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Auch die Gentechnik konnte bisher gegen Alzheimer nichts ausrichten © carianoff/Flickr

Die Alzheimer-Forschung ist bisher gescheitert

upg /  Eine Enttäuschung folgt der anderen. Auch Ratschläge zum Vermeiden der Demenz sind umstritten. Jetzt fordern Experten ein Umdenken.

Infosperber hatte bereits vor einem Monat darüber informiert, dass sich die Versprechen der (Gen-)Forscher bisher nicht erfüllt haben: «Die grossmundigen Versprechen der Gen-Lobby haben sich trotz Milliarden von Pharma- und Steuergeldern weitgehend in Luft aufgelöst.»
Die «Süddeutsche Zeitung» titelt jetzt ebenfalls: «Das Scheitern der Alzheimer-Forschung». Seit Forscher und Mediziner versuchen, die Alzheimer-Krankheit zu behandeln, hätten sie eine Enttäuschung nach der anderen erlebt. Auch die Ratschläge, wie man die Demenz vermeiden kann, seien umstritten.
Über Misserfolge informieren die Medien kaum
An der Jahrestagung der internationalen Alzheimer-Gesellschaft, die soeben in Paris stattgefunden hat, forderten Experten ein Umdenken. Über die enttäuschende Zwischenbilanz haben Schweizer Medien bisher nicht berichtet. Einzig die «Zentralschweiz am Sonntag» hat den Bericht der Süddeutschen Zeitung übernommen. Ganz anders vor einigen Jahren: Über genährte Hoffnungen und Versprechen hatten die Medien viele Schlagzeilen verbreitet.
Soll man den Zustand der Demenz verlängern?
Der Psychiater Alexander Kurz von der Technischen Universität München fasste den heutigen Zustand der Forschung wie folgt zusammen: «Die Industrie versucht uns einzureden, dass wir das Problem lösen könnten, wenn wir erst die passenden Medikamente haben.» Aber damit sei gar nichts gelöst, denn «nur Pillen helfen nicht».
Und die Süddeutsche Zeitung fragt: «Sind neue Alzheimer-Medikamente auch für Betroffene sinnvoll, die bereits unter schwerer Demenz leiden? Sollen wir einfach die Zeit verlängern, welche diese Patienten mit einer erheblichen Behinderung und in Abhängigkeit von andern Menschen verbringen?»
Früherkennung versagt
Leider versage auch die Früherkennung von Alzheimer. Bei einem Drittel aller alten Menschen finde man Veränderungen im Gehirn, die typisch sind für Demenz. Doch viele von ihnen würden nicht an Alzheimer erkranken. Aus Ablagerungen im Gehirn könne man deshalb nicht schliessen, ob jemand an Alzheimer erkrankt ist oder erkranken wird. Und was hilft einem 40-Jährigen, wenn ein «Früherkennungs»-Test ergibt, dass er in zwanzig Jahren vielleicht an Alzheimer erkrankt? Bis heute kann kein Medikament verhindern, dass die Krankheit ausbricht. Was eine Erkrankung an Alzheimer wahrscheinlich verzögern kann, ist viel körperliche und geistige Bewegung.
«Auch beim Thema Prävention müssen Forscher und Ärzte also vor der mysteriösen Krankheit Alzheimer kapitulieren», schreibt die Süddeutsche Zeitung nach der Jahrestagung der internationalen Alzheimer-Gesellschaft.


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