Schötz_Lehrersuche

Schülerinnen im luzernischen Schötz suchten letztes Jahr mit einem Video neue Lehrpersonen. © SRF Tagesschau

Der Lehrermangel sollte Lehrpersonenverdruss heissen

Pascal Sigg /  Diskussionen über Lohnunterschiede kratzen bloss an der Oberfläche. Drei Thesen zum immensen Missstand.

Wieder, pünktlich wenige Wochen vor den Sommerferien rufen viele Kantone den Lehrermangel aus. Wieder fehlen so viele Lehrpersonen wie selten zuvor. Wieder warnen die Berufsverbände, dass die kurzfristigen Lösungen keine sind. Weiterhin unterhalten Kantone «Taskforces», um sicherzustellen, dass Schweizer Kinder überhaupt unterrichtet werden. Doch die Medienberichterstattung – wie zum Beispiel über Lohnunterschiede zwischen den Kantonen – zeigen ein falsches Bild. Das Problem ist grösser und komplizierter.

1. Es mangelt nicht an Lehrpersonen – sondern an bezahlter Arbeit.

Die Schweiz verfügt nicht zuerst über zu wenige Lehrpersonen. Tatsache ist vielmehr, dass immer mehr ausgebildete Lehrpersonen Teilzeit arbeiten. Laut Bundesamt für Statistik hatten 2005 noch 44% der Lehrpersonen in der Volksschule mindestens eine 90%-Stelle inne, 2009 waren es 38% und 2017 bloss noch 29%. Wie eine Studie zur Arbeitszeiterhebung von 2019 feststellte, verläuft diese Entwicklung grösstenteils parallel zur in dieser Zeit aufgrund von Bildungsreformen gestiegenen Arbeitsbelastung. Gewiss, der Trend zur Teilzeitarbeit ist ein gesellschaftlicher und beim Lehrberuf mit seinem hohen Frauenanteil zeigen sich im zahlenmässigen Vergleich zur Gesamtschweiz keine grossen Unterschiede.

Aber der Lehrberuf lässt sich auch nicht so einfach mit anderen Berufen vergleichen. So weichen besonders viele Lehrpersonen auf Teilzeitarbeit aus, um im Beruf bleiben zu können. Gemäss der Studie  «Lehrpersonen und die individuelle Gestaltung ihres Arbeitspensums» erfolgt der Entscheid für eine teilzeitlich ausgeübte Lehrtätigkeit «in einer beträchtlichen Anzahl von Fällen unfreiwillig aufgrund zu hoher beruflicher Beanspruchung und negativer Auswirkungen auf die Gesundheit.»

In den Nullerjahren erhöhten zahlreiche Reformprojekte die Arbeitszeit der Deutschschweizer Lehrpersonen. Seit 2009 hat diese Belastung zwar etwas abgenommen. Die Studie kommt aber dennoch zum Schluss: «Lehrpersonen leisten je nach Stufe regelmässig zwischen 8.9 Prozent und 16 Prozent Überzeit ohne Kompensationsmöglichkeit – eine Situation, die in der Regel nur in typischen Kaderfunktionen beobachtbar ist.» Entscheidend bei der Betrachtung der Teilzeitarbeit der Lehrpersonen ist vielmehr, dass gemäss der Studie zur Arbeitszeiterhebung

82 Prozent der Lehrpersonen mit einem Teilzeitpensum bestätigen, (eher) mehr Zeit in die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zu investieren als im Berufsauftrag vorgesehen ist, um den eigenen Ansprüchen an einen guten Unterricht gerecht zu werden.

LCH Arbeitszeiterhebung 2019

Untersuchungen der Berufszufriedenheit stärken die formulierte These. Denn so lange die Arbeitszeit der Lehrpersonen angemessen war, war der Lohn noch kein Grund für Unzufriedenheit. Eine Studie zur Berufszufriedenheit von 2006 fand denn auch, dass Arbeitsvertrag und -bedinungen eher zur Zufriedenheit beitrugen: «Lehrpersonen nähren ihre Zufriedenheit vor allem durch ihre Arbeit mit den Lernenden, durch das Kollegium, die Schulleitung, ein gutes Arbeits- und Schulklima, aber auch durch den Arbeitsvertrag und die Arbeitsbedingungen. Zufriedenheit ist somit dort gross, wo Lehrpersonen mit der Klasse zusammen oder unter sich sind, wo also der (subjektive und objektive) Gestaltungsraum relativ gross ist.» Aber die Studie hielt eben auch fest, «dass Lohn und Arbeitsbedingungen stärker gewichtet werden, wenn der als attraktiv betrachtete Freiraum abnimmt.»

