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Lydia Cacho: Ihre Bekanntheit hat ihr wohl das Leben gerettet © EE Archiv

Morddrohungen nach Recherchen über Frauenhandel

Barbara Marti /  Bundesrätin Sommaruga will kriminelle Frauenhändler stärker verfolgen. Unter Lebensgefahr tut dies die Journalistin Lydia Cacho.

Die mexikanische Journalistin Lydia Cacho hat eine globale Vernetzung von Frauenhändlern aufgedeckt und muss deshalb um ihr Leben fürchten. Sie hatte fünf Jahre lang in 47 Ländern recherchiert.
Millionen von Frauen betroffen
27 Millionen Menschen leben weltweit in sklavenähnlichen Verhältnissen, erklärt die Menschenrechtsorganisation «free the slaves». Die meisten müssen sich prostituieren. Zwangsprostitution hat sich neben dem Drogenhandel zu einem der lukrativsten Geschäfte der Gegenwart entwickelt. Die mexikanische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Lydia Cacho hat eine weltweite Vernetzung von Frauenhändlern aufgedeckt.
Morddrohungen und Anschläge
Seither lebt sie mit Anschlägen und Morddrohungen. Nachdem es ihren Verfolgern gelungen ist, in das gesicherte Kommunikationsnetzwerk der 48-Jährigen einzudringen, musste sie im Ausland untertauchen. Marisela Morales, Mexikos Generalstaatsanwältin, kann ihre Sicherheit nicht mehr garantieren.
Lydia Cacho verliess Mexiko sofort, nachdem sie folgenden Anruf erhalten hatte: «Wir haben dich gewarnt Scheissnutte, leg dich nicht mit uns an. Wir werden dich zerhacken und in kleinen Stücken nach Hause zurückschicken.» Hinter dem Anruf vermutet Lydia Cacho eines der mexikanischen Drogenkartelle, sagte sie gegenüber der spanischen Zeitung «El País». Frauenhandel ist ein lukratives Nebengeschäft der Kartelle.

Hohes Schweigegeld abgelehnt
Lydia Cacho hat in Cancún vor zwölf Jahren das Frauenhaus «Centro Integral de Atención a las Mujeres» gegründet. Dort kam sie in Kontakt mit Opfern von Frauenhändlern und begann zu recherchieren.
Die Journalistin deckte in der Folge einen Kinderpornoring in Cancún auf, dem Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik angehörten. Ein Schweigegeld in der Höhe von einer Million Dollar lehnte sie ab und veröffentlichte die Verbrechen mit Namen von Tätern im Buch «Los demonios del edén» («Die Dämonen des Paradieses»).

Von Polizisten entführt und gefoltert
Der libanesische Geschäftsmann Kamel Nacif und Mario Marín Torres, Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Puebla, hätten darauf den Befehl erteilt, sie verschwinden zu lassen. Sie sei von Polizisten entführt und gefoltert worden, sagt Cacho. Dass sie überlebt habe, verdanke sie nur dem raschen Protest von Kollegen, Freunden und Menschenrechtsorganisationen aus dem In- und Ausland. Vom Vorwurf der Diffamierung wurde sie nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren freigesprochen.

Öffentlichkeit als Schutz
Lydia Cacho liess sich weder von der Entführung noch vom Gerichtsverfahren und den vielen Drohungen einschüchtern. Seit ihrer Entführung macht sie jede Drohung öffentlich und nennt auch Namen. Das gebe ihr zusammen mit ihrem mittlerweile gestiegenen Bekanntheitsgrad und zahlreichen internationalen Auszeichnungen eine gewisse Sicherheit.
Letztes Jahr erschien ihr Sachbuch «Esclavas del poder» auch in Deutsch («Sklaverei»). Sie hat dafür fünf Jahre lang und oft auch undercover als Prostituierte über Frauen- und Kinderhandel recherchiert. Günter Wallraff habe ihr einmal gesagt, dass sie bestimmte Dinge nur so erfahren könne, sagt Lydia Cacho. Sie vermutet, dass dieses Buch der Anlass für die Drohung war, die sie nun gezwungen hat unterzutauchen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht.

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2 Meinungen

  • am 28.10.2012 um 18:26 Uhr
    Permalink

    Der Besitz von Kinder-Pornografie ist verboten. Weil man den Produzenten nicht habhaft wird, geht man folgerichtig auf die Besitzer/innen los. Die Freier von Zwangsprostituierten werden aber nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl sie das kriminelle Geschäft erst möglich machen. Ohne Nachfrage keine Produktion… Freier sind am Menschenhandel ursächlich beteiligt.

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  • am 1.11.2012 um 01:54 Uhr
    Permalink

    Gut dass langsam etwas getan wird gegen die Zwansprostitution und dass man die Zuhälter erwischt und verurteilt, hauptsächlich die aus den Oststaten und dem Balkan. Ich wünsche Frau Sommaruga viel Glück. Die Freier die nur den billigen Sex wollen die sollte man büssen denn sie unterstützen die Zuhälter bei ihrem tun und ermuntern die Zuhälter noch mehr Frauen zur Prostitution hiere her zu schleppen.

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