unabhängiger Journalismus wird dabei stark eingeschränkt. Mir persönlich ist unabhängiger Journalismus, sogar mehr als einen Franken pro Tag wert.
Ich gebe gerne CHF 400/Jahr aus für Medien deren Angebot ich wünsche. Dagegen finde ich es absolut störend für ein Staatsmedium mit heftigem Linksdrall, welches ich nicht konsumieren will, bezahlen zu müssen!
Geben Sie doch bitte ein paar Beispiele für den Linksdrall. Dieser wird nur von Rechts erhoben, um die SRG in ein Ecke zu drängen. Ich persönlich sehe einen starken Rechtsruck der SRG.
Zudem ist die SRG (wie alle Medien) die 4. Staatsgewalt und muss die Regierenden immer wieder kontrollieren. Das dies der SVP und der FDP nicht passt liegt auf der Hand. Swissair, USB, CS und jetzt das Wallis zeigen auf, wie die Politik nicht die Bevölkerung priorisiert sondern das eigene Portmonaie.
Häufig muss zwischen den Zeilen gelesen werden. So hat ARD Chef, Kay Griffke, mal über die Berichterstattung gegenüber der AFD erklärt,faktisch seien die richtig,aber zwischen den Zeilen steht: «wir wollen dass ihr die doof findet».Da sehe ich Parallelen SRF-SVP. Haben sie auf SRF irgendwas zum großen Betrug der Somalia Gemeinde in Minnesota gelesen?Ich würde mich gerne über die Arbeit von Milei in Argentinien informieren,aber ich weiß, derjenige der was schreibt,will damit auch bezwecken,dass wir den als doof anschauen.Auch brachte SRF nichts,dafür gabs eine öffentliche Rüge,über die entschwärzten RKI Files.Leider ist das SRF auf die Erzählungen reingefallen,dass Maßnahmen Gegner Rechts seien.Die wollte man nicht bestärken.Migration wird meistens positiv dargestellt und Probleme unter den Teppich gekehrt. Klimawandel ist ganz schlimm. Alle Berichte über RFK sind in diesem Ton gestaltet,auch wenn er fragwürdige Inhaltsstoffe aus Nahrung entfernt. SRF Kids Inhalte werden gegendert. ETC.
Leider finde ich keine Argumente über Linksdrall. Persönlich würde ich mir mehr Kritik z.B. an BR Rösti wünschen, den Resultate von Volksabstimmungen nicht wirklich beeindrucken. Aber ein Umweltminister als Erdöllobbyist ist eine schlechte Ausgangslage. Um festzustellen, dass sich die SVP für die Abschaffung der Demokratie einsetzt, muss man nicht sehr links stehen. Orban etc. lassen grüssen.
Wo liegt denn der Unterschied zwischen Ungarn (Orban immer wieder angeführt wird) und sogenannt „demokratischen Ländern“, in denen von Massenmedien betreutes Denken praktiziert wird, wo alles nichtgenehme mal eben gecancelt wird? Wohl nur „die anderen“ vs „wir“ (die ja sowieso nicht falsch liegen können)?
Ich sehe umgekehrt keine Argumente für den fehlenden „Linksdrall“.
Von einem von allen Schweizern, unabhängig von der politischen Ausrichtung, erwarte ich eine möglichst sachliche Berichterstattung. Das ‚Einordnen‘ kann getrost dem Zuschauer überlassen werden. Die SRG ist heute nach meiner Meinung ein Medium mit heftigem Linksdrall. Dafür bin ich schlicht und einfach nicht bereit zu bezahlen. Darum sind CHF 200 immer noch zuviel. Soll zahlen wer konsumieren will. So wie bei Infosperber.
Das ist der auch für mich springende Punkt: Dass eine Dienstleistung/Produkt nicht gratis ist, sondern kosten muss/darf, ist klar. Der mündige Medienkonsument soll aber selber entscheiden können, wo er was bezahlen soll. Einen Zahlzwang soll möglichst tief und auf neutrale Information reduziert sein.
Die SRG ist immer mehr zu einem Haltungsjournalismus-Medium verkommen. Das ist einem Anbieter unbenommen, der selber für die Einnahmen schauen muss. Die SRG ist aber ein Zwangsgebührenmedium. Dort gehören mMn primär Informationen hin. Weitergehende Einordnungen oder schlicht und einfach auch Unterhaltung sind durchaus auch gut, aber haben in Rahmen von Zwangsgebühren nichts zu suchen.
