burger_cheese_potato_french_fry_french_fries_fastfood_box_packing-1188517.jpg!d

Da kann einem der Appetit schon vergehen: Fast-Food-Verpackungen enthalten oft giftige Chemikalien. © public-domain pxhere.com

PFAS: Gift in Burger-Boxen und Pizzaschachteln

Daniela Gschweng /  Fast-Food-Verpackungen aus Papier werden mit fragwürdigen «ewigen Chemikalien» behandelt, sogar solche aus bioabbaubarem Material.

Konsumentinnen und Konsumenten wissen oft gar nicht, dass Papier- und Kartonverpackungen für Sandwiches, Pizzaboxen oder Pommes Frites mit Chemikalien behandelt sind. Tatsächlich sind viele mit Chemikalien versetzt, um sie wasser- und fettabweisend zu machen.

Eine Studie mehrerer Non-Profit-Organisationen über die Belastung von Einwegverpackungen fand in fast allen Wegwerfverpackungen wie Sandwich-Säcken, Pizzaboxen oder Nudelverpackungen von Take-Away-Restaurants und Supermärkten potenziell schädliche Chemikalien. Besonders stossend: Sogenannte PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) fanden sich sogar in Pflanzenfaser-Geschirr, das als kompostierbare Alternative zu Plastik beworben wird.

Potentziell krebserregende Stoffe

PFAS werden mit Krebs, Schilddrüsen-, Herz- und Leberproblemen in Verbindung gebracht. Die Chemikalien werden auf die fertigen Papier- und Pappverpackungen aufgebracht oder befinden sich bereits im Ausgangsmaterial. Aus den Säcken und Behältern können sie auf Lebensmittel übergehen.

Wieviel von diesen Stoffen, wollten die acht beteiligten Organisationen* wissen, findet sich in europäischen Take-Away- und Lebensmittelverpackungen? Dazu untersuchten sie 99 zwischen Mai und Dezember 2020 gekaufte Verpackungen aus Dänemark, Tschechien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den Niederlanden. Darunter Boxen, Säcke und Schalen von Fast-Food-Ketten wie Domino’s, McDonalds, Subway und Pizza Hut, Herstellern wie Barilla und Kellog’s sowie Supermarktketten wie Lidl, Coop und Penny. Zusätzlich bestellten die Untersuchenden im Internet Pflanzenfaser-Behälter, die als kompostierbare Alternative in Imbissen verwendet werden.

Die Behältnisse wurden zuerst einem einfachen Test unterzogen, bei dem geprüft wurde, ob sie einen Öltropfen aufsaugten. Bleibt Öl auf einer Papieroberfläche als Tropfen stehen, ist das ein Hinweis, dass die Verpackung mit PFAS behandelt worden ist.

PFAS-Oeltest
Ein einfacher Öltests kann Aufschluss geben, ob Papier und Karton PFAS enthält.

28 im Öltest positive Proben wurden danach von einem Labor auf ihren Gehalt an organischem Fluor geprüft, dazu 14 Verpackungen, die keine ölabweisenden Eigenschaften gezeigt hatten.

Der Gehalt an organischem Fluor (Total Organic Fluorine, TOF) ist ein anerkannter Näherungswert für den Gesamtgehalt an PFAS. Die gesamte Stoffklasse besteht aus mehreren tausend unterschiedlichen Stoffen. Nach einzelnen zu suchen, wäre schon deshalb wenig erfolgversprechend, weil oft überhaupt nicht bekannt ist, womit genau die Lebensmittelindustrie Behälter behandelt. Zusätzlich wurden alle 42 ausgewählten Verpackungsproben aus Pappe und Papier von einem Labor auf 55 Einzelverbindungen getestet.

Unappetitliches Burgerpapier

Obwohl die Stichprobengrösse auf ganz Europa bezogen eher klein ist, fanden die Labors differenzierte Ergebnisse. Die Resultate zeigen, dass die Nutzung von fragwürdigen Chemikalien in Take-Away-Boxen und Lebensmittelverpackungen in Europa weit verbreitet ist, schreiben die Autoren der Studie. Die Ergebnisse des Öltestest bestätigten sich: In Verpackungen, bei denen dieser positiv ausgefallen war, fand sich sehr viel mehr organisches Fluor (Total Organic Fluorine, TOF) als bei solchen aus ölaufsaugenden Materialien.

