Internet frisst Wettbewerb

Christian Müller © aw
Christian Müller / 22. Jun 2017 - Prof. Mathias Binswanger warnt vor Illusionen. Transparenz ist für Konzerne nicht attraktiv, im Gegenteil.

«Ein wirklich perfekt funktionierender Markt, auf dem viele Anbieter das gleiche Gut in vollständiger Konkurrenz zueinander anbieten, war für Unternehmen schon immer unattraktiv. Es ist geradezu ein Kennzeichen der wirtschaftlichen Entwicklung, dass solche Märkte nach und nach verschwinden.» Das schreibt Mathias Binswanger, der Schweizer Ökonom, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Dozent an der Universität St. Gallen, auf ZEIT online. Echter Wettbewerb funktioniere fast nur noch in den Entwicklungsländern, wo lokale Bananenhändler für ihre Bananen nicht mehr verlangen können, als ihre Konkurrenten – ihre Mitbewerber, wie das heute im Business so euphemistisch-friedlich heisst.

Die Entwicklung zu einer digitalen Wirtschaft, schreibt Binswanger, habe bewirkt, dass die Chancen zur Errichtung einer globalen Marktdominanz immer besser werden, was Gewinne in vorher nie da gewesenem Ausmass ermögliche. Dies zeige eine eben erschienene Arbeit von Professoren der Universitäten Harvard und Zürich und des MIT unter dem Titel The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms. Die Untersuchung beschäftige sich mit sogenannten Superstar-Unternehmen wie Facebook oder Google, die dank marktbeherrschender Stellung auf globalisierten Märkten enorm erfolgreich sind. So besitze etwa Google bei Suchmaschinen weltweit einen Marktanteil von um die 90 Prozent. «2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Reingewinn von fast 20 Milliarden Dollar, was einem Gewinn pro Mitarbeiter von 335 000 Dollar entspricht», so Binswanger.

Und warum das so ist? «Aufgrund der Daten über Kunden und ihr Verhalten lassen sich Produkte und Preise für den einzelnen Nutzer massschneidern, was Preis- und Produktvergleiche zwischen Konzernen erschwert. In der digitalen Wirtschaft wird das Lehrbuchmodell des perfekten Marktes mit vollständiger Konkurrenz endgültig zur Fiktion.»

(Die von Mathias Binswanger erwähnte Studie umfasst 74 Seiten, ist in englischer Sprache erschienen und kann unten downgeloadet werden.)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.