Je mehr öffentliche Gelder gekürzt werden, desto mehr Werbung, desto mehr Konsum, desto mehr Umweltschäden, desto dominanter die Finanzindustrie. Ich hätte lieber werbefreies Fernsehen und Radio und dafür bezahle ich gerne 20% (=Werbeeinnahmen) mehr wie heute!
Die SRG ist ganz sicher KEIN Medium mit Linksdrall!
Im Gegenteil, ich denke da vor allem an die Berichterstattung zu Corona – jedoch auch von allem was von den bürgerlich dominierten Parlamenten und Amtsstuben kommt.
Es gibt wohl bei der SRG zu viele zu gut bezahlte Beamtenstellen, auf denen Leute sitzen, die nicht wissen, was guter Journalismus ist. Aber mit der 200.-/Franken-Initiative ändert sich da nichts.
Es gib jedoch viele sehr gute Sendungen aus der Romandie und dem Tessin, welche manchmal auf Deutsch übersetzt und ausgestrahlt werden. Da liesse sich noch viel mehr machen. Auch in Sachen Verständigung zwischen Jung und Alt müsste die SRG aktiver sein. Da droht sich eine KIuft zu öffnen zwischen analog und digital.
Für den Zusammenhalt aller Landesteile brauchen wir eine starke SRG mit besseren und kritischeren Journalistinnen aber auch eigenen Korrespondentinnen in aller Welt. Und die müssen finanziert werden.
Der Verweis auf Corona hinkt gewaltig. Links hat praktisch alle Corona Maßnahmen gutgeheissen. Mit dem Wort «Solidarität» und der (falschen) Erzählung, Maßnahmen Gegner seien Rechts,konnte fast die gesamte Linke auf Linie gebracht werden. Da war das Zertifikat, plötzlich wichtiger,als: «Kein Mensch ist illegal». Auch waren Menschen die «Mein Körper,meine Entscheidung» skandierten,für viele Linke ein rotes Tuch.
Gedanken Spiel, ist das SRF näher der Woz oder der Weltwoche bei ihren Themen und Berichten? Da wirds schwer, einen Linksdrall zu verneinen.Bin erstaunt, wird die Debatte nicht ehrlicher geführt, ist nicht Vertrauensfördernd,in meinen Augen.
Bleibt das Problem dass die öffentlich rechtlichen ab und zu «ungenau» berichten. Das ist bestimmt auch ein Grund wieso sich schon viele Konsumenten ganz von diesen Sendern verabschiedet haben. Jüngst auch wegen des mangels an DAB+ Geräten. Und notabene trotzdem Beiträge bezahlen müssen. Es mag sein dass viele die Konzessionsgebühr aus der Portokasse bezahlen, häufig ist es aber ein beträchtlicher Budget-Posten, einer von vielen.
Ich mag für einseitige Darstellungen und banale Unterhaltung nicht bezahlen, unterstütze aber gerne ernsthaften Journalismus. Da gibt es im Internet ja ein breites Angebot.
Künstler mit einer vom mainstream abweichender Haltung kriegen von Staat und SRF keine Aufträge; auf systemkonforme Künstler kann ich aber bestens verzichten.
Und für’s Lokale gibt lokale Gefässe.
Ich hab keinen TV und höre höchstens noch Musik: ich kenne keine Sendung, die wirklich neutral informiert. 200 CHF pro Jahr sind – leider – immer noch zuviel.
Geht es der Mehrheit der SchweizerInnen so schlecht, dass sie, um jährlich Fr. 100.- zu sparen (täglich 28 Rp.), auf eine freie Meinungsbildung verzichten und die Abschaffung der Demokratie nicht als ein Problem sehen? Beispiele gibt es genug, wie Ungarn, Russland, USA und viele andere. Sparmöglichkeiten gibt es viele, aber hier ist sparen sicher falsch!
