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Gegen Erkältung nützt die Impfung sowieso nichts. Gegen Influenza nur wenig. © tamug

Grippe-Impfkampagne des Bundes ist ein Flop

upg /  Laut einem noch vertraulichen Strategiepapier hat das Bundesamt für Gesundheit BAG das Hauptziel der Impfkampagne bisher verfehlt.

Die aufwändige Grippe-Impfkampagne des BAG hat ihr Ziel einer stärkeren Impf-Beteiligung in den letzten Jahren nicht erreicht: Die Durchimpfung der «Hauptrisikogruppe» der über 65-Jährigen war trotz jährlichen Kampagnen in der Grippesaison 2010/2011 geringer als 2007/2008. Nach Angaben des BAG sank die Durchimpfungsrate bei den über 65-Jährigen um 16 Prozent auf noch 46 Prozent. Auch die relativ schwache Durchimpfungsrate beim Medizinal- und Pflegepersonal hat man im erwähnen Zeitraum nicht steigern können.
Negativ auf das Impfverhalten der Risikogruppen habe sich ausgerechnet die Schweinegrippe von 2009/10 ausgewirkt, erklärt das BAG. Das gleiche Phänomen habe man in Frankreich beobachtet.
Diese Angaben sind auf der BAG-Webseite noch nicht zu finden. Sie stehen in einem Entwurf der «Strategie zur Prävention der saisonalen Gruppe GRIPS 2015-2018». Diesen von den Kantonen am 20. November 2014 genehmigten Entwurf muss Bundesrat Alain Berset noch absegnen. Erst dann wird ihn das BAG nach eigenen Angaben veröffentlichen.
Teile davon hat die «NZZ am Sonntag» Anfang November publik gemacht.

Der neue Strategieplan des BAG sehe vor allem zwei Massnahmen vor, um die Durchimpfung zu erhöhen:

  1. Das Drittel der Schweizer Bevölkerung, das zu «Risikogruppen» gehört, soll künftig von Arztpraxen und Apotheken aktiv zu einem Impftermin eingeladen werden.
  2. Apotheker sollen Kunden künftig ohne ärztliche Verschreibung selber impfen können.

Eine entsprechende neue Verordnung bekämpft indessen die organisierte Ärzteschaft, weil Ärzte Arzttermine verlieren würden. Eigentlich sollten Ärzte froh sein, weniger Impffreudige in ihren Wartezimmern zu haben, da es ja nach deren Angabe zu wenig Hausärzte gibt.
Irreführende Angaben des BAG
Die Influenza-Grippe würde jedes Jahr «durchschnittlich 400 (bis 1500) Todesfälle» verursachen, vor allem unter der älteren Bevölkerung, warnte das BAG. Noch vor zehn Jahren hatte das BAG behauptet, es gebe jedes Jahr «zwischen 400 und 1000 Todesfälle», also jedes Jahr mindestens 400. Die Korrektur ist nicht etwa darauf zurückzuführen, dass es dank Erfolg der Impfkampagnen zu weniger Sterbefällen kommt. Das BAG hatte die Todesfälle einfach aufgebauscht, um seine Impfkampagne zu unterstützen. Tatsächlich weist die Statistik in mehr als der Hälfte der Jahre nur zwischen 125 und 370 Grippe-Todesfälle aus. Meistens sind alte Menschen betroffen, die bereits krank waren.
Keine Beweise, dass ältere Menschen profitieren
Auf einem andern Blatt steht geschrieben, ob die Impfkampagnen hilfreich sind, um die angegebenen durchschnittlich 400 Todesfälle zu reduzieren. Die «Stiftung Warentest» hielt in einem Aufruf fest: «Die Wirksamkeit der Grippeimpfung nimmt mit höherem Alter ab.» Also ausgerechnet für die Menschen mit dem höchsten Risiko wirkt die Grippe-Impfung am wenigsten.
Die Behauptung, dass Grippe-Impfungen überhaupt Todesfälle verhindern, «beruht auf nicht nachvollziehbaren Daten», erklärt das renommierte «Robert-Koch-Institut» in Deutschland.
«Wenig bis gar keine Wirkung bei Senioren»
Die «Cochrane Collaboration», ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, wertet bereits seit 1993 alle veröffentlichten Studien zum Thema Grippe aus. Der britische Arzt und Cochrane-Forscher Tom Jefferson kam zum Schluss: Gegen Influenza-Infektionen wirkt die Grippeimpfung «im besten Fall mässig». Am besten würden die Impfungen bei gesunden Erwachsenen wirken – für welche das BAG die Impfung gar nicht empfiehlt. Bei den Risiko-Gruppen Kinder und Senioren dagegen würden die Grippeimpfungen «wenig bis gar nichts» nützen.
Gegen eine allgemeine Massenimpfung wandte sich auch die Allgemeinärztin Margaret Mc Cartney im «British Medical Journal» BMJ. Gesunden Arbeitnehmern erspare die Impfung im Durchschnitt lediglich eine Stunde Absenz von der Erwerbsarbeit.
Die in dieser Saison angewandten Impfstoffe sollen gegen die gleichen Virenarten schützen wie letztes Jahr. Nach Angaben der «Sonntags-Zeitung» vom 30.11.2014 haben sich die Virenstämme seither jedoch genetisch verändert, so dass die Impfstoffe teilweise daneben zielen.
Erfahrungen aus der Vergangenheit
Empirische Zahlen bestätigen, dass die Grippenimpfungen meistens keinen grossen Nutzen haben:

