Sperberauge

Beachhandball: endlich Hosen – aber weiter körperbetont

Daniela Gschweng. © pd

Daniela Gschweng /  Die norwegischen Beachhandballerinnen haben einen kleinen Sieg errungen. Die Bekleidungsordnung wird geändert.

Die Aktion in einem vergleichsweise wenig beachteten Sport sorgte im Juli für Aufsehen: Das norwegische Frauen-Beachhandball-Team trat zur EM in Bulgarien in Shorts an.

Zu wenig Haut, entschied der Handballverband im Juli und brummte den Handballerinnen eine Strafe von 1500 Euro auf. Das Reglement sieht nämlich vor, dass Spielerinnen in knappen Bikinihosen von «maximal zehn Zentimetern Seitenbreite» spielen müssen. (Infosperber berichtete: «Sportlerinnen bestraft: zu wenig nackt» ).

Die Handballerinnen erhielten in Folge viel Zuspruch. Der norwegische Handballverband stellte sich hinter seine Spielerinnen und kündigte an, die Strafe zu bezahlen. Popsängerin Pink kündigte ebenfalls Unterstützung an.

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Popsängerin Pink kündigte an, die Strafe bezahlen zu wollen.

Minister der nordischen Staaten und mehrere nationale Handballverbände setzten sich für eine Regeländerung ein. Der Europäische Handballverband spendete die Strafe zugunsten der Gleichstellung von Frauen und Mädchen im Sport.

Nun haben die couragierten Spielerinnen einen kleinen Sieg errungen. Auf dem Welthandball-Kongress, der Anfang November virtuell stattfand, wurden die Bekleidungsregeln formell geändert. Ab 2022 sind für Beachhandball-Spielerinnen Shorts erlaubt, die «bis zur Mitte des Oberschenkels» reichen dürfen. Statt der Bikini-Tops dürfen sie zukünftig ärmellose, enganliegende Tank-Tops tragen.

Neu dürfen Beachhandballerinnen in Wettkämpfen Shorts und Tank-Tops tragen.

Für Männer sehen die Bekleidungsvorschriften weiterhin Shorts vor, die «nicht zu weit» sein dürfen und zehn Zentimeter über dem Knie enden müssen. Von «enganliegend» ist bei ihnen nicht die Rede.

Bei «extremen Witterungsbedingungen» sind für Spieler aller Geschlechter nach Zustimmung der Wettkampfleitung lange Hosen erlaubt, berichtet die Sport-Newsseite «inside the games». Immerhin.

Die «Bikini-Diskussion» ist Teil der anhaltenden Debatte über Bekleidungsvorschriften für Frauen im Sport. Sportlerinnen mehrerer Sportarten kritisieren die Reglemente als restriktiv und sexistisch und wehren sich dagegen, auf Fotos von Wettkämpfen in sexualisierter Form abgebildet zu werden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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5 Meinungen

  • am 18.11.2021 um 13:31 Uhr
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    Gibt es da irgendwelche Sport-relevanten Kriterien ?

    0
    • am 18.11.2021 um 14:23 Uhr
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      Sie meinen wie beim Fechten oder beim Judo? Soweit ich weiss, keine, die nicht in allen anderen Sportarten auch gelten (darf Spieler/Gegner/Sicht nicht beeinträchtigen und kein Verletzungsrisiko darstellen). Dann gibts immer eine Menge Regeln zur Unterscheidbarkeit der Teams, Einheitlichkeit etc. Die Beach-Sportarten müssen generell auch erkennbar «beachy» aussehen.

      0
  • am 18.11.2021 um 18:41 Uhr
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    Ich freue mich, endlich mal eine andere Sicht als die des Infosperbers einnehmen und schreiben zu dürfen.
    Nunja, es stimmt, die Bikinihosen der Beachhandball-Damen sind knapp – sehr knapp, und ja, mich als Mann würde es stören, diese dauernd zwischen den Hinterbacken hervorklauben zu müssen – aber ich bin ja auch nur ein Mann.
    Demgegenüber sehe ich aber, dass ein Grossteil der jungen Frauen in den Badeanstalten exakt genau solche Mini-Bikini-Teile tragen – und da gibt es ja, soweit ich weiss, keine diesbezüglichen Vorschriften.
    Was ich damit sagen will: es gibt offensichtlich Frauen, welche sich gerne in solch exorbitant kleinen, wenngleich offensichtlich unpraktischen Mini-Bikini’s zeigen – und es gibt, wie wir nun wissen, Frauen, welche das nicht wollen.
    Hieraus einen heroischen und epochalen (und scheinbar siegreichen) Kampf gegen Sexismus oder Unterdrückung der Frau – sofern es sich um eine Beachballerin handelt – mittels Kleidervorschriften zu konstruieren, halte ich aber für dramatisch überzogen und – gemäss meinen Eingangs geschilderten Badi-Erfahrungen – auch für nicht ganz faktenbasiert.
    Doch die Schlacht ist nun geschlagen, der Sieg erkämpft – man (und Mann) darf gespannt sein, wieviele Mini-Bikinis trotz Sieg der Shorts in Zukunft über den Sand hechten werden.

    1
  • am 21.11.2021 um 11:39 Uhr
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    An Herr Brunner :
    In der Badi tragen Frauen diese Anzüge freiwillig.Beim Sport werden sie dazu gezwungen . Das ist der grosse Unterschied. Diese Kleidervorschrift ist von den männlichen Entscheidungsträger reiner Sexismus.

    0
    • am 22.11.2021 um 08:59 Uhr
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      Lieber Herr Basler, der inflationäre Gebrauch des Wortes Sexismus entwertet seine Bedeutung.
      Beachball ist – in seinen Wurzeln – ein Strand- und Sandsport, und dort, wo er herkam, haben die Frauen solch knappe Teile mit Fleiss und gerne getragen – wie auch sonst am Strand.
      Wie ich ausführte, ich finde sie zwar gut anzusehen, aber unpraktisch, aber viele Frauen nahmen und nehmen einiges auf sich, um gut auszusehen – auch beim Beachball.
      Dass nun die Spielereinnen mehr Freiheiten haben in der Wahl der Kleider haben finde ich ja auch gut; was mich störte am Bericht war, dass hier einem Geschlechter- und Sexismus-Problem das Wort geredet wurde, was aber jeder, der die Szene ein bischen kennt, von sich weisen würde.
      Zudem stört mich einmal mehr, dass so getan wird, als ob Sexismus eine reine Sache der Männer wäre – aber das Gegenteil ist wahr, auch Frauen können hoch sexistisch sein, nd sind es oft, bloss äussert sich das anders und ist gesellschaftlich und vor allem seitens der Männer gutmütig toleriert.
      Aber ich weiss und akzeptiere, dass die Sicht darauf ja auch eine Frage des eigenen Standpunktes ist.
      Im Übrigen sind in den EFH-Gremien auch Frauen vertreten.

      1

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