Sperberauge

Zu viel Röntgen ohne Nutzen

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

upg /  Bei Brust- und Prostatakrebs im Frühstadium waren 40 Prozent der Röntgenbilder eine nutzlose Strahlenbelastung.

Mediziner um Danil Makarov von der «New York University» haben in der Fachpublikation «Jama Oncology» Daten von 9’000 Männern und 30’000 Frauen ausgewertet, bei denen Frühstadien eines Tumors diagnostiert wurden, so dass die Betroffenen eine gute Prognose hatten. Die Fachvereinigung der US-Krebsärzte (ASCO) empfiehlt, dass solche Patientinnen und Patienten nur in Ausnahmefällen mittels Röntgen, Kernspin oder CT untersucht werden. Doch offensichtlich werden trotzdem zu viele Geschäfte mit dem Röntgen gemacht: 40 Prozent der erfassten Patientinnen und Patienten wurden geröntgt, obwohl die gemachten Aufnahmen keinen Nutzen brachten: Sie waren für den Therapieentscheid unerheblich und trugen weder zu einer genaueren Prognose des Verlaufs noch zu einer besseren Behandlung bei.
Fazit: Kein Nutzen, sondern nur eine Strahlenbelastung für die betroffenen Patientinnen und Patienten.
Bezeichnenderweise wurden in Regionen besonders viele Bilder gemacht, in denen die Gerätedichte am höchsten ist. Es besteht der Verdacht, dass die Amortisation der Geräte beim Röntgen-Entscheid eine Rolle spielt.

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Eine Meinung zu

  • am 23.03.2015 um 14:25 Uhr
    Permalink

    Nicht nur Röntgenbilder, sondern wie man weiss, werden auch etwa 50% aller chirurgischen Eingriffe und die Hälfte aller Medikamenten-Verschreibungen nur aus pequinären Gründen gemacht. Ich habe eine persönliche Erfahrungen:
    Ich hatte in Italien eine Schädeloperation zur Entfernung eines subduralen Haematoms. Die Operation verlief gut. Etwa ein Jahr danach reiste ich in die Schweiz. Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass ich in der Nähe der Operationsnarbe eine kleine Verletzung hatte. Ich ging in die Notfallstation. Man äusserte den Verdacht, dass die Wunde mit dem Schädelinneren in Verbindung stehen könnte. Dann folgten Computer-Tomogramme, mikrobiologische Tests ohne Ende, Schädeloperation, Fortsetzung der Antibiotika-Therapie, nach 10 Tagen die Entlassung mit einem Antibiotika-Vorrat für einen Monat. Ich reiste nach Italien zurück und informierte meinen Chirurgen. Der meinte: „Da hat man Ihre Krankenkasse aber richtig ausgenommen!“ Auf meine verwirrte Nachfrage bemerkte er bloss: „Wenn Ihre eitrige äussere Verletzung mit dem Schädelinneren in Verbindung gestanden hätte, hätten Sie hohes Fieber gehabt, nach dem ärztlichen Bericht hatten Sie aber nie Fieber. Diese Operation war nur für das Spital nützlich. Ihnen brachte es bloss Leiden und eine Schwächung ihres 80-jährigen Körpers. Gehen Sie zur Rehabilitation in ein Thermalbad und machen Sie eine Physiotherapie. Wie hoch war die Rechnung des Spitals?“ „ Etwas über CHF 55’000…“

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