Eine besonders hohe Menge von 770 Milligramm TOF pro Kilogramm fand sich in einer Burger-Verpackung der Kette KFC, die in Deutschland gekauft worden war. In der Einzelanalyse stellte sich heraus, dass das Verpackungspapier eine hohe Konzentration an potenziell Schilddrüsen-schädigenden Chemikalien enthielt. Auch für andere Burger-Papierverpackungen traf das zu.

TOF Werte bekannte Marken
Beim Vergleich der Verpackungen der grossen globalen Fast-Food-Ketten erreichte ein KFC-Burgerpapier hohe Werte (TOF=Total Organic Fluorine).

Am häufigsten gefunden wurde eine Verbindung namens 6:2 FTOH (Fluortelomeralkohol), eine Untergruppe der grossen Klasse der PFAS, von der sich erst kürzlich herausstellte, dass sie weit schädlicher ist, als von den Herstellern angegeben (Infosperber: «PFAS: Konzerne verbargen Gefährlichkeit von Verpackungschemie»).

Haeufigkeit-Produktkategorie
Am häufigsten fand sich in allen drei Verpackungskategorien die Chemikalie 6:2 FTOH (Fluortelomeralkohol).

Behandelte Faserbehälter: das Gegenteil von nachhaltig

Die höchsten Konzentrationen an organischem Fluor fanden sich in geformten Faserprodukten, die als biologisch abbaubar oder kompostierbar beworben werden. Das ist besonders deshalb stossend, weil PFAS sowohl bei der Kompostierung wie auch bei jedem Schritt der Herstellung in die Umwelt gelangen können und sich dort kaum zersetzen, während die Verpackung selbst nur einmal gebraucht wird.

99 Prozent des gefundenen organischen Fluors konnte das Testlabor nicht zuordnen. Das heisst, die Gesamtzahl und -art der in den Verpackungen enthaltenen PFAS blieb zum überwiegenden Teil unbekannt.

Regulierung hilft, das zeigt Dänemark

Dass es auch anders geht, zeigt Dänemark, wo PFAS in Lebensmittelverpackungen seit Juli 2020 verboten sind. Das Land orientiert sich dabei am Gesamtgehalt an organischen Fluorverbindungen und hat dafür einen Höchstwert festgelegt.

Die aus Dänemark stammenden Verpackungen, die nach dem Stichtag gekauft worden waren, waren zwar nicht PFAS-frei, enthielten aber weit weniger organisches Fluor als diejenigen aus anderen Ländern. Das traf auch auf Verpackungen international operierende Ketten zu. Eine einheitliche europäische Regulierung gibt es nicht, weshalb die Länder unterschiedliche Grenzwerte haben.

McDonalds-Papierverpackungen für Pommes frites wiesen unterschiedliche Mengen an organischem Fluor (TOF) auf, je nachdem, in welchem Land sie gekauft wurden. In Dänemark, wo PFAS in Verpackungen seit einem Jahr verboten sind, fand sich im Gegensatz zu Tschechien und Grossbritannien kaum TOF.

McDonalds-Papierverpackungen für Pommes frites, die aus Dänemark stammten, enthielten nur wenig organisches Fluor, solche aus anderen Ländern viel mehr. Das Beispiel von McDonald’s zeige, dass Unternehmen
in der Lage seien, Alternativen zu finden, die ohne PFAS auskämen, zitiert die Studie Manuel Fernandez, Experte für Chemikalienpolitik beim BUND, eine der teilnehmenden Organisationen.

Besser Mehrweg und nicht in den Kompost

Für Konsumenten, die häufig Take-Away-Produkte kaufen, sind diese Resultate ein starkes Argument, auf Einwegbehälter soweit wie möglich zu verzichten und Mehrweglösungen zu bevorzugen. Die Testenden raten zudem davon ab, als «kompostierbar» markierte Einweg-Verpackungen in den eigenen Kompost oder den Biomüll zu geben. PFAS sind sogenannte «ewige Chemikalien» oder «ewige Gifte», die sich in der Natur nur sehr langsam abbauen.