2. Lehrpersonen reduzieren zur Vermeidung einer zeitlichen Überlastung eher ihr Arbeitspensum, als dass sie den Beruf verlassen.

Dies legt die Studie zur Arbeitszeiterfassung nahe. Ein Rückblick stützt diese Betrachtung zusätzlich. Waren Lehrpersonen bis 2014 noch durchschnittlich zufrieden mit dem Lohn, wurde er erst in der Studie zur Berufszufriedenheit von 2014 auch als Grund für Unzufriedenheit genannt. Häufigst genannte Gründe für die Unzufriedenheit im Beruf waren zu diesem Zeitpunkt bildungspolitische Reformen und dafür fehlende Ressourcen.

Just in dieser Zeit verfolgten zahlreiche Deutschschweizer Kantonsregierungen eine ungenügend begründete, aggressive Tiefsteuerpolitik, welche sich auch über schmerzhafte Kürzungen im Bildungssektor stark niederschlug. Mit Bern, Schwyz und Luzern gehörten Kantone, die heute besonders stark über Lehrermangel klagen, damals zu den eifrigsten Bildungskürzern. Dabei senkten sie, wie viele andere Kantone auch, die Löhne.

Vor allem hatten die Kürzungen aber auch merklichen Einfluss aufs Kerngeschäft. Im November 2015 warnte der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), dass die Abbaumassnahmen deshalb die Attraktivität der Lehrberufe weiter mindern würde. LCH-Zentralsekretärin Franziska Peterhans sagte etwa: «Wenn Klassen zusammengelegt und Klassengrössen erhöht werden, wenn der Halbklassenunterricht abgebaut wird, bleibt für die individuelle Förderung und die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen weniger Zeit. Die Kinder lernen nicht genug! Das tut richtig weh!» Der Trend zur Pensenreduktion verläuft also parallel zu diesen spürbaren Einschnitten ins Tagesgeschäft und in einigen Kantonen trotz Lohnsenkungen.

3. Die Dimensionen des Missstands sind schwer zu erfassen.

Der Begriff Lehrermangel verweist auf eine messbare Zahl. Doch Beat W. Zemp, der damalige Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) wies schon 2013 darauf hin, dass es falsch sei, das Problem des Lehrermangels in offenen Stellen auszudrücken. Denn die Bundesverfassung verpflichtet die Schulleiterinnen und -leiter, dafür zu sorgen, dass «ausreichender Unterricht» überhaupt stattfindet. Wer ihn in welcher Qualität erteilt, ist dabei nicht definiert. Klar ist: Wenn wie heute die Einstiegshürden derart tief sind, dass auch Personen ohne Ausbildung unterrichten dürfen, senkt dies insgesamt – einzelne Ausnahmen ausgenommen – die Qualität der Schule an sich.

Wie sich derartiger Qualitätsverlust konkret zeigt, ist allerdings schwierig festzumachen und kann höchstens beispielhaft anhand konkreter Leistungen, welche die Schule innerhalb der Gesellschaft erbringt, erfolgen.

Zemp mahnte 2015 auch, dass der Abbau insbesondere die Integrationsmassnahmen und die Chancenverbesserung für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien untergrabe: «Sparmassnahmen in der Bildung sind in Wirklichkeit Abbaumassnahmen zu Lasten der Lernenden und Lehrenden. Sie gefährden die Qualität des Bildungswesens. Die Zeche bezahlen dann die Sozial- und Justizdepartemente». Und Willi Stadelmann, Präsident der Schweizerischen Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschulen (Cohep) sagte dem Landboten bereits 2010. «Nicht die Politik ist es, die der Schweiz zu einer erfolgreichen Integration der Ausländerinnen und Ausländer verhilft. Es sind massgeblich die Lehrpersonen.»

Ein Beispiel also. Tatsache ist: Die Jugendkriminalität steigt seit 2015 und das Verhältnis zu Schule und Lehrpersonen gilt dabei als wichtiger Faktor. Die Autoren einer Studie der Uni Luzern zum Thema bilanzierten 2006: «Es wäre angebracht, unentschuldigtes Fernbleiben von der Schule zu bekämpfen und die Freude der Schüler an der Schule zu fördern und das Bewusstsein zu stärken, dass die Schule ein besonders nützliches Sprungbrett für die berufliche Zukunft ist.» Überlastete, unqualifizierte und ständig wechselnde Lehrpersonen dürften hierzu kaum beitragen.

