Partysommer Kosovo 20Minuten

Bericht der Zeitung «20Minuten» vom 17. Juli 2021: «Partynacht in einem Nachtclub in Pristina» © tamedia

Das Ende der Rückreisewelle aus dem Balkan entlastet Spitäler

Urs P. Gasche /  Wieder weniger Covid-19-Patienten in Spitälern und auf Intensivstationen. Die Zertifikatspflicht hat dazu nichts beigetragen.

Am 1. September erklärte die Task Force, 40 Prozent aller Covid-Hospitalisierten hätten sich im Ausland angesteckt. Am 15. September gab der Berner Regierungsrat bekannt, über die Hälfte aller Covid-Hospitalisierten im Kanton seien Ausländer. Noch nicht inbegriffen dabei seien Schweizer mit Migrationshintergrund, die nach den Sommerferien aus dem Südbalkan zurückkehrten. Die NZZ meldete am 14. September: «Per Ende August hatten nach Angaben im Kanton Zürich im Kanton etwa 70 Prozent bis 80 Prozent der Intensivpatienten einen Migrationshintergrund.»

Obwohl Spitäler dem BAG melden müssen, in welchem Land sich positiv Getestete in den letzten 14 Tagen aufhielten, veröffentlicht das BAG keine schweizweite Statistik darüber.

Am 10. September informierte Infosperber wie folgt:

«Der jüngste Schub auf Intensivstationen war vor allem auf Rückkehrer aus dem Südbalkan zurückzuführen. Zusätzlich sollen einige Dutzend dort an Covid-19 schwer Erkrankte in den letzten zehn Tagen sogar in Schweizer Intensivstationen geflogen worden sein, meldeten Zeitungen. Die angespannte Lage dürfte sich jedoch wieder etwas entspannen. Denn der markante Rückgang der Hospitalisierungen von Covid-19-Kranken sollte zu weniger Behandlungen auf Intensivstationen führen – jedenfalls bis zu einer kommenden Rückkehrwelle aus den Herbstferien.»

Keine Folge der verschärften Zertifikatspflicht

Dieser Trend ist jetzt festzustellen: ein markanter Rückgang der Hospitalisierungen und mit Verzögerung auch der Zahl der positiv Getesteten auf Intensivstationen, wobei diese Zahl noch hoch ist (siehe Grafik weiter unten). Zu dieser Trendwende hat die Verschärfung der Zertifikatspflicht seit dem 13. September nichts beigetragen, weil zwischen den Ansteckungen und allenfalls nötigen Hospitalisierungen mindestens eine Woche vergeht.

Christoph Blocher meinte am 16. September in der NZZ: «Wenn man weiss, dass viele Menschen aus ihren Balkanferien krank zurückkommen, muss man sich doch gezielt mit diesem Risiko beschäftigen und nicht mit den Restaurantbesuchern.»

Dabei übersieht Blocher, dass der Bundesrat die Zertifikatspflicht für Restaurants, Kinos, Diskotheken, Hallenbäder oder Grossanlässe offensichtlich nicht in erster Linie verordnete, um die Spitäler zu entlasten, sondern um Ungeimpfte zum Impfen zu drängen. In der NZZ vom 17. September erklärte die Zürcher Regierungsratspräsidentin Jacqueline Fehr offen, das Ziel sei «eine höhere Impfquote zu erreichen». Dieses Ziel wird wohl erreicht. Denn landesweit wird gemeldet, dass sich seit einer Woche vor allem viele Jüngere impfen liessen, um sich vor dem Ausgang nicht ständig testen lassen zu müssen.


