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Kampf um Impfdosen: Relevanter als das Impftempo ist die Gesamtbilanz bei der Bewältigung der Corona-Epidemie. © pixabay

Corona-Bilanz: Im Impfschacher nur «Mittelmass». Und sonst?

Hanspeter Guggenbühl /  In der Krise zeigen Staaten ihre Stärken und Schwächen. Im Meckern sind die Medien Spitze. Eine Momentaufnahme und Jahresbilanz.

Abgerechnet wird am Schluss, wenn «Corona» wieder mit Bier statt mit Pandemie verknüpft wird. Doch so lange wollen oder können wir Medienschaffende nicht warten. Im Tagesrhythmus starren wir auf die aktuellen Daten; die einen selektiv auf Fall-, andere auf Todes- oder Hospitalisierungszahlen; neuerdings sind auch Impfraten hoch im Kurs. Und bevorzugt widmen wir uns dem Meckern.

Viel zu Meckern haben zurzeit Medienleute in Staaten, die beim Impfen nicht so schnell sind wie andere. Letzten Samstag (3. April) etwa klagte Christina Neuhaus in der NZZ auf Seite 1, die Schweiz sei bei der «Bewältigung der Krise» nur noch «Mittelmass», weil sie sich «zu spät, zu zögerlich, zu wenig» Impfstoff gesichert habe. Tags darauf wetterten Lukas Häuptli und Franziska Pfister in der Sonntags-NZZ, weil viele Kantone über die Osterfeiertage gar nicht impften.

Widersprüchliche Kritik

Zwar darf man fragen, ob es Sinn macht, bei einem Langstreckenlauf, der mindestens bis Mitte Jahr dauert, die Zwischenzeit an Ostern als Mass aller Dinge zu nehmen. Oder ob Impfen in Sonderschichten an Feiertagen notwendig ist, wenn sich die Impfkapazitäten selbst an Werktagen mangels Impfdosen nicht auslasten lassen.

Doch wesentlich ist etwas anderes: Im nationalen Biet- und Raffwettbewerb um Impfdosen, den reiche auf Kosten von armen Staaten führen, ist die Schweiz tatsächlich nur «Mittelmass». Sie liegt deutlich hinter den Konkurrenten Israel, Grossbritannien oder den USA zurück, also hinter Staaten, die wir bei anderer Gelegenheit wenig rühmen.

Wenn nun die NZZ die mangelnde Performance der Schweiz im globalen Impfwettbewerb geisselt, so ist das für das Leibblatt der Ellbogengesellschaft immerhin konsequent. Weniger konsequent ist, dass dieselbe Kritik auch Medien links der NZZ erheben, die bei anderer Gelegenheit für Ausgleich gegenüber Ländern im Süden plädieren; im Krisenfall steht ihnen das nationale Interesse offensichtlich immer noch näher als die internationale Solidarität.

Allerdings bleibt auch das Medium, das sonst die Devise «weniger Staat, mehr Freiheit» hochhält, nicht konsequent. So kritisierte Christina Neuhaus im erwähnten NZZ-Leitartikel, der Bundesrat sei auf den Vorschlag von VR-Präsident Albert Baehni, die private Lonza mit Staatsmillionen zu subventionieren, um sich damit – allenfalls – zusätzliche Impfdosen zu sichern, nicht eingegangen.

Soweit mein Gemecker über das widersprüchliche Impf-Gemecker der anderen. Abgerechnet aber wird wie erwähnt erst am Schluss. Dann geht es weniger um die «zu spät» oder «zu zögerlich» gespritzten Impfdosen, sondern vielmehr um die Antwort auf die Frage, wie gut die Länder die Corona-Epidemie insgesamt bewältigt haben. Da dieses Ende noch bevorsteht, begnügen wir uns im Folgenden mit einer Zwischenbilanz zum Jahr 2020, basierend auf Indikatoren, die relevanter sind als die aktuellen Impfraten.

Einfluss auf Leben und Tod

Am wichtigsten ist die Natur, denn diese bildet die Lebensgrundlage aller Menschen. Dieses grosse Thema klammern wir an dieser Stelle aus, nachdem Infosperber einige Auswirkungen der Corona-Epidemie auf den Naturverbrauch (Energie, Verkehr, Klima, etc.) schon früher thematisierte, zuletzt unter dem Titel «Naturbuchhaltung 2020».

Beginnen wir also mit dem Einfluss der Epidemie auf das Leben und Sterben der Menschen. Dazu veröffentlichen Ämter und Medien täglich Corona-bedingte Gesundheits-, Spital- oder Sterbedaten. Aussagekräftiger als diese spezifischen, mit Abgrenzungsschwierigkeiten behafteten Corona-Statistiken sind Informationen über die gesamte Sterblichkeit, also: Wie viele Menschen in der Schweiz sind im Corona-Jahr 2020 gestorben, und wie viele mehr waren es im Vergleich zum Vorjahr oder zum Durchschnitt mehrerer Vorjahre*, als sich Corona noch nicht auswirkte?  

  • In der Schweiz starben 2020 total 76 000 Menschen, zeigen die soeben veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Das sind 8200 Personen oder 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Übrigens: Diese vom BFS erfasste Übersterblichkeit (8200 Personen) stimmt weitgehend überein mit den 2020 dem BAG gemeldeten «Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19» (Bericht hier); das relativiert die vielerorts geäusserte Kritik an der entsprechenden BAG-Statistik.  
  • Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz mit ihrer Übersterblichkeit (11 bis 13 %*) im europäischen Durchschnitt, zeigt ein Vergleich mit Daten von «Euronews». Deutlich tiefer als in der Schweiz war demnach die Übersterblichkeit 2020 in Deutschland oder Dänemark, nahezu gleich hoch in Schweden und Österreich, deutlich höher in Spanien und Italien. In Grossbritannien und den USA, welche einige Medienschaffende wegen ihren hohen Impfraten heute loben, war die Übersterblichkeits-Rate im Jahr 2020 ebenfalls höher als in der Schweiz (auf einen weltweiten Vergleich verzichten wir hier, da die Daten in vielen aussereuropäischen Länder unzuverlässig sind).

Neben den statistisch eindeutig erfassbaren Todesfällen gibt es das Leben vor dem Tod.  Die Mittel zur Bekämpfung der Corona-Epidemie – vom Maskenzwang über die Einschränkung der Versammlungs- und Reisefreiheit bis zur Schliessung von Läden und Gaststätten – haben die Qualität dieses Lebens für manche Menschen verschlechtert (Stichworte: «Coronamüdigkeit», «Sehnsucht nach Normalisierung»), für andere verbessert (Stichworte: «Beschaulichkeit», «Abkehr vom ganz normalen Wahnsinn»). Die Bilanz zur Lebensqualität im Corona-Jahr 2020 bleibt somit subjektiv. Nimmt man den Umfang der Einschränkungen als Massstab, so war die Bevölkerung in der Schweiz im Vergleich zu jener der meisten anderen europäischen Staaten unterdurchschnittlich betroffen. So blieben Skigebiete offen, Läden weniger lang geschlossen, etc.  

Einfluss auf Geld und Wirtschaft

Leichter als die Qualität des Lebens lässt sich der Gang der Wirtschaft erfassen. Dabei stützen sich Ökonomen und Politikerinnen bevorzugt auf das Bruttoinlandprodukt (BIP), also die Summe aller in Geld erfassten Wirtschaftsleistungen. Hier haben die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie global deutliche und national unterschiedlich grosse Spuren hinterlassen:

  • Das weltweite Sozialprodukt schrumpfte im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent. Bei dieser Zahl handelt es sich um die neuste Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zum Vergleich: Kurz vor Beginn der Corona-Epidemie prognostizierte der IWF fürs Jahr 2020 noch ein Wachstum der globalen Wirtschaft um 3,3 Prozent. Das heisst: Corona senkte die globale Wirtschaftsleistung um rund sieben Prozent. Eine noch stärkere Schrumpfung der Weltwirtschaft verhinderten viele Staaten, indem sie die Wirtschaft mit Staatsgeld massiv stützten und damit eine starke Zunahme der Staatsverschuldung in Kauf nahmen.
  • Grosse Unterschiede: In den einzelnen Staaten oder Staatengruppen entwickelte sich das Bruttoinlandprodukt 2020 unterschiedlich. Während das BIP in China trotz Corona 2020 noch leicht zunahm, sank es im Schnitt der westlichen Industriestaaten (OECD) stärker als im globalen Durchschnitt. Beispiele: Das BIP in den USA verminderte sich 2020 gegenüber 2019 um 4,6 Prozent, in Japan um 5,5 Prozent im Schnitt der EU um 6,3 Prozent. Innerhalb der EU sank das BIP im viel kritisierten Deutschland um 5,0 Prozent, im von der NZZ zum Impf-Musterland erkorenen Grossbritannien hingegen um 10,3 Prozent, in Italien und Frankreich um 8 bis 9 Prozent (Quellen: OECD, EU, Datenstand Februar 2021, übersichtliche Tabelle WKO hier). 
  • Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte 2020 mit einem BIP-Minus von 2,9 Prozent weniger stark als die Wirtschaft der meisten anderen Industriestaaten, zeigt die neuste Schätzung des Bundes. Dabei dämpften Bund und Kantone den BIP-Rückgang ebenfalls mit zusätzlicher Staatsverschuldung.

Vor und mit Corona: Ein Leben auf Pump

Die Meinungen, ob und ab welchem Mass Staatsschulden ein Problem sind, gehen innerhalb der Wirtschaftswissenschaft weit auseinander. Fest steht: Schon seit der Jahrtausendwende wachsen – bei jährlichen Schwankungen – die Schulden der meisten Staaten (die Schweiz blieb dank Schuldenbremse eine Ausnahme). Im Corona-Jahr 2020 allein stieg die Staatsverschuldung, gemessen am BIP, in den USA um annähernd 20 Prozentpunkte (PP), in den EU-Staaten um durchschnittlich 16 PP, in der Schweiz hingegen um weniger als 10 PP, zeigt eine Publikation der ETH-Konjunkturforschungsstelle vom Januar 2021. Am Ende des Jahres 2020 summierten sich die Staatsschulden in den USA auf rund 130 Prozent des jährlichen BIP, in der EU auf knapp 100 Prozent, während die Staatsverschuldung in der Schweiz mit rund 30 Prozent relativ moderat bleibt.

Eine zunehmende Staatsverschuldung ermöglicht ein vorweggenommenes Wachstum oder eine reduzierte Schrumpfung der Wirtschaft; dies zu Gunsten der heutigen, zu Lasten von späteren Generationen. Das veranschaulicht ein theoretisches Beispiel: Wollten die USA ihre aufgelaufenen Staatsschulden von 130 Prozent des BIP vollständig abbauen, müssten dort alle Erwerbsstätigen 1,3 Jahre gratis arbeiten. Eine solche Schuldentilgung strebt in der Praxis selbstverständlich keine Regierung an.  

Fazit: Die Bekämpfung der Corona-Epidemie senkte im Jahr 2020 die Lebenserwartung um ein knappes Prozent, senkte die Wirtschaftsleistung der westlichen Industriestaaten um 2 bis 12 Prozent, erhöhte die Staatsverschuldung um 10 bis 20 Prozentpunkte, aber verminderte zumindest vorübergehend die Ausbeutung der Natur. Ein weiterer Aspekt, den wir in diesem Artikel ausklammerten: Die Arbeitslosigkeit stieg 2020, ebenso die Kurse an den Aktienbörsen, was zeigt: Corona vergrösserte die Kluft zwischen arm und reich.

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* Die Sterblichkeit lässt sich unterschiedlich bemessen. Entweder vergleicht man die Todesfälle im (Corona-)Jahr 2020 mit dem Vorjahr 2019 und erfasst damit die Differenz, in der Schweiz also 8200 Personen oder 12 Prozent.  Oder man vergleicht die Todesfälle mit dem Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre; für die Schweiz ergibt dies im Jahr 2020 eine Zunahme von 13 Prozent. Oder man vergleicht die Zahl der Verstorbenen mit der von Statistik-Experten voraus berechneten Sterblichkeit. Daraus resultiert eine Übersterblichkeit von 11 Prozent. Was zeigt: Bei allen drei Methoden unterscheiden sich die Resultate für die Schweiz nur unwesentlich.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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14 Meinungen

  • am 8.04.2021 um 11:37 Uhr
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    Die absoluten Sterbezahlen pro tausend Einwohner aus den Jahren 2000 und 2003 sind gleich wie diejenigen des letzten Jahres, was sicher erwähnenswert ist, denn in den Jahren 2000 und 2003 gab es deswegen keine Milliardenhysterie.

