Die Arena mit dem Experten Peter Schneider in der Mitte (neben Moderator Jonas Projer © srf

Die Arena mit dem Experten Peter Schneider in der Mitte (neben Moderator Jonas Projer

Arena: Das Scheitern an der Politik

Robert Ruoff / 08. Nov 2016 - Die «Arena» leidet an einem Geburtsfehler. Sie macht alles zu einem politischen Machtkampf.

Die «Arena» des Schweizer Fernsehens ist wieder einmal grandios gescheitert. Zum Glück. Und es ist nicht einmal gross aufgefallen.

Es begann schon mit dem Thema, einer grossen Frage: «Wer hat das Sagen im Land ?» In Jonas Projers dramatischer Formulierung: «Warum wird die Masseneinwanderungsinitiative nicht richtig umgesetzt?» – TIst das so? Oder ist es einfach eine Behauptung der SVP? – Wie auch immer: Nach einer knappen Viertelstunde war die Frage vom Tisch, und die Debatte hatte sich wieder einmal eingependelt auf die Personenfreizügigkeit, auf die Beziehungen zur Europäischen Union und auf die Migration.

Da stellt sich die Frage: Warum diese Debatte jetzt? Sie steht doch schon längst auf der Tagesordnung. Der Auftrag der Alpeninitative ist seit mehr als 22 Jahren nicht erfüllt. Die Zweitwohnungsinitiative wurde von den Eidgenössischen Räten bis an die Grenze des Erträglichen zurechtgebogen. Mehr Beispiele liessen sich finden. Aber das sind «linke» oder «grüne» Anliegen. Warum wurden sie nicht wenigstens in die Diskussion einbezogen? Rechtsnationale Themen sind leichter zu bewirtschaften und die SVP hat nun einmal die Themenführerschaft. Aber genügt das für die «Arena» als Argument?

Populistisch rechtsnationale Besetzung

Das legt zumindest die Besetzung nahe. Alexander Gauland aus Sachsen ist eine quotenträchtige Reizfigur. Als Mitgründer der rechtskonservativen Alternative für Deutschland AfD hält er keinen allzu grossen Abstand von rechtsnationalen und neonazistischen Gruppierungen. Gelegentlich übernimmt er auch ihre fremdenfeindliche Sprache: «Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land.»

Auch Christoph Blocher war dabei, geflissentlich auf Distanz bedacht zu Gauland, ansonsten als Rechthaber vom Dienst nur noch begrenzt «Arena»-tauglich. Der Chefstratege ist mittlerweile auch ein Musterbeispiel für die SVP-Männer, die ihre Angst vor starken Argumenten starker Frauen mit einem ungebremsten Redefluss bewältigen. Unvergessen ist der Auftritt des Politikers mit der Motorsäge, Adrian Amstutz, gegen die neu gewählte Bundesrätin Sommaruga. Jüngeren Datums ist der erfolglos forsche Redeschwall des Jung-Nationalrats Christian Imark gegen die Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Und nun verfing sich also Christoph Blocher in der unnachgiebig freundlichen Mutter-Kind-Beziehung, mit der ihn die grünliberale Fraktionspräsidentin Tiana Angelina Moser stilllegte – «lieber Herr Blocher, Sie durften jetzt lange reden». Mehr Beispiele wären zu finden, denn im Medientraining der SVP lernt man offensichtlich, dass man Gegnerinnen und Gegner, die man fürchtet, am besten nicht zu Wort kommen lässt oder dann wenigstens lautstark übertönt. Die «Arena» als SVP-Stammtisch.

Aber die Sendung ist mehr als nur der Stammtisch einer Partei. Sie ist der Stammtisch der Politik, an dem gelegentlich auch andere Berufe teilhaben dürfen, und hie und da, in kurzen und sorgfältig begrenzten Auftritten, auch ein Vertreter oder eine Vertreterin des Volkes. Das zeigte sich nicht erst in der jüngsten «Arena» zur Krise der Volksrechte – «Wer hat das Sagen im Land?» –, das zeigte sich schon bei früheren, gross angelegten Sendungen.

