Coronatests sind mehr als fragwürdig, sobald das Ansteckungsrisiko minim ist. © HealthLine

Auch ohne neue Corona-Fälle steigen die «Fallzahlen» weiter!

Urs P. Gasche / 19. Jun 2020 - Massnahmen abhängig zu machen von neuen Fällen pro 100'000 Einwohner und von der R-Zahl, sei Unsinn, erklärt ein Mathematiker.

Das Kernproblem besteht darin, dass die Tests, die mit einem Rachenabstrich untersuchen, ob jemand angesteckt ist, fehlerbehaftet sind. Denn erstens wegen der Ungenauigkeit der Tests an sich (z.B. Verwechslung verschiedener Coronaviren) sowie zweitens auch wegen unsorgfältiger Handhabung beim Testen gibt es keine Tests, die hundertprozentig zuverlässige Resultate liefern. Entweder erkennen sie tatsächlich Infizierte nicht als solche (= falsch negative Resultate) oder sie weisen vom Virus nicht angesteckte als Infizierte aus (= falsch positive Resultate).

Solche falsch positiven Resultate stehen hier im Zentrum: Sie geben «Angesteckte» oder «Infizierte» an, obwohl die Betroffenen das Virus nicht erwischt haben und frei von Sars-Cov-2 sind.

Kleine Fehlerquote mit grossen Folgen

Der gängige Corona-Test beruht auf der PCR-Methode. Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum kommen in spezialisierte Labors. Dort wird mit einer äusserst genauen molekularen Überprüfung untersucht, ob die Abstriche Erbgut des Sars-CoV-2 enthalten.

Selbst eine kleine Fehlerquote kann erhebliche Folgen haben. Bei den verschiedenen PCR-Tests in Deutschland kommt es laut einer am 3. Juni aktualisierten Studie (Ringversuch von über 400 Labors) im Durchschnitt der Labors zu 1,8 Prozent falsch positiven Resultaten. Mit anderen Worten:

  • Auf 100'000 durchgeführte Tests bei Personen, von denen keine infiziert ist, werden durchschnittlich 1'800 Menschen fälschlicherweise als „Corona-Infizierte“ ausgewiesen.

Diese Fehlerquote fällt statistisch wenig ins Gewicht, wenn der Anteil der tatsächlich Infizierten unter den Getesteten hoch ist. Zum Beispiel wenn vor allem oder ausschliesslich Personen mit Symptomen getestet werden, wie dies lange der Fall war.

Doch in der aktuellen Situation hält der deutsche Mathematiker Klaus Pfaffelmoser diese Fehlerquote von 1,8 Prozent für «dramatisch», weil unter den heute Getesteten der Anteil der Angesteckten ebenso klein oder sogar kleiner sei wie der Prozentsatz der falsch positiven Resultate. Tatsächlich wurden vom 11. Mai bis zum 31. Mai in Deutschland nur noch zwischen 1,1 und 1,7 Prozent der Untersuchten positiv getestet, also zwischen 1'100 und 1'700 von 100'000 getesteten Menschen. Die Zahlen liegen damit im Bereich der statistisch zu erwartenden falschen Resultate.

In der Schweiz ist die Situation noch extremer. Die Zahl der zu erwartenden falsch positiven Resultaten übertrifft die Zahl der «neuen bestätigten Fälle» deutlich: Von insgesamt 85'995 Testresultaten in der Zeit vom 1. bis 17. Juni zeigten lediglich 466 eine Infektion an. Das entspricht 0,54 Prozent aller Testresultate. Diese Zahlen teilte das Bundesamt für Gesundheit Infosperber mit. Das entspricht 542 «Fällen» je 100'000 getesteten Menschen.

Gehen wir im Folgenden trotzdem von der pessimistischen Variante aus, dass gegenwärtig

  • von 100'000 getesteten Personen 1'500 positiv getestet werden, also als infizierte Fälle gelten.

