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Ahmed ist der muslimische Polizist, den die Terroristen in Paris ermordet haben. © Mazin Qumsiyeh

«Ich will nicht Charlie Hebdo sein»

Mehdi Hasan /  Hört auf mit «Entweder seid ihr für oder dann gegen 'Charlie Hebdo'». Denn das Äussern von Meinungen kennt auch bei Euch Grenzen.

upg. Wer unmittelbar nach dem Pariser Attentat auf Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit hinwies, machte sich verdächtig, das unentschuldbare Töten bei «Charlie Hebdo» halbwegs zu rechtfertigen. Mit etwas Abstand muss es möglich sein, allzu liberalen Verteidigern dieser Freiheit zu entgegnen. Mehdi Hasan, Muslim, politischer Direktor der «Huffington Post» in Grossbritannien und Korrespondent des «New Statesman» wendet sich an die «heuchlerischen Redefreiheits-Fundamentalisten».

Lieber liberaler Kolumnist
Sie und ich, wir beide haben George W. Bush nicht geliebt. Erinnern Sie sich an seine kindische Erklärung nach dem 9/11: «Entweder seid Ihr mit uns, oder Ihr seid mit den Terroristen». Gerade jetzt, unmittelbar nach einem weiteren schrecklichen terroristischen Angriff, scheinen Sie den Slogan von Dubya’s (Spitzname von G.W.Bush) aufgefrischt zu haben: «Entweder Ihr seid für freie Meinungsäusserung…oder Ihr seid dagegen. Entweder Ihr seid ‚Charlie Hebdo’…oder Ihr seid ein Fanatiker, der die Freiheit hasst
Ich bitte Sie ganz einfach: Hört auf damit. Sie denken, dass Sie die Terroristen bekämpfen, dabei spielen Sie ihnen in Wirklichkeit in ihre blutbespritzten Hände, indem Sie Leute ausgrenzen und dämonisieren. Wir und sie: der erleuchtete und liberale Westen gegen die rückständigen, barbarischen Muslime. Das Massaker in Paris vom 7. Januar war – zumindest behaupten Sie das immer – ein Angriff auf die Meinungsäusserungsfreiheit.
Radikalisiert durch die Bilder der US-Folterungen
Mitten in der nach-Paris-Trauer finden sich zu viele Heucheleien und reichlich viele Übertreibungen. Ja, der Angriff war ein Akt des unsäglich Bösen; ein unentschuldbarer und gnadenloser Mord an Unschuldigen. Aber war es wirklich ein «Versuch die Meinungsfreiheit umzubringen»? Es war ein Verbrechen – nicht ein Kriegsgeschehen – ausgeführt von unzufriedenen jungen Männern; radikalisiert nicht etwa durch die Zeichnungen des Propheten in Europa in den Jahren 2006 oder 2011, sondern – wie jetzt herausgekommen ist – durch die Bilder der US-Folterungen im Irak des Jahres 2004.
Seien wir ehrlich: Niemand von uns glaubt an ein unbeschränktes Recht der Meinungsfreiheit. Wir sind alle einverstanden, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen, damit Recht und Ordnung gewahrt bleiben. Wir sind uns einig, dass gewisse Grenzen des Anstands nicht überschritten werden sollten.
Wir unterscheiden uns höchstens in der Frage, wo diese Grenzen zu ziehen sind.
Ihr zieht selber deutliche Grenzen
Hat Eure Zeitung zum Beispiel Cartoons gebracht, die sich über den Holocaust lustig gemacht haben? Nein? Was meinen Sie zu einer Karikatur über Opfer des 9/11, die von einem der zwei Hochhäuser fallen? Ich denke da nicht an Meinungsfreiheit und bin froh, dass diese Karikaturen nicht erschienen sind.
Stellen Sie sich auch das Denk-Experiment des Philosphen Brian Klug der Universität Oxford vor. Er schreibt: Was wäre wohl passiert, wenn eine Person, die am 11. Januar am «Unity Rally» in Paris dabei war, eine Banderole getragen hätte mit dem Text: «Je suis Chérif» – dem Vornamen eines der Mörder im Charlie Hebdo? Oder, fügt Klug hinzu, wenn jemand ein Plakat getragen hätte mit einer Aufschrift, mit der er sich über die ermordeten Journalisten lustig gemacht hätte?
Wie hätte dann wohl die Menge reagiert? Hätte sie in diesem Einzelgänger ebenfalls den Helden gesehen, der für die Rede- und Meinungsfreiheit dasteht? Oder wären nicht alle zu tiefst beleidigt gewesen? Sind Sie nicht auch der Meinung von Klug, dass dieser Mann wohl hätte «froh sein können, wenn er mit dem Leben davon gekommen wäre»?

