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Mitglieder der Organisation Campact demonstrieren am 24. Mai 2018 im Berliner Regierungsviertel und werfen dabei mit Geld. © cc-by-nd Christian Mang/Campact

Amazon zahlt in Europa wieder keine Steuern

Daniela Gschweng /  Amazon macht in Europa 2021 abermals Rekordumsätze, zahlt keine Steuern und bekommt vom Fiskus noch eine Gutschrift.

Amazon hat in Europa gerade wieder eine Steuerrunde ausgelassen. Das Hauptgeschäft in Europa verzeichnet im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 55 Milliarden Dollar (51,6 Milliarden Euro). Amazon Europa bezahlte aber trotzdem keine Einkommenssteuern. Das berichtet das Finanzportal «Bloomberg».

Obendrauf bekam der Online-Händler eine Steuergutschrift von einer Milliarde Euro. Der Umsatz in Europa war 2021 zwar um 17 Prozent gestiegen, Amazon EU Sarl hatte jedoch einen Verlust von 1,16 Milliarden Euro geltend gemacht.

Amazon EU Sarl hat seinen Sitz in Luxemburg und meldet dort Umsätze aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Schweden und Spanien. Die Verluste rührten laut Amazon von der Eröffnung von mehr als 50 neuen Standorten her.

Das ist kein grosser Unterschied zum Jahr davor: Mit 44 Milliarden Dollar Umsatz 2020 hatte Amazon auch 2021 nichts bezahlt, weil es trotz Umsatzsteigerung 1,2 Milliarden Euro Verluste schrieb.

Andere Silicon-Valley-Konzerne sind auch nicht besser

Der US-Konzern steht seit Jahren wegen seines Umgangs mit der Steuerpflicht in der Kritik. Sehr viel anders ist das beim Rest der «Silicon Six» aber auch nicht.

Die «Fair Tax Foundation» hat eben erst ausgerechnet, dass Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google und Microsoft zwischen 2011 und 2020 weltweit zusammen 149,4 Milliarden Dollar weniger Steuern bezahlt haben, als es nach den geltenden Steuersätzen zu erwarten wäre. Die spendenfinanzierte Organisation berechnet auch die Lücke zwischen laufenden Steuerrückstellungen und den tatsächlich gezahlten Steuern. Diese betrug für den Zeitraum 2011 – 2020 für alle sechs Unternehmen 96,3 Milliarden Dollar.

Seit der letzten Steuerlücken-Berechnung, die die Jahre von 2010 bis 2018/2019 umfasste, hat sich wenig geändert. Dass es sich die grossen US-Unternehmen nicht nehmen lassen, ihre Steuerpflicht bis auf den letzten möglichen Cent zu minimieren, ist bekannt. Der Grossteil dieser Steuerlücke falle ausserhalb der USA an, schätzt die «Fair Tax Foundation».

Amazon trotzdem Nummer eins der Steuervermeider

Sowohl im letzten wie im aktuellen «Steuervermeider-Ranking» steht Amazon an erster Stelle, gefolgt von Facebook, Google/Alphabet, Netflix, Apple und Microsoft.

Amazon habe weltweit zwar mehr Steuern bezahlt als vor zehn Jahren, dennoch entspreche die Steuer nur 9,8 Prozent des Gewinns – ein Steuersatz, von dem mancher Kleinunternehmer träumt, nicht nur in Europa. Die kumulierte Steuerlücke zwischen dem, was Amazon in seinen Finanzberichten angebe, und dem, was der Konzern tatsächlich an Steuern bezahlt, sei auf 6,12 Milliarden Dollar angewachsen.

2017 hatte die EU Amazon wegen illegaler Praktiken einen Steuerbescheid über 250 Millionen Euro zugestellt. Der Konzern legte letztes Jahr erfolgreich Einspruch ein. Die Berufung der EU vor dem Europäischen Gerichtshof ist noch offen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

Konzerne_UggBoyUggGirl

Die Macht von Konzernen und Milliardären

Wenn Milliarden-Unternehmen und Milliardäre Nationalstaaten aushebeln und demokratische Rechte zur Makulatur machen.

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3 Meinungen

  • am 30.05.2022 um 11:50 Uhr
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    Ein Steuersystem, das auf den Produktionsfaktor-Einsatz (Input-Steuersystem) statt auf die Einkommen-/Gewinne und Mehrwertsteuer (Output-Steuersystem) setzt, hätte diese Probleme mit Amazon und Co nicht. Das Output-Steuersystem ist ein Resourcen-/Produktionsfaktor-Verschwendungs-Motor, wenn auch nur ein Teil davon. Dieser Motor dient dem Wachstumszwang- und Kapitalstock-Maximierungsziel der Herrschenden. Alle gesellschaftlichen und menschlichen Fehlentwicklungen in den Indusriestaaten werden von dem falschen, selbstzerstörerischen Output-Steuersystem erzwungen.

    Das wissen alle Systemdenker und alle Regierungsvertreter. . Eine Steuersystemrevolution, die in Russland schon gelaufen ist, ist die einzige, aber totgeschwiegende Systemlösung in den westlichen Industriestaaten. Amazons Führung weiß das natürlich und hofft, dass weiter die Systemlösung ‹Steuersystem-Revolution› totgeschwiegen wird.

    0
  • am 30.05.2022 um 18:41 Uhr
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    Umsatz ist nicht mit Gewinn gleichzusetzen. Aber das verstehen viele nicht und dieses Missverständnis hat schon vielen das Genick gebrochen. Der Beitrag ist deshalb gesehen nichtssagend und als polemisch zu beurteilen.

    5
    • am 30.05.2022 um 20:26 Uhr
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      Da haben sie im ersten Teil vollkommen recht – es grüsst eine freischaffende Journalistin aka Soloselbständige. Steuerberaterin habe ich ja nicht werden wollen ;*). Im zweiten nicht. Amazon ist eines der weltgrössten Unternehmen, das dazu ständig expandiert. Amazons CEO Jeff Benzos ist einer der reichsten Menschen der Welt. An diesen Reichtum gelangt ist er durch … Spenden?

      0

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