Von 100'000 Testresultaten zeigen also 1'500 eine Infektion an. Es sind die statistisch «neuen Fälle», die überall publiziert werden. Wenn man aber weiss, dass bei 100'000 Tests 1'800 falsche Resultate zu erwarten sind («falsch positive» Befunde), sollten seriöse Medien die statistisch erfassten Fallzahlen nicht mehr publizieren. Denn die Zahl der statistisch zu erwartenden falschen Resultate (1'800) übersteigt dann sogar die Zahl der gemeldeten Infizierten (1'500) – in der Schweiz sogar um das Dreifache (1'500 gegenüber 542). Natürlich liegt es auch an den Behörden, auf die fragewürdige Aussagekraft und den grossen Fehlerbereich ihrer «Fallzahlen»-Statistik deutlich hinzuweisen.

Für Pfaffelmoser hat die Fehlerquote der Tests gravierende Folgen:

  1. Selbst wenn Sars-CoV-2 vollständig verschwunden ist, ergeben 100'000 Tests fälschlicherweise immer noch 1800 Infizierte an. Deshalb verbreitet sich das Virus in der Statistik ständig weiter. In einer von Viren völlig freien Region würden statistisch weiterhin «Fälle» auftreten. Und je mehr Tests gemacht würden, desto mehr würde die Kurve der «Fälle» in der Statistik sogar wieder ansteigen. Doch in Tat und Wahrheit handelt es sich in dieser tatsächlich virenfreien Region ausschliesslich um falsche Testresultate.
  2. Es macht keinen Sinn, künftige, einschränkende Massnahmen von der Zahl der Neuinfizierten pro 100'000 Einwohner abhängig zu machen, beispielsweise in Deutschland von 50 Infizierten pro 100'000 Einwohner innerhalb einer Woche. Denn bereits 2778 Tests pro 100'000 Einwohner genügen, um diese 50 Infizierten in einer faktisch Covid-19-freien Bevölkerung fälschlicherweise auszuweisen (Fehlerquote 1,8 Prozent).

Im Deutschen Ärzteblatt machte vor wenigen Tagen auch ein Medizinjournalist auf diese Problematik aufmerksam und empfiehlt, die Prävalenz, also die Häufigkeit der tatsächlichen Fälle, die in einer Bevölkerung vorhanden sind, bei der Interpretation der Tests beizuziehen. Wenn es nur wenige tatsächliche Fälle gibt, würden falsch positive Resultate das Resultat stark beeinflussen.

Das Ärzteblatt empfiehlt bei positiven Resultaten einen zweiten Kontrolltest, der die Wahrscheinlichkeit von falschen Resultaten stark reduziert.

Doch solche Nachtests werden trotz der wenigen positiven Resultate kaum gemacht. In der Schweiz wurden nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit vom 1. bis 17. Juni 85'995 Tests durchgeführt (davon 466 mit positivem Resultat), jedoch lediglich lediglich 34 Doppeltests mit positivem Resultat. «Der Grund für die Durchführung des zweiten Tests ist nicht bekannt», erklärt das BAG.

Auch der R-Wert ist als Kriterium für Massnahmen wenig tauglich

Für den Entscheid neuer Massnahmen ist auch die Reproduktionszahl R als Kriterium wenig tauglich, weil auch R meistens aus der Zahl der jeweils neuen positiv Getesteten errechnet wird.1 Der R-Wert gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Je höher der Wert, desto schneller verbreitet sich das Virus. Als akzeptabler Höchstwert gilt R=1, weil dann eine angesteckte Person nur noch eine weitere Person ansteckt. Deshalb titelte die NZZ am 8. Juni: «R-Wert kratzt an kritischer Schwelle». Denn erstmals sei seit zwei Monaten diese Reproduktionszahl wieder grösser als 1. Allerdings relativiert die NZZ ihren Titel im Artikel sogleich wieder: Diese Schätzungen seien unsicher, habe Tanja Stadler von der ETH eingeräumt, weil die absoluten Fallzahlen sehr klein seien.