  • In den USA wurden 1980 erst 15 Prozent der älteren Menschen über 65 geimpft, im Jahr 2001 waren es 65 Prozent. Trotzdem haben die Todesfälle infolge Influenza während diesen Jahren nicht etwa abgenommen.
  • In der Grippesaison 1997/98 hatten sich andere Virenarten als vorausgesehen verbreitet, so dass der Impfstoff gar nicht wirken konnte. Trotzdem gab es in diesem Winterhalbjahr nicht mehr Grippe-Todesfälle wie in andern Jahren.

Einseitige Auswahl der Studien
Dem Cochrane-Forscher Tom Jefferson ist aufgefallen, dass sich Promotoren der Grippe-Impfung vorwiegend auf Studien stützen, die von der Pharmaindustrie finanziert wurden und methodisch zudem noch zweitklassig waren. Für das häufige Zitieren dieser Studien hatte Jefferson gegenüber «Le Monde» folgende Erklärung: «Die industriellen Sponsoren bestellen von diesen Studien eine grosse Zahl Sonderdrucke, lassen sie in verschiedene Sprachen übersetzen und zahlen für deren Verbreitung in Fachzeitungen, Publikumszeitungen und Zeitschriften


GEGEN INFLUENZA-VIREN UND ERKÄLTUNGEN VORBEUGEN:

  • Waschen Sie häufig die Hände, wenn möglich mit Seife.
  • Berühren Sie mit Ihren blossen Händen in Zügen, Trams und Bussen keine Stangen und Türen.
  • Sitzen Sie nicht nahe von Personen, die niesen und husten.
  • Trinken Sie häufig, damit ihre Schleimhäute feucht bleiben.
  • Bewegen Sie sich viel.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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Grippe und Influenza: Richtig niesen

Gegen Erkältungen nützt Impfen nichts. Zum Vermeiden einer Influenza ist die Wirkung umstritten.

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Öffentliche Gesundheit

Ob wir gesund bleiben, hängt auch von Bewegungsmöglichkeiten, Arbeitsplatz, Umwelt und Vorsorge ab.

