Grossbritannien verbietet Bleimunition
Es ist eine der ersten Chemikalien-Regulierungen, die Grossbritannien seit dem Brexit erlässt: Ab dem 1. April 2028 wird Bleimunition in Grossbritannien eingeschränkt und ab 1. April 2029 bei der Jagd komplett verboten sein. Ausnahmen gibt es nur für Eliteathleten, Polizei und Militär.
Ein hochpolitischer Entscheid, gegen den es grosse Widerstände gab. Die EU konnte sich bisher nicht zu einem Komplettverbot von Blei in Jagd und Fischerei durchringen, die Schweiz lässt sich anderthalb Jahre länger Zeit.
Bleiverbot zum Schutz der Natur
Das britische Verbot soll jedes Jahr den Eintrag von mehr als 7000 Tonnen giftiger Bleimunition in die Umwelt verhindern. Zum Schutz vor allem von Tieren, die jetzt die Leidtragenden sind. Speziell betroffen sind Raubtiere und Aasfresser. Blei zersplittert beim Aufprall in kleine Fragmente, die im Fleisch stecken oder in der Natur verbleiben und dort langsam zerfallen.
Greifvögel sind besonders betroffen, weil ihre Mägen viel Säure enthalten, die Bleisplitter aus Munition schnell löst. Bleivergiftung ist neben Giftködern eine der häufigsten Todesursachen. Ein qualvoller Tod – Blei behindert die Atmung und Orientierung.
Zahlreiche Raubvögel sterben qualvoll
Im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gilt das Schwermetall als Hauptursache für den Tod von Seeadlern. In Bayern trauerte man 2025 um einen seltenen Gänsegeier, der nur zwei Wochen nach der ersten Sichtung an Bleivergiftung starb. Ein Schicksal, das jedes Jahr rund eine Million Vögel in der EU erleiden. Ohne Bleimunition gäbe es rund 15 Prozent mehr Steinadler, Seeadler und Gänsegeier. Auch in der Schweiz.
Was für Raubvögel tödlich sein kann, ist auch für Menschen nicht gesund. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Blei zu den gefährlichsten Umweltgiften. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung und das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) raten speziell Schwangeren und Kindern vom Verzehr von Wildbret ab.
Eine sichere Menge Blei gibt es nicht
Unbedenklich ist Blei aber für niemanden – Blei schädigt innere Organe, lagert sich in den Knochen ein und schädigt das Nervensystem schon in kleinen Konzentrationen. Sichere Grenzwerte gibt es genau genommen nicht. Daran ändert auch nichts, dass sich das Schwermetall nach wie vor überall in der Umwelt findet. Seit verbleites Benzin verboten wurde, ist die allgemeine Belastung der Bevölkerung jedoch gesunken. Betroffen sind jedoch Jäger, Angler und ihre Familien.
Die Fakten liegen also seit Jahren auf dem Tisch. Warum ein Teil der Bevölkerung zu Hobbyzwecken weiterhin ohne Not giftige Schwermetalle in die Umwelt bringt, ist wenig nachvollziehbar. Dennoch gab und gibt es erhebliche Widerstände gegen ein Verbot.
Bleihaltige Munition ist dabei nicht besser oder schlechter als solche ohne Blei – das ist seit fast 15 Jahren belegt. Selbst in den USA ist die Umwelt ein Argument – in Kalifornien ist Bleimunition verboten. Die Auseinandersetzung darüber wird national aber emotional und ideologisch geführt. In Grossbritannien ist nach Medienberichten der Grossteil der Bevölkerung für das Verbot, Jäger und Munitionshersteller dagegen. Argumentiert wird mit Restbeständen, Abprallverhalten und Eigenverantwortung.
Europa zögert weiter, die Schweiz lässt sich Zeit
In Europa einigte man sich relativ früh auf den Schutz von Feuchtgebieten, was vor allem Wasser- und Zugvögel schützen sollte. Die Schweiz schützt diese seit 1998 vor Blei, die EU seit 2023. In Deutschland gilt darüber hinaus ein Flickenteppich an Regelungen. In einigen Bundesländern ist Bleimunition vollständig verboten. Die Nachbarländer Dänemark und die Niederlande verbieten Bleimunition vollständig. In der Schweiz wird Bleimunition ab 2030 untersagt. Im Kanton Bern tritt schon im August 2027 ein Verbot in Kraft, in Graubünden und im Wallis ist Blei bereits verboten.
Neben zahlreichen Positivbeispielen gibt es auch prominente Fürsprecher wie Arnold Schwarzenegger. Als Gouverneur von Kalifornien schob er der Verwendung von Blei bei der Jagd schon 2007 einen Riegel vor – gegen den Widerstand der NRA. Innerhalb der EU gibt es noch immer erheblichen Widerstand. Diskutiert wurden bündelweise Ausnahmen und sehr lange Übergangsfristen für Bleimunition. Im Februar konnte man sich nur auf ein Verbot von Blei in Schrotmunition einigen. Sobald dieses in Kraft tritt, gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren für die Jagd und fünf Jahren für Sportschützen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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