In der Tat kann man mit zurzeit täglich rund zwanzig neuen bestätigten Corona-Ansteckungen in der ganzen Schweiz keine seriösen Berechnungen eines R-Wertes anstellen. Auf erhebliche Schätzfehler bei der Bestimmung des R-Werts machten Statistiker des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung schon Anfang Mai aufmerksam. (Siehe Infosperber «Lockerung nicht nur von R-Zahl abhängig machen»).

Fazit von Pfaffelmoser: «Die Zahl der Messungen beeinflusst willkürlich sowohl den R-Wert als auch die Zahl der Infizierten pro 100'000 Einwohner ... Durch Änderung der Anzahl der Messungen können diese Kenngrössen so beeinflusst werden, dass es zu willkürlichen Verhängungen von Massnahmen kommen kann.»

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FUSSNOTE
1 Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden des R-Werts. Die Schweizer Task Force errechnet auch einen R-Wert aus den Hospitalisierung und den Todesfällen. https://ncs-tf.ch/de/lagebericht Allerdings hängt auch die Tatsache, ob jemand bei der Hospitalisierung als Covid-19-Patient registriert wird oder als Covid-19-Todesfall gilt - neben zum Teil klinischen Diagnosen - von Tests ab.

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30 Meinungen

Laut Statistik des BAG lag die Zahl der Hospitalisationen wegen Covid-19 seit dem 19.Mai bei 25. In diesem Zeitraum verstarben 19 Menschen mit dieser Diagnose, in beiden Fällen also 0 bis 3 Personen pro Tag. Wie mit solchen Zahlen ein aussagekräftiger R-Wert ermittelt werden soll, ist mir ein grosses Rätsel.
Es fragt sich, weshalb sodann mittels sogenannter „Fallzahlen“ weiterhin der Eindruck einer massiven Bedrohung aufrecht erhalten wird, obwohl diese rein gar nichts über die tatsächlichen Erkrankungen und den Schweregrad aussagen und trotz „Lockerungen“ und fragwürdigen Testmethoden auf sehr tiefem Niveau verharren.
Ich werde den Eindruck nicht los, dass nach der künstlich produzierten „Angst vor dem Terrorismus“ nun als nächste Etappe eine „Angst vor dem Virus“ künstlich erzeugt, aufgebauscht und erhalten wird, weil sich eine verängstigte Bevölkerung sehr einfach steuern lässt.
Das der Bundesrat morgen eine Vorlage in die Vernehmlassung schicken will, welche die Covid-19-Verordnung als dringliches Bundesrecht mit einer Laufzeit von sieben Jahren verlängern soll, entkräftet diesen Verdacht in keiner Weise und wird hoffentlich auf breiten Widerstand stossen.
Philippe Schaunig, am 19. Juni 2020 um 11:08 Uhr
Absolut wesentlich! Auch wenige falsch positive Resultate machen bei grosser Probe viel aus - ein grosses Dilemma. Deshalb sollte ohne typische Symptome gar nicht getestet werden. Dass viele falsch negativ sind, macht das Dilemma nicht kleiner. Die Meldung der «neuen Positiven» ist mit Vorsicht zu geniessen.
Markus Scheuring, am 19. Juni 2020 um 12:00 Uhr
Prof. Bhakdi hat erklärt, dass Corona Infizierte nicht krank sind, «Covid 19» dagegen ja. Warum wird das immer zusammen in einem Topf geworfen? Corona Viren kommen schon lange bei Menschen und Tieren vor.
Matti Illoinen, am 19. Juni 2020 um 12:08 Uhr
Die Frage, die sich mir stellt: Corona ist ein Grippe Virus. Eigentlich eine Krankheit, die man schon seehr lange erfolglos bekämpft. Und obwohl man bis heute kein verlässliches Mittel dagegen gefunden hat, hat die Pharmaindustrie in den letzten 5 Jahren tausenden Mitarbeitern gekündigt, um «gesund zu schrumpfen». So ein «Ausbruch» einer «unkontrollierbaren» Seuche muss doch nicht nur den Pharma- sondern auch den «Kontrollorganen» dienen. Meines Wissens nach braucht ein Virus einen Wirt. Im Corona-fall (also bei Tröpfcheninfektion) dockt das Virus hauptsächlich im Lungenbereich an. Wie man die Lunge «reinigt» Ist bereits seit erfindung der Sauna bekannt. Heisser Dampf, oder allgemein heisse Luft erschwert das Überleben von Viren erheblich. Für mich ist Corona eine Grippe. Nicht mehr, nicht weniger. Durch Umweltbelastungen sind wir halt einfach stärker geschwächt. Das ist nur meine Meinung. (Braucht niemand zu teilen, und es gibt sicher tausend Argumente dagegen, von denen Ich keine Ahnung habe, oder haben will). Ein ernst gemeintes Danke an das Pflegepersonal, Die Zivil- und Militärdienst Leistenden.
Aber den Statistikern und den NGO's, die davon Profitieren, traue ich nicht. Und genau das ist die Unsicherheit, die ich meine.
