Christoph Pfluger erklärt, wie die Banken ihr Geld selber schöpfen © Zeitpunkt

Christoph Pfluger erklärt, wie die Banken ihr Geld selber schöpfen

Was ist Vollgeld? Das Ziel ist, es verständlich zu machen

Christian Müller / 19. Mrz 2018 - In weniger als drei Monaten muss in der Schweiz über die Vollgeld-Initiative abgestimmt werden. Aber was ist eigentlich Vollgeld?

Im Vorfeld der No-Billag-Initiative galt es, sich für die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernseh-Programme und gegen die libertären Möchte-gern-SRG-Abschaffer zu wehren und das Monopol von drei oder vier privaten Medien-Moguln zu verhindern. Die Schlacht ist geschlagen und gewonnen – für ein paar Monate. Die privaten Medien-Konzerne haben den Kampf gegen die SRG ja schon am Montag nach der Abstimmung wieder aufgenommen.

Durch diese – zu Recht – heftige Auseinandersetzung ist eine andere Initiative, über die bereits am kommenden 10. Juni abgestimmt werden muss, etwas in den Hintergrund getreten: die Vollgeld-Initiative. Es geht dabei darum, den Banken das Geldschöpfen in ihren Computern zu untersagen und ihnen nur noch die Verleihung von Geld zu erlauben, das die Nationalbank – ähnlich wie früher Banknoten und Münzen – herausgegeben hat.

Erwartungsgemäss hat keine Partei den Mut, diese Initiative zu unterstützen – selbst nicht die SP. Ihr Argument hat nichts mit Vollgeld zu tun, sie haben einfach Angst vor der eigenen Courage. Das zeigte in aller Deutlichkeit die Diskussion in den Parlamenten, wo inhaltlich absolut nichts gegen das vorgeschlagene Vollgeld-System gesagt wurde, aber viel über die Risiken, die die Schweiz im Alleingang damit eingehen würde. Das Phänomen ist bekannt: Man will zwar total unabhängig sein, hat aber auf gut Schweizerdeutsch schlicht Schiss, diese Unabhängigkeit auch zu nutzen.

Umso erstaunlicher und erfreulicher ist es, dass die Initianten der Initiative, die weder auf die Parteien noch auf reiche Gönner noch auf eine Lobby-Gruppe zählen kann, ihren Kampf für ein gerechteres Finanzsystem nicht einfach aufgegeben haben. Im Gegenteil. Jetzt werben sie für ihr Anliegen sogar richtig mediengerecht: mit verständlichen Videos!

Erwähnt seien hier fünf Videos zum Thema Vollgeld:

  • ein Video von Christoph Pfluger, einem unabhängigen Journalisten, bester Kenner der weltweiten Literatur zum gegenwärtigen Finanzsystem und Herausgeber der Zeitschrift «Zeitpunkt». Er erklärt die Sache einfach mündlich: Hier zum Anschauen.

  • ein Video mit Dr. oec. Reinhold Harringer, ehemaliger Leiter des Finanzamtes der Stadt St. Gallen, der versucht zu zeigen, dass die Vollgeld-Initiative eigentlich nur das realisieren will, was die meisten Leute schon heute für die Realität halten – fälschlicherweise. Vollgeld-Initiative: Was ist das? Hier zum Anschauen.

  • ein Video: «Endlich: Die Geldschöpfung der Banken in einer Minute erklärt». Hier zum Anschauen.

  • ein Video der ARD, die in zehn Minuten erklärt, was Vollgeld ist und was die Vollgeld-Initiative in der Schweiz will. Hier zum Anschauen.

  • ein Video, das zeigt, dass Vollgeld nicht nur eine absurde Schweizer Idee ist, sondern von vielen Wissenschaftlern in aller Welt empfohlen wird. Nur gibt es eben das Instrument der Volksinitiative weder in England noch in den USA, darum ist die Schweiz als Starplatz für ein Umdenken beim Finanzsystem besonders geeignet. Hier zum Anschauen (englisch).

