Die Krypto-Währungen und der Spekulationswahn

Ernst Wolff © cc
Ernst Wolff / 01. Dez 2017 - Massenweise werden E-Mails verschickt, um noch die Letzten zum Kaufen von Bitcoins zu verleiten. Eine Spekulationsblase.

Die Rekordpreise für Aktien, Obligationen und Immobilien führten dazu, dass immer neues Geld geliehen und eingesetzt wird, um am vermeintlichen Goldrausch teilzuhaben. Gleichzeitig wird fieberhaft nach neuen Möglichkeiten gesucht, um vor dem Ende des Rausches noch weitere Gewinnmöglichkeiten zu schaffen.

Besonders erfolgreich sind dabei Geschäftsmodelle, die Investoren dazu bringen, die Kurse durch gegenseitiges Überbieten auf immer neue Rekordstände zu treiben. Ein extremes Beispiel hierfür bieten die Krypto-Währungen, allen voran Bitcoin.

Eine der fast täglichen Massen-E-Mails, diesmal aus der Ukraine

Der Run auf die Krypto-Währungen

Bis vor einiger Zeit lehnten die Banken die Krypto-Währungen noch rundheraus ab. Sie fürchteten, die zugrunde liegende Blockchain-Technologie (die direkte Übermittlung eines geldwerten Datensatzes vom Absender zum Empfänger ohne den Weg über die Banken) könnte das Bankwesen überflüssig machen. Inzwischen aber haben die Banken ihre Strategie geändert und versuchen, am Bitcoin-Rausch mitzuverdienen. Selbst die Chicagoer Börse wird in das Geschäft einsteigen und zum Jahresende Bitcoin-basierte Derivate anbieten.

Das zeigt aber nur, dass der Spekulationswahn inzwischen keine Grenzen mehr kennt. Bei Bitcoin und anderen Krypto-Währungen handelt es sich nämlich nicht um Währungen (also Gewährleistungen für einen Wert), sondern um künstlich erschaffene Spekulationsobjekte, die an keinen realen Wert (also einen mit Hilfe von menschlicher Arbeit erzeugten Gebrauchsgegenstand wie zum Beispiel eine Edelmetall-Münze) gebunden sind.

Ein Blick in die Geschichte

Es lohnt sich, zum Verständnis der Zusammenhänge auf die historische Entstehung von Währungen zurückzublicken: In grauer Vorzeit wurden auf Märkten ausschliesslich Waren gegen Waren getauscht. Da das mit der Zeit zu aufwändig wurde, wurden Edelmetalle in Form von Münzen als Tauschmittel eingesetzt. Später wurde das Papiergeld eingeführt.

Sowohl Münzen, als auch Geldnoten hatten eines gemein: Sie repräsentierten reale Werte. Allerdings ermöglichte die Einführung des Papiergeldes die Erzeugung von mehr Geld als in Wirklichkeit durch Waren gedeckt war – die Geburtsstunde der Inflation. Sie führt dazu, dass sich die Kaufkraft der einzelnen Münze oder des einzelnen Geldscheines verringert, wenn ungedecktes neues Geld in Umlauf gebracht wird.

Seit der Einführung des elektronischen Zahlungsverkehrs sind der Geldschöpfung endgültig keine Grenzen mehr gesetzt. So sind seit der Krise von 2008 von den Zentralbanken weltweit zwischen 14 und 16 Billionen US-Dollar an ungedecktem neuen Geld geschaffen worden und zu einem grossen Teil direkt ins Finanzcasino geflossen.

Das Finanzcasino schafft keine Werte

Hier aber liegt der Hund begraben: Im Finanzsektor werden keine Werte geschaffen. Hier wechselt nur Geld den Besitzer. Da das ganze System aber kreditgetrieben ist, wird zur Bedienung von Zinsen und zum Abtrag von Schulden ständig neues Geld benötigt. Wegen der seit Jahren real weitgehend stagnierenden Weltwirtschaft und der daher sehr geringen Wertschöpfung springen seit 2008 die Zentralbanken ein und schaffen neues Geld – mit kaum einem materiellen Gegenwert.

Dieser künstlich angeheizte Kreislauf führt zwangsläufig zu einer Entwertung des Geldes und schlussendlich in die Hyperinflation. Bisher zeigt sich diese – wegen der (vor allem durch die Austeritätspolitik bedingten) geringen Kaufkraft der Bevölkerungen – allerdings kaum im Alltag, dafür aber umso mehr an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten, an denen die Kurse boomen.