Es steht absolut ausser Frage, dass es keine wie-auch-immer geartete Rechtfertigung dafür gibt, Journalisten oder Cartoonisten zu erschiessen. Ich bin aber nicht einverstanden mit der Aussage – oder zumindest erscheint sie mir so – dass das Recht jemanden zu beleidigen keine Verantwortlichkeit voraussetzt.

Wenn jemand sagt «Ich bin Charlie», unterstützt Du dann auch das Bild der französischen Justizministerin Christiane Taubira, die schwarz ist und deshalb als Affe gezeichnet wurde? Oder die rüden Karikaturen von Arabern mit knolligen Nasen, wegen denen sich der in Jerusalem geborene Edward Said in seinem Grab umdrehen würde? Den Rassismus zu schmähen, indem man ziemlich unverschämt rassistische Bilder reproduziert, ist eine eher zweifelhafte satirische Taktik.
«Ich wäre lieber Ahmed, der ermordete Polizist»
Aus diesem Grund kann ich nicht – oder will ich nicht – «Charlie sein». Wenn ich jemand sein müsste, wäre ich gerne Ahmed, der muslimische Polizist, der ermordet wurde, während er das Recht des Magazins verteidigte zu existieren.

Und warum waren alle so still, als in Paris krasse Doppelmoral aufleuchtete? Weiss denn niemand, dass «Charlie Hebdo» den altgedienten französischen Cartoonisten Maurice Sinet 2008 sofort entliess, als er angeblich eine antisemitische Bemerkung machte? Ist niemandem bekannt, dass berichtet wurde, dass die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» 2005 Karikaturen, die sich über Christus lustig machten, zurückwies, weil diese «einen Aufschrei provozieren könnten»? Die Zeitung erklärte, sie würde auch «unter keinen Umständen…Cartoons über den Holocaust publizieren»?
Müssen Muslime eine dickere Haut haben?
Von Muslimen, so scheint es, wird erwartet, dass sie eine dickere Haut haben als ihre christlichen oder jüdischen Brüder. Besonders im heutigen, so wichtigen Umfeld. Ihr erwartet, dass wir über einen Cartoon über den Propheten lachen, und gleichzeitig die Verunglimpfung des Islam auf dem ganzen Kontinent übersehen, ebenso die weitverbreitete Diskriminierung von Muslimen in der Erziehung, auf dem Arbeitsmarkt und im öffentlichen Leben – speziell in Frankreich.
Obama-Administration unterdrückt Kritik an Drohnenangriffen
Ihr verlangt von den Muslimen, dass sie eine Handvoll Extremisten als eine existentielle Drohung für die freie Meinungsäusserung deklarieren, während Ihr die viel grössere Drohung für dieses Grundrecht überseht, die von unseren gewählten Politikern ausgeht.
Seid Ihr etwa nicht bestürzt, wenn Barack Obama ebenfalls auf den Wagen «der freien Meinungsäusserung» aufgesprungen ist. Der gleiche Obama, der von Jemen verlangt hatte, dass das Land den Journalisten Abdulelah Haider Shaye, der sich gegen Drohnen einsetzte, im Gefängnis behalten soll, nachdem er durch einen korrupten Gerichtshof wegen eines «dem Terrorismus nahestehenden Vergehens» verurteilt worden war? Er war bis 2013 drei Jahre im Gefängnis.
Hat es Euch nicht aufgewühlt, Benjamin Netanyahu im «Unity Rally» in Paris zu sehen, den Premierminister eines Landes, das sieben Journalisten 2014 in Gaza ermorden liess? Oder den türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu? Ebenfalls dabei waren Angela Merkel, die Kanzlerin eines Landes, das die Verneinung des Holocaust mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft, und David Cameron, der friedliche Extremisten, welche «die Demokratie abschaffen» wollen, von jedem Auftritt im Fernsehen ausschliessen will?
Und wo, mein lieber liberaler Kolumnist, sind übrigens Deine Leserinnen und Leser? Würdest Du bitte mal mit ihnen reden? Eine Umfrage von 2011 zeigte, dass 82 Prozent der britischen Stimmberechtigten damit einverstanden sind, dass Protestierende verfolgt werden, falls sie Puppen verbrannt haben.
Offensichtlich fühlen sich nicht nur Muslime beleidigt.
Dein aufrichtiger Mehdi

