EZB-Draghi druckt Europa in den Bankrott

Matthias Weik und Marc Friedrich © mw
Matthias Weik und Marc Friedrich / 22. Jan 2015 - Ein grosser Tag für die Börsen und alle Aktienbesitzer und ein schlechter Tag für viele Sparer und vor allem für die Demokratie.

Das Spiel kennt offensichtlich keine Grenzen: EZB-Präsident Mario Draghi begeht einen weiteren Tabubruch, indem er den Kauf von Staatsanleihen freigegeben hat. Mit Hilfe von Anleihekäufen - auch als quantitative easing (Quantitative Lockerung) oder «QE» bezeichnet – bringt die EZB noch mehr frisches Zentralbankgeld in Umlauf mit dem Ziel die langfristigen Zinsen im Euroraum drücken, die Wirtschaft anzukurbeln und die geplante Inflation zu erreichen.

1140 Milliarden Euro – diese unvorstellbare Menge an Geld pumpt die EZB nun ins System und kauft damit Anleihen auf, um sich, den Banken und den Krisenländern temporär Luft zu verschaffen. Probleme werden damit nicht gelöst. Dies zeigt überdeutlich wie verzweifelt und prekär die Situation ist. Vor allem hilft «Super Mario» damit den Banken, den Staaten in Südeuropa, die sich weiterhin billiges Geld besorgen können, obwohl sie überschuldet und ohne neues billiges Geld zahlungsunfähig würden.

Von diesem waghalsigen Notenbankexperiment erwartet die EZB, dass Banken mehr Kredite vergeben, Anleger mehr investieren und somit die Wirtschaft in Gang bringt.

Doch das diabolische Gelddrucken enteignet uns Sparer, führt die Altersvorsorge ad absurdum, verhindert dringend erforderliche Reformen im Euroraum und fördert Preisblasen an den Aktienmärkten und den hiesigen Immobilienmärkten.

Wir sagen ganz klar: Dieses Notenbankexperiment der EZB wird nicht funktionieren und in einem Fiasko enden. Niemals zuvor wurden Probleme mit Gelddrucken gelöst. Schon in Japan, England und in den USA haben diese Notenbankinterventionen keine bis sehr mickrige Auswirkungen erzielt. In den USA sogar mit dem völlig absurden Nebeneffekt, dass die US-Notenbank FED nun der grösste Gläubiger der USA ist.

Der freie Markt wird abgeschafft und die Notenbanken betreiben Planwirtschaft. Planwirtschaft hat meistens im Desaster geendet. So wird es auch dieses Mal sein.

Jahrelang konnte Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, den planwirtschaftlichen Irrsinn verhindern. Bereits 2012 lehnte er erfolgreich das geplante OMT-Programm zum Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Staaten ab. Er stimmte mehrmals gegen die Senkung des Leitzinses. Doch seine Stimme verliert immer mehr an Gewicht. Wie kann es sein, dass Deutschlands Stimme genauso viel oder wenig wert ist wie die aller anderen Ländern, die Deutschen aber, wenn das Projekt schief geht, mit wesentlich mehr haften als alle anderen. Die Diktatur des Geldes schreitet immer weiter voran.

Finanzminister Schäuble jubelt, denn die schwarze Null ist nun möglich, jedoch nicht auf Basis soliden Wirtschaftens, sondern auf Grund der historisch niedrigen Zinsen. Deutschland kann sich an den internationalen Finanzmärkten immer günstiger mit Krediten versorgen. Mittlerweile kann Deutschland fünfjährige Anleihen zu einem Zinssatz von null Prozent platzieren – so billig war Geld noch nie.

In Zukunft werden wir noch Geld dafür bezahlen müssen, dass wir dem Staat Geld leihen. Spätestens jetzt sollten die Lebensversicherer, welche gesetzlich verpflichtet sind, zu einem Grossteil in mündelsichere Papiere zu investieren, ihr Geschäftsmodel überdenken. Aber auch ein jeder selbst sollte sich genauestens überlegen, ob das was momentan in der Finanzwelt vor sich geht, überhaupt noch Sinn macht.