    1
    • am 8.04.2021 um 14:05 Uhr
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      Es gab früher tatsächlich Jahre mit einer ähnlich hohen Sterblichkeit pro 1000 Einwohner wie im Jahr 2020, wenn man die heute längere Lebenserwartung berücksichtigt. Doch es bleibt die Frage: Wie hoch wäre die Sterblichkeit im Jahr 2020 gewesen, wenn keine Corona-Massnahmen ergriffen worden wären?

      5
  • am 8.04.2021 um 12:26 Uhr
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    Respekt, ein Artikel mit viel Sach-Information, allerdings völlig unkritisch gegenüber der Impf-Hysterie.

    Das Geschwätz der NZZ hatte ich versucht, mit dem folgenden Leserbrief zu kommentieren.
    Schweiz im Mittelmass
    Mit der grosszügigen Geste unfehlbarer Besserwisser, erklärt die NZZ der «Schweiz» den Tarif (Nummer vom 3.4.2021), «nächste Station Mittelmass». Immerhin, es ist tröstlich, die NZZ selber ist nicht Teil dieser «Schweiz» auf dem Weg in den «Niedergang», der sich bei der «Bewältigung der Pandemie» gezeigt hat.
    Was hat denn die «Schweiz» – eigentlich deren Regierung – gemacht? Sie hat sich genau so benommen, wie es sonst von der NZZ in ihrer permanenten Kampagne gefordert wird, wenn die Schweiz endlich das Rahmendikdat unterschreiben und sich ähnlichen internationalen Forderungen unterwerfen soll. Beim Versuch, die Pandemie zu bewältigen, hat sich die Schweiz Grosseuropa angepasst.
    Bei der NZZ dagegen erinnert sich die Linke wieder einmal nicht, was die Rechte sonst alles zusammenschreibt.

    0
  • am 8.04.2021 um 12:43 Uhr
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    Super , diese vielen sachlichen Informationen. Schade, dass die weltweit steigende Armut und armuts-bedingte Übersterblichkeit -jetzt und in einigen Folge-Jahren in den armen Ländern «über den Teller-Rand fiel!

    Sehr vermisse ich einen speziellen Hinweis auf Schweden, welches wegen seiner höheren Infektions-Rate (besonders von Deutschland) «gegeisselt» wird,

    während «man» unterschlägt, dass Schweden bei der Sterblichkeit/Million Einwohner sehr gut dasteht. Beispielsweise (nach der ersten Welle) konstant und bis heute 10% bis 30% besser als Deutschland !

    Die jetzigen Über-Sterblichkeiten weltweit werden -aus Gründen der Logik- in den etwa 2 Folge-Jahren «nach Corona» ausgleichende Unter-Sterblichkeiten bedingen.
    Vergleichbar mit dem Bäume-Wachstum im Wald «nach einem Tornado» –
    und die nun etwas entlasteten Rentenkassen und Lebensversicherungen werden dann entsprechend stärker be-ansprucht.

    Wolfgang Gerlach, Ingenieur

    0
  • am 8.04.2021 um 12:59 Uhr
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    Die mediale Impfhysterie entbehrt jeder Evidenz: 1. Beim Virus handelt es sich um einen relativ harmlosen Erreger, vergleichbar mit Influenza. Gesunde Menschen sind mit dem natürlichen Immunsystem ausreichend geschützt. 2. Bezüglich Impfstoff-Sicherheit fehlt die klinische Phase 3, eine Studie an einer breiten Auswahl von Testpersonen aus unterschiedlichen Risikogruppen. Diese Phase dauert mindestens 2 Jahre. – Durch eine Verzögerung der Phase 4, der Anwendung auf die ganze Bevölkerung, kann diese für die Sicherheit zentrale Phase 3 teilweise integriert werden, aber auf das Risiko derer, die bei dieser Impfaktion vorne anstehen. Druck und Überstürzung ist nicht angebracht.