Übersetzung aus dem Englischen von Jessica Kehl

Siehe auch
«Tote hier und Tote da. Tote sind nicht Tote», Christian Müller am 17.1.2015
«Warum ich nicht Charlie bin», Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17.1.2015

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der Muslim Mehdi Hasan ist der politische Direktor der Huffington Post Grossbritanniens und ein Korrespondent des «New Statesman», wo dieser Artikel erschienen ist.

Zum Infosperber-Dossier:

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Meinungsfreiheit

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25 Meinungen

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    am 20.01.2015 um 09:12 Uhr
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    Wenn in tiefer Nacht die Feuerwehr einen lodernden Brand löscht, wirft man doch der Erleuchtung Willen nicht Öl ins Feuer. Es mag stimmen, dass ein Teil der Muslime Schritte hin zu mehr Aufgeklärtheit machen müssen, um an einer globalisierten Welt teilhaben zu können. Aufklärung funktioniert aber nicht mit dem Schwert – und äusserst selten mit Provokation. Ob Satire eine Provokation darstellt, entscheiden in diesem Fall nicht die Absender, sondern die Empfänger. Wie witzig die Karikaturen auch immer sein mögen: Sie erreichen bei Extremisten nichts ausser Hass. «Wir dürfen das» ist ein zu schwaches Argument, um das Schüren von Hass zu legitimieren. Doch was anderes bleibt zur Rechtfertigung? Ich habe es bisher nicht verstanden und bin froh Stimmen zu hören, die ähnlich klingen. Ich höre aber auch gerne zu, wenn mir jemand erklären will, wozu das Karikieren von Mohammed gut sein soll.

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    am 20.01.2015 um 11:26 Uhr
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    Meinungsfreiheit bedeutet, dass man miteinander darüber reden kann, wo die Grenzen liegen, aushält, wenn sie für andere woanders liegen, Grenzen u.U. überschreiten darf. Meinungsfreiheit bedeutet, dass man akzeptieren kann, wenn andere die eigenen Grenzen verletzen, Epiktet: «Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten, die wir von Ihnen haben». Über diese Ansichten sollen wir hingegen reden, sie diskutieren, über sie schreiben und vor allem viel nachdenken. Meinungsfreiheit bedeutet aber nie, dass man andere aus niederen Motiven und zu Unrecht verletzen darf. Wer es fahrlässig tut, muss die Chance bekommen, sich dafür entschuldigen zu dürfen. Für alles, was über das hinausgeht, gibt es Gesetze. Gesetze, die ihrerseits überall ein bisschen anders ausfallen. Auch ist zu respektieren. Aber auch darüber darf man diskutieren – im Rahmen der Meinungsfreiheit und ihren heterogenen Regeln.

