Opfer des Krieges in Yemen

Millionen von Menschen leiden Hunger und sind unterernährt, vor allem auch Kinder. Nicht selten ist auch Krieg die direkte Ursache. © Caitlin Johnstone

Nach Covid-19-Jahr: Über 800 Millionen Menschen leiden Hunger

Christian Müller /  Die FAO bestätigt die Befürchtungen: Die Covid-19-Pandemie hat nicht zu mehr Solidarität geführt, sondern zu mehr Hunger.

Aufgrund etlicher internationaler Untersuchungen vermeldet die UNO, dass sich die Zahl der hungernden und unterernährten Menschen im Covid-19-Jahr 2020 auf über 800 Millionen erhöht hat – rund zehn Prozent der ganzen Erdbevölkerung. Darunter sind vor allem auch viele Kinder. 

«Bereits Mitte der 2010er Jahre begann der Hunger schleichend anzusteigen und zerstörte die Hoffnung auf einen definitiven Rückgang. Beunruhigenderweise stieg der Hunger im Jahr 2020 sowohl absolut als auch proportional an und übertraf damit das Bevölkerungswachstum: Schätzungsweise 9,9 Prozent aller Menschen waren im vergangenen Jahr unterernährt, im Jahr 2019 waren es noch 8,4 Prozent.

Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen leben in Asien (418 Millionen), mehr als ein Drittel in Afrika (282 Millionen) und ein kleinerer Anteil in Lateinamerika und der Karibik (60 Millionen). Der stärkste Anstieg des Hungers fand jedoch in Afrika statt, wo das geschätzte Ausmass der Unterernährung mit 21 Prozent der Bevölkerung mehr als doppelt so hoch ist wie in jeder anderen Region.»

Diese von der UNO gemachten Angaben sind nicht aus der Luft gegriffen. An den Untersuchungen und Schätzungen waren die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), das UN-Welternährungsprogramm (WFP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt. Und der Vergleich mit den Jahren zuvor zeigt, dass das Covid-19-Jahr die Situation deutlich verschlimmert hat.

«Ganze drei Milliarden Erwachsene und Kinder blieben von gesunder Ernährung ausgeschlossen, grösstenteils aufgrund zu hoher Kosten. Fast ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter leidet an Anämie. Trotz Fortschritten in einigen Bereichen – zum Beispiel werden mehr Säuglinge ausschliesslich mit Muttermilch ernährt – ist die Welt weit davon entfernt, das Ziel, bis im Jahr 2030 den Hunger aus der Welt zu schaffen, noch zu erreichen.»

Auch in Europa gibt es Hungernde

Wer die Zahlen der UNO genau liest, sieht, dass es auch in Europa Hungernde gibt: zum Beispiel in der Ukraine. Es wird davon ausgegangen, dass in der Ukraine zehn Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend ernährt sind und dass die Unterernährung bei den Kindern unter fünf Jahren sogar bei etwa 30 Prozent liegt.

Dass die reichen Länder im Covid-19-Jahr 2020 mehr Hilfsgelder für die Entwicklungsländer ausgegeben haben als in den vorhergehenden Jahren, darf positiv zur Kenntnis genommen werden. Die Regierungen haben gemäss Aussage von OECD-Generalsekretär Angel Gurría im Zusammenhang mit Covid-19 weltweit Wirtschaftshilfen in Höhe von rund 16 Billionen Dollar bewilligt (also 16’000 Milliarden oder 16’000’000’000’000 Dollar). Allerdings, so Angel Gurría, wurde nur ein Prozent dieses Betrags (!) dafür eingesetzt, um Entwicklungsländern in der Krise zu helfen. Der grösste Teil der Wirtschaftshilfen der reichen Länder ging an Industrie- und Gewerbebetriebe im eigenen Land – in der Schweiz in Form von Beiträgen an Betriebe mit Kurzarbeit sogar an Firmen, die gleichzeitig gutes Geld verdienten und ihren Aktionären Dividenden in Millionenhöhe auszahlten.

Auch Kriege und Bürgerkriege verursachen Hunger

Zum Aufmacherbild oben – es stammt aus Jemen – schreibt die US-Journalistin Caitlin Johnstone: «Ein grosser Teil des Problems mit dem Hunger in Jemen ist, dass die Fotos von hungernden Kindern zu oft mit ‹Oje! Seht mal, wie traurig!› überschrieben werden. Richtig wäre: ‹Eure Regierung (gemeint sind die USA, Red.) ist daran beteiligt – und das mit Absicht!›»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

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Reich, arm, ungleich

Grösser werdende soziale Kluften gefährden demokratische Rechtsstaaten.