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7 Meinungen

  • am 2.12.2014 um 12:06 Uhr
    Permalink

    Was heisst, das Hauptziel der Impfkampagne wurde verfehlt? Beim Bundesamt für Grippeimpfsoffpropaganda glaubt doch niemand ernsthaft, dass Grippeimpfungen was taugen. Die BAG-Leute wollen einfach nicht ihre Fringe-Benefits riskieren. Am liebsten wäre denen eine eingebaute Spritze in Handys, die beim kleinsten Hüsteln ausfährt und zusticht. Wer sich wehrt, ist offline. Die Abrechnung erfolgt über die Swisscom und die Provision wird direkt den Kampagnenleitern des Propagandaamts übermittelt.

    Man kann nur hoffen, dass nach dem kürzlichen Verkauf der Grippeimpfstoff-Sparte durch Novartis an CSL, das BAG sich wieder auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann – wenn nicht CSL auch stark verwurzelt wäre in der Schweiz.

    Man könnte auch meinen, die negative Presse der letzten Wochen über Grippeimpfungen spiele einer möglichen Exit-Strategie des BAGs aus dem Grippeimpfstoff-Debakel in die Hand.

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  • am 8.12.2014 um 13:25 Uhr
    Permalink

    Besten Dank für Ihre Zusammenfassung. Nicht überraschend, dass das BAG so reagiert. Es läuft im Moment im NR einiges bezüglich sauberer und unabhängiger Entschlussfindung im BAG. Denn davon kann sicherlich bezüglich der Grippeimpfung keine Rede sein.

    Wir haben eine Arbeit erstellt, welches sich auf verschiedene Quellen stützt. Jedoch im Zusammenhang mit der Grippeimpfung bei Schwangeren Frauen. Dies sieht für die Grippeimpfung gar nicht gut aus. Für die geimpften Schwangeren Frauen auch nicht!

    Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie dies entsprechend noch einbinden können.
    http://impfentscheid.ch/wp-content/uploads/Artikel-Grippeimpfung-und-Schwangerschaft-Dez-2014.pdf

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  • am 8.12.2014 um 13:27 Uhr
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    Das BAG würde sich besser um die jährlich 2000 Toten kümmern, die an einer Spitalinfektion sterben. Da bräuchte es auch keine öffentlichen Kampagnen sondern solide Arbeit.

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  • am 8.12.2014 um 14:00 Uhr
    Permalink

    @Schmid: Genau. Wenn die Ärzte regelmässig ihre Hände waschen würde, könnte man tausende von Toten vermeiden. Nur dürften die 2000 Toten untertrieben sein.

    Auch unnötige Therapien sind in diesem Zusammenhang ein Thema:

    Gunter Frank (siehe unten) sagt:

    In EU und USA sterben jährlich 450’000 wegen unnötigen Therapien.

    und in dieser etwas älteren ard-Doku sprach Jürgen Fröhlich (Direktor klinischer Pharmakologie, Professor an Medizinischen-Hochschule) von 58’000 Arzneimitteltoten in internistischen Abteilungen in Deutschland wegen Nebenwirkungen.

    https://www.youtube.com/watch?v=g1EHzWgQH1E

    weitere Aussagen von Frölich:

    – 10% der Krankenhausliegezeit sind bedingt durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen
    – Krankenhausaufnahmen zu 5% bedingt durch Nebenwirkungen
    – und bei älteren Patienten!: 15% der Krankenhausaufenthalte wegen unerwünschten Wirkungen

    Krank durch Früherkennung:

    https://www.youtube.com/watch?v=tQu5bNObkfQ

    21:00 Min. swr betrifft:
    "wer mehr Kranke hat, verwaltet mehr Geld…Mehr Kranke gibts mit Früherkennung»
    -> im Interesse der Kassen

    und Gunter Frank zur Normwertsenkung:

    https://www.youtube.com/watch?v=ZJ0fQehRDCA

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  • am 8.12.2014 um 14:39 Uhr
    Permalink

    @Olivier Bregy: Die 70’00 Infektionen mit 2’000 Toten beziehen sich auf die CH. à propos Händewaschen: Dem Bundesamt für Geschäftemacher (BAG) liegt die Pharmaindustrie halt näher als die Seifenfabrikanten….

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