Claraspital Basel Menü

Spitalkost im Basler Claraspital, fotografiert von einer Patientin. © privat/Medwatch

Medi-Magazin: Verpflegung in Basler Spital vorbildlich

Daniela Gschweng /  Wer gut isst, wird schneller gesund. Doch die Verpflegung in Spitälern ist oft mangelhaft. Das Basler Claraspital macht es besser.

Essen ist wichtig, gerade im Spital. Nicht nur für das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten, sondern auch für die Genesung oder wenigstens für die Nicht-Verschlimmerung von Beschwerden. Zudem liegen viele Personen wegen ernährungsbedingter Krankheiten im Krankenhaus. Gar nicht zu reden von Menschen mit Unverträglichkeiten oder Erkrankungen wie Diabetes und Leberentzündung. Sie haben besondere Ernährungsbedürfnisse.

«Clara-Menü» als Positivbeispiel

Wirklich zum Jubeln ist das Spital-Menü oft nicht. Und das nicht, weil es ungewohnt salzarm ist. Das Online-Magazin «Medwatch», das sich seit mehreren Monaten in einer Serie der Spitalverpflegung annimmt, fragte Patientinnen und Patienten nach Bildern und persönlichen Eindrücken. Eindrücklicher Sieger der kleinen Sammlung: das Menü des Claraspitals Basel.

Die dort von einer «Medwatch»-Leserin fotografierten Menüs sind vielfältig, ansprechend arrangiert, und sehen so appetitanregend aus, dass «Medwatch» sie als Positivbeispiel aufführt:

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Das Menü des Basler Claraspitals, fotografiert von einer Patientin.

Auf anderen Fotos, die grösstenteils aus Deutschland stammen, sieht es ganz anders aus. Ein Beispiel aus der Asklepios-Klinik im hessischen Lich: Prominent im Bild ist oft Brot, bei dem nicht wirklich deutlich ist, ob es sich um Grau- oder Toastbrot handelt –wahrscheinlich auch geschmacklich nicht. Begleitet wird dieses von den bekannten Streichfett-Plastikpackungen und einer einsamen Scheibe Käse oder Wurst. Ein Leser schreibt von «labbrigem Graubrot mit mystery meat». Obst, Gemüse oder Salat sieht man nicht.

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Karges Beispiel von einem Patienten der Asklepios-Klinik in Lich, Hessen.

Das Claraspital steht nicht für die ganze Schweiz. Im Unispital Basel (USB) gab es beispielsweise vor drei Jahren Beschwerden wegen des Essens. Diese rührten aber laut USB von einer Umstellung der Zubereitungsform her.

Kein amüsantes Social-Media-Ranking

Was sich ausnimmt wie ein Social-Media-Ranking, hat einen durchaus ernsten Hintergrund: Spitalverpflegung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor im Genesungsverlauf. Wer gut und ausreichend isst, wird oft schneller gesund, hat weniger Komplikationen zu befürchten und kann manchmal früher entlassen werden.

Darauf weisen mehrere Studien hin. Eine Studie mit 2000 Patienten aus acht Schweizer Spitälern, welche das Fachmagazin «The Lancet» 2019 veröffentlichte, zeigte einen verbesserten Heilungserfolg auf, wenn die Ernährung im Spital auf die Patienten abgestimmt wurde.

Die Studie einer österreichischen Ernährungswissenschaftlerin, die «Medwatch» aufführt, kam zu dem Schluss, dass bei jedem vierten Krebspatienten nicht Krebs, sondern ungenügende Ernährung die Todesursache war. Andere Studien kamen laut «Medwatch» zu noch höheren Anteilen.

Eine Studie aus den USA, die Daten aus 20 Jahren heranzog, bestätigte ebenfalls, dass mangelernährte Patientinnen und Patienten mit schlechteren Heilungsverläufen rechnen müssen.

Spitalessen könnte noch schlechter werden

In Deutschland, wo «Medwatch» ansässig ist, stufte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 35 Prozent von 767 Patient:innen in 48 deutschen Krankenhausstationen, die an einem Stichtag getestet wurden, als mangelernährt ein. Der Europarat fand schon 2003 deutliche Worte und bezeichnete solche Quoten als «inakzeptabel». Spitäler kümmern sich darum wenig bis gar nicht. Vorgaben gibt es keine, sachkundiges Personal immer weniger.

Vom knappen Budget auch noch Geld für eine ausgewogene und womöglich individuell passende Ernährung abzuzweigen, hat in den Spitalverwaltungen nicht die höchste Priorität. In Deutschland seien laut einer Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts von 2018 im Schnitt noch fünf Euro pro Tag und Person für Verpflegung vorgesehen. Steigende Preise wie seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs könnten die Ernährungssituation in Spitälern zusätzlich verschlechtern, befürchtet Gerald Gass, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft.


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