Haben wir bereits vergessen, dass der Auslöser des letzten Crashs die viel zu niedrigen Zinsen und somit das viel zu viele billige Geld der Notenbanken war? Wieder sind die Notenbanken Brandstifter, um sich dann als Feuerwehr aufzuspielen und die selbst entfachten Brände mit Billionen an Euro zu löschen, für die jeder Europäer seit September 2012 haftet. Denn damals hat die EZB den Gläubigerstatus aufgegeben. Seitdem haftet die EZB nicht mehr mit ihrem überschaubaren Eigenkapital von rund acht Milliarden Euro, sondern jetzt haften die Bürgerinnen und Bürger dafür.

Für uns ist diese Entscheidung eine weitere fatale Entwicklung beim bizarren Milliardenspiel ohne Grenzen. Erneut wurde eine neue Eskalationsstufe der Krisenpolitik erreicht und ein weiteres verdecktes Bankenrettungspaket verabschiedet sowie durch die Hintertür die eigentlich verbotene monetäre Staatsfinanzierung durchgeboxt.

Das billige Geld der Notenbanken ist wie eine harte, schwer abhängig machende Droge. Offensichtlich können wir nicht mehr ohne sie leben – mit allen Konsequenzen und verheerenden Kollateralschäden. Wir sind bereits schwer abhängig und somit ist der Crash vorprogrammiert. Der Patient ist de facto tot und wird nur noch künstlich am Leben erhalten mit wahnwitzigen Methoden. Beim Spiel ohne Grenzen wird keiner gewinnen.

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Diesen Kommentar hat Marc Friedrich zusammen mit Matthias Weik verfasst.

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Siehe:

«Griechenland: Ein weiterer Schuldenschnitt ist überfällig». Interview mit Prof. Marc Chesney vom 14.1.2015

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die beiden Finanzexperten und Querdenker Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller «Der grösste Raubzug der Geschichte» (16.90 CHF). 2014 gaben sie ihr zweites Buch «Der Crash ist die Lösung» (18.00 CHF) heraus. Es steht seit 7 Monaten auf allen Bestsellerlisten. Die beiden haben darin die Leitzinssenkung der EZB, die Minuszinsen für die Banken, das Senken des Garantiezinses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Sie prognostizieren einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone sowie einen heftigen Börsencrash.

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10 Meinungen

Ich stimme dieser Interpretation vollständig zu. Offenbar brauchen die europäischen Regierung Inflationsfinanzierung um politisch überleben zu können. Quartalsbilanzdenken scheint auch in diesem Bereich die Kontrolle über die Entscheidträger gewonnen zu habe. Diese Politik ist definitiv nicht «enkeltauglich» selbst wenn die EZB ihre Politik nicht wie die SNB auf einmal, sondern in Tranchen über Zeit realisieren will.
Josef Hunkeler, am 22. Januar 2015 um 23:09 Uhr
1140 Milliarden unverdientes oder vernichtetes Geld. Ja, das sind wirklich Null-Runden. Und sie drehen und drehen und drehen…und alle sind darin gefangen. Und die meisten wenn nicht alle fühlen sich als Opfer. Und wir müssen jetzt daran was ändern. Der Crash ist angeblich die Lösung, doch die Enkel sind damit schon dabei. Es beginnt eben alles im Kleinen, endet in einem Crash. Um dann wenn überhaupt - auf wahrscheinlich identische Weise - wieder im Kleinen und fast unbemerkt von vorne zu beginnen.
Die Sache hat etwas im eigenen Haushalt zu tun. Wenn wir über unsere Verhältnisse leben, dann brauchen wir entweder einen Kredit, oder der Staat interveniert mit echten noch offenen Massnahmen, oder eben schon viel zu lange mit künstlichen Methoden den Preiszerfall auf dem eigenen Ladentisch zu forcieren.
Hansjörg Bracher, am 23. Januar 2015 um 06:57 Uhr
Matthias Weik sieht die Sache richtig.

"Von diesem waghalsigen Notenbankexperiment erwartet die EZB, dass Banken mehr Kredite vergeben, Anleger mehr investieren und somit die Wirtschaft in Gang bringt."

Diese falschen, in jüngster Finanzgeschichte widerlegten Argumente zeigen nur, für wie dumm die Bevölkerungen gehalten werden. Sie sind nichts als üble Beleidigungen.

Schon das QE der USA zeigte, Geldfluten dient nur den Obercliquen der Regierungen und deren hinterhältigen Abzockern wie Soros und Banken wie Goldman Sachs. Die Bevölkerungen und Staaten werden dabei ausgeplündert und die Staatsschulden weiter in die Höhe getrieben.

