Viele Länder besteuern Klimagase. Aber bringt das auch etwas? © CC
Treibhausgasemissionen Schweden 1990 bis 2018 sowie die Entwicklung des BIP, jeweils pro Kopf © Our World in Data
Treibhausgasemissionen Schweiz 1990 bis 2018 sowie die Entwicklung des BIP, jeweils pro Kopf © Our World in Data

So effizient ist eine CO2-Steuer

Daniela Gschweng / 15. Nov 2020 - Eine Studie über Schweden zeigt: CO2-Steuern sind wirksam. Zu viele Ausnahmen schränken den bisherigen Erfolg aber ein.

Schweden führte 1991 als eines der ersten Länder eine CO2-Steuer ein. Mit 137 Dollar pro Tonne CO2-Äquivalente ist sie die höchste der Welt. Inzwischen haben viele andere Staaten nachgezogen. Untersuchungen, wie sich die CO2-Steuer auf die Treibhausgas-Emissionen auswirkt, gibt es jedoch nur wenige.

Schwedens CO2-Steuer ist nicht nur wirkungsvoll, der Einfluss von Steuern auf das Klimaverhalten werde unterschätzt, sagt Julius Andersson von der London School of Economics. Der Ökonom hat 2019 im «American Journal of Economics» eine Fallstudie veröffentlicht, in der er feststellt, dass der Treibhausgas-Ausstoss in Schweden durch die CO2-Steuer im Jahr um mindestens 6 Prozent gesunken ist.

Erfolgreich, obwohl die Steuer nur einen Teil des Marktes abdeckt

Andersson erstellte dazu ein Schweden-Modell aus vergleichbaren europäischen Ländern, das er «Synthetic Sweden» nannte. Er stellte fest, dass die CO2-Emissionen im Transportbereich Schwedens gegenüber dem Modell in einem durchschnittlichen Jahr um elf Prozent gesunken waren, sechs Prozent waren allein auf die CO2-Steuer zurückzuführen.

Noch wirksamer könnte die schwedische CO2-Steuer sein, wenn ihr Geltungsbereich erweitert würde. Derzeit deckt sie nur etwa zwei Fünftel der Treibhausgas-Emissionen Schwedens ab und ist eigentlich eine Regel, die aus Ausnahmen besteht. Das ist in den meisten Ländern so, die eine CO2-Steuer kennen.

Eine Regel, die aus Ausnahmen besteht

Bergbau, Luft- und Schifffahrt sowie Unternehmen, die am Emissionshandel mit Zertifikaten teilnehmen, bezahlen die schwedische CO2-Steuer beispielsweise nicht. Andere Industriezweige bezahlten anfangs einen reduzierten Steuersatz, da sich der Gesetzgeber um die internationale Wettbewerbsfähigkeit sorgte.

Dazu kennt Schweden eine Anzahl anderer Steuern, die ebenfalls Lenkungseffekt haben, zum Beispiel die Energiesteuer und die Flugsteuer. Einige dieser Steuern sind seit der Einführung der CO2-Steuer günstiger oder teuerer geworden. So wurde die Energiesteuer halbiert, als die CO2-Steuer eingeführt wurde. Die Umsatzsteuer schloss aber neu Benzin und Diesel mit ein, was den Klimaeffekt verstärkte.

Der Effekt einer CO2-Besteuerung wird womöglich unterschätzt

Der Einfluss der CO2-Steuer auf die Nachfrage nach Benzin sei dreimal grösser als der Einfluss auf den Preis, stellte Andersson fest. Das heisst, Konsumenten reagieren stärker auf eine Erhöhung der CO2-Steuer als auf eine Benzinpreiserhöhung aus anderen Gründen.

Politische Bewertungen von Kohlenstoff-Steuern, bei denen Preiselastizitäten zur Simulation von Emissionsreduzierungen verwendet würden, könnten die wahre Wirkung erheblich unterschätzen, schliesst Andersson. Die Preiselastizität misst die Änderung von Angebot oder Nachfrage als Reaktion auf eine Preisänderung.

Wenig Einfluss auf Heizungen und Wohlstand

Auf die Verbrennung von fossilen Energieträgern für Heizungen hatte die CO2-Steuer nach Anderssons Vergleich wenig Einfluss, diese haben aber in Schweden einen Anteil von weniger als 40 Prozent. Auf Wohlstand und Wachstum hatte die Besteuerung keine negativen Einflüsse. «Our World in Data» stellt die Treibgas-Emmissionen in Schweden sowie das BIP (engl.: Gross Domestic Product, GDP) in einem Diagramm so dar:

Treibhausgas-Emissionen in Schweden 1990 bis 2018 sowie die Entwicklung des BIP, jeweils pro Kopf (Our World in Data)

Zum Vergleich dasselbