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Konservierungsstoffe, Trägerstoffe, Emulgatoren, Duftstoffe: Kosmetika enthalten oft eine Vielzahl von Substanzen, von denen einige problematisch sein können. © Depositphotos

Verzicht auf Kosmetika: Schnell weniger Schadstoffe im Körper

Daniela Gschweng /  Studentinnen hatten schon nach fünf Tagen ohne ihre gewohnten Pflegeprodukte weniger problematische Chemikalien im Urin.

Frauen sind mit Umweltchemikalien meist höher belastet – das fällt bei Tests immer wieder auf. Weil sie häufiger mit Reinigungsmitteln hantieren und mehr Kosmetika verwenden oder beruflich damit zu tun haben, vermuteten Forschende bisher.

Ein internationales Forschendenteam hat das an rund 100 Studentinnen aus Grenoble genauer untersucht. Die Frauen verzichteten für fünf Tage auf ihre gewohnten Pflegeprodukte und verwendeten nur solche, die frei von bestimmten Chemikalien waren. Schon nach diesem kurzen Zeitraum hatten sie deutlich weniger potenziell schädliche Stoffe im Urin.

Ohne Kosmetika weniger Schadstoffe

Das internationale Forschendenteam suchte für das staatliche französische Gesundheitsinstitut (Inserm) nach einer Reihe potenziell bedenklicher Chemikalien, die sich üblicherweise in Kosmetika finden. Darunter

  • elf Phenole,
  • sechzehn Phthalate,
  • und zwei Glykolether.

Stoffe, die in Kosmetika zum Beispiel als Emulgatoren, Konservierungsmittel oder Trägersubstanzen dienen.

Nach dem Versuch hatten die Frauen zwischen 18 und 30 Jahren deutlich weniger Methyl- und Propylparabene und weniger Stoffwechselprodukte von Phthalaten im Urin. Am meisten ging mit minus 64 Prozent die Konzentration von Phenoxyessigsäure im Urin zurück. Diese stammte wahrscheinlich aus Phenoxyethanol, einem Konservierungsmittel. Das norwegische Labor, das die Proben untersuchte, fand ausserdem 30 Prozent weniger Methylparaben. Die Menge an hormonstörendem Bisphenol A nahm um 39 Prozent ab.

Kleines Umweltchemielexikon: Parabene

Parabene haben antimikrobielle Wirkung und werden in Lebensmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln sowie Medikamenten als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt. Sie kommen in kleinen Mengen auch natürlich in Obst und Gemüse vor. Die hormonelle Wirksamkeit von Parabenen wurde in Tierversuchen bestätigt, es gibt aber auch Studien, die sie bezweifeln. Eine Studie brachte Parabene 2004 in Verbindung mit Brustkrebs. Viele Untersuchungen zu Parabenen im Körper stammen aus den USA, wo Zusatzstoffe in Kosmetika nur wenig reguliert sind.

In der EU und der Schweiz ist der Einsatz von Parabenen reguliert. Es gibt unterschiedliche Grenzwerte für verschiedene Parabene in Kosmetika. Die lockersten gelten dabei für die «kleinen» Parabene Methyl- und Ethylparaben, die in Kosmetika häufiger vorkommen. Strengere für Propyl- und Butylparabene, die für Babys nicht zugelassen sind. Einige weitere sind in Kosmetika verboten.

Das Dilemma mit den Parabenen

Ob die Paraben-Grenzwerte sicher sind, ist umstritten. «Parabene können auf Dauer die Spermienproduktion stören, zu Unfruchtbarkeit führen, zu einem verfrühten Einsetzen der Pubertät führen und das Brustkrebsrisiko erhöhen», erklärte beispielsweise Luise Körner vom Bund für Umwelt und Natur (BUND) dem Bayerischen Rundfunk zum Thema.

Parabene zu ersetzen, ist möglich. Einige Kosmetikhersteller werben sogar mit parabenfreien Produkten. Wissenschaftler:innen warnen indes vor den Risiken von Ersatzstoffen, bevor diese nicht eingehend geprüft sind, beispielsweise auf ihre allergene Wirkung.

Erstautor: «Ermutigende Geschwindigkeit»

Die Geschwindigkeit, mit der der Körper Hilfs- und Zusatzstoffe aus Kosmetika wieder loswerden kann, empfanden die Forschenden in Grenoble als ermutigend. «Besonders, da diese Stoffe mindestens im Verdacht stehen, das Hormonsystem, die körperliche Entwicklung und die Gesundheit zu beeinflussen», so Erstautor Nicolas Jovanovic in einer Pressemitteilung.

Ihren Versuch hatten die Wissenschaftler:innen bewusst mit jüngeren Frauen durchgeführt. Einmal, weil diese Altersgruppe häufig viele Kosmetika verwendet. Für Frauen im gebärfähigen Alter und ihren Nachwuchs sind hormonähnliche Substanzen zudem besonders gefährlich. Die Chemikalienmengen, die vor dem Versuch im Urin der Probandinnen gefunden wurden, seien für die Altersgruppe eher niedrig gewesen, schreiben sie in ihrer am 7. April in «Environment International» veröffentlichten Arbeit.

Verzicht auf Bisphenole würde Kinder gesünder machen

Die Wissenschaftler:innen haben dazu eine Gesundheitsfolgenabschätzung durchgeführt. Schwangere, welche die getesteten Wirkstoffe vermeiden, würden demnach gesündere Kinder zur Welt bringen. Es liessen sich «4 Prozent der Asthmaanfälle, 4,4 Prozent aller Fälle von Atemnot und der Verlust von 4,4 IQ-Punkten» verhindern. Diese Einschätzung stützt sich im Wesentlichen auf die Wirkung von Bisphenol A, das in Frankreich in Kosmetika schon seit 20 Jahren verboten ist. Die im Versuch nachgewiesene Chemikalie stammte wahrscheinlich aus Verpackungen, in denen Bisphenol A und Bisphenol S vorkommen.

Naturkosmetik? Nur noch Seife? Oder gar keine Kosmetika mehr?

Es gibt also einige Gründe, auf gängige Kosmetika zu verzichten oder wenigstens auf solche, die bedenkliche Stoffe enthalten. Andererseits gibt es hygienische Anforderungen. Kosmetika müssen für einen gewissen Zeitraum keimfrei bleiben. Vor allem dann, wenn sie in sensiblen Bereichen wie um die Augen, nach der Rasur oder bei Babys verwendet werden.

Eine mögliche Lösung: Naturkosmetika, die wenigstens weniger synthetische Konservierungsstoffe enthalten. Einige Fachleute raten davon ab. Wer Naturkosmetika kauft, muss sie in einem kurzen Zeitraum aufbrauchen, weil sie danach nicht mehr sicher keimfrei sind.

Oder überhaupt weniger Kosmetika. Nach einer Untersuchung der europäischen Kosmetikindustrie nutzt die durchschnittliche europäische Konsumentin jeden Tag etwa neun verschiedene Kosmetikprodukte. Eine von der «Apotheken-Umschau» befragte Dermatologin hält das für eine noch niedrige Schätzung.

Was auf jeden Fall geht: Sich seine Pflegeprodukte sorgfältiger aussuchen.

Vorrang haben sollten Pflegeprodukte, die von Natur aus wenig Zusatzstoffe benötigen, zum Beispiel Öle ohne Konservierungsstoffe, «Sensitiv»-Produkte ohne potenziell allergieauslösende Duftstoffe oder Sonnenschutzmittel ohne chemische UV-Filter sowie Glasverpackungen, die sicher keine Bisphenole abgeben können. Wer Apps wie Tox-Fox verwendet, kann beim Einkaufen per Handy-Scan nachsehen, ob ein Produkt potenziell besorgniserregende Zutaten enthält.

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