Claude Fontana, am 19. Juni 2020 um 12:16 Uhr
FALSCH NEGATIVE kommen hier mit «aus den Augen aus dem Sinn» weg.
- Wähnen sich gesund, gehen erleichtert in Gruppen und STECKEN ANDERE AN ! Wo bleibt hier die Empörung ??
- Korrektur nur der POSITIVEN durch 2. Test VERFÄLSCHT die Statistik noch stärker, solange die FALSCH POSITIVEN nicht erfasst werden.
- Gibt einen Korrektur-Erfahrungswert [Koeffizient] in beide Richtungen ?
Ron Thorny, am 19. Juni 2020 um 12:33 Uhr
Um die Überlegungen des Mathematikers Klaus Pfaffelmoser einzuordnen ist es nützlich zu wissen, dass er keine ausserordentliche Gefährlichkeit von Covid-19 erkennt. Er schreibt er in einem Gastbeitrag vom 13.6.2020:
"Eine sehr hohe oder sogar außerordentliche Gefährlichkeit von Covid-19 wurde nie wissenschaftlich belegt. Seit Beginn der Krise beweist die Wissenschaft mit zunehmender Zuverlässigkeit, dass die Gefährdung im Bereich der Grippe liegt. Zudem wurde bereits Mitte April nachgewiesen, dass die Maßnahmen in den einzelnen Ländern so gut wie keinen Einfluss auf den Verlauf der Epidemien hatten. Vor diesem Hintergrund begründet das beharrliche Festhalten an den Maßnahmen im Lichte ihrer Auswirkungen und in Bezug auf die Profiteure derselben mehr und mehr den Verdacht, dass unter dem Deckmantel von Corona ganz andere Interessen verfolgt werden."
Alexander Borbély, am 19. Juni 2020 um 13:13 Uhr
Ein guter Artikel! Besten Dank!
Die R-Zahl sollte meiner Ansicht nach überhaupt nicht verwendet werden, um die Corona-Situation zu beurteilen. Ist das Infektionsgeschehen abgeklungen (wie dies nunmehr der Fall zu sein scheint), so wird die R-Zahl unweigerlich um den Wert 1 herum pendeln. Um dies zu erkennen, braucht es nichts weiteres als gesunden Menschenverstand.
Wirklich entscheidend ist die Zahl der Hospitalisationen und der gemeldeten Neuansteckungen. Diese und deren Zeitverlauf kann beim BAG eingesehen werden (https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/k-und-i/aktuelle-ausbrueche-pandemien/2019-nCoV/covid-19-lagebericht.pdf.download.pdf/COVID-19_Epidemiologische_Lage_Schweiz.pdf)
Daraus ist doch unmittelbar ersichtlich, dass sich die Situation bei uns in den letzten Tagen keineswegs verschlechtert hat. Die R-Zahl vermag also überhaupt nichts praktisch relevantes auszusagen!
Es ist unverständlich, dass wissenschaftliche Kreise die R-Zahl (oder besser gesagt das Unwissen darüber) jetzt dazu benutzen, Angst zu schüren und z.B. eine weitergehende Maskenpflicht fordern. Ich bin der Meinung, dass sich die Wissenschaftler in der Corona-Krise insgesamt kaum mit brauchbaren Leistungen hervorgetan haben, sondern eher für Verwirrung und Panikmache sorgten.
Markus Stadler, am 19. Juni 2020 um 13:28 Uhr
Gemäss diesem Artikel ergibt die Ungenauigkeit der Tests zwar falsch positive, aber auch falsch negative Befunde. Heben sich diese Effekte nicht gegenseitig auf, so dass am Schluss statistisch eine annäherungsweise korrekte Zahl bestätigter Neuansteckungen resultiert?
Toni Koller, am 19. Juni 2020 um 13:44 Uhr
Hier nachträglich noch der Fachartikel zu Falsch-negativen PCR Abstrichen bei Sars-CoV-2: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32422057/
Ein Zusammenfassung kann auch auf Infomed-Screen nachgelesen werden.
Markus Scheuring, am 19. Juni 2020 um 14:21 Uhr
Und noch ein Nachtrag auf Deutsch: https://www.aerzteblatt.de/archiv/214370/PCR-Tests-auf-SARS-CoV-2-Ergebnisse-richtig-interpretieren.
Sehr ausführliche Information betreffend Vortestwahrscheinlichkeit, falsch negativ, falsch positiv.
Markus Scheuring, am 19. Juni 2020 um 14:36 Uhr
@Koller. Das Problem mit den falsch positiven Resultaten ist dann am grössten, wenn sich das Virus in einer Gegend gar nicht mehr verbreitet. Dann ergeben 100'000 Tests 1800 falsch positive Resultate, obwohl gar niemand angesteckt wurde. Falsch negative Resultate kann es nicht mehr geben, wenn sich niemand mehr mit dem Virus ansteckt. Und bei ganz wenigen verbleibenden realen Ansteckungen, wären falsch negative Resultate zu vernachlässigen. Falsch negative Resultate sind dann ein Problem, wenn die Ansteckungsrate hoch ist. Dann werden viele Angesteckte übersehen.
Urs P. Gasche, am 19. Juni 2020 um 14:51 Uhr
Wie schon früher festgehalten, bleibt der statistische Wert der «R"-Zahl der Covid-Task-Force auf dem Niveau der Aussagekraft des berühmten Hahnes auf dem Mist.