Scheitern bei weit reichenden Fragen

Und weil die «Arena» bis heute der ziemlich exklusive Stammtisch der Politik geblieben ist, scheitert sie auch zwangsläufig, wenn sie nach den Sternen greift, wie etwa in der grossen Show zu «Terror – Ihr Urteil». Für diese Sondersendung auf SRF2, die zum Teil eines Themenabends wurde, musste das Publikum nach einem theatralischen Gerichtsfall über Schuld oder Unschuld eines Kampfpiloten urteilen, der eine von Terroristen gekaperte Passagiermaschine mit 164 Passagieren abschoss, um 70'000 Zuschauer in einem Fussballstadion zu retten.

Die «Arena»-Zuschauerinnen und Zuschauer entschieden auf «unschuldig», genau wie das Publikum in Österreich und Deutschland. Man hatte das erwarten können: der Sieg für das «gesunde Volksempfinden» war vorprogrammiert. Genauso wie in Deutschland und Österreich hatte das Schweizer Publikum mit dieser «Volks»-Entscheidung das Verfassungsrecht, die Zuständigkeit der Regierung und des Rechtsstaats ausgehebelt.

Populismus auf Kosten von Minderjährigen

Wenn es um Terror geht, um Migration oder gar um Islam, werden Empörung und gesundes Volksempfinden rasch zu Leitgefühlen. So nahm die Empörung auch ihren Lauf gegen die beiden muslimischen Schüler im Baselland, die sich weigerten, ihrer Klassenlehrerin die Hand zu geben. Die «Arena» hatte mit dem Hinweis auf diesen «Fall» ein pädagogisches Problem zu einer existentiellen Herausforderung für die christlich-abendländische Schweiz gemacht und zu einer Grundfrage im Verhältnis von Staat und Religion.

Für die «Arena» gab das Stoff für eine weitere Debatte – zum guten Glück mal nicht nur zwischen Politikern. Und für die beiden minderjährigen Jugendlichen gab es monatelange Medienaufmerksamkeit, mit der ihre persönlichen und privaten Verhältnisse bis in die Einzelheiten durchforstet wurden. Spätestens an dieser Stelle muss man fragen, ob die Verantwortung der «Arena» am Eingangstor zum Studio am Leutschenbach endet.

Mit anderen Worten: Es stellt sich die Frage, welche Themen für die «Arena» geeignet sind, und wo die Sendung kippt in die populistische Bewirtschaftung des «gesunden Volksempfindens» oder, «politisch gesprochen», der rechtskonservativen bis rechtsnationalen Agenda.

Dieses Problem verfolgt Sendung seit ihren Anfängen. Es steckt sozusagen in ihren Genen.

Polarisierung in Fernsehen, Gesellschaft und Politik

Das Elend der «Arena» ist, dass wir nicht mehr in den 90er Jahren leben, als die Sendung erfunden wurde, um die politische Diskussion am Service-public-Fernsehen aus der Langeweile der «Freitagsrunde» zu befreien und gegen die private Konkurrenz zu bestehen. Wir leben nicht mehr, wie damals, in der Zeit, als nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs die Menschen rund um den Globus vom weltweiten Frieden und Aufschwung träumten, und als US-Präsident Bill Clinton dem russischen Präsidenten den Beitritt zur NATO anbot (Jelzin fand das damals «verfrüht»).

Wir leben auch nicht mehr in der Zeit, als die Schweiz und die Europäische Union sich über die Regelung der Beziehungen in bilateralen Verträgen einigten, Filippo Leutenegger zu diesen und anderen Fragen mit Peter Bodenmann und Christoph Blocher in der «Arena» die Polarisierung der Schweizer Politik vorantrieb und damit auch die SVP stark machte. Die Medienmacher am Leutschenbach waren es zufrieden.

Heute heissen die politischen Führer Putin und Orban und Erdogan und Xi Jinping und Donald Trump, Nigel Farage, Marine Le Pen, Geert Wilders, Frauke Petry, HC Strache, Jaroslaw Kaczynski – kurz: es gibt einen Aufstieg der rechtspopulistischen, rechtsnationalen, faschistoiden Parteien in Amerika, Asien und Europa. Gewiss kann man die SVP – mit Ausnahme von Exponenten wie Oskar Freysinger und anderen – nicht einfach zu dieser Internationalen der Rechtspopulisten zählen. Auch wenn Eric Nussbaumer (SP) in der «Arena» zu Recht sagt, dass Alexander Gauland und Christoph Blocher und manche andere immerhin verbindet, dass ihre beiden Parteien gegen die «classe politique» stänkern, dass beide die Burka und das Minarett verbieten wollen, und dass sie beide als Kinder des Rechtspopulismus gelten müssen.