    1
  • am 8.04.2021 um 13:45 Uhr
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    Der Vergleich der Sterberate nur mit dem Vorjahr ist in keiner Weise irgend aussagekräftig. Die jährlichen Todesfallzahlen schwanken stark, so dass sich ein wirklichkeitsnahes Bild nur ergibt, wenn man die letzten 70 bis 100 Jahre anschaut. Und da ergibt sich erstaunliches: es gab in der Vergangenheit Jahre mit vergleichbar hoher Sterblichkeit wie 2020… .

    1
  • am 8.04.2021 um 17:51 Uhr
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    Zur Frage der Sterblichkeit ohne Massnahmen lohnt sich sehr ein Blick auf Schweden, das – laut einer aktuellen französischen Studie – ohne Lockdown die gleiche Sterblichkeit wie die Schweiz aufweisen soll (https://www.rtl.de/cms/studie-laender-mit-no-covid-strategie-verzeichnen-wenige-tote-starke-wirtschaft-4735890.html). Siehe auch nau.ch: https://www.nau.ch/news/europa/coronavirus-zahlen-vergleich-der-toten-in-schweden-und-deutschland-65841329 (Stand Dezember 2020).

    0
  • am 8.04.2021 um 18:55 Uhr
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    @Gasche: Man sieht das ja in Schweden, dort war die Sterblichkeit ein klein wenig höher. Restaurants, Läden, Grundschulen blieben offen. Keine Grossveranstaltungen. Man muss aber natürlich sagen, etwa 80% hatten in der Schweiz immer noch kein Corona… Wenn man nach Tschechien oder Ungarn schaut, die haben eine etwa doppelt so hohe Sterblichkeit wie wir. Also nochmal 10’000 Tote in der Schweiz.

    2
  • am 8.04.2021 um 19:22 Uhr
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    «Doch es bleibt die Frage: Wie hoch wäre die Sterblichkeit im Jahr 2020 gewesen, wenn keine Corona-Massnahmen ergriffen worden wären?» – Hier hilft nur ein Vergleich mit Ländern die einen anderen Weg gegangen sind, Beispiel Schweden. Wenn man aus den Fehlern die dort gemacht wurden etwas lernt, zeichnet sich als optimaler Weg ein Mittelmass ab: Hygieneregeln, Appell an die Selbstverantwortung, Schutz der Risikogruppen, aber keine Lockdowns. Wie bei allen Pandemien muss eine geringe Übersterblichkeit in Kauf genommen werden, das gehört einfach zur Realität unseres Lebens.

    0
  • am 8.04.2021 um 21:05 Uhr
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    Eine vorzügliche, unaufgeregte Gesamtschau! Und doch möchte auch ich etwas «meckern»:

    Die Ära der undifferenzierten Verteufelung der «Schuldenberge» scheint auch bei infosperber dem Ende zuzugehen, wird doch bemerkt: «Die Meinungen, ob und ab welchem Mass Staatsschulden ein Problem sind, gehen innerhalb der Wirtschaftswissenschaft weit auseinander.»

    Wie schwachbrüstig das jedoch noch ist, zeigt sich schon hier: «die Schweiz blieb dank (sic) Schuldenbremse eine Ausnahme». Wertfrei/neutral würde hier nicht «dank» sondern «aufgrund»/»infolge» stehen.

    Dass das Differenzieren noch nicht ganz sitzt, manifestiert sich gröber hier: «Wollten die USA ihre aufgelaufenen Staatsschulden von 130 Prozent des BIP vollständig abbauen, müssten dort alle Erwerbstätigen 1,3 Jahre gratis arbeiten.»

    Und, ginge das? Nein! Und zwar nicht einfach nur, weil Menschen nicht «gratis arbeiten» wollen (d.h., den ganzen Lohn dem Staat abliefern), sondern weil dieses Gratisarbeiten sogleich in sich zusammenfallen und zu einem Nicht-mehr-Arbeiten würde. Denn: WER würde bzw. hätte das in dieser Zeit Hergestellte zu kaufen? Ohne Käufer keine Arbeit – somit auch keine Löhne und folgerichtig keine Möglichkeit der Geldablieferung an den Staat.

    Oder soll etwa der Staat einspringen und die Güter kaufen … so dass das Volk Arbeit hat und dadurch folglich Lohn … den sie dann dem Staat geben um dessen alten Schulden abzuzahlen (und dann gleich auch noch jene Schulden, die sie neu durch den Güterkauf anhäuften)?