Mehr Hospitalisierungen als Folge der neuen Massnahmen

Das gegenwärtig geltende Massnahmenpaket des Bundesrates wird zwar viele Leute – unabhängig von persönlichen Nutzen-Überlegungen – zum Impfen animieren.
Aber es wird wohl auch dazu führen, dass sich mehr Ungeimpfte als früher in Restaurants, Kinos, Diskotheken, Hallenbädern oder an Grossanlässen anstecken, weil es dort keine Masken und Abstandsregeln mehr gibt. Auch Geimpfte können ansteckend sein. Zusätzliche Ansteckungen führen bei gefährdeten Ungeimpften zu mehr Hospitalisierungen.
Wenn der Bundesrat in erster Linie die Spitäler entlasten möchte, darf er die genannten Orte nicht von der Maskenpflicht, den Abstandsregeln und der Erfassung für das Tracing befreien.
Oder als Alternative müsste er – um Geimpften die «volle Freiheit» zurückzugeben –, den gefährdeten Ungeimpften selbst mit negativem Testresultat verbieten, Restaurants, Kinos, Diskotheken, Hallenbäder oder Grossanlässen zu besuchen.

Infosperber wird in Kürze eingehend darüber informieren. Auch das BAG und Experten haben wir dazu befragt.

14 Prozent weniger Covid-19-Patienten auf Intensivstationen

Seit dem 7. September ging die Zahl der positiv auf Sars-Cov-2 Getesteten auf Intensivstationen von 302 um 14 Prozent auf 262 am 16. September zurück.

Intensiv seit 31.3.BAG:SRF
Die Zahl der auf Sars-Cov-2 positiv getesteten Patienten und Patientinnen auf Intensivstationen geht wieder zurück.

44 Prozent weniger Hospitalisierungen

Seit dem 7. August nahm die Zahl der Covid-Hospitalisierten im Sieben-Tage-Schnitt um 44 Prozent ab.

HOSPITAL.SEIT 15.2.BAG
Spitaleintritte von positiv Getesteten pro 100’000 Einwohner ganze Schweiz: tägliche (hellblaue Balken) und durchschnittliche über sieben Tage (dunkelblaue Linie)

17 Prozent weniger positiv Getestete pro 100’000 Einwohner seit dem 5. September

Die Zahl der positiv Getesteten hängt unter anderem davon ab, wie viele Tests durchgeführt wurden, und wie gross der jeweilige Anteil der Getesteten mit und ohne Krankheitssymptome war. Dies ist in unterer Grafik nicht berücksichtigt.

Fallz. seirt 15.2.21 BAG
Positiv Getestete pro 100’000 Einwohner: tägliche (hellblaue Balken) und durchschnittliche über sieben Tage (dunkelblaue Linie)

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Grafiken und Analysen von Josef Hunkeler, dem langjährigen Gesundheitsspezialisten des Preisüberwachers.

Einen unabhängigeren Analysten der Schweizer Corona-Zahlen als Josef Hunkeler gibt es kaum. Er hat Statistiken des Bundesamts für Gesundheit und der Swiss National COVID-19 Science Task aufbereitet und analysiert. Das hier anzulickende Arbeitspapier ist anspruchsvoll, aber für Interessierte eine Fundgrube. 

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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16 Meinungen

  • am 18.09.2021 um 12:38 Uhr
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    Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden Spitäler durch ungenutzte Kapazitäten höher belastet als durch genutzte. Nur belegte Betten sind bezahlte Betten. – «In der NZZ vom 17. September erklärte die Zürcher Regierungsratspräsidentin Jacqueline Fehr offen, das Ziel sei «eine höhere Impfquote zu erreichen». – Das klingt schon plausibler. Aber wie soll man auf Erpressung reagieren? Nachgeben ist nicht immer die beste Lösung. Wer das Spiel mitmacht, muss mit weiteren Forderungen rechnen.