Im Test befanden sich:

  • kompostierbare Verpackungen von Sabert, Abena, Papstar, Le Bon emballage, Plant2Plast, Bagastro, Papcorn, Naturesse, Søstrene Grene, La boutique du jetable und Duni
  • Verpackungspapier von KFC, Le Bon emballage, Nordsee, Dunkin‘ Donuts, McDonald’s, Pret a Manger, Bageterie Boulevard, Subway, Coop und Greggs
  • Papier- und Pappverpackungen von McDonald’s, Penny, Papa John, Dominos/Saica, Lidl, Pizza Hut, Biocoop, Industry Celtex, New York Pizza, Dunkin‘ Donuts, Kellogs, Barilla und McDonalds

*Teilnehmende Organisationen: An der Erstellung der Studie «Throwaway Packaging, Forever Chemicals» nahmen die tschechische Arnika Association, die deutsch-britische Organisation CHEM Trust, BUND, der Danish Cosumer Council, die Health and Environment Alliance (HEAL, Belgien), Tegengif (Niederlande), Générations Futures (Frankreich) teil, sowie das International Pollutants Elimination Network (IPEN), ein Zusammenschluss von mehr als 600 Einzelorganisationen, vor allem aus Entwicklungsländern.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Gift_Symbol

Gifte und Schadstoffe in der Umwelt

Sie machen wenig Schlagzeilen, weil keine «akute» Gefahr droht. Doch die schleichende Belastung rächt sich.

Bildschirmfoto20130723um20_45_43

Schadstoffe in Lebensmitteln

Essen und trinken können krank machen, wenn Nahrungsmittel zu stark belastet sind.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

2 Meinungen

  • am 10.07.2021 um 23:44 Uhr
    Permalink

    Hmmm …. also eine weitere Klasse von Chemikalien, die wir essen und uns wundern, woher die vielen Krebsarten, Allergien und Immunschwächen in der Bevölkerung kommen.

    Mein diesbezügliches Schlüssel-Erlebnis war ein antihaft-beschichteter Alu-Suppentopf. Nach einem Jahr Gebrauch stellte ich fest, dass die ursprüngliche weiße Sprenkelung im Umrührbereich immer weniger wurde und immer mehr das einheitlich graue Aluminium inzwischen so zum Vorschein kommt, wie der Alu-Topf an der Außenseite aussieht. Die verschwundene Antihaftbeschichtung war wohl meine persönliche aufgegessene Ration an PFAs …. hoffentlich war es nicht mehr, als meine Mitmenschen bei Fast Food & Co. aus den Einwegverpackungen abbekommen.

    0
  • am 11.07.2021 um 06:39 Uhr
    Permalink

    Nebst den Giftstoffen in der Verpackung, kommen nun noch neue Gifte in der Nahrung dazu. (Buchtipp: Gaundry: Böses Gemüse) Lange Forschungen haben gezeigt, das insbesondere die Bio Industrie Agrarprodukte so gekreuzt hatte, dass diese, obwohl ohne Pestizide und Fungizide angebaut, keinen Parasitenfrass oder andere Krankheiten erfahren. Das gibt grosse, billige Ernten, die man teuer verkaufen kann. Der Haken: Diese Bioprodukte enthalten nun mehr eigene Pflanzengifte, die Lektine. Man hat die Pflanzen so gezüchtet, dass sie ihre eigenen Schutzgifte um über 30 bis 50% erhöht haben. Das gibt ein dickes Geschäft, noch kränkere Kunden welche noch giftigeres Biogemüse kaufen. Jeder weiss, was passiert wenn er 3 ungekochte Bohnen isst. Er könnte an einer Vergiftung sterben. Bei Biobohnen reicht nun schon die Hälfte davon. Lektine machen krank. Viele Lektine lassen sich nicht durch kochen zerstören, es sei denn, man nimmt einen Dampfkochtopf der bis 110 Grad geht. Einige Lektine sind wasserlöslich und man kann sie mit normalem kochen reduzieren. Die Studien (Dr. Steven R. Gaundry) zeigen auf, das viele Autoimmunkrankheiten (Diabetes, Rheuma, Parkinson, Ms) mit lektinfreier Ernährung zurück gehen oder Verschwinden können. Ich kenne 2 Frauen, Mutter und Tochter, beide hatten mit 21 Jahren ihren ersten MS-Schub. Seit sie lektinfrei Essen, kam kein einziger Schub mehr seit 5 Jahren. Als Dr. Gaundry die ersten Zusammenhänge belegte, erfolgte ein Shitstorm der Industrie gegen ihn.

    0

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...