    Das Karikieren von Mohamed kann als Symbol für das Handeln und Denken einer Gruppe von Menschen stehen, für jene, die sich mit der betreffenden Bildsprache, in der betreffenden Kultur und im betreffenden Milieu ausdrücken. Ob und wenn ja für wen diese Sprache verständlich ist, wen und warum sie verletzt und ob der Inhalt, den sie transportieren soll, am richtigen Ort auch richtig ankommt, all das ist Teil einer Diskussion, die man führen dürfen soll und führen muss. Man darf auch über Geschmack diskutieren – aber das ist seit jeher bekanntlich eine müssige Diskussion.

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    am 20.01.2015 um 11:36 Uhr
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    Ich möchte an dieser Stelle an eine Deklaration von 11 französischen Schriftstellern (darunter auch solche muslimischen Glaubens) erinnern, die am 13. Februar 2006 im Nachgang zum «Karikaturenstreit» in der «Le Monde» erschien und mit folgenden Worten endet: «Bientôt, c’est notre liberté de publier qui, au Danemark comme en France, nous sera déniée au nom du respect de tel ou tel dieu. Laissons faire et on incendiera les bibliothèques qui abritent Voltaire, Sade, Ovide, Omar Khayyam, Proust et tous les autres. Et il est bien certain que pour le grand autodafé, seront réunis et danseront les papes, les grands rabbins et les grands muftis.» (http://goo.gl/R2gthW) Diese Deklaration hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüsst.

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    am 20.01.2015 um 12:22 Uhr
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    Ja, das sehen viele vernünftige Menschen so und hatten es schon damals so gesehen. Es ging aber um die Reaktion auf die blutige Reaktion und da war keine Möglichkeit für tiefere Gedanken. Die Logik der Eskalation oder der Verteidigung der Meinungsfreiheit konnte kein «Nachgeben» zulassen, auch kein «vermeintliches».

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    am 20.01.2015 um 16:23 Uhr
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    Meinungsfreiheit wird dann zur Farce, wenn ich anderen ihre eigene Meinungsäusserung nicht mehr zugestehe.

    Meinungen sind aber nicht «Taten». Dass die Taten der emordeten Satyriker in keiner Weise mit jenen der Mörder gegeneinander abgewogen werden können, leuchtet ein und wer hier wirklich Grenzen auf unentschuldbare Weise übertreten hat, ist sicher allen klar.

    Deshalb nützen allein Proteste zugunsten der Meinungsfreiheit nicht viel. Kein Mörder kann seine Tat als freie Meinungsäusserung rechtfertigen, lässt sich aber auch kaum durch die Meinung anderer von einer solchen Tat abhalten.

    Wenn es um Meinungsverschiedenheiten geht, hilft wohl nur eine direkte Konfrontation mit jenen, die eine Meinung nicht gelten lassen wollen – und das wohl nur dann erfolgreich, wenn alle Kontrahenten Bereitschaft zeigen, sich persönlich zu begegnen und miteinander zu sprechen.

    Dann würde auch schnell klar, wo und wie stark sich jemand in seiner Meinungsfreiheit verletzt fühlt.

    Das gelingt aber nur, wo Begegnung möglich ist und dies ohne Waffen, höchstens mit einem Schreib- oder Aufzeichnungsgerät…

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    am 20.01.2015 um 17:25 Uhr
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    Am Ende des Artikels geht es nicht um «Puppen», sondern um Mohnblumen:
    "In Flanders fields the poppies blow
    Between the crosses, row on row, (…)"
    Anstecker mit Mohnblumen stehen für das Gedenken an gefallene britische Soldaten und waren insbesondere 2014 im Gedenkjahr zum 1. Weltkrieg weit verbreitet. Ein Nationalismus machte sich breit, dem sich zu entziehen schwierig wurde.
    Zuvor schon wurde das Gedenken politisch instrumentalisiert, etwa als 2011 die Anführer der islamfeindlichen «English Defence League (EDL)» in Zürich das Fifa-Gebäude stürmten: http://gatesofvienna.blogspot.ch/2011/11/dont-touch-poppy-day-fifa.html
    Die EDL ist die Vorläufer-Bewegung aller islamfeindlichen Massenproteste.