    0
  • am 9.04.2021 um 13:54 Uhr
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    Geld ensteht im Schuldgeldsystem nun mal durch Kreditaufnahme = Schulden. Wir leben nicht mehr mit dem Goldstandard. Sei es der Staat noch privat. Unterschied ist, der Staat kann in seiner eigenen Währung niemals pleite gehen.
    Es sollte einleuchten, dass es alleine wegen des Bevölkerungswachstums eine immer höhere Geldmenge braucht. Was eben auch mehr Schulden des Staates bedeutet.
    Zudem ist Geld kein «Einwegprodukt». Es kann im Geldkreislauf unzählige male ausgegeben und eingenommen werden. Was nun bei der «Coronkrise» passiert, ist eine Erhöhung des Sparanteils der Bevölkerung. Sparen bedeutet, dass man dem Geldkreislauf Geld entzieht.
    Somit sind die Reichen und Superreichen mit ein Faktor, wenn angeblich Geld «fehlt».
    Jeder Franken der gespart wird ist so lange dem Geldkreislauf entzogen, bis er wieder ausgegeben wird.
    Das bedeutet auch, die Ersparnisse des einen sind die Schulden eines anderen wie es in der Saldenmechanik dargestellt wird:

    http://www.joerglipinski.de/blog/volkswirtschaftliche-saldenmechanik-vergessene-grundlage-der-geldtheorie/

    Das Staatsschulden kein Hauptproblem sind erklärt auch Ökonomin Stephanie Kelton:
    «Die USA können gar nicht pleitegehen»

    https://www.handelszeitung.ch/invest/die-usa-konnen-gar-nicht-pleitegehen

    Wie Geld entsteht erklärt hier Prof. Bernard Lietaer:

    https://www.youtube.com/watch?v=sDlKASyC2f4

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  • am 10.04.2021 um 21:36 Uhr
    Permalink

    Was in der Übersicht fehlt, ist die Tatsache, dass die ganze Bevölkerung unterdessen ein ganzes Jahr in ihrer Freiheit markant eingschränkt wurde. Nun kann man das natürlich bagatellisieren und sagen, darauf komme es nun wirklich nicht an, wenn es um Leben und Tod gehe.

    Aber machen wir doch einmal folgendes Gedankenspiel: Nehmen wir an, man könnte sich ein zusätzliches Jahr am Ende seines Lebens erkaufen, wenn man das ganze Leben (sagen wir 80 Jahre) entsprechende Einschränkungen seiner Freiheit in Kauf nehmen würde. Ich behaupte: Kein normaler Mensch würde einen solchen Handel eingehen.

    Ist der Handel, den wir als Land eingegangen sind, wirklich besser?

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  • am 14.04.2021 um 09:22 Uhr
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    @Heierli.
    Ja von welcher bzw. wessen «Freiheit» spricht denn da Herr Heierli? Vielleicht vor allem von seiner eigenen (bzw. jener aus seiner Perspektive)?

    Könnte es nicht etwa auch sein, dass all jene, die sich – aus welchen Gründen auch immer – «frei» bewegen (würden), also ohne Maske ins Tram, den Zug und die Einkaufsgeschäfte gehen, so die (Bewegungs-)»Freiheit» anderer einschränken bzw. nehmen? (Mit «anderer» sind jene gemeint, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Konstitution bei einer Infektion von der Möglichkeit eines schwerwiegenden Verlaufs auszugehen haben.)

    Das Thema «Freiheit» also bitte nicht zu unterkomplex angehen – ansonst sind wir schnell auf «Blick»-Schlagzeilen-Niveau.

    Wie steht es denn mit der möglichst grosser «Freiheit» bei anderen Belangen:
    – Von welcher und wessen «Freiheit» sprechen wir, wenn noch mit 80km/h durch die Orte gefahren werden dürfte?
    – Um welche bzw. wessen «Freiheit» geht es, wenn in einem Land, in dem die Menschen in äusserster Not (und jede Arbeit/Lohnofferte annehmen müssen), die Handels-/Marktfreiheit hochgehalten wird? Etwa vielleicht letztlich nur um die «Freiheit zur Ausbeutung» …?

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