Die hohe Bleibelastung könnte das Überleben der Bartgeier gefährden. © Richard Bartz/Wikimedia Commons
14 von 46 untersuchten Steinadlern hatten sehr viel Blei in den Knochen. © rocky/flickr/cc

Greifvögel: Alarmierend viel Jäger-Blei in den Knochen

Kurt Marti / 30. Aug 2019 - Nirgends ist die Bleibelastung der Steinadler und Bartgeier höher als in den Schweizer Alpen, wie eine Studie zeigt.

Blei ist schädlich für Mensch und Tier. Deshalb ist verbleites Benzin in der Schweiz seit dem 1. Januar 2000 verboten. Anders bei der Jagdmunition: Sie enthält nach wie vor Blei, obwohl die Schädlichkeit längst erwiesen ist, insbesondere für die aasfressenden Greifvögel Steinadler und Bartgeier.

Das Blei nehmen die Steinadler und Bartgeier auf, wenn sie von den geschossenen Tieren die Eingeweide fressen, die von den Jägern zurückgelassen werden, oder die Kadaver von angeschossenen Tieren, die nicht gefunden wurden und verendet sind.

Bleigehalt der Greifvögel ist höher als im Ausland

Neueste Erkenntnisse zur Bleivergiftung von Steinadlern und Bartgeiern in den Schweizer Alpen liefert eine Studie der Universität Zürich, der Vogelwarte Sempach und des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden: Von 46 untersuchten Adlern wiesen 14 einen sehr hohen und 16 einen hohen Bleigehalt in den Knochen auf. Von den fünf untersuchten Bartgeiern hatten zwei sehr hohe Bleiwerte.

14 von 46 untersuchten Steinadlern hatten sehr viel Blei in den Knochen. Quelle: rocky/flickr/cc

Im internationalen Vergleich stellt die Studie fest, dass die Bleibelastungen der Steinalder und Bartgeier im gesamten Schweizer Alpenraum «ungewöhnlich hohe Werte» erreichen und höher waren als in anderen europäischen Ländern (z. B. Spanien/Pyrenäen) und in Nordamerika. Dies sei «besonders alarmierend für den Bartgeier», der noch eine «kleine und verletzliche, wenn auch wachsende Population in der Alpenregion» aufweise. Der Erfolg der Wiederansiedlung des Bartgeiers werde durch die Bleivergiftungen ernsthaft beeinflusst.

Umstellung auf bleifreie Munition gefordert

Auf Grund dieser alarmierenden Resultate ist es für die Studien-AutorInnen «beunruhigend», dass ein Stoff wie Blei, der schon in geringsten Mengen schädlich für alle Körpersysteme sei, «in der Tierwelt mit einer so hohen Konzentration und so weitverbreitet vorhanden ist». Und die AutorInnen mahnen: «Wir sollten uns bewusst sein, dass eine Kugel – ungewollt – mehr als einmal töten kann.»

In der Studie werden zwei Massnahmen vorgeschlagen, um das Risiko einer Bleibelastung zu reduzieren: Erstens sollten die Jäger die Eingeweide der geschossenen Tiere nicht offen liegen lassen, sondern in der Erde vergraben. Zweitens sollte auf bleifreie Munition umgestellt werden, um die Greifvögel vor dem schädlichen beziehungsweise tödlichen Blei zu schützen.

In einigen Regionen der Schweiz haben laut Studie die Wildhüter schon auf bleifreie Munition umgestellt und in vier Bundesländern Deutschlands und in einigen anderen Regionen Europas sei bleihaltige Munition bereits verboten.

Bündner Jäger evaluieren bleifreie Munition

Laut den Jagdbetriebsvorschriften des Bündner Amtes für Jagd und Fischerei soll für die am nächsten Montag beginnende Bündner Jagd «die Verwendung bleifreier Munition evaluiert werden». Weil die Bleirückstände in der Umwelt «nachweislich zu Vergiftungen insbesondere bei Greifvögeln führen können», werde «die Möglichkeit einer Umstellung auf bleifreie Munition geprüft».

Das ist auch höchste Zeit, denn schon die Bündner Volksinitiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd», die im August 2014 eingereicht wurde, hat eine bleifreie Jagdmunition verlangt.

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