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    am 20.01.2015 um 17:54 Uhr
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    Aus unsrer Sicht dürfen alle Themen satirisch und auch mit satirischen Zeichungen bearbeitet werden. Mord ist hingegen verboten, das ist klar. Die Provokation rechtfertigt die provozierten Morde nicht.
    Deshalb gab es die grossen Demonstrationen…
    Mit welchen Folgen «satirische Provokateure» rechnen müssen und welche Verantwortung sie mit ihrer Publikation übernehmen, ist eine andere Frage.
    Charli Hebdo hat mit seiner aktuellen Grossauflage gewalttätige Übergriffe auf Menschen und Einrichtungen in gewissen Ländern bewusst in Kauf genommen, provoziert bzw verursacht.
    Er trägt eine Mitverantwortung an den Übergriffen auf Menschen und Sachen.

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    am 20.01.2015 um 23:24 Uhr
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    So berechtigt die Einwände gegen unbeschränkte Meinungsfreiheit scheinen mögen, so komplex wäre eine Beschränkung. Wer sollte das bestimmen? Mit welchem Maßstab? Also hört die Freiheit auf, wo sie die Freiheit des Andern beschränkt? Auch eine Aporie. Es wurde auch schon «der gute Geschmack» zitiert. Von wem? Es ist richtig, dass es scheinen möcht, dass im Besonderen gegen die Muslime etliches unternommen wird, was anderen gegenüber – wie erwähnt – nicht, oder weniger passiert. Vielleicht hat das Ganze mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft allenthalben zu Lasten wirklicher Dialogbereitschaft zu tun. Satire kann verletzend empfunden werden und nach Massgabe auch als gewalttätig. Gewalt ruft immer nach Gegengewalt. Wie können wir einen Weg in eine gewaltfreie Welt finden, wo selbst bei uns ein politischer Stil der Gewalt und der Verunglimpfungen, des Lächerlichmachens zum Alltag geworden? Es gibt offensichtlich für Extremisten und Populisten jedwelcher Couleur keine wirklichen Argumente, sondern nur Gewalttätigkeit. Und sollte man da schon bei schwarzen Plakatschafen, oder Minarettraketen aufhören, wenn es doch so schönen Applaus gibt?

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    am 20.01.2015 um 23:37 Uhr
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    Das Problem ist ja, dass bereits «jemand» bestimmt, was freie Meinungsäusserung ist.

    – In Frankreich wurde ein Jugendlicher verhaftet, der ein Bild von Charl. H. karikierte

    (http://france3-regions.francetvinfo.fr/pays-de-la-loire/2015/01/17/charlie-hebdo-nantes-un-adolescent-de-16-ans-poursuivi-pour-apologie-du-terrorisme-sur-facebook-634720.html)

    – Ein Ex-Pegida-Mann ist auf dem Radar der Bundesanwaltschaft, weil er die Meinung äusserte, dass die Merkel-Regierung die wahren Nazis sind

    (http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Ex-Pegida-Mann-im-Visier-der-Bundesanwaltschaft-23545333)

    – In Deutschlad wurde eine Pegida-Demonstration verboten

    (http://www.heise.de/tp/news/Sind-wir-jetzt-alle-Pegida-2522478.html)

    – Für provozierende Karikaturisten gehen die Staatsmänner auf die Strasse, für die Opfer des Odesssa-Masssakers schert sich keiner der Teufel

    – Die NSA darf spionieren, die CIA foltern, Israel Land annektieren.