Die Volatilität der täglich publizierten Werte sowie die publizierten Konfidenzintervalle sollten jedem Leser den Unsinn dieser Statistiken vor Augen führen. »... ändert das Wetter oder bleibt wie es ist."
Josef Hunkeler, am 19. Juni 2020 um 16:30 Uhr
Ja, tatsächlich hat der Leiter der Covid-19 Science Taskforce in den SF1 News gestern gefordert wegen leichtem Anstieg von «Fällen» von weiteren Lockerungen abzusehen und die Einführung der allgemeinen Maskenpflicht einzuführen. Immerhin, der Bundesrat hat sich dem gesunden Menschenverstand der Bevölkerung angeschlossen und ist heute nicht darauf eingegangen. Bereits seit Anfang Mai, mit Beginn in der Aeschenvorstadt wurden die Massnahmen immer wieder massiv ignoriert. Höhepunkt war die Demo mit Streetparade ähnlichem Gedränge auf der Quaibrücke in Zürich vor einer Woche. Nichts ist passiert. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Welle bereits schon vor dem Lockdown zu Ende war. Die noch zu beantwortende Frage bleibt woher der steile Anstieg in der Gesamtmortalität in den ersten beiden Wochen nach Einführung des lockdowns kam. Da gibt es eine grosse Differenz zwischen den sog. ausgewiesenen Covid Todesfällen und dem restlichen, nicht Covid bezogenen Anstieg der Gesamtmortalität.
THOMAS OETTLI, am 19. Juni 2020 um 16:45 Uhr
Gar nicht so wenige Wissenschaftler, die in ihrem 'reinen' Fachgebiet sehr gut sind, haben mit
- höherer Mathematik,
- höherer Statistik, mit mehreren Einflussfaktoren u.
mehreren Auswirkungen,
- der Definition von geeigneten Indikatoren
- der Einbeziehung von Kollegen angrenzender aber notwendiger
Wissenschaftsgebiete für ein angemessenes Urteil
ganz erhebliche Defizite.

