Soja, Dicamba, Damage, Hebizid © fieldcropnews.com

Eine Sojapflanze mit typischen Dicamba-Schäden.

Nach der Glyphosat-Resistenz die Dicamba-Wolke

Red. / 08. Sep 2017 - Das Rennen zwischen Agrochemie-Multis und herbizidresistenten Pflanzen geht weiter – auf Kosten der Bauern.

Besonders schlimm ist es im mittleren Westen der USA und in Arkansas: Eine Kombination aus einem älteren Herbizid und neuem gentechnisch verändertem Saatgut droht auf US-Äckern alles zu vernichten, was nicht dagegen resistent gemacht wurde.

Pflanzen mit verkümmerten Blättern, deren Ränder nach oben eingerollt sind, beschreibt die «Washington Post» in einer Reportage, sind das sichtbarste Zeichen der Krise. Diese «Regenschirmblätter» zeigen an, dass das Herbizid Dicamba Wirkung entfaltet. Allerdings nicht dort, wo es sollte. Dicamba, bekannt für seine Flüchtigkeit, driftet über das Land und schädigt Bäume, Wild- und Nutzpflanzen, die nicht dagegen resistent sind.

Eine «Wunderwaffe» zu der es kaum Alternativen gibt

Mehr als 1,3 Millionen Hektar nicht resistente Sojapflanzungen in mindestens 16 US-Staaten seien bereits beschädigt, schätzt der Forscher Kevin Bradley, der an der Universität von Missouri arbeitet. Das neuste Kapitel im Wettrüsten zwischen Agrochemie und Natur ist geschrieben – zu Lasten der Bauern, denen kaum eine andere Wahl bleibt, als die immer neuen Unkrautvernichtungskombinationen zu verwenden, wenn sie im Geschäft bleiben wollen.

Seit immer mehr Pflanzen unempfindlich gegen das meistgenutzte Herbizid Glyphosat sind, wissen viele Bauern in den USA nicht mehr, wie sie mit den Unkräutern auf ihren Äckern fertigwerden sollen. (Infosperber berichtete: «Glyphosat-Resistenzen nehmen stark zu.»)

Das «Dicamba-System» versprach einen Ausweg. Die neueste Kombination aus einem älteren Herbizid und einer dagegen resistenten Sojabohne wurde in diesem Frühjahr genehmigt. Etwa 8 Millionen Hektar sind laut Monsanto bereits mit der resistenten Sojasorte bepflanzt. Die als «Wunderwaffe» angekündigte GMO-Herbizid-Kombination sorgt nun für wütende Farmer, ausgefallene Ernten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren.

Zulassung «unter enormem Druck»

Von der «Washington Post» nicht näher bezeichnete Kritiker sagen, bei der Zulassung durch die US-Behörden hätten wichtige Daten gefehlt, vor allem solche, die die Gefahr des Driftens betreffen. Der Zulassungsprozess habe unter enormem Druck von Lobbygruppen gestanden.

Einige Dicamba-resistente Pflanzen sind seit 2015 zugelassen. Bereits 2004 war bekannt, dass Dicamba für weiter entfernte Pflanzen 75- bis 400-mal schädlicher ist als Glyphosat. Die neueste Zusammensetzung des Gifts sollte die Gefahr des Driftens verringern. Die Hersteller BASF und Monsanto beteuern, alle Regeln eingehalten zu haben.

Nach den US-Gesetzen muss der Hersteller bei der Zulassung nachweisen, dass sein Produkt sicher ist. Unter den umfangreichen Unterlagen, die Monsanto und BASF eingereicht haben, hätten sich aber nur sehr wenige befunden, die sich mit der Flüchtigkeit von Dicamba befassten, schreibt die «Washington Post».

Feldstudien der Universitäten Missouri, Tennessee und Arkansas haben gezeigt, dass die neue Dicamba-Zusammensetzung bis zu 72 Stunden nach der Anwendung flüchtig bleibt und sich über andere Felder verbreiten kann.

Ein Weg, der nirgendwo hinführt

Man habe das neue Dicamba-System «nach Jahren der Forschung, Versuchen auf Farmen und Überprüfung von Universitäten wie Regulierungsbehörden» präsentiert, beteuert eine Sprecherin der BASF. Monsanto vermutet, bei den giftigen Dicamba-Wolken handle es sich um ältere Produkte oder falsche Anwendung durch die Bauern.

Die ersten gegen Dicamba resistenten Pflanzen wurden inzwischen bereits ausgemacht. Ein Weg, der «nirgendwo hinführt», sagt Toxikologe Nathan Donley vom «Center for Biogical Diversity», einer Non-Profit-Organisation, die sich für Umweltbelange einsetzt. «Als nächstes kommt die Resistenz auf eine dritte Chemikalie, dann die vierte … man muss nicht besonders intelligent sein, um zu sehen, wo das endet».

Dicamba

Dicamba (3,6-Dichlor-2-methoxybenzoesäure) ist ein älteres Herbizid, das von der US-Umwelt-Behörde EPA 1967 für die Behandlung der meisten Getreidesorten und von Sojapflanzen zugelassen wurde. Dicamba ist für Säugetiere schwach giftig, leicht flüchtig und bekannt für seine grosse Mobilität. Im Wasser wird Dicamba kaum abgebaut, im Boden in ein bis vier Wochen. Die ersten Dicamba-resistenten Nutzpflanzen wurden 2015 zugelassen. Die US-amerikanische Non-Profit-Organisation «Center for Food Safety» bringt Dicamba mit einer erhöhten Krebs-Erkrankungs-Rate und mit Geburtsschäden in Verbindung.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts der «Washington Post» und anderer Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«This miracle weed killer was supposed to save farms. Instead, it’s devastating them», Washington Post»
«Glyphosat-Resistenzen nehmen stark zu», Infosperber im Juli 2017
«USA verbieten Herbizid gegen Glyphosat-Resistenzen», Infosperber im Dezember 2015
DOSSIER: Der Unkraut-Killer Glyphosat
DOSSIER: Gifte und Schadstoffe in der Umwelt

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2 Meinungen

besten dank für diesen beitrag.
andreas reusser, am 09. September 2017 um 10:54 Uhr
Ich würde ein komplettes RESET für die Natur vorschlagen. Mit den Giften kann es doch so nicht mehr weitergehen. Sind Gifte legal?
Regula Cuche, am 13. September 2017 um 11:57 Uhr

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