Auf diesem heutigen Hintergrund der gesellschafts-politischen Spaltung wird die einfache Abbildung politischer Machtverhältnisse oder gar die populistische Polarisierung einer zentralen politischen Diskussionssendung des Service public zumindest leichtfertig.

Fernsehen als Teil der Politik

Die «Arena» ist von Anfang an bis heute ein Teil des politischen Apparats. Sie bildet in der Besetzung ihrer Diskussionsrunden noch immer zumeist politische Machtverhältnisse ab, häufig nach dem allzu einfachen Strickmuster «zwei links – zwei rechts». Das heisst: sie verstärkt die politischen Machtverhältnisse. Und die sogenannten «Experten» sind viel zu häufig nichts anderes als schlecht verkleidete Anhänger der einen oder der anderen Seite, die mit der Expertenhupe bekannt geben, dass sie es noch ein bisschen besser wissen. «Volkes Stimme» ist nach den ersten Versuchen sehr schnell wieder zur Dekoration verkommen. Die wenigen Vertreter aus dem Publikum dürfen ein paar – manchmal sehr prägnante und erfrischende – Sätze sagen, danach verschwinden sie wieder im Dunkel. Das heisst: Das «Volk» hat keine Chance, die Politiker wirklich zur Rede zu stellen.

Und von den Vertretern der Politik wissen wir, dass sie zumindest in der «Arena» eine feste Meinung haben. Dem Erkenntnisgewinn dient das nur selten. Grosse Themen wie Terror, Volksrechte oder Islam hingegen sind in der in der «Arena» immer wieder grandios gescheitert, wenn sie den Politikerinnen und Politikern überlassen blieben, denn ihnen geht es in der politischen Fernsehdiskussion naturgemäss um Selbstdarstellung, nicht um kritische, vielleicht sogar parteiübergreifende Analyse. Für Selbstkritik werden sie in der Regel nicht belohnt.

Und es gibt unter Politikerinnen und Politikern nur eine begrenzte Anzahl tiefschürfender Rechtsgelehrter, analytisch scharfer Philosophen oder kühl nachfragender Psychoanalytiker. Solche Menschen werden im Service public auf den Sonntagmorgen verschoben. Mit dem Ergebnis, dass in der Sternstunde Philosophie nicht selten mehr politische und gesellschafts-politische Substanz zu finden ist als in der «Arena». Vielleicht müsste man diese und andere Quellen der Erkenntnis häufiger anzapfen und für die «Arena»-Debatte nutzbar machen.

Regelverstoss für die Aufklärung

Jonas Projer hat insofern einen Glücksgriff getan mit der Einladung des Publizisten und Psychoanalytikers Peter Schneider in die «Arena». Schneider hat zuallererst einmal auf die Expertenhupe verzichtet, so die hierarchische Ordnung gesprengt und sich von seinem Podium hinunter in die Diskussionsrunde begeben. Er hat damit überhaupt erst so etwas wie eine aufgeklärte Situation geschaffen, denn nur auf Augenhöhe kann man eine offene und gleichberechtigte Diskussion führen.

Er hat uns zweitens mit einer schlichten Frage vor dem ausufernden ideologischen Stehsatz des Alexander Gauland bewahrt, und zwar mit der einfachen Frage, was er, Gauland, denn unter «kultureller Identität» verstehe. Mehr als «Verfassung» und «Gesetz» ist Gauland nicht eingefallen. Das gilt tatsächlich für alle.

Und Schneider hat nach Christoph Blochers Lobpreis der «klaren Meinung» mit seiner Antwort das überholte Konzept der Arena gesprengt: «Ich habe oft auch keine klare Meinung», sagt Schneider. «Meine Meinung bildet sich aus der Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen, mit dem, was ich lese, mit dem, worüber ich nachdenke, und darum bin ich eben kein besonderer Freund klarer Meinungen.» Er wäre folglich ein Freund der grenzüberschreitenden, aufklärerischen Diskussion.