Das zeigt sich überdeutlich bei Corona, wie schon in den sogenannten Wirtschaftswissenschaften, besonders der Libertären.
Ludwig Pirkl, am 19. Juni 2020 um 18:24 Uhr
Endlich schreibt das jemand, danke Herr Gasche. Und wer konfrontiert endlich das BAG und BR Berset damit? Wer macht dies dem Volk klar?
Beat Schärer, am 19. Juni 2020 um 18:52 Uhr
@Toni Koller: Nein die Befunde heben sich nicht auf, die falsch negativen Tests werden ja nicht von den falsch positiven subtrahiert, sondern alle positiven Tests, ob falsch oder nicht, werden verwendet um die Panik zu schüren, während alle negativen ignoriert werden.
Philippe Schaunig, am 19. Juni 2020 um 23:45 Uhr
@Claude Fontane
» Heisser Dampf, oder allgemein heisse Luft erschwert das Überleben von Viren erheblich.» - Nicht nur Viren sondern auch Bakterien macht das inhalieren von heissem Dampf angereicht mit Salz m Wasser und dann in den Dampfbläschen das Überleben schwer. Nach meiner Vermutung dissozieren die NaCl-Moleküle in wässriger Lösung in Na- u. Cl-Atome. Letzere greifen dann die Viren an, besonders die fettumhüllten Viren, wie Corona/Sars-Viren.
Sehr trockene heisse Luft schadet aber den Schleimhäuten.

Zur Therapie von Atemwegserkrankungen gab es früher in Kurorten Salinen und es wurde der Aufenthalt am Meer empfohlen.
Schon in der Antike wusste man dampfende Thermalquellen sehr zu schätzen, wenn es auch relativ wenig natürlich salzhaltige Thermalquellen gibt. Badesalze waren auch damals schon bekannt, Salz allerdings relativ teuer.
Ludwig Pirkl, am 20. Juni 2020 um 15:51 Uhr
Das heißt im Umkehrschluß, wenn die wirklichen Infektionszahlen gegen Null gehen, kann der Test noch viele Infektionszahlen aufzeigen, weil er stark fehlergbehaftet ist.
Ob sich die Infektionszahlen verringern, hängt im starken Maße davon ab, in welche Rechtung die Fehlerhaftigkeit ausschlägt.
Dieter Gabriel, am 21. Juni 2020 um 17:06 Uhr
Im März hat sich das BAG immer auf den zweiten Test des Referenzlabors abgestützt.
Das wäre jetzt wieder dringend notwendig, es würde falsch positive Resultate wirksam reduzieren. Denn die Chance bei zwei Tests falsch positiv zu sein ist nur noch bei 32 auf 100'000. Wirklich unverständlich dass jetzt nicht 2 mal getestet wird.
Stefan Forster, am 23. Juni 2020 um 07:20 Uhr
Dieser Bericht gefällt mir sehr gut, bringt er doch die Problematik von falsch negativen oder falsch positiven Testresultaten anschaulich zum Ausdruck. Und solche falsche Testresultate gibt es überall wo getestet wird, bei Meinungsumfragen, in der Radiologie, in der Serologie (sprich zB. Corona), etc. etc.). Falsche Resultate gibt es auch bei der Erstellung von Diagnosen und ganz sicher von Prognosen schlechthin.