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11 Meinungen

  • am 19.07.2021 um 11:44 Uhr
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    Diese Entwicklung war leider zu erwarten nachdem ein dermassen unfernünftiges Covid-Regime aufgezogen wurde.
    Ich stelle mir jeweils eine grundsätzliche Frage:
    Wer ist der/die Nutzniesser auf Kosten der mit Angst stummgeschalteten Bevölkerung?

    2
  • am 19.07.2021 um 12:01 Uhr
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    Wir leben in einer Welt, die ich zunehmend als kaputt und krank erlebe: mit Politiker*innen sowie mit Wirt- und Wissenschaften, die sie mit ihrem «Immer-noch-mehr» immer noch kaputter und kranker machen. Auch wenn sie machtgeil und unbeirrbar das Gegenteil behaupten.
    Pandemien, Hitzewellen, Überschwemmungen, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, Kriege und andres mehr, scheinen mir einerseits Symptome dieser Krankheit: und anderseits Katalysatoren für noch mehr Zerstörung und den Zusammenbruch.
    Hoffnungsträger*innen sind für mich die vielen Menschen, die achtsam, bescheiden, selbstbestimmt und qualifiziert mit neuen Modellen kokreativ und gemeinschaftlich unterwegs sind. Ausserhalb der Teufelskreise von gross Mächtigen und von schwer Reichen, die unsere Welt immer noch kaputter und kranker machen, und ausserhalb der bestehenden Systeme, die mir nicht wirklich und nicht wirkungsvoll von innen heraus veränderbar scheinen.

    1
  • am 19.07.2021 um 12:06 Uhr
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    Also hat altNationalrat Jean Ziegler doch recht?
    Was ist jetzt nun recht(s) oder links?
    Aber was ist nun der Lösungsansatz?
    Selbsterkenntnis ist nur der erste Scheitt zur Besserung! Das genügt aber nicht!

    0
  • am 19.07.2021 um 12:09 Uhr
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    Die Zahlen des Artikels sehen «aufbereitet» so aus:

    Innerhalb 1 Jahr gab es -im Zusammenhang mit den «unglücklichen» Corona-Massnahmen-
    weltweit über 150 Millionen mehr hungende Menschen.

    Die Meisten davon Betroffenen -etwa 50 Millionen mehr! – sind hungernde Kinder ! ! !

    Insgesamt wurden etwa 16 Billionen Dollar
    ?europäische Billionen ? – denn amerikanische Billion = europäische Milliarden?
    für Entwicklungs-Hilfen ausgegeben –
    aber nur 1 von 100 Dollarchens «landete» in Entwicklungs-Ländern,
    während der «Riesen-Rest» bei uns blieb !

    Ein paradoxer Drum-herum-Verteilungs-Wahnsinn,
    dem über 100 Millionen mehr Hungernde –
    und ??? Millionen mehr Tote «zu verdanken sind».

    Entsetzte Sprach-Losigkeit meinerseits !

    Wolf Gerlach, Ingenieur

    0
  • am 19.07.2021 um 12:58 Uhr
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    «Die Covid-19-Pandemie hat nicht zu mehr Solidarität geführt, sondern zu mehr Hunger.»
    Falsch: nicht die Pandemie, sondern die Massnahmen, v.a. Lockdowns, haben zu Hunger und Armut geführt.
    Die Medizin ist schlimmer als die Krankheit, auch in der Schweiz.

    1
  • am 19.07.2021 um 14:42 Uhr
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    Am 2. März 2021 habe ich zu einem Artikel betr. FFP2-Masken auf diesem Portal darauf hingewiesen, dass die Covid-Pandemie ein kolonialistischer Rückschritt sondergleichen ist, siehe dazu hier:

    https://maskenlos.ch/index.php/2021/03/02/hilfe-mein-infosperber-kommentar-wird-entstellt/

    Kann sein, dass diese jetzt wieder entstellt oder nicht veröffentlicht wird. Nur meinte ich, dass das, was ich ausführte, damals galt und traurigerweise heute noch immer gilt. Und ich stehe dazu, der grössere Teil der Massnahmen ist nicht nur sinnlos (es ist unvernünftig, wenn wir für Masken und Tests pro Tag mehr ausgeben, als es anderswo zum Leben gibt), sondern vor allem auch ein Ressourcenverschleiss auf Kosten jenes Teiles auf der Erde, der nicht in Ansätzen ein würdiges Leben führen kann. Dem nicht nur tatenlos zusehen zu müssen, sondern wenn nur schon darauf hinweisend, darob auch noch in die Ecke der Verschwörer gedrängt zu werden, das schmerzt — und ganz offensichtlich, über die Monate geht es gehörig ans «Mark».