Fazit: Der Lehrermangel ist trotzdem kein Rätsel

Er ist auch keine Rechnung, die mit höheren Löhnen wieder aufgehen könnte. Er ist eine politisch in Kauf genommene und inzwischen permanente Krise, die konsequenterweise «Lehrpersonenverdruss» heissen müsste. Die Frage darf nicht lauten: Wie können die offenen Stellen besetzt werden? Sie muss lauten: Wie bringen wir möglichst viele ausgebildete und geeignete Lehrpersonen dazu, möglichst viel zu arbeiten? Die Antworten lägen auf dem Tisch: Zuerst müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass möglichst viele ausgebildete Lehrpersonen ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen können – und ihre Arbeit daher als sinnvoll wahrnehmen. Wer nur mit Taskforces versucht, Löcher zu stopfen, wird dem weiterhin entgegenwirken.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor stammt aus einer Pädagogenfamilie. Er selber hat an einer Berufsschule Englisch unterrichtet.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

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13 Meinungen

  • am 15.06.2022 um 12:17 Uhr
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    Die Gründe für den Lehrermangel sind komplex. Als ich 1970 begann als Lehrer zu arbeiten, war auch Lehrermangel. Und alle arbeiteten zu 100%. Alleine an der Teilzeitarbeit liegt es also nicht. Aber eben auch. Und es liegt am Lohn. Und es liegt an Schulreformen, die mehr die Schulentwickler und die Politikerinnen profilieren, als dass sie förderlich sind für die Arbeit im Schulzimmer. Und es liegt daran, dass die Schulzimmer sich wegen Ideologien auflösten hin zur Lernlandschaft. Die Bildungsverantwortlichen in den Kantonsregierungen schwafelten von individualisieren, von digitalisieren, von integrieren, vom selbst regulierten Lernen, von Input und Output, von geleiteter Schule (was eigentlich administrierte Schule heissen sollte), von Benchmarks, von Steuerungswissen für pädagogische Abteilungsleiterinnen, neuen sinnlosen Arbeitszeitmodellen, Modulprozessen, Coaching, dem Lehrplan21 mit seinen 2300 Lernzielen und ihrer Messbarkeit und neuen Methoden zur Synapsenförderung.

    1
  • am 15.06.2022 um 12:31 Uhr
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    Die Analyse von Pascal Sigg zum Lehrerinnenverdruss kommt zum Schluss, dass die Lohnunterschiede eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wer sich bei Primarlehrerinnen umhört, erfährt allerdings, dass viele von ihnen entweder auf Minimalpensen (mit Oma zum Hüten) um- oder für längere Zeit (Kinderpause) aussteigen, weil der tiefe Lohn und die hohen Kitakosten nicht zusammenpassen. Auch stossen sich immer mehr Primarlehrerinnen an den massiv sinkenden Löhnen mit absteigender Schulstufe. So verdient etwa im Kanton Bern ein Gymnasiallehrer beim Berufseinsteig monatlich über Fr. 2000.- mehr als eine Primarlehrerin, ein Sek-lehrer immerhin noch Fr. 800.- mehr, dies notabene bei weniger Pflichtstunden. Was das für die dereinstige Pension bedeutet, liegt auf der Hand. Ein Umstieg auf einen andern Beruf oder ein Weiterstudium z.B. in Erziehungswissenschaft liegt nahe. Dass mit dem Lehrerinnenverdruss das Fundament des Bildungsgebäudes ausgehöhlt wird, scheint die Politik wenig zu kümmern..

    0
    • am 15.06.2022 um 13:14 Uhr
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      Besten Dank, ich stimme ihnen zu, was die Lohnunterschiede zwischen den Stufen betrifft. Ich meinte hauptsächlich, dass die Lohnunterschiede zwischen den Kantonen und der Lohn verglichen mit anderen Faktoren eher untergeordnete Gründe sind. Zu diesem Schluss kommen ja auch die genannten Studien. Zudem ist einer zukünftigen Lehrerin der voraussichtliche Lohn ja bereits zu Beginn des Studiums bekannt.