    2
  • am 18.09.2021 um 13:55 Uhr
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    Vielleicht gefällt es ja einigen Kräften sehr, dass da immer einige angesteckt werden und das auch Geimpfte ansteckend sein können, ohne dass sie etwas davon merken. Ein einträgliches Geschäft, Krankheiten kann man bewirtschaften. Vielleicht gibt es deswegen in der Schweiz nur mRna Vakzine, während zum Beispiel in Laos aus 8 Vakzinen ausgewählt werden kann, und echte Aerzte, nicht Angestellte diverser Pharmakonzerne, die Impf-Versorgung an den Klienten/innen vollziehen. Samt Beratung. Wenn Interessengebundene (Finanzielle Gewinne) entscheiden, welche Vakzine angeblich die besseren sein sollen, und nicht Wissenschaftler mit Fronterfahrung, werden wir ewig in einer Covid-Spirale bleiben. Während China zu uns rüber lächelt, und wenn sie zeigen das ihre Strategie bessere Erfolge hat, brüllt unsere Mainstreampresse einhellig, dass dies nur gelogene Propaganda sei. Obwohl keiner von ihnen dort war. Kapitalismus pur gekoppelt mit Wirtschaftskrieg. Die Demokratien schaffen sich gerade selber ab. Das am Ende auch diejenigen welche jetzt noch davon profitieren selber auch unter die Räder kommen, scheint noch keiner bemerkt zu haben.

    1
    • am 19.09.2021 um 10:10 Uhr
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      Die chinesische Strategie habe bessere Erfolge? Können Sie das belegen? Warum braucht es in China denn heute wieder Lockdowns?
      Ausserdem scheint es mir nicht gerechtfertigt, alle Unterschiede auf die Härte der staatlichen Massnahmen zurückzuführen. In Ostasien sind immer wieder Coronaviren zirkuliert, und wenn sie nicht so tödlich waren wie SARS oder MERS, dann wurde das in der Öffentlichkeit nicht registriert. In der Folge davon ist wohl eine gewisse Grundimmunität in der Bevölkerung entstanden.
      Umgekehrt ist es auffällig, dass Lateinamerika sehr hart von der Pandemie getroffen wurde. Am schlimmsten Peru, ein Land mit sehr hohem Anteil an indigener Bevölkerung.
      Die Unterschiede sind gewiss nicht mehr so gross wie zu Columbus› Zeiten. Aber möglicherweise wurden sie durch die Globalisierung nur teilweise eingeebnet.
      Die Annahme, alle Ethnien der Welt seien a priori gleich stark durch Sars-CoV2 gefährdet, scheint mir deswegen eher fragwürdig.

      0
  • am 18.09.2021 um 15:43 Uhr
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    Wichtige Arbeit, die zwischen Wirklichkeit und Meinungsmache der Massenmedien (Bund Tamedia, SRF) unterschiedet. Vielen Dank.

    1
  • am 18.09.2021 um 21:05 Uhr
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    Die Situation ist vertrackt, weil man nur vage weiss, was mit dem Virus warum geschieht. Da jetzt die Spitaleinweisungen zurückgehen, sollte der Bundesrat gemäss seinen ursprünglichen Plänen eine komplette Abschaffung aller Massnahmen vorsehen und gleichzeitig genau festlegen, bei welcher Lage die Zertifikatspflicht und das Maskentragen wieder eingeführt wird. So würden mehr junge Leute die Krankheit schon jetzt durchmachen statt erst später. Gefährdete würden sich rascher impfen lassen können, und die unselige Spaltung der Bevölkerung hätte ein Ende.

    1
  • am 18.09.2021 um 21:47 Uhr
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    Vielen Dank auch für die informativen Grafiken!

    «Positiv Getestete pro 100’000 Einwohner»
    Was uns leider seit Beginn der Testerei verheimlicht wird, ist die absolute wie die representative Zahl der Getesteten.
    Ferner auch und wohl noch wichtiger, die angewendeten ct Zyklen.
    Genug Dubioses, um die Kurven beliebig als dramatisch oder als erfolgreich (in Bezug auf die Massnahmen) erscheinen zu lassen.

    Medial spielt das leider keine Rolle, jetzt diskutiert die Schweiz über die Kluft eines Magistraten.
    Ein simples Ablenkmanöver, an dem auch die SVP und ihr BR Interesse haben könnte.

    1
    • am 21.09.2021 um 09:19 Uhr
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      In meinem gestern aktualisierten Papier zu den Impfstatistiken, welches von dieser Internetseite heruntergeladen werden kann, finden Sie auch detaillierte Zahlen zu den aktuellen Tests.