Politischer Machtkampf oder aufklärerische Diskussion

Die «Arena» ist konzipiert als Teil des politischen Machtkampfs. Eine aufklärerische, selbstkritische Diskussion zwischen Politikerinnen und Politikern vor den Augen und Ohren der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist deshalb kaum denkbar – bei allem Respekt. Mehr noch: Weil es immer um Politik und politische Macht geht, wird alles Gesellschaftliche auch immer gleich politisiert. Genau deswegen scheitert die «Arena» immer wieder grandios an den grossen Themen wie Religion, Volksrechte, Terror, Menschenrechte, denn diese Themen sind zuallererst Themen der Gesellschaft in ihrem alltäglichen Zusammenleben.

Um dieses eine Beispiel zu nehmen: Der Handschlag zwischen zwei pubertierenden Schülern und ihrer Klassenlehrerin ist zuallererst eine Frage der Pädagogik, der Ausdrucksformen für wechselseitigen Respekt und der religiösen Toleranz – und Toleranz beginnt bekanntlich da, wo das Andere, Fremde, kaum noch auszuhalten ist. Das wird erst ganz zum Schluss eine Frage politischer oder staatlicher Machtausübung und Regulierung. Vorher müssen sich alle selber befragen, auch die Erwachsenen mit ihren festgefügten Meinungen.

Eine «Arena», die wirklich zur Lösung grundlegender Probleme beitragen will, darf nicht den Handschlag und die Beziehung zwischen alt und jung, Mann und Frau, die Krise der Volksinitiative, die zunehmende (politische) Gewalt, die Ursachen sozialer und religiöser Spannungen immer schon von Anfang an dem politischen Machtkampf aussetzen.

Gesellschaft als Bezugsfeld der Politik

Sie muss vielmehr die Politik in die Gesellschaft zurückholen und sie den Fragen aussetzen, die sich aus dem vielfältigen gesellschaftlichen Leben ergeben. Ergiebig wird die Auseinandersetzung, wenn sich Politikerinnen und Politiker den kühlen Fragen des Psychoanalytikers, der engagierten Sicht des Schriftstellers, der Ortskenntnis des kundigen Journalisten, der Lebenserfahrung des Immigranten stellen – kurz: wenn die Politik vor dem versammelten Publikum mit dem Reichtum und der Vielfalt an Wissen, Bildung und lebendiger Erfahrung in der Bevölkerung konfrontiert wird. Die Schweiz hat in allen Schichten kluge und artikulationsfähige Menschen. Schon ihre viel zu sparsamen Auftritte in der «Arena» haben gezeigt, dass es sich lohnt, ihnen zuzusehen und zuzuhören.

Das bedeutet für die «Arena», wie für den Service public überhaupt, auch eine andere Organisation, wie es Gilles Marchand sagt, der Direktor des Westschweizer Radios und Fernsehens der SRG: Es bedeutet eine Verwandlung weg von der vertikalen, autoritären, linearen Logik des alten Programmschaffens zu einer horizontalen Beziehung zwischen Medienschaffenden und Mediennutzern – und zur Politik, möchte man hinzufügen.

Andernfalls kann die «Arena» immer wieder brillant moderiert und in heftiger Kontroverse über die Bühne gehen. Sie wird doch durchzogen bleiben von der Langeweile über das «déjà vu» des immer gleichen politischen Schlagabtausches. Schlimmer noch: Sie leistet nicht mehr als einen weiteren Beitrag zur weiteren Polarisierung in Gesellschaft und Politik.