      2
  • am 15.06.2022 um 15:52 Uhr
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    Das ganze hat sehr viele Verschiedene Gründe: Ich denke mit einer Lohnprogression könnte diesem Trend entgegengewirkt werden! Wer mehr Arbeitet soll mehr verdienen, wer aber nur einige Prozent Arbeitet soll dementsprechend eine Lohnkürzung erhalten! Denn mit Jahreslöhnen über 100`000Fr. und fast 11 Wochen Ferien lässt es sich gut leben! Die Lehrer müssen nicht mehr arbeiten denn Sie haben ja genug in der Tasche! Von dem kann ein «Büetzer» nur träumen.

    7
    • am 16.06.2022 um 12:21 Uhr
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      Nun, Ihr Kommentar zeugt von unendlicher Ignoranz. Studieren Sie bitte mal die Gesamtarbeitsverträge von Lehrer:innen und achten Sie besonders genau auf die festgelegte Ferienzeit. Im Artikel ist gut verständlich erklärt, dass viele Lehrer:innen Überstunden machen und keine Möglichkeit haben diese zu kompensieren. Die unterrichtsfreie Zeit während der Schulferien hilft bei dieser Kompensation ein bisschen, reicht aber meiner Erfahrung nach nicht aus… und wenn dann jemand anmeldet, Überzeit gemacht zu haben, dann kommt als Antwort lapidar und arrogant, man solle doch bitte effizienter Arbeiten…
      Im Artikel fehlt meiner Meinung nach der Umstand, dass die heutige Lehrer:innen-Ausbildung sehr unattraktiv ist. Man muss viele (Bologna-)Punkte sammeln, andauernd Arbeiten schreiben etc. Ob das für den Berufsalltag dann wirklich hilfreich ist, bleibt offen!

      1
    • am 17.06.2022 um 09:53 Uhr
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      Von Ignoranz kann keine Rede sein, in der Privatwirtschaft sieht es auch nicht besser aus. Wenn jemand übers Jahr gesehen, «nur 100 %» arbeitet, hat er Glück gehabt. Überzeit mit gesetzlichem Zuschlag werden meistens auch nicht bezahlt, denn diese müssten angeordnet sein. In der Regel ist kein Chef da, der dies anordnet, wenn überproportional viel Arbeit anfällt. Ausserdem haben die Lehrer einen GAV, wovon kaufmännisches Personal in KMU’s nur träumen können. Ich verstehe den Frust der Lehrer, wenn der Kanton Leistungsabbau betreibt, aber dies tun Firmen auch, wenn eine Firma sparen muss, so meistens zu Lasten der Arbeitnehmer. Allerdings hat ein Arbeitnehmer eher Verständnis, wenn er sich mit der Firma identifizieren kann, wie wenn der Arbeitgeber der Kanton ist.

      1
  • am 15.06.2022 um 21:25 Uhr
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    und kein Wort steht in diesem Artikel über die extremen Corona-Verhältnisse in vielen Schulen. Kein Wort, dass auch darum viele LehrerInnen den «Besen hingeworfen» haben oder sogar gekündigt wurden. Schule geben ist geistige Arbeit. Das ist nur in geistiger Freiheit möglich. Wenn aber die Denk-, Glaubens- und Redefreiheit bezüglich Massnahmen derart unter dem Hammer ist – ja dann!
    Dann muss man nicht erstaunt sein, dass viele LehrerInnen aufgeben.

    4
  • am 16.06.2022 um 03:22 Uhr
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    Mein erster Berufswunsch war, Lehrer zu werden. Lehrer und Berufsberater unterstützten mich. Mein Vater blockierte den Übertritt ans Gymnasium und den Eintritt ins Lehrerseminar. Er unterschrieb – ohne meine Kenntnis – einen Lehrvertrag bei einer Bank. Geld-, Finanz- und Bankwesen interessierten mich aber nicht im Geringsten. Nach dem Lehrabschluss sah ich deshalb keine Zukunft. Dank vieler Zufälle konnte ich meine stärksten Hobbies und Talente – nämlich Schreiben und Fotografieren – zu meinen Berufen machen. Ich wurde engagierter Fotoreporter, Journalist und Redaktor. Der Lehrer in mir drängte aber immer wieder an die Oberfläche. So begann ich private Kurse in «Kreativ schreiben lernen» und «Kreativ Fotografieren lernen» anzubieten, mit Erfolg. Doch dann kam die Digitalisierung. Gepflegte Texte zu schreiben oder anspruchsvolle Fotos zu machen wurden unwichtig. Das zeigt, dass die Macht der Industrie und der (Finanz-)Wirtschaft jedes Schulsystem und jede Freude am Lehrberuf aushebeln.

