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Dominique Strauss-Kahn © pa

Strauss-Kahn: Medien verharmlosen Vergewaltigung

/  Lässt ihn die Richterin endlich frei? Unter welchen Bedingungen? Was ist die Verteidigungsstrategie? Das Opfer kommt kaum zu Wort.

Im französischen Fernsehen ist die Einseitigkeit extrem: TF 1 und TF 2 berichteten während mehr als der halben Zeit der Tagesschau über die für Europäer schwer verständliche Behandlung von Verdächtigen in den USA, über die Strategie der Verteidigung – die Verteidiger kommen ellenlang zu Wort – , über die mögliche Unschuld von Strauss-Kahn. Der Verteidiger des mutmasslichen Opfers kommt pro Forma mit einem Satz zu Wort. Dabei gäbe es interessante Informationen über die Person des Opfers, ihr Umfeld und ihre Arbeitgeber. Und über die Situation von Frauen in ähnlichen Situationen.
Ähnlich in deutschen Medien: Die linke Tageszeitung TAZ kritisiert die verharmlosende Sprache über die mutmassliche Vergewaltigung in deutschen Medien: «Seitenlang wird darüber spekuliert, warum es Männern wie Strauss-Kahn immer wieder passieren kann, dass sie ihre Lust ’nicht recht im Griff‘ haben. Statt ‚Vergewaltiger‘ zu sagen, … spricht man lieber von ‚Lustmolchen‘ und ’notorischen Schwerenötern‘. Grosse deutsche Tageszeitungen schreiben sogar vom ‚Schwachpunkt Genitalbereich‘ oder darüber, dass Strauss-Kahn letztlich sogar über ’seine Geilheit stolpern könne‘, dass er ’sich von seinen Hormonen die Karriere vermasseln lässt‘. Und geachtete Kolumnisten philosophieren, ob ‚der Dämon Sex Strauss-Kahn zu verschlingen droht‘ und ein so begabter Mann ‚über diese Sache da im Hotelzimmer stolpert‘. … Das zeigt, dass Deutschland noch lange nicht so gleichberechtigt und aufgeklärt ist, wie es sich gern darstellt.»
Und wie berichten die Medien in der Schweiz?


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Eine Meinung zu

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    am 21.05.2011 um 12:47 Uhr
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    Bravo L.M.! Endlich sagt es einer laut. Es ist geradezu unerträglich, wie die Franzosen – und sogar auch die Französinnen – auf allen Kanälen das «harte Los» des ach so armen DSK bejammern. Dabei vertuschen und verdrehen sie die Realität schamlos: Er sei halt ein «Charmeur» und «on savait qu‘ il aime les femmes". Das ist ungeheuerlich: Ein notorischer Gewalttäter der feige auf Schwächere und Abhängige losgeht, wird zum Opfer (der US-Justiz) umgedeutet. Fakt ist: Der Mann hasst und verachtet die Frauen. Das hat das eindrückliche Zeugnis der Journalistin Tristane Banon während einem Nachtessen im Beisein von Roger Hanin (rechts von ihr sitzend) erschreckend gezeigt. Hanin (Navarro, j‘ ecoute) sagte dazu: «Alors s‘ il fait ça, il est capable de n‘ importeqoui!". Das Video wurde dann unter einem Vorwand rassig vom Netz genommen.
    Es gibt zudem erschreckende Parallelen zum Fall Ghaddafi Junior in Genf: In beiden Fällen meint die Arroganz der Macht, die in 30 000 Dollar teure Anzüge gekleidet (oder eben auch nicht) in 3000-Dollar-Hotelsuiten hockt, sie könne mit Schwächeren und Unterstellten machen, was sie wolle und «get away with it". Einen entscheidenden Unterschied gibt es aber: Der Junge Ghaddafi ist ein gewalttätiger Fils a Papa eines nicht minder gewalttätigen Diktators. DSK bezeichnet sich selber als Sozialist – und Frankreichs SP glaub ihm das sogar…

    Doch in beiden Fällen haben sich Polizei und Justiz absolut korrekt verhalten: Es gibt keine Sonderbehandlung für Gewalttäter – auch wenn sie auf ihren VIP-Status pochen.

    Zum Thema gibt es zwei hervorragende Filme (beide mit Gene Hackman): «No Way out» und «Absolute Power» (dieser auch mit und von C. Eastwood). Es lohnt sie diese anzuschauen: Der Plot und die Schauspieler darin sind viel besser, als die Laiendarsteller im trostlosen Schmieren-Stück, das jetzt auf allen Kanälen Frankreichs läuft! Niklaus Ramseyer, BERN

    PS: Ausnahme, welche die Regel bestätigt heute in der Aargauer Zeitung: Unter dem Titel «Der Mächtige und die Magd» schreibt da Stefan Brändle aus Paris einen hervorragenden Leitartikel.

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