Die «draghische» Finanzpolitik des EZB-Obersten ist fantasielos und zeigt nur, wo Europa wirklich steht - es ist nämlich pleite und komplett abhängig von den Grossmächten - inkl. Deutschland und Schweiz.

In dieser europäischen Verzweiflung hat China leichtes Spiel. Es kauft munter in Europa ein, und möglicherweise müssen die Europäer eines Tages dafür dankbar sein.


Nach Schweizer Notenbankentscheidung platzt die Bombe der toxischen Kredite
https://www.bueso.de/node/7866

Maos Rache – China kauft Frankreich auf
http://www.rtdeutsch.com/7848/wirtschaft/maos-rache-china-kauft-frankreich-auf/

Chinas Engagement in Griechenland
Frisches Geld aus Fernost
http://www.taz.de/!140907/
Elisabeth Krail, am 23. Januar 2015 um 10:02 Uhr
Was für eine erbärmliche Rolle hat hier Europa übernommen? Die Regierungen arbeiten gegen ihre Bevölkerungen, gegen ihre Jugend - der ein Schulden-Desaster übergeben wird, gegen die hart arbeitenden Bevölkerungen, gegen die Sparer - die jeden übrigen Cent für Krisenzeiten zurücklegen, gegen die gut funktionierenden Sozialwerke, gegen den sozialen Frieden. Schande!!! Einfach nur Schande!!! Da muss keiner mehr in die Kirche oder Moschee oder Synagoge gehen, das nützt sowieso nichts. Kaum sind die «Frommen» wieder auf der Strasse, schon geht der Krieg mit allen Gemeinheiten weiter.
Elisabeth Krail, am 23. Januar 2015 um 10:11 Uhr
Da ich eine «arme Schluckerin» mit Grundsicherung bin, kann mir das «eigentlich» egal sein...Aber als politisch denkender Mensch ist es die eben nicht.
Vor einiger Zeit sah ich in 3sat eine Doku über Goldman Sachs. Wenn ich mich nicht irre, ist Draghi ein Mann aus diesem anrüchigen Stall. Denn wie so schön in der Doku gesagt wurde: wer einmal bei Goldman Sachs war, bleibt immer da, egal, in welcher Form...
Für mich als Laien steht fest, dass die USA die EU kaputt spielen wollen, sei es mit diesen Mitteln oder mit militärischen Mittel wie in der Ukraine.
Elisabeth Tymoshenko, am 23. Januar 2015 um 10:23 Uhr
Um auf die CH-Seite des ganzen aktuellen «Money-Game» zurückzukommen: würde mich doch sehr interessieren, was Herr Zurbrügg unter «Kosten» für die SNB zur Erhaltung der Wechselkursstabilität versteht.

"Gelddruckerei» ist für eine mit dem Geldausgabemonopol begnadeten Zentralbank grundsätzlich gratis. Es ist auch aus geldpolitischen Überlegungen weitgehend irrelevant, wenn der Rest der Welt seine Währungen durch CHF ersetzen will. Der Dollar-Standard war für die US eher ein Vorteil, da sie schliesslich auch ungedeckte Dollars in Umlauf setzte, um den «Seignorage» Profit vom Rest der Welt abzuzocken. Das bräuchte die CH nicht zu unbedingt nachzumachen.

Ein CHF-Standard auf der Basis von Fremdwährungsdepots bei der SNB hätte in einem Fix-Wechselkurs-System weniger realwirtschaftlich negative Konsequenzen für die Schweiz als das «Korkenspiel» (CHF floating in the international liquidity) haben wird. Natürlich wäre es für Spekulanten weniger interessant und die Rubelflüchtlinge hätten auch auf ihren 20% Wechselkursbonus verzichten können.

Natürlich wären auch Firmenaufkäufe in Europa und Delokalisierung unserer Industrie ins Ausland etwas teurer geworden. Die Blochers, Schmidheini und so müssten ohne BNS-Bonus leben.