    Die Beschränkung ist schon lange da.

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    am 20.01.2015 um 23:41 Uhr
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    "Wer sollte das bestimmen? Mit welchem Maßstab?"

    Sind nicht die Fragen. Die Fragen sind:

    Wer bestimmt es jetzt, nach welchem Massstab. Welche Opfer sind es wert, von westlichen Staatsmännern betrauert zu werden? Warum darf Obama foltern und Assad nicht? Warm darf Israel Land ungefragt annektieren, Russland selbst nach einer Abstimmung nicht.

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    am 20.01.2015 um 23:47 Uhr
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    Bedeutet der automatishe Datenaustausch, dass die Schweiz Daten von den US-Steuerparadiesen fordern kann oder nur, dass die USA Bankdaten fordern kann?

    Freie Meinungsäusserung? Kein Problem im Westen – wenn es die richtige ist!

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    am 20.01.2015 um 23:50 Uhr
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    Prof. Spillmann hat den Anschlag auf Charlie Hebdo mit jenem auf das WTC verglichen und zwar in der «selbstverständlichen» Vorgabe, dass beide Verbrechen durch islamistische Extremisten verübt worden wären.
    Kann es sein, dass einem Strategieexperten die Diskussionen um die zweifelhafte Urherberschaft auf das WTC völlig entgangen sind? – dass er die offizielle Theorie trotz aller objektiven Einwände von Ingenieuren, Sprengmeistern und Historikern als unbestritten zum sowieso unpassenden Vergleich heranzieht ohne mit der Wimper zu zucken? Herrscht da dermassen Desinteresse oder wird bewusst etwas verwischt?

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    am 20.01.2015 um 23:57 Uhr
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    Mit Desinformation kann man wahrscheinlich auch den Lebensunterhalt bestreiten.

    Das gemeinsame beider Anschläge ist, dass die Attentäter ihren Pass zurückliessen und dieser innerhalb kürzester Zeit gefunden wurde. Der von Atta sogar in den Trümmern des WTC.

    Herr Lachenmeier, haben Sie sich schon die Videos des zweiten Anschlags auf den jüdischen Laden betrachtet bzw. wie Polizisten den Laden stürmen? Lässt einige Fragen offen.

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    am 21.01.2015 um 00:01 Uhr
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    Bregy, wirklich ganz berechtigte Fragen!
    Weiter oben habe ich auf die Verantwortung bzw Mitverantwortung der Medienleute im konkreten Fall hingewiesen. Es war anzunehmen, dass solche Provokationen menschliche und materielle Kolateralschäden verursachen können. Verantwortung nicht Verbote…
    Die Behauptung der Medienfreiheit hätte auch ohne Mohammedkarikatur gelingen können. Wahrscheinlich deutlich besser, denn was nützt es Menschengruppen einfach nur zu kränken? Das allein ist noch keine Botschaft.

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    am 21.01.2015 um 00:07 Uhr
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    Ja, viele Ungereimtheiten.
    Das Aufhetzen von Volksgruppen gegeneinander ist eine Strategie der Weltherrscher….
    Das ist eben eine der brenndenden Fragen, weshalb erzählt der Strategieprofessor an «unsren» TV, es ist zu befürchten, dass die Schau ein Teil des Ganzen ist? Verschwörung oder nur Verschwörungstheorie…?

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    am 21.01.2015 um 00:10 Uhr
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    @Bregy: Einverstanden und ich ergänze: wer bestimmt es jetzt, und wer sollte es – wenn überhaupt – künftighin bestimmen und wie kann die von Ihnen angesprochene Doppelmoral verhindert werden? Solche Ungereimtheiten und wohl auch bewusste Desinformation sind legion. Braucht es mehr kritischen Journalismus (wie Infosperber) statt Sensationsjournalismus und welche Bildungsvoraussetzungen müssen dafür geschaffen, erneuert werden?

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    am 21.01.2015 um 00:18 Uhr
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    Ich fürchte, dass wir in eine Zeit schlittern, in der dem kritischen Journalismus schneller der Saft abgredreht werden kann, als in den Jahrzehnten zuvor. Kritische Bürger können einfacher mundtot gemacht werden. Und eh wir aufmüpfig werden können, befinden wir uns inmitten eines nicht für möglich gehaltenen Krieges und haben andere Sorgen als freie Meinungsäusserung.

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    am 21.01.2015 um 00:21 Uhr
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    "Doppelmoral verhindert werden?"
    Dass wissen wir ja beide, dass das nicht geht. Aber zurzeit ist nicht mehr Lustig. Da rufen genau diejenigen für Protestmärsche auf, die andere beim Foltern und Rauben zusehen. Das ist eine neue Stufe von Heuchelei.

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    am 21.01.2015 um 11:06 Uhr
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    "Wer bestimmt…?» – Ist das wirklich die Fragen, um die es bei den Karikaturen geht? Ist wirklich der kritische, freie Journalismus in Gefahr, wenn man auf Mohammed-Karikaturen verzichtet?
    Die Kritik an fundamentalistischer Auslegung des Korans, an extremistischen Muslimen, an ISIS und ganz explizit die absolute Missbilligung und Verurteilung jeglicher Gewalttaten ist ja nicht Gegenstand der Diskussion. Es geht lediglich darum, ob die Form der Kritik die Satire und dabei die Abbildung Mohammeds sein muss.
    All die Kritik – berechtigt oder auch nicht – kann in anderer Form angebracht werden. Alle sind sich bewusst, dass satirische Abbildungen Mohammeds ein Problem darstellen können – und tun es dennoch? Ich frage nochmal: Was ist der Beweggrund dafür? Weil wir es dürfen?
    Tabus sind nicht grundlos Tabus und sie sind nicht per se etwas Falsches oder Schlechtes. Man kann Tabus aber grundlos, willkürlich und aus egoistischen Motiven brechen.

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    am 21.01.2015 um 15:37 Uhr
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    Dass es ganz und gar nicht um Meinungsfreiheit geht, sollte man alleine schon an den Teilnehmern der „Unity Rally“ erkennen. Unter anderen Staatschefs die zahllose Menschenleben auf dem Gewissen haben waren auch Netanyahu, der für das Leid Zehntausender Palästinenser und Kriegshetze gegen den Iran verantwortlich ist und Poroschenko der eine Unzahl seiner eigenen Landsleute (inzwischen geht es um einige Tausende) auf dem Gewissen hat. Mit von der Partie war auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga SP aus der Schweiz, die äusserst freundschaftliche Beziehungen zu Israel pflegt. Poroschenko wurde am 19. Januar von der Universität Zürich gar in allen Ehren empfangen (1). Ganz im Zentrum des Geschehens ist Frau Angela Merkel. Die Regierungschefin jenes Deutschlands, wo man schon mit der leisesten Kritik an Israel von den Medien den Stempel „Antisemit“ aufgedrückt bekommt und mit schlimmsten Diffamierungen und übelsten Verunglimpfungen zu rechnen hat.

    Einmal mehr stehen die Täter vom Attentat in Paris zum vorneherein fest. Auch dies ein ganz gezieltes Vorgehen der Propaganda unserer Medien. Ebenso wie bei 9/11 und anderen Attentaten.
    Die Hetze und Demütigungen unserer Politiker und Medien gegen unsere muslimischen Mitmenschen geht tagtäglich und gezielt, subtil und perfide unvermindert weiter. Auch hier: Was hat dies mit Meinungsfreiheit zu tun?

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    am 21.01.2015 um 15:38 Uhr
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    2 Stimmen aus den USA:
    Dr. Paul Craig Roberts / Das Attentat auf Charlie Hebdo. False Flag?
    https://www.youtube.com/watch?v=Z-hS2xkmY3s
    Ex-CIA Agent Ray McGovern zu Attentat in Paris: Vieles erinnert an 9/11
    https://www.youtube.com/watch?v=MO98Ma7_Qm0

    Weiterhin vom Westen für seine Propaganda instrumentalisiert, missbraucht werden die Holocost-Opfer.
    http://sicht-vom-hochblauen.de/auschwitz-gedenken-an-die-befreiung-ohne-die-befreier/

    (1) Manchmal wird sogar etwas publiziert. Die Chancen stehen 5 : 95.
    http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Poroschenko-waehrend-Rede-als–Moerder–beschimpft-24340706

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    am 31.01.2015 um 09:23 Uhr
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    Was Sie alle in Ihrer akademisch oder philosophisch gut gemeinten Diskussion ausblenden, ist, dass ein globaler Guerilla Krieg geführt wird. Auf der einen Seite die die Krieger muslimischer Überzeugung, die mit der Vision von Macht und Überlegenheitsgefühl gegen nicht-Muslime mit Morden und Zerstörung von Symbolen vorgeht. Auf der anderen Seite stehen mit ganz wenigen Ausnahmen ihre Feinde, die vermeintlich eine Bedrohung sind, weil sie sich nicht unterwerfen wollen. Sie kämpfen in diesem Krieg meist mit Kuschen und Unterwürfigkeit (Ausstellungen absagen, Karneval Sujets streichen, Denk- und Aussagenverbote, Entschuldigen eines demokratischen Entscheids, architektonische Symbole, sprich Minarette, nicht zuzulassen) oder mit Gesprächsangeboten, Huldigungen an einen barmherzigen Mohammed; eine Betrachtung, die man aus Krümeln des Korans konstruieren kann. Gesprächsangebote bleiben ohne Echo, weil im islamischen Klerus keine einflussreichen Vertreter auszumachen sind, die unser Denken und Werte des Humanismus, der Dialektik, des gegenseitigen Respekts, der Menschenrechte verstehen oder teilen (wollen). In einer Metapher dargestellt: Beide Seiten bestehen darauf, auf ihrer Strassenseite zu fahren (der eine links, der andere rechts). Im Gegenverkehr kommt’s zum Crash, head-on! Jener mit dem grösseren/stärkeren Auto steigt unverletzt aus; der andere….

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    am 31.01.2015 um 09:23 Uhr
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    Dieser globale Krieg wird mit wenigen Ausnahmen (Irak, Syrien) wird so geführt. Dabei riskiert die intellektuell und humanistisch «kämpfende» Seite fahrlässig tausende von Opfern: Frauen und Mädchen in Nigeria, Mali, Philippinen, Berufsleute, Passanten und Kunden in Märkten und Cafés in Paris, London, Sidney, Marseille, u.s.w., verhindern Menschenrechte (Salman Rushdie lebt seit Jahrzehnten unwürdig unter Lebensgefahr).
    Vertritt man diese Betrachtung, wird man als Kriegstreiber Rohling, Rassist und reaktionär abgekanzelt, verbal und medial bekämpft, persönlich angegriffen (Roger zur Frisur von Andreas im Gespräch über den Koran) oder mundtot gemacht. Genau dies spielt den Guerillas in die Hände und stärkt sie, weil es die nicht-islamische Seite von Innen schwächt.

    PS: So verlogen ist die akademische und politische Position: Mord und Totschlag durch muslimisch geprägte Menschen haben nichts mit dem Islam zu tun ("die Anschläge haben nichts mit Islam zu tun, die Terroristen sind keine echten Muslime"), mittelalterliche Abscheulichkeiten jedoch unwidersprochen dem Christentum und deren Vertretern angelastet und als Beweis eines gewalttätigen Gottes der Bibel gelten…

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