So wird einmal mehr klar, dass der gesunde Menschenverstand, ein solides Sachwissen und eine seriöse Berufserfahrung immer Voraussetzung dafür sind, Resultate in die Praxis umzusetzen. Ansonsten verbreiten und diskutieren wir lediglich Vorurteile, die auf Halbwissen gründen. So sind die viele Diskussionen, die wir heute in Zusammenhang mit Corona führen eher kontraproduktiv und wir sollten etwas mehr Vertrauen in die Fachgremien aus Wissenschaft und Politik setzen, denn es wird immer Fehlentscheide geben. Wir sollten dazu stehen und können und lernen damit umzugehen. Das geht dann umso besser, wenn man versteht worum es geht, denn erst dann kann man Fehler akzeptieren und korrigieren, allenfalls auch sanktionieren. Ist sich die Wissenschaft nicht einig, braucht es einen politischen Entscheid, und der kann eben einmal besser oder weniger gut sein. Das sollten wir in einer funktionierenden Gesellschaft auch mittragen können.
Felix Speiser, am 23. Juni 2020 um 07:48 Uhr
@Borbély: Das hat nichts mit der Anschauung/Einordnung des Autors zu tun, sondern das ist Basic-Epidemiologie/Virologie Wissen.
Udo Sonnabend, am 25. Juni 2020 um 16:59 Uhr
https://www.planet-wissen.de/natur/mikroorganismen/viren/pwievirendiehelfen100.html

Für Nicht-Virologen eine interessante Site, die zu lesen sich lohnt, weil sie einem bewusst macht, dass kein Alien auf der Erde gelandet ist, sondern dass Virenwellen eigentlich «normal» sind und meist gar nicht registriert werden.
Die teilweise grassierende Panik, ausgelöst durch die Flut der teilweise sehr widersprüchlichen «Informationen», empfinde ich als weitaus beklemmender.
In einer «systemrelevanten» Branche tätig, habe ich während des Lockdowns eine Arbeitskollegin, die den Bus um jeden Preis meiden wollte, chauffiert. Eine hyperventilierende Mumie, den Kopf eingewickelt in drei Schals, auf dem Rücksitz zu transportieren, war tatsächlich eine Erfahrung der anderen Art.
Angst macht manipulierbar, leider.
Ursula Lerch, am 26. Juni 2020 um 20:28 Uhr
Es herrscht heute das wissenschaftliche Dogma, dass allem Geschehen physische Ursachen zugrunde liegen. Dazu möchte aus ärztlicher Sicht etwas zum Thema „Ansteckung“ sagen: Jeder kennt die alltäglich Erscheinung, dass Stimmungen „ansteckend“ sind: Lachen steckt an, man kann sich dem nur schwer entziehen. Traurigkeit steckt an, man muss sich dem richtig entgegen stellen. Bei den infektiösen Krankheiten ist die Ansteckung auch etwas, das ohne irgendwelche physische Übertragung entsteht. Man sagt dann, dass die Menschen bei Nicht-Ansteckung durch Kranke eine primäre Immunität hätten, ohne beschreiben zu können, worin diese - auch „Hintergrundimmunität“ genannte - besteht. Die war schon immer vorhanden, sonst wäre die Menschheit durch solche Epidemien, wie die Pest, völlig ausgerottet worden. Aber „nur“ 30% der Leute starben an der Pest. Ähnliches konnte man bei den Pocken beobachten. Das vermehrte Auftreten diese Kleinst-„Lebewesen“ bei Erkrankten ist symptomatisch und nicht als Ursache zu bewerten. Niemand kommt auf die Idee, den Misthaufen seine Entstehung durch die vielen dort versammelten Fliegen entstanden zu denken. Sie versammeln sich dort, weil da ein Misthaufen ist. Nach Entfernung desselben verschwinden die Fliegen ganz von selbst. Aber einem solchen „idiotisch» einfachen Gedankengang zu folgen, ist den positivistischen „Wissenschaftlern“ unmöglich. Denn Krankheit ist primär ein geistig- seelischer Zustand. Dr.med. Gerhardus Lang , D 73087 Bad Boll
Gerhardus Lang, am 27. Juni 2020 um 15:31 Uhr
Die Zahl der Test die gemacht werden müsse pro positiven Fall liegt in der Schweiz bei ungefähr 250!

https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2020-03-03..2020-06-20&testsPerCaseMetric=true&dailyFreq=true&perCapita=true&smoothing=7&country=CHE~SWE~DEU~ESP~USA&pickerMetric=location&pickerSort=asc
Peter Gander, am 29. Juni 2020 um 10:04 Uhr
Und nun hat der Bundesrat, unterstützt von fast sämtlichen Medien, offiziellen Medizinern und vielen Menschen, wegen der steigenden Zahl der Infektionen (gestern + 137 Positive) ein Maskenobligatorium im ÖV verordnet, was ich wegen der geringen Effektivität von Masken für falsch oder gar kontraproduktiv halte.