Europa hat jetzt mit seiner offenen «Begger-thy-neighbor» Politik gezeigt, worum es geht > Arbeitslosigkeit soll exportiert werden. Soll die Schweiz all die Arbeitslosen aus der ganzen Welt aufnehmen. Wo bleibt denn die Masseneinwanderungsinitiative ?
Josef Hunkeler, am 23. Januar 2015 um 11:21 Uhr
Das Bankgeheimnis ist ja nun auch weg. Mit dem Volkswillen geht es unter fast sauberen Staatsgebilden nur noch um bilaterales „Dealing“. Was bleibt ist leider das „Begger-the-ownmarket to bring more people in“. Das WEF ist vorbei, KEINER blicke mehr durch, die Bürgerlichen schnüren scheins bereits ihr eigenes „QE“. «Same procedure as every year, Johann.»
Hansjörg Bracher, am 25. Januar 2015 um 08:11 Uhr
Im Artikel von Matthias Weik heisst es im ersten Absatz, dass die EZB mit ihrer «Geldflutungsmassnahme» u.a. das Ziel habe, die «geplante Inflation» zu erreichen. In meinem Verständnis ist Inflation allerdings nicht positiv belegt: Preise, Mieten, Gebühren steigen, die Reallöhne sinken. Den NormalbürgerInnen geht's also eher schlechter, - ausser denjenigen, die Schulden haben.
Was soll also eine geplante Inflation? Gibt es dafür eine plausible Erklärung? Kann mir das jemand erklären?
Hartwig Roth, am 25. Januar 2015 um 20:16 Uhr
Die Interpretation, dass die EZB eine Inflationsrate von etwa 2% als wünschbares Ziel ansieht, wurde auch in diversen Diskussionen am WEF bestätigt.

Dieses Ziel steht natürlich im krassen Gegensatz zu jeder geldpolitischen Orthodoxie.

Allerdings hatte schon Friedmann eine Inflationsrate von etwa 1.5% als wünschenswert betrachtet, weil, dank der «monetären Illusion» die Marktteilnehmer, lies das gemeine Volk, echte Lohneinbussen leichter akzeptieren würden, wenn der nominale Wert der Löhne noch etwas ansteigt.

Leider ist dieser Unsinn mittlerweile auch in Europa angekommen und «Deflation» wird als das grosse Problem verschrien.

Als 1959 De Gaulle beim FFR zwei Nullen abschnitt, gab es in der Tat auch Leute, welche glaubten sich als Ökonomen ausgeben zu müssen, welche vor dieser massiven «Deflation» warnten.

Was wir gegenwärtig haben schaut aber eher aus wie die «Liquidity trap» von Keynes, als er die Theorie vom «Multiplier» erfand. Diese Theorie war damals schon falsch und ist in der Zwischenzeit nicht realistischer geworden. Alles was Geldpumpen erreichen können ist die Steigerung nominaler Werte und somit die Enteignung des realen Wertes nomineller Ersparnisse und Einkommen wie Sparkonten, Obligationen und Renten. Das scheint auch das eigentliche Ziel der aktuellen Geldpolitik der USA und Europas zu sein.

Das Beispiel Japans hat gezeigt, dass das ausser Spesen nichts bringt. Soziale Transfers (Abzocke) sind aber real.
Josef Hunkeler, am 26. Januar 2015 um 00:01 Uhr
muss als verantwortlicher möglichst alles Relevante im Auge behalten (können und wollen), um dass es der Gemeinschaft laufend bis ans Ende der Enkel noch gut gehen könnte. So kann es nicht sein, dass man als verantwortlicher den lokalen Handel desavouiert, währenddem man für alles Andere und vor allem Marktmacht „Päckli“ aller Arten (im Kämmerlein) schnürt.
Währenddem bis auf weiteres in der Gesamtüberlegung dazu so ein wichtiges wie den lokalen Vertrieb zu Güter – egal wo hergestellt - ignoriert oder nur noch als Beitragszahler gut genug ist.
Denn Einkommen und Reduzierung von allem negativen auf die Menschen kann nicht nur von Export, Exportindustrie oder Tourismus abhängen, wenn auf der anderen Seite der Grenze der Handel ebenfalls missbraucht wird.
So ist es juristisch zumindest unangebracht und Ökonomisch absolut verquer, den jeweils lokalen Vertrieb inklusive Personal einem Scheinwettbewerb und künstlichen Wertezerfall zu unterwerfen und nur andere Posten aufzuzählen.
Das ist schon der schwer wiegende Selbstbetrug am und zu Zeiten der Erfindung des „Multiplier“.
Hansjörg Bracher, am 26. Januar 2015 um 09:18 Uhr

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