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10 Meinungen

Unser heutiges Schuld-Geldsystem führt dazu, dass es heute weltweit 235 Billionen $ Schulden gibt, aber nur eine verfügbare Geldmenge von 35 Billionen $ - es lebe die Konkurs-Verschleppung.
Zudem ist es DIE Vermögensumverteilungs-Maschine, welche dafür verantwortlich ist, dass die 10% Banker und Reichen immer reicher und die armen 90% immer ärmer werden.
Zudem verwenden die Banken weltweit ihr selbst und aus dem Nichts geschöpftes Schuldgeld für massive Spekulationen: Die globalen Finanzmärkte sind zu einem riesigen Spiel-Casino geworden, bei dem die Banken selber die Regeln machen und fast immer gewinnen. Es wird mit Unsummen gespielt und gewettet. Die globalen Wetten (Derivate) auf alle möglichen Basiswerte werden auf weltweit 1.5 Trillionen CHF geschätzt! Eine unvorstellbar grosse Zahl - sie ist über 1'000 Mal so gross wie alle angeblichen Goldreserven aller weltweiten Zentralbanken. Dieses Giga-Casino wird, wenn es crasht, die grösste Geld- und Wert-Vernichtungsmaschine sein, die die Menschheit je gesehen hat.
Das wird die Vollgeld-Initiative natürlich nicht verhindern können, aber dank der Vollgeld-Initiative haben wir Bürger beim nächsten Crash wenigstens sicheres Geld auf unseren Konten. Die Idee ist mit freier Marktwirtschaft absolut vereinbar und auch in der Schweiz allein einführbar.
Mit Schulden und Casino-Gewinnen werden Rüstung & Kriege finanziert. Zum Wachstum verdammt ..wie im Rest der Wirtschaft: Es bedroht akut unsere Lebensgrundlagen.
Sie haben die Wahl!
Paul Steinmann, am 19. März 2018 um 13:02 Uhr
Ihre Bemühungen in Richtung «Vollgeld» in Ehren, aber ich sehe schwarz. Meine Prognose: Stimmbeteiligung 40%, Ablehnung 80%, d.h. 2/3 der Stimmberechtigten haben nichts gegen «Vollgeld», oder wissen halt zu wenig. Ändern wird sich eh nichts. Und wenn Sie immer noch auf die SP hoffen, dann sowieso nicht. Ihre Gegner sind aber auch ohne die SP übermächtig. So lange man mit Buchgeld 1000x mehr verdienen kann als mit Nationalbankgeld, solange bleibt es beim globalen Profitmachen im besten aller Systeme.
Paul Jud, am 19. März 2018 um 13:14 Uhr
Lieber Christoph Pfluger: Sie erklären oben das Vollgeld-Konzept. Es ist echt spannend + bietet die Möglichkeit, die grossen Schwächen des aktuellen Geldsystems zu überwinden. In diesem Sinn wäre seine Einführung Wert-voll. Nur: Da gibt es einen grossen Hacken.

Die VGI dürfte an der Urne scheitern. Wieso?
- Ihr kennt keinen erprobten Weg 'von A nach B'. Was bedeutet das?
-- Beim Wechsel vom aktuellen Geldsystem zum VG-System treten erhebliche Risiken auf: Eine ganze Branche soll Kredite nach neuen Regeln vergeben. Das wird zu Verzögerungen + verweigerten Krediten führen + damit die Real-Wirtschaft bremsen.
-- Das kann leicht zum temporären Ausbremsen der Real-Wirtschaft insgesamt führen. Und dann?
- Ihr kennt Welt-weit kein Beispiel einer Volkswirtschaft, welche ohne solche Probleme von A nach B umstellte. Würdet Ihr also nachträglich doch noch ein Konzept für einen sicheren Wechsel vorschlagen, würde immer noch 'der Reality-Check' fehlen, ob es real auch funktioniert.

Bekanntlich machte ich Euch bereits vor über 3 Jahren + seither immer mal wieder auf dieses Problem aufmerksam + erhielt einfach keine Antwort bzw. lapidare Antworten.
- Ich finde das schade + rate, das VG-Konzept deswegen nicht aufzugeben, sondern für 'eine bedingte Umsetzung' bereitzuhalten.
- Für mich der richtige Zeitpunkt wäre, wenn eine schwere Krise die Real-Wirtschaft bedroht, wir also sowieso mit ihrem Zusammenbruch rechnen müssten ...
Dr. sc. techn. ETH Konrad Staudacher, am 19. März 2018 um 16:19 Uhr
Vollgeld-Initiative: SNB soll Geldschöpfung auf reales Wachstum beschränken.