Nein, die Angebote der SRG braucht es für mich nicht. Die Fr. 330 sind für mich rausgeworfenes Geld. Ich wüsste nicht was ich dort noch zu suchen hätte. Und was die Aussage betrifft wonach die SRG für die SchweizerInnen die vertrauenswüdigste Medienmarke sei, wenn es denn tatsächlich so wäre, so heisst das noch lange nicht dass die SRG ausgewogen und umfassend informiert. Meine Wahrnehmung der letzten paar Jahre ist die dass bei den wirklich grossen Themen wie Corona und Ukrainekrieg, übereinstimmend mit den MS Printmedien & Politik, sehr einseitig berichtet worden ist bzw. wird.
Sehe ich sehr ähnlich. Denke ist der heutigen Zeit geschuldet. Haltung zeigen heisst die Devise und somit wird häufig leider nicht mehr informiert, sondern Haltungsjournalismus produziert. Wer jedoch schon meint zu wissen, was die «richtige» Meinung ist, kann nicht neutral berichten. Ein Konzern der von allen CH Bürgern Geld verlangt, wäre eigentlich in der Pflicht, dann auch die Meinung der Meisten abzubilden, oder aber eben nur zu informieren. Das Einordnen kann getrost dem mündigen Bürger überlassen werden. Auch wäre es sinnvoll, Beweggründe von Menschen mit anderer Sichtweise zu präsentieren, ohne Framing zu betreiben. Denn etwas verstehen zu wollen, heißt noch lange nicht, es auch gut zu heißen. So wies zurzeit läuft mit der SRG ist es halt unfair für viele Bürger und das SRG hätte Zeit genug gehabt, dies zu ändern, offensichtlich wollen sie nicht, deshalb werd ich ein JA einwerfen.
Eine SRG hat ihre Berechtigung, soweit einverstanden. Was aber nicht sein kann, die SRG hat sich nach dem knappen Resultat 2018, null bewegt und die wesentlichen Versprechen gebrochen. Marchand Worte kann jeder selber nachlesen (Webseite «www.srgd.ch/de/aktuelles/news/das-nein-zu-no-billag-eine-bestatigung-die-verpflichtet». Aber was interessiert mich das Geschwätz von gestern! 8 Jahre hätte die SRG nun Zeit gehabt, mit etwas Demut und Selbstreflektion gegenüber dem Steuerzahler das Angebot mit mehr Information und weniger Meinung und vor allem weniger Kommerz und Firlefanz zu gestalten. Aber offenbar hat man den Schuss vor den Bug nicht bemerken wollen. France tv ist komplett werbefrei, mit Nachrichten und Unterhaltung, Kultur und Sport und oben drauf ohne separate Gebühreneinzugsfirma… das hätte man sich als Vorbild nehmen können.
2018 sagten 71,6 (einundsiebzigkommasechs) Prozent der Abstimmenden NEIN zur No Billag-Initiative. Wie Herr Weber dazu kommt, diese krachende Niederlage von SVP & Co. zu einem «knappen Resultat» zurechtzuschreiben, bleibt sein Geheimnis. Die krass verfehlte, ärgerliche Reaktion von Generaldirektor Marchand auf dieses Traumresultat für die SRG steht auf einem anderen Blatt.
Infosperber: «Laut Reuters Digital News Report sind SRF-News die vertrauenswürdigste Medienmarke für die Schweizerinnen und Schweizer.»
Ich finde das eine kopfstehende «Referenz», weil Reuters und SRF für mich dieselbe «Partei» ist.
Der alte Gedanke ist, dass ein «öffentlicher» Sender besser sein soll als ein «privater». Leider sind die Öffentlichen das aber nicht mehr in meinen Augen. Auch in Deutschland nicht mehr.
Ich bin wirklich gespalten. Genauso wie die vielen Meinungen zum Thema.
Ja, wenn die „Zwangsfinanzierung“ reduziert wird, werden sich finanzkräftige Medienunternehmen den Kuchen unter den Nagel reissen, was weder der Qualität noch der „Demokratie“ helfen wird. Auch der Thematik um die Romandie und das Tessin stimme ich zu.
Etwas problematischer wird es dann beim Thema „unabhängige und qualitativ hochstehende Bericherstattung“. In meiner Wahrnehmung ist dies schlicht nicht der Fall. Beispiele gibt es viele, wie auch einige Artikel beim Infosperber deutlich gemacht haben.