Daran ist sie, zum Glück, diesmal gescheitert.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor war bis 2004 Mitarbeiter von SRG/SRF

Weiterführende Informationen

«Terror». 164:70‘000. Voten, Quoten und Optionen. (auf Infosperber)

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10 Meinungen

Sehr treffende Analyse. Was passiert, wenn die Welt immer stärker auf schwarz oder weiss getrimmt wird, sieht man in den USA. Verbindende Positionen gibt es nicht mehr. Auch bei uns sind Kompromisse grundsätzlich faul und damit wird eine der wichtigsten Traditionen der Schweizer Politik ins Abseits gestellt.
Ueli Custer, am 08. November 2016 um 11:57 Uhr
Das ist doch kein Geburtsfehler. Diese Sendung ist doch genau dafür erfunden worden. Das ist wie beim Catch-as-catch-can oder Freistil - wenn Du einen Kampf gesehen hast, hast du alle gesehen. Bei dieser Sendung ist es auch so. Das ist doch der Sinn solcher Sendungen: Infotainement (wenns hochkommt, aber der INFO-Anteil ist nicht so wichtig und eigentlich geht's ums Catchen - also in der Schweiz heisst das «Schwingen», so lange gegen ein anderes gleichgewichtiges Politikwesen anrennen, bis er umfällt und mit etwas Glück fällt er auf den Rücken. Die Zuschauerquote regelt die Punkte und bringt Gewinner: Langweiler (Information) kommen nicht mehr so oft und die, die Spannung bringen und «Quote», die kommen immer wieder. Das EnterTAINEMENT ist wichtiger. Der amerikanische Wahlkampf ist ein gutes Beispiel im Grossen. Die ARENA imitiert Politik als Dauer-Wahlkampf-Marketing. Odr ?
Leo Walter, am 08. November 2016 um 11:59 Uhr
Die Meinung von Ruoff teile auch ich. Es darf doch nicht wahr sein, dass ein ehemaliger Bundesrat sich zu Recht von einer engagierten Frau in die Schranken weisen lassen muss.
Weniger gestikulieren, die anderen Referenten nicht unterbrechen und konkret statt
mit allgemeinen Floskeln zu sprechen - das mindestens erwarte ich von einer solchen Person mit ehemaliger Führungsfunktion im Staatswesen. Meinungen kritisieren ist einfach, bessere Lösungen zu bringen und dazu auch die volle Verantwortung mit allen Konsequenzen zu übernehmen, das ist halt schon wesentlich schwerer. Paul Spätig
Paul Spätig, am 08. November 2016 um 13:18 Uhr
Danke für diese klare Analyse.
Heini Glauser, am 08. November 2016 um 18:40 Uhr
Kluge Analyse. Die Arena trug, so ist mein Eindruck, ihren Anteil dazu bei, dass die Polarisierung bei uns wesentlich früher einsetzte als in anderen Ländern. Ich teile die Meinung des Autors, dass einer vermehrter - und vor allem vertiefter - Einbezug der Bürgerinnen und Bürger der Sendung gut täte. Viele könnten mindestens so gut argumentieren wie Mitglieder des eidgenössischen Parlaments...
Peter Brotschi, am 08. November 2016 um 19:25 Uhr
Schade, dass sich Robert Ruoff nicht getraute anzufügen, die Arena endlich sterben zu lassen. Ich persönlich denke, dass es höchste Zeit ist, diese Quoten-Sendung zu versenken. In seinem langatmigen Pamphlet heult Ruoff gegen alles von rechts. Dass der SP-Links-Populist Eric Nussbaumer eher selten auf Christoph Blochers Fragen zu antworten gedachte, widerspiegelte auch diesmal die «Ausgewogenheit» der Sendung.
Mal ehrlich; ein SP-Vertreter, die GLP-Populistin Tiana Angelina Moser und der Joker in der Runde, Publizist und Psychoanalytiker Peter Schneider gegen den 76-jährigen «Chefstrategen aus Herrliberg"? Ich bitte sie!..
Es muss doch auch Ihnen, Herr Ruoff, einleuchten, dass die Masseneinwanderungsinitiative nicht richtig umgesetzt wird. Sie wissen es haargenau.

Dass man einen Herrn Gauland einlädt, ist etwa so schlau wie wenn bei Anne Will eine Schweizer Islam-Konvertitin Nora Illi ihren Auftritt geniesst. Das Volk entrüstet sich und grölt dabei; und die Quote stimmt. Unfassbar.

Zu guter Letzt: Einen Aufstieg der von Ihnen genannten «rechtspopulistischen, rechtsnationalen, faschistoiden Parteien in Amerika, Asien und Europa» gibt es nur, weil Ihre Links-Populisten offensichtlich auf ganzer Linie versagt haben. Unter anderem mit solchen Klageschriften und Seitenhieben. Das Volk will Lösungen sehen, und diese Lösungen scheinen dummerweise AfD & Co. zu bieten. Das schmeckt mir auch nicht.

Fazit: Die Arena ist ein Stammtisch; nicht mehr und nicht weniger. Prost!
Renato Stiefenhofer, am 09. November 2016 um 04:31 Uhr
Das Volk würde zwar gerne Lösungen sehen, erhält aber nur Probleme serviert. Allein die in sich völlig widersprüchliche MEI ist darauf angelegt, Chaos zu erzeugen. Man kann nicht die Interessen der Wirtschaft berücksichtigen und gleichzeitig Kontingente einführen. Das eine schliesst das andere aus. Aber die SVP denkt eben nicht an die Schweiz sondern daran, dass sie sich in jedem Fall darüber beklagen kann, die Initiative würde nicht umgesetzt.
Ueli Custer, am 09. November 2016 um 06:58 Uhr
Populismus - das neue Feindbild unserer Eliten

Stammtische und ihre Wutbürger (Populisten) stellen die politische Themensetzung und Deutungshoheit der Hauptstrom-Journalisten, Politiker und Kulturgrössen infrage. Wo die dringende Lösung politischer Probleme verschleppt wird oder Probleme verharmlost werden, reagiert die Stimmbürgerschaft verständlicherweise verärgert. Ihr Ärger ist als Aufruf zum Handeln für die verantwortlichen Politiker und Politikerinnen zu verstehen.
Alex Schneider, am 09. November 2016 um 11:27 Uhr
Arena nach Wikipedia:
Der Begriff Arena (von lat. [h]arena, „Sand“) bezeichnet einen speziellen Veranstaltungsort. Der Duden definiert Arena als „Kampfbahn, [sandbestreuter] Kampfplatz im Amphitheater der römischen Antike“ sowie „Sportplatz, Wettkampfstätte mit ringsum steigend angeordneten Zuschauersitzen“, ferner auch als Vorführplatz für Stierkämpfe sowie Manege eines Zirkus.
Brauchen wir im 21. Jahrhundert diese archaische Form der Auseinandersetzung? Wäre es nicht viel zeitgemässer, ein Sendegefäss zu schaffen, das auf konstruktiven Dialog ausgerichtet ist, als den alten Stil der Kampfarena zu zelebrieren? Der Einbezug des Publikums und eine gendergerechte Besetzung der Hauptgesprächsplätze ist ohnehin ein Muss.
Der Geburtsfehler der Arena liegt mindestens teilweise auch in deren Bezeichnung. Eine grundlegende Erneuerung dieses Sendgefässes wäre dringend nötig, wenn wir die schweizerische Politik nicht dem amerikanischen Wahlkampfzirkus anpassen wollen.
Heini Glauser, am 09. November 2016 um 11:44 Uhr
Danke Herr Ruoff! Lohnt sich so viel sachliche Analyse für dieses helvetische Fernsehtheater? Was glauben Sie, wer das im Leutschenbach hören will?

Auch ich habe mich mächtig geärgert und Herr Projer geschrieben. Die Arena hört man, Ihre und meine Kritik wohl weniger, hélas!

Sehr geehrter Herr Projer
Irgendwann schein ein Fernsehmann den Boden unter den Füssen zu verlieren, déformation professionelle? Nichts als Allotria und Show auch in ernsten Fragen.
Für etwas anderes haben Sie ja Blocher und Gauland nicht eingeladen. Von einem 151. Kommentar im Forum verspreche ich mir nichts. Es spielt keine Rolle mehr, ob man sich die Zeit bei SRF mit Tatort oder Arena vertreibt. Ich denke, dass Sie persönlich zu Besserem fähig wären, aber SRF erlaubt ihnen das nicht, so meine Vermutung. Vielleicht stimmt ja die Einschaltquote? Dann wäre ich halt eben im falschen Film, was sich künftig vermeiden lässt.
Freundlichen Gruss,
Walter Schenk
Walter Schenk, am 14. November 2016 um 16:14 Uhr

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