Hände des Kondukteurs sind voll Grippe-Viren

Urs P. Gasche /  Influenza- und -Gripperisiko: Wer seinen SwissPass wieder einsteckt, darf mit den Händen ja nicht Augen, Nase oder Mund berühren.

Das gleiche gilt mit den Cumulus- und Supercard-Karten. Alle Kundinnen und Kunden geben diese Karten meistens dem Kassenpersonal in die Hand. Darunter sind auch Karten von Leuten, die an Influenza oder Grippe erkrankt sind. Wenn diese reden oder niesen, können krankmachende Viren auf die Karten gelangen und via Karten auf die Hände der Kassiererin oder des Kondukteurs – und von diesen wiederum auf die Karten der nächsten Kundinnen und Kunden.

Das Ansteckungsrisiko durch Berühren ist zwar kleiner als durch Einatmen von Tröpfchen, die voller Viren sind. Wer jedoch Viren auf seinen Fingern hat, soll mit diesen weder seine Augen, seine Nase noch seinen Mund berühren, bevor er oder sie die Hände gründlich gewaschen hat. Die Viren können auf alle Oberflächen und damit auch auf den Karten SwissPass, Cumulus oder Supercard ohne weiteres eine Stunde und mehr infektiös bleiben, erklärt Marco Rossi, Chefarzt und Infektionsspezialist am Luzerner Kantonsspital. Allerdings brauche es zur Krankheitsübertragung eine bestimmte Menge an Viren. Eine seriöse Studie, wie viele Leute sich über Karten wie Cumulus, Supercard oder SwissPass anstecken, gibt es nicht. «Die Datenlage ist sehr ungenügend. Wir wissen es einfach nicht», sagt Professor Andreas Widmer, stellvertretender Chefarzt für Infektiologie am Universitätsspital Basel. Ein Problem entstehe indes mit Sicherheit, wenn sich auf solchen Karten Bakterien mit Multiresistenzen befänden.
Hausarzt Walter Hugentobler zitiert allerdings eine Studie aus dem Universitätsspital Zürich aus dem Jahre 2008, welche die Überlebenszeit von Grippeviren auf Schweizer Banknoten untersuchte. Weil die Banknotenoberflächen sehr porös sind, blieben Grippe-Viren während mehrerer Tage infektiös.

Viel grösser sei das Ansteckungsrisiko für Influenza oder Grippe, wenn man sich dem Husten Erkrankter aussetze, sagt Infektiologe Rossi. Denn dann gelangen die Viren über ausgehustete Tröpfchen auf die Schleimhaut der Augen oder der Atemwege und damit in den Körper. Diese ultrakleinen, unsichtbaren «Tröpfchen» können im Schwebezustand verharren und stundenlang infektiös bleiben. Das zeigt ein Paper des Hausarztes Walter Hugentobler.
Um Patientinnen und Patienten im Luzerner Kantonsspital zu schützen, trage das Spitalpersonal, das hustet oder niest, eine Maske, erklärt Rossi. Spitalangestellte, die an einer Grippe mit Fieber erkrankt sind, müssen zu Hause bleiben.


GEGEN INFLUENZA-VIREN UND ERKÄLTUNGEN VORBEUGEN

  1. Sitzen Sie nicht nahe von Personen, die niesen und husten.
  2. Falls Sie selber niesen und husten, dann tun Sie es in den Ellbogen. Entsorgen Sie benutzte Papiertaschentücher.
  3. Berühren Sie mit Ihren blossen Händen in Zügen, Trams und Bussen keine Stangen und Türen.
  4. Berühren Sie unterwegs mit Ihren Händen möglichst nicht die Augen, die Nase oder den Mund.
  5. Waschen Sie häufig die Hände, wenn möglich mit Seife.Trinken Sie häufig, damit ihre Schleimhäute feucht bleiben.
  6. Bewegen Sie sich viel.

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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Grippe und Influenza: Richtig niesen

Gegen Erkältungen nützt Impfen nichts. Zum Vermeiden einer Influenza ist die Wirkung umstritten.

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3 Meinungen

  • am 5.02.2016 um 11:56 Uhr
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    Fazit? Am besten Zuhause bleiben? Und ja auch kein Bargeld mehr in die Hand nehmen! Man weiss ja nie, wer das alles angefasst hat vorher! Ist das gar eine Aufforderung, auf den ÖV zu verzichten und stattdessen wieder die Giftschleuder Auto zu benutzen? Oder wolle am Ende gar der Herr Chefarzt einmal seinen Namen in den Medien lesen und darum wurde diese Medienmitteilung verschickt, die der Infosperber nun brav veröffentlicht? Aber um nun doch noch ernsthaft beim Thema zu bleiben: Sowohl für das SwissPass-, Cumulus-, Supercard- wie auch für das Bezahl-Problem gäbe bzw. gibt es Lösungen: Kontaktfreies Auslesen und Übertragen der Daten z.B. mit NFC-Technologie. Ist zwar in der Meinung der technophoben Mehrheit in diesem Land Teufelszeug – aber immerhin bestünde dann kein Ansteckungsrisiko mehr.

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  • am 5.02.2016 um 15:21 Uhr
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    Ich habe mir das auch schon gefragt. Vor Bargeld habe ich weniger Angst, da aus Metall (teilweise biocid) oder Papier (eher trocken). Auch habe ich gehört, dass die meisten Keime auf den Händen wegen der sauren Haut nur wenige Minuten überleben. Aber Kunststoff?

    Der neue SwissPass aus Kunststoff scheint mir ein perfektes Vehikel, allfällige Handkeime der meisten Passagiere eines ganzen Zugs innert kurzer Zeit zu verteilen. Bisher hat ein einziger Kondukteur sein Gerät an meinen SwissPass gehalten, ohne diesen zu berühren, und ein anderer faste ihn nur an den Rändern an. Offenbar besteht seitens der SBB keine Richtlinie.

    Abhilfe? Separates SwissPass Etui mit Alkohol oder so? Den SwissPass (durchsichtig) versilbern oder verkupfern (beide sind biocid)? Ginge dann der Chip noch? Liest hier jemand von der SBB mit und könnte das herausfinden?

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  • am 7.02.2016 um 12:10 Uhr
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    Virenphobie und Angstmache – und das bei Info Info-Sperber!
    Da kann ich nur den Kopf schütteln und tief durchatmen…

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