Dass Bitcoin und die andere Krypto-Währungen gerade jetzt einen solch gigantischen Aufschwung erleben, liegt vor allem daran, dass sie die letzte und höchste Form der Finanzspekulation darstellen: Hatten Derivate («abgeleitete» Finanzprodukte) zumindest noch einen indirekten Bezug zu realen Werten, so handelt es sich bei Krypto-Währungen um absolut synthetische Erzeugnisse, die nichts, aber auch gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun haben.

Krypto-Währungen sind also nichts anderes als die Konsequenz der Explosion des Finanzsektors. Je nachdem, wie lange das gegenwärtige auf totaler Manipulation durch die Zentralbanken basierende Finanzsystem noch existiert, kann ihr Kurs noch weiter in die Höhe schnellen und immer neue Rekorde aufstellen. Das zeigt aber nicht, wie wertvoll die Krypto-Währungen sind, sondern beweist, wie wenig unser Geld in Wirklichkeit noch wert ist.

Spätestens wenn das zurzeit noch mit Mühe von den Zentralbanken aufrecht erhaltene Kartenhaus des globalen Finanzsystems in sich zusammenfällt, werden Bitcoin und Co. sowie der Rest der künstlichen Finanzprodukte auf ihren tatsächlichen Wert reduziert. Und dieser liegt – wegen der nicht vorhandenen Deckung durch einen realen Wert – bei Null.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Ernst Wolff ist freier Journalist.

Er publizierte soeben das Buch «Finanz Tsunami – Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht», edition e. wolff, 27.90 CHF.
Früher hatte er «Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs» im Tectum-herausgegeben, 26.90 CHF.

Weiterführende Informationen

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4 Meinungen

Herr Wolff schenkt uns reinen Wein ein. Die Welt steht am Schuldenabgrund. Ich teile seine Einschätzung, auch zu Bitcoin aktuell.
Das aktuelle Geldsystem ist die moderne Form der Sklaverei. Wer Geld selber herstellen und mit Zins verleihen kann, der hat alle Macht zu herrschen.
Es gilt der Grundsatz: «Leihe und herrsche!»
Wir Bürger müssen ein Leben lang arbeiten, um nur die Zinsen der eingegangenen Schulden zu erarbeiten. Den Banken genügt ein Mausklick. Dieses entscheidende Privileg haben sich die Privat-Banken ohne demokratische Legitimation genommen und sie konnten es lange geheim halten.

Im Vollgeld-System müssten wir nicht auch noch die Banken in Schieflage retten. Es schafft Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Geldschöpfungs-Gewinne fliessen in die Demokratie. Wir Schweizer haben einen gesunden Instinkt gegen gefährliche Machtkonzentrationen und werden das Privileg der Geldschöpfung wieder der SNB geben. Es ist für uns Bürger absolut elementar, dass die SNB, unter Wahrung grösstmöglicher Unabhängigkeit, bestmöglich in unsere direkte Demokratie eingebunden wird. Ein Staat, der die Geldschöpfung aus der Hand gibt, wird erpressbar und hat letztlich kein Geld mehr.
Achtung: Es geht zunehmend nicht «nur» um Geld, sondern auch immer mehr um den FRIEDEN. Krieg gehört in dieser Phase zu unserem Geldsystem wie Regen zur Wolke, leider.
Ich fordere deshalb alle vernünftigen Bürgerinnen & Bürger auf, sich sichtbar für den Frieden einzusetzen.
Ohne Frieden ist Alles Nichts!
Paul Steinmann, am 01. Dezember 2017 um 11:49 Uhr
Paul Steinmann - sehr schön gesagt.
Es war bereits vor über 20 Jahren für mich ein Stammspruch zu sagen, dass irgendwann einmal etwas hochgehen muss, wenn nur noch mit Geld Geld verdient wird und nicht mehr mit der Herstellung einer Ware oder der Erbringung einer Dienstleistung.
Marianne Mäder, am 01. Dezember 2017 um 12:22 Uhr
Der Bitcoin-Hype ist nichts anderes als Monopoly-Zockerei in höchster Potenz !
«Der Spekulant hat in seinem Leben niemals auch nur ein einziges Stück Brot geschaffen» pflegte mein Vater selig zu sagen. Wie recht er doch hatte !

Und noch eine weitere Lebensweisheit – «Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht» – könnte schon in naher Zukunft unversehens an Aktualität gewinnen ...
René Edward Knupfer-Müller, am 01. Dezember 2017 um 14:18 Uhr
Sehr guter Artikel. Ich bin ganz dieser Meinung
Pedro Brunhart, am 01. Dezember 2017 um 22:43 Uhr

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