      Tests haben mit Gesundheit nur bedingt etwas zu tun.

      Mit freundlichen Grüssen, Josef Hunkeler

      0
  • am 18.09.2021 um 21:56 Uhr
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    Also auch Herr Gasche ist Impfgegener und Zertifikatsgegner! Oder sehe lese ich das falsch? Wenig überraschend. Genau darum lese ich Infosperger nur sporadisch und Geld gibst schon gar nicht.. Herr Gasche macht dort weiter wo er als Fluglärmgegnern (Südschneiser – mit gelber Mützen und Trillerpfeifen auf dem Flughafen) aufgehört hat. Jetzt fehlt hier nur noch R. Köppel.. Gute Nacht!

    10
    • am 19.09.2021 um 10:21 Uhr
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      Da Sie Unwahrheiten verbreiten, haben wir Ihr Konto gelöscht. Ich war nie mit Südschneisern am Flughafen, schon gar nicht mit gelber Mütze und Trillerpfeife. Richtig ist, dass ich Behörden wegen ihrer Behandlung der Lärmbetroffenen (durch die neuen Südanflüge in Zürich) publizistisch kritisiert hatte.
      Ferner habe ich in vielen Artikeln das Impfen aller Risikopatienten sowie Präventionsmassnahmen befürwortet. Im jüngsten Artikel habe ich geschrieben, dass der Bundesrat trotz Zertifikatspflicht die Masken- und Abstandspflicht nicht hätte fallenlassen sollen – solange Spitälern tatsächlich eine Überlastung droht.

      0
    • am 19.09.2021 um 13:50 Uhr
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      Ich bin Impf-Gegner und Zertifikat-Gegner.
      Es ist legal, gegen etwas zu sein!
      Gehorsam führte uns Menschen leider oft in schlimmste Katastrophen, davon berichten die Geschichtsbücher.

      0
  • am 19.09.2021 um 09:48 Uhr
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    Eigenverantwortung heisst, dass sich Gefährdete selber schützen, also an gewissen öffentlichen Orten eine Maske tragen, usw. In aller Regel werden sich die Angehörigen solcher «Risikogruppen» ohnehin nicht (mehr) in Klubs, Discos, Hallenbädern, Konzertsälen, usw. aufhalten. Dass nur für einen sehr geringen Teil der Gesamtbevölkerung das Virus wirklich bedrohlich werden kann, ist inzwischen hinlänglich erwiesen. Angesichts dieser Tatsachen lassen sich Einschränkungen wie die aktuellen in keiner Weise rechtfertigen und können sofort aufgehoben werden. Die Spitäler wiederum stehen in der Pflicht, bei a l l e n Patienten den Impfstatus zu erheben und glaubwürdig zu kommunizieren, ob Patienten a n oder m i t Corona verstarben. Das liegt zur Zeit noch im Dunkeln und verhindert eine klare Analyse.

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  • am 20.09.2021 um 19:22 Uhr
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    Unglaublich was der Herr Gasche hier vorschlägt
    … «oder als Alternative müsste er – um Geimpften die «volle Freiheit» zurückzugeben –, den gefährdeten Ungeimpften selbst mit negativem Testresultat verbieten, Restaurants, Kinos, Diskotheken, Hallenbäder oder Grossanlässen zu besuchen».
    Dass er nicht auf die Idee kommt vorzuschlagen, dass sich alle testen müssen, auch die Geimpften, weil die ja auch ansteckend sein könnten und vor schweren Verläufen nicht hintertprozentig geschützt sind, ist eine Unterlassung die unverzeihlich ist!

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    • am 20.09.2021 um 20:28 Uhr
      Permalink

      Sie müssen Ihren Vorwurf wohl zurücknehmen. In Punkt 2. habe ich genau das vorgeschlagen: «Als Voraussetzung für den Zutritt auch von den Geimpften einen negativen Test verlangen».

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