Gar nicht nachvollziehen kann ich den Vergleich mit dem ZDF. DE ist deutlich grösser (Fläche und Bevölkerung) und hat auch ARD. Nach meinem Verständnis müsste die SRG mit dem Budget etwa 20 Mio Menschen versorgen auch wenn der Vergleich etwas hinkt. Aber von einem „guten“ Preis Leistungsverhältnis zu sprechen führt für mich deutlich zu weit.
Ihr letztes Argument ist umgekehrt schwer nachvollziehbar. Ein vergleichbares Vollprogramm kostet gleich viel, ob eine Million oder zehn Millionen Menschen zuschauen, und ob eine kleine oder grosse Fläche abgedeckt wird.
Mit dem halben Budget von ZDF produziert die SRG Vollprogramme in drei Landessprachen.
Ich sehe dies etwas anders. Die reinen Produktionskosten mögen ähnlich sein.
Wenn die Regionalität vergleichbar zu den Landessprachen relevant wird stimmt dies bereits nicht mehr. Es ist ähnlich ob ein Romand französischen Inhalt produziert oder ein Sachse welchen für Sachsen. Sie benötigen Lokalität. Davon gibt es in einem grossen Land auch mehr.
Hinzu kommt die notwendige Infrastruktur für die Verbreitung: Da spielt die Fläche dann durchaus eine Rolle.
Bis zu einer gewissen Grösse mögen wohl Skaleneffekte wirken das ein vergleichbares Vollprogramm aber gleich viel kostet sehe ich nicht ein. Ausserdem wäre es dann wohl an der Zeit den Inhalt zu überdenken und teure aber eher sonderbare Formate zu hinterfragen. Als Beispiel sei „hin und Weg“ genannt.
Das die Berichterstattung der SRG unabhängig und politisch neutral ist, finden anscheinend viele Steuerzahler nicht, sonst würden wir gar nicht über diese Initiative abstimmen. Am meisten hat die SRG zu dieser Unzufriedenheit durch ihre Programme beigetragen, mit der Ausschliessung vom Publikum mittels der sukzessiven Abschaltung der verschiedenen Verbreitungstechnologien und der Abwälzung der Kosten auf die Zuschauer und Zuhörer hat sie bewiesen, dass ihr eigentlich der Service Public ziemlich egal ist. Nur ein Jahr nach der No-Billag Initiative, welche mit dem Argument des Service Public abgelehnt wurde, hat man 2019 DVB-T abgestellt und jetzt sollte auch UKW daran glauben. Wir sind das einzige europäische Land ohne terrestrisches TV und wären auch das einzige Land ohne UKW geworden, falls es zur Abschaltung gekommen wäre. Damit hat die SRG in erster Linie ihre Unterstützer ausgeschlossen und verärgert, für diese Leistung sind 200 Fr mehr als genug.
Die Serafe-Zwangsabgabe ist an sich schon eine Zumutung, wenn ich mir vor Augen halte, was die gebührenfinanzierten Medien die letzten Jahre «geleistet» haben. Statt unabhängiger Information kommt Belehrung, Ausgewogenheit ein Fremdwort, Einheitsbrei, Verbandelung mit Politik sprich Macht. Die sogenannte «vierte Gewalt» hätte die Aufgabe, eine Kontrollfunktion über Legislative, Exekutive und Judikative auszuüben zur Verhinderung von Machtmissbrauch. Auch ohne einen «medialen Kahlschlag» ist nun aber offensichtlich, dass diese Art von «Journalismus» auf bestem Wege ist, sich selbst abzuschaffen. – «Beiss niemals die Hand, die dich füttert.» «InfoSperber» war diesbezüglich immer mal wieder eine löbliche Ausnahme. Aber leider wird auch hier viel zu selten zugebissen.
Während der Corona-Krise hat sich klar erwiesen, wie unabhäng und qualitativ hochstehend die SRG informiert hat. Die SRG war ein Sprachrohr des Bundesrates. Es mag zutreffen, dass vor allem im kulturellen Bereich und für den Zusammenhalt der Sprachregionen schmerzliche Nachteile zu befürchten sind. Da die SRG in keiner Art und Weise unabhängig berichtet, werde ich ein Ja für die Initiative in die Urne legen.