    1
  • am 16.06.2022 um 08:28 Uhr
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    Ich bin Lehrer und habe gerade mein Pensionsalter erreicht. Gerne hätte ich mit einem 50% Pensum (statt bisher 100%) weitergearbeitet, zumal mir das Unterrichten Spass macht, ich gut mit den Schülern klarkomme und keine gesundheitlichen Beschwerden habe. Aber nein, auf Grund meiner Pensionierung werde ich nicht weiter angestellt (nicht einmal befristet, höchstens für kurzfristige Stellvertretungen), was für mich eine Altersdiskriminerung darstellt. Und der «Witz» ist, dass die Schule jetzt 2 Wochen vor Schuljahresende immer noch keinen Nachfolger gefunden hat.

    0
  • am 16.06.2022 um 18:02 Uhr
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    Volltreffer !
    Dazu noch 2 Jahre Corona-Schikanen, das reicht.

    2
  • am 17.06.2022 um 05:23 Uhr
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    Die schulische Ausbildung unserer Kinder ist weder zeitgemäss oder weltoffen noch talent- oder zukunftsorientiert, sondern veraltet, verkrustet und verpolitisiert. Unsere Kinder werden zu Kanonen-Futter für Industrie und Marktwirtschaft herangezogen. Pestalozzi’s Glaubensbekenntnis «Mit Kopf, Herz und Hand» wird mit Füssen getreten. Als «Senior im Klassenzimmer» habe ich mal einem ziemlich unnahbaren und schwierigen Sechstklässler beigebracht, dass Erde kein «Dreck» ist, sondern unsere Lebensgrundlage. Er musste darüber einen Aufsatz schreiben, den er der Klasse vortragen musste und für den er die Note 6 bekommen hat. So geht Schule! Viele Eltern und Grosseltern sind bessere Lehrer als staatlich diplomierte, politisch und wirtschaftlich gelenkte Lehrkräfte. Als Gipfel der Stupidität unseres Bildungssystems empfinde ich, dass Kindergärtner:innen einen Matura-Abschluss vorweisen müssen. Schule hat sehr viel mit Emotionen und Empathie zu tun. Das sind keine Fächer an der Matura-Prüfung.

    2
  • am 17.06.2022 um 14:43 Uhr
    Permalink

    «Nicht die Politik ist es, die der Schweiz zu einer erfolgreichen Integration der Ausländerinnen und Ausländer verhilft. Es sind massgeblich die Lehrpersonen.»
    Dieser Satz gilt nicht nur bei der Integration von Ausländern, sondern in allen Bereichen der Bildung: Die Haltung der Unterrichtenden ist zentral. Wer glaubt, man müsse den Unterrichtsstoff den Lernenden eintrichtern, erntet Kampf. Kein Wunder wenn dabei kein Vollpensum mehr drin liegt. Nehmen wir doch die Erkenntnisse der Neurobiologen ernst: «Jedes Kind ist intelligent und motiviert. » Das macht das Leben der Lehrerinnen und Lehrer nicht einfacher, aber interessanter, denn sie begeben sich auf die Suche nach Ressourcen und nicht nach Defiziten. Sie werden zu «Ressourcenschnüffler» (Meine Publikation im Utz-Verlag). An REOSCH in Bern wird nach den Prinzipien der Neurobiologie unterrichtet. Das Projekt könnte aufzeigen, wie Lehrpersonen wieder zur Freude am Unterrichten finden.

    0
  • am 18.06.2022 um 09:30 Uhr
    Permalink

    Ein Vorschlag zuhanden der Lehrerinnen- und Lehrerverbände: Wenn Lehrerinnen selber Mütter werden, müssen sie ihr Kind an den Unterrichts- und Vorbereitungstagen fremdbetreuen lassen. Angesichts der hohen Kitakosten und in etlichen Kantonen beschämend tiefen Löhnen entscheiden sich viele Lehrerinnen, während den ersten paar Jahren nach der Geburt nicht ins Klassenzimmer zurückzukehren. Würde der Staat für diese Zeit die Kitakosten übernehmen, wäre dies vermutlich mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein des aktuellen Lehrerinnenmangels. Es liegt an den Verbänden, eine solche Forderung zu stellen. Mit Nachdruck!

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