    Und dabei hätte ich mir im Màrz noch nicht in Ansätzen vorstellen können, dass es Covid-Zertifikate geben wird, das Ungeimpfte (dazu zählen auch jene, die Covid bereits hatten) benachteiligt werden, dass aktuell gar diskutiert wird, Pflegende ohne Impfung müssten einen Sticker tragen. Wo ist der Aufschreib, so nicht! Wir sind mitterlweie eklatant masslos in den Massnahmen, realisieren dabei aber nicht, dass diese Masslogigkeit brutal auf Kosten der Schwächeren geht.

    2
  • am 19.07.2021 um 19:08 Uhr
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    Da fehlt noch eine Präzisierung: War es die Covid-19 Pandemie als Krankheit oder waren es die Covid-19 Massnahmen, insbesondere die Lockdowns und Reisebeschränkungen, die zu diesen «Kollateralschäden» geführt haben? – Eine Bilanz wäre eine nützliche Basis für künftige Covid-Restriktionen. Es geht doch um die Gesundheit aller Beteiligten.

    1
  • am 20.07.2021 um 11:49 Uhr
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    @ Richard Mosimann, Winterthur, am 19.07.2021 um 19:08 Uhr

    «Eine Bilanz wäre eine nützliche Basis für künftige Covid-Restriktionen. Es geht doch um die Gesundheit aller Beteiligten.»

    Glauben Sie das wirklich??

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  • am 20.07.2021 um 15:41 Uhr
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    An Urs Pfister, Egg 19.07.2021 14:42
    Ich pflichte Ihnen vollumfänglich bei.

    Also ich vor mehr als einem Jahr darauf hingewiesen habe, dass genau diese Missstände entstehen werden, wurde ich von vielen ausgelacht, beschimpft und diffamiert.

    In einem Punkt bin ich allerdings anderer Meinung:
    Es ist nicht so, dass wir diese Missstände nicht realisieren. Wir interessieren uns nur nicht dafür. Es ist uns herzlich egal. Ich war und bin auch heute nicht mehr der einzige der ebenfalls darauf hinweist, dass die ganze Testerei und alles was rund um die Massnahmen mit Covid zusammenhängt ein wichtiger Wirtschaftszweig wurde. Es geht ja wohl niemand davon aus, dass dieser einfach so wieder verschwindet? Alle die Menschen die reich wurden und werden mit allem rund um die Massnahmen.
    Dies und die Spaltung der Gesellschaft die nach wie vor vorangetrieben wird sind Dinge die uns wirklich am Herzen liegen sollten.

    Geld den Armen dieser Welt zu helfen gab es schon immer genug, nur wollen dies weite Teile der Gesellschaft nicht teilen, wir investieren lieber in Krieg und Zerstörung, ermöglicht dieser doch den anschliessenden (lukrativen) Wiederaufbau. Den Hunger auf der Welt zu besiegen ist höchstens ein Thema für die Adventszeit um unser eigenes Gewissen in der Zeit des Überflusses ein klein wenig zu beruhigen.

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  • am 20.07.2021 um 22:58 Uhr
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    Als «Kollateralschaden» wird das unsere politische Elite wohl abhaken. Um Gerechtigkeit, Gesundheit und Wohlfahrt ist es bei dem ganzen Theater sowieso nie gegangen, sondern um Macht, Interessen und sehr viel Geld. Der Bürger wurde durch eine beispiellose Angstkampagne gelähmt und kalt gestellt. Die Schafherde ist brav hinterher gerannt.

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    • am 21.07.2021 um 09:13 Uhr
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      Lange habe ich mich dagegen gesträubt, dass die Bevölkerung und ihre Politiker*innen gemäss ihrem Verhalten mehrheitlich als dumm, oder als obrigkeitsgläubig, oder als unkritisch, oder einfach als nichts wissen wollend gesehen werden müssen.

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