Kommentar

kontertext: Zum Tod von Armin Kopp

Guy Krneta* ©

Guy Krneta /  Der Schauspieler und Regisseur starb Mitte September in Bern.

Armin Kopp war seit 1983 als Schauspieler und Regisseur in der Schweizer Theaterszene tätig. Ein vielseitig interessierter, wandlungsfähiger und sprachbegabter Theatermensch, der sich auch kulturpolitisch engagierte. Er starb am 13. September im Alter von 62 Jahren. Armin Kopp prägte die Schweizer Theaterszene mehr als dreissig Jahre lang. Ein Nachruf in einem Berner oder Schweizer Medium ist bisher nicht erschienen.

Armin Kopp wurde 1959 als Sohn einer Schauspielerin und eines Regisseurs und Theaterleiters in Graz geboren. Da wuchs er auch auf und besuchte die dortige Schauspielschule. Sein Deutschlehrer am Gymnasium war der Schriftsteller Alfred Kolleritsch, einer der prägenden Vermittler der österreichischen Literatur, Herausgeber der «manuskripte» und Mitbegründer des «Forum Stadtpark».

Sein Anfängerengagement hatte Armin Kopp am Stadttheater Bern, unter der Schauspieldirektion von Peter Borchardt. Im Stück «Die Archivare» von Bernard Liègme beeindruckte er mich in der Rolle des jungen aufmüpfigen Mitarbeiters eines verstaubten Archivs. Das Stück war in einer Ausweichspielstätte des Stadttheaters zu sehen: im Alten Schlachthaus. Als Anfänger bekam Armin Kopp eine Reihe grosser Rollen zu spielen, Franz Moor in Schillers «Die Räuber», Torquato Tasso in Goethes gleichnamigem Stück. In Proben erlebte ich ihn im «Revisor» von Gogol und sah dann zu, wie er sich in Shakespeares «Sturm» barfüssig und schelmisch dem Luftgeist Ariel näherte.

1987 wechselte Armin nach Deutschland. Urs Bircher und Martin Kreutzberg, die beiden früheren Dramaturgen des Stadttheaters Bern,  hatten ihn an die Städtischen Bühnen Nürnberg geholt und besetzten ihn weiter prominent, als Tempelherr in Lessings «Nathan der Weise» oder als Duperret in Peter Weiss’ «Marat/Sade». Ab 1990 wechselte Kopp in die Freie Theaterszene und lebte wieder in der Schweiz.

Rückkehr in die Schweiz, Wechsel in die Freie Szene

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Armin Kopp spielte und inszenierte am Volkstheater Fürth, an der Claque Baden, am Kleintheater Kramgasse 6 in Bern, am Atelier-Theater Bern, am Theater bei den Minoriten Graz, am Theater Tuchlaube in Aarau und arbeitete mit Gruppen wie dem Spiegeltheater Zürich, der Commedia Bern, der Freien Truppe Bern und anderen Formationen und Produktionsensembles.

Mit seinem Grazer Schulfreund Ferdinand Pregartner gründete er das Theater Pantharei, das sich kaum über einen Leisten schlagen lässt. Erinnern kann ich mich an den fulminant bösen Theaterabend «Die Kringel des Erwin Ringel», ein Stück aus Texten verschiedenster österreichischer Autor:innen. Was vielleicht auch eine Reminiszenz war an die Grazer Schule, welcher Kopp entstammte.

Kopp las Hörbücher ein für die Blindenhörbücherei, arbeitete als Sprechcoach, wurde externer Lehrbeauftragter an der Berner Fachhochschule Gesundheit, wirkte auch in der Zusammenarbeit mit Laien, unterrichtete Schauspiel und Auftrittskompetenz.

Freies Theater als Lebensform

Im Rückblick wirkt Armin Kopps Leben ein wenig exemplarisch für die Freie Theaterszene, wie sie sich ab Anfang der Neunzigerjahre in der Schweiz entwickelt hat. Exemplarisch für die Vielfalt an Tätigkeiten, mit welchen sich erfahrene, immer wieder auch in exponierten Funktionen tätige Künstler:innen über Wasser halten. Exemplarisch aber auch für ein Theaterverständnis, das nicht mehr unterscheidet zwischen Freiem Theater, Kleintheater und Grosser Bühne. Aus dem Theaterschaffende hervorgingen, die die Kellertheater der früheren Generationen weiter bespielten (so lange es sie noch gab) und gleichzeitig neue Räume in Beschlag nahmen, das Theater nach aussen verlegten, neue Spielformen erprobten und auch zum Politischen ein offenes Verhältnis pflegten. Einige Male äusserte sich Armin Kopp kulturpolitisch, wehrte sich öffentlich gegen Dumpinglöhne am Stadttheater oder engagierte sich fürs Schlachthaustheater.

Ab 2008 war Armin Kopp mit der Formation «Kopp/Nauer/Praxmarer/Vittinghoff» unterwegs. Die Gruppe verband welthaltige Themen («Die Welt ist nicht gerecht») mit trashigem Figurentheater. Armin Kopp wurde zum Puppenspieler. Fünf vielgespielte Stücke realisierte die Gruppe, produziert in Zusammenarbeit mit dem Schlachthaustheater.

2015 trat bei Armin Kopp ein schwerer Hirntumor auf, der seine schauspielerische Karriere beendete. Armin kämpfte ums Wiedererlangen der Sprache, plante auch vermehrt als Sprecher aufzutreten. Doch mit Beginn dieses Jahres nahm ihn die Krankheit zunehmend in Beschlag.

Armin Kopp war eingebettet in ein ausgesprochen breites Beziehungsnetz von Berner Kulturschaffenden, aus der Theater-, Musik- und Kunstszene. Umso weniger nachvollziehbar, dass weder die Berner noch die Schweizer Medien diesen Tod bisher angemessen vermeldet haben.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Guy Krneta, geboren in Bern, lebt als freier Autor in Basel. Er schreibt Theaterstücke und Spoken-Word-Texte. Krneta war Mitinitiant der Aktion Rettet-Basel. Ausserdem ist er Vorstandsmitglied des Vereins Medienzukunft Basel und der Anlaufstelle Fairmedia. Zuletzt erschien sein Theaterroman «Die Perücke».

Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Silvia Henke, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Martina Süess, Ariane Tanner, Rudolf Walther, Christoph Wegmann, Matthias Zehnder. Die Redaktion betreuen wechselnd Mitglieder der Gruppe.
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Eine Meinung zu

  • am 20.10.2021 um 20:03 Uhr
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    Von Tamedia und der NZZ darf man keine Kulturberichterstattung mehr erwarten. Für die eine ist sind People News und US-Entertainment wichtiger, die andere lässt das Feuilleton lieber mit der politischen Meinungsmache eines rechten Klüngels vollstopfen. Auch Nathalie Wappler ist Kultur und Bildung eher feindlich gesinnt und deshalb für einen professionellen Kulturjournalismus nicht zu gebrauchen.

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