An der Vollgeld-Initiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist.
Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.
Alex Schneider, am 19. März 2018 um 17:28 Uhr
Ich spare mir die Briefmarke für diese Abstimmung.Das Resultat steht ja schon fest.So wie Raffeisen Geld Schöpft um Herrn Vincenz Firmen ab zu kaufen.So schöpfte die Nationalbank Geld und wurde damit größter Aktionär von Fakebook.Damit können die jede Abstimmung manipulieren
Andreas Willy Rothenbühler, am 19. März 2018 um 17:43 Uhr
@Paul Steinmann
Aus Kundenguthaben können keine Kredite gewährt werden. Dieser Irrlehre bedient sich aber die Initiative.
Das heutige Geldsystem gibt es schon seit 4000 Jahren. Die Geldmenge entspricht demnach dem Total der nicht abgeschriebenen Bankinvestitionen und nicht getilgten Bankkredite. Darin enthalten sind die nicht abgeschriebenen faulen Kredite und Anlagen. Ihr Zahlenvergleich enthält nur die Privatschulden nicht aber deren Forderungen. Erst wenn das Geld zum Bankschuldner zurückgebucht werden kann und die Investitionen abgeschrieben sind, ist die Geldmenge = 0
Aus der Geldschöpfung selbst können keine Verbindlichkeiten entstehen, weil die Banken wenige Möglichkeiten haben, den Prozess des Geldrückflusses an den Schuldner zu beeinflussen? Es handelt sich bei Kreditvergaben eigentlich um ein Treuhandderivat. Schöpfung und Verwaltung der Zahlen. Darum hätten die Eigengeschäfte gesetzlich verboten werden müssen.
Die einseitige Verteilung der Geldmenge, angefangen bei der Zuordnung des Gegenwertes der Arbeit, ist für die Schere zwischen Arm und Reich verantwortlich, also vor allem die Wirtschaft.
Das Vollgeld dient nur gewissen Interessen. Mit einem Verbot der AG-Form (Renditeparasiten für Geldschöpfung), Eigengeschäften und Kreditvergaben an Investmentfirmen, würde der richtige Weg geebnet .Geldschöpfung und Verwaltung der Zahlen auf die Zentralbank konzentrieren. Alle anderen Personen sind Nichtbanken und Kunden der Zentralbank, dass wäre eine richtige Reform.
Paolo Ermotti, am 20. März 2018 um 22:29 Uhr
Bitte nicht vergessen, dass ein grosser Teil des CH-Geldes das Resultat des Zahlungsbilanzüberschusses ist, also von der Nationalbank in CHF konvertiertes Zentralbankgeld des Auslandes ist. Soll die Konvertibilität erhalten bleiben, wird dies auch in Zukunft weiter so geschehen. Die Kontrolle der SNB über die CH-Geldmenge ist reichlich relativ, Grund warum die SNB schon vor über zwanzig Jahren die der Vollgeldinitiative zugrundeliegende Geldmengentheorie über Bord geworfen hat.
Josef Hunkeler, am 23. März 2018 um 16:38 Uhr
Interessanten Stoff zum Thema findet man in einem Beitrag von Prof. Dr. Mathias Binswanger auf der Homepage der Aargauer Kantonalbank:

https://www.akb.ch/documents/30573/89695/wie-banken-geld-schaffen.pdf/49d9b11c-eeb9-5a15-e5cd-bb7d5558bcd6?version=1.1

Zum Mythos des Steuerzahlers, welcher wohl noch aus der Zeit stammt, wo man den «Zehnten» abliefern musste findet man hier etwas Lesestoff:

https://makroskop.eu/2018/03/steuerfinanzierung-von-staatsausgaben-ein-notwendiger-mythos/
Edgar Huber, am 23. März 2018 um 21:21 Uhr
„Die Banken dürfen nur noch Kundenguthaben für Kreditvergaben und Investitionen verwenden"
Wie ist dieser Anachronismus (Irrlehre) aus der gegebenen Realität erklärbar? Die Geldschöpfung (Kundenguthaben) entsteht jedoch aus Bankkrediten und Bankinvestitionen? Zeugung = Kreditvertrag, Geburt = Schöpfung, Leben = Guthaben. Die Geldschöpfung durch Kreditvergaben erfüllen ein Derivat - Treuhandverhältnis, weil daraus keine Verbindlichkeiten entstehen können, da die Banken wenig Einfluss auf den Rückfluss zum Bankschuldner ausüben können. Das Bankensystem verwaltet Zahlen, nicht mehr und nicht weniger. Der Gewinn gehört dem Staat als Währungshoheit.
Verfassungsänderung:
Die Geldschöpfung und Administration wird gesetzlich der Zentralbank als einzige Bank übertragen. Es versteht sich im Sinne des Geldes von selbst, dass die AG Form (schöpft das Aktienkapital selber und füttert private Renditeparasiten = Diebstahl von Volkseinkommen), die Eigengeschäfte und Kreditgewährung an sog. Investmentfirmen (definieren) verboten sind. Alle anderen Personen sind Nichtbanken und Kunden bei der Zentralbank. Damit erhält die ZB die vollständige Kontrolle.
Die einfältige Eigenmittel und Liquiditätsspiele vieler Ökonomen und Regierenden wären beendet. Die Krisen auf Knopfdruck, wie 2007 sind nicht mehr möglich. Es wäre so einfach, würde man das Geld sichern wollen.
Die Geldschöpfung sorgt nicht für die Verwerfungen (die Schere zwischen Arm und Reich), dafür ist nur die Wirtschaft verantwortlich
Paolo Ermotti, am 23. März 2018 um 21:31 Uhr
Die Richtung der Initiative ist nicht schlecht, aber sie wird scheitern, weil der abrupte Systemwechsel zu viele Unsicherheiten enthält. Ein besserer Weg wäre, die Eigenkapitalquote von 3% schrittweise zu steigern: jährliche Steigerung um 3% oder ähnlich. Dabei wäre eine Eigenkapitalquote von 50% vielleicht schon genug; man könnte das über die Zeit beobachten.
Hajo von Kracht, am 26. März 2018 um 13:15 Uhr

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