Was meinen Sie Herr Gasche, ist zumindest die Begründung der «schnell steigenden Zahl der Infektionen» anhand Ihrer Ausführungen hier völlig daneben, oder könnte es sich um etwas anders handeln?
Theo Schmidt, am 02. Juli 2020 um 11:48 Uhr
typischAB
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@Theo, das sehe ich Die Druckverhältnisse und kühlen Temperaturen im klimatisierten ÖV fördern die Ansteckung über die Augen. Das lässt die Maskenpflicht zu einem Polit-Fake verkommen. Wenn schon dann richtig, habe mir jetzt diese Vollmaske bestellt mit speziellem Coronaviren tauglichem Filter:)
https://notvorsorge.com/atemschutz/atemschutzmaske-vollmaske-c-607-selecta/
THOMAS OETTLI, am 03. Juli 2020 um 22:25 Uhr
Es ist genau wie Hr. Gasche schreibt: ».... im Durchschnitt der Labors zu 1,8 Prozent falsch positiven Resultaten».
Es wird mehr als doppelt soviel getestet wie im Mai:

https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2020-03-03..&testsMetric=true&dailyFreq=true&smoothing=7&country=~CHE&pickerMetric=location&pickerSort=asc

1.8% von ca 9000 Tests entspricht den positiv getesteten!
Peter Gander, am 04. Juli 2020 um 02:29 Uhr
Nach vermehrten Alarmrufen der Medien betr. angeblich steigenden Fallzahlen in der Schweiz hatte ich gestern auf der BAG-Seite die Testzahl angeschaut (Status: 3. Juli). Schauen Sie selbst! https://covid-19-schweiz.bagapps.ch/de-3.html. Wenn natürlich mehr getestet wird, ist es ja logisch, dass wir auch mehr positive Fälle haben! Gut recherchierter Journalismus würde das erwähnen, statt Panik zu verbreiten. Ich denke, wir werden bewusst manipuliert, aber ich verstehe nicht warum...
Stefan Ress, am 04. Juli 2020 um 10:46 Uhr
Ein einfacher Plausibilitätscheck zeigt, dass der Autor nochmals über die Bücher sollte:
Falls der Wert von 1.8% für falsch positive Resultate stimmen würde, wäre dies der untere Grenzwert der Messmethode. In anderen Worten: der Anteil positiver Tests kann nicht unter 1.8% sinken. Die Werte vom Link im Text (ab Kalenderwoche 20 sind die Werte unter 1.7%) und auch der erwähnte Schweizer Wert liegen aber weit entfernt von 1.8% (bei 0.54% gemäss Autor).
Silke Heinrich, am 06. Juli 2020 um 11:26 Uhr
@ Heinrich: An dieser Diskrepanz rätsle ich auch schon seit Tagen. Die Zahl von 1.8% (Mittel von 1.4% und 2.2%) stammt von den Messungen (Ringversuch) in Deutschland im April. Die aktuellen Messungen in der Schweiz müssen genauer sein und variieren vielleicht auch stark (Anfang Juni war der Wert nur etwa 0.35%). Aber auch so scheint mir, dass die tatsächlichen Zahlen für neu Infizierte aktuell eigentlich unbekannt sind.

Ich habe Matthias Egger, Vorsitzender der wissenschaftlichen Task Force COVID-19 gefragt, ob die Task Force nicht empfehlen könnte, *alle* Tests mit positivem Ergebnis zu wiederholen, wie hier im Artikel vorgeschlagen.
Theo Schmidt, am 07. Juli 2020 um 23:36 Uhr

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