Wenig Geburten aus dem Reagenzglas

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Barbara Marti /  Die «NZZ am Sonntag» gaukelt hohe Erfolgsquote vor und verschweigt Risiken der Hormonbehandlungen für Eizellen.

Zum zweiten Mal dieses Jahr hat die «NZZ am Sonntag» dem Reproduktionsmediziner Peter Fehr eine Plattform gegeben, auf der dieser – selber Besitzer eines privaten Reproduktionszentrums! – für die Liberalisierung künstlicher Zeugungen werben darf, ohne dass auch kritische Stimmen zu Wort kommen konnten.
So durfte Fehr am 22. Juni in der «NZZ am Sonntag» behaupten, «die Erfolgsquoten – das heisst der Anteil der Behandlungen, die schliesslich zu einer Schwangerschaft führen, lagen je nach Methode bei um die 60 Prozent». Dies sei eine «Schätzung», schrieb Autorin Katharina Bracher, unterliess jedoch die entscheidende Frage, wie viele Reagenzglas-Befruchtungen und Einpflanzungen von Eizellen es braucht, damit es zu einer Geburt kommt. Das Erfolgskriterium «es kommt zu einer Schwangerschaft» nützt der Frau nämlich herzlich wenig, wenn die Schwangerschaft zu keiner Geburt führt.
Statt eine «Schätzung» vom finanziell interessierten Peter Fehr («je nach Methode bei um die») hätte sich die «NZZ am Sonntag» auf vorhandene Statistiken stützen können, nach denen nur etwa ein Drittel aller Behandlungen zu einer Schwangerschaft führen, und, was entscheidend ist, nur ein Viertel der Behandlungen führt zu einer Geburt. Siehe Bericht auf Infosperber vom 15.5.2012 «Stagnierende Erfolgsrate bei Reagenzglas-Zeugungen».
Kein Wort verlor die «NZZ am Sonntag» über die Risiken für Frauen, die Eizellen spenden. Diese müssen sich einer aufwändigen medizinischen Behandlung unterziehen. Jede Frau macht durchschnittlich 1,7 Zyklen durch. Ein Zyklus beginnt mit einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke. Danach werden Eizellen entnommen, im Reagenzglas befruchtet und der Embryo in die Gebärmutter transferiert. Die hormonelle Stimulation und die Entnahme von Eizellen sind mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden.
Wichtiger war der Autorin die Aufforderung ans Parlament, die Aufbewahrung tiefgefrorener Eizellen als sogenannte «Fertilitätsreserve» für die Frauen statt während wie bisher fünf Jahren neu während zehn Jahren zu erlauben. Sonst müssten die armen Frauen ihre Eizellen in einer spanischen Klinik lagern, mit der Reproduktionsmediziner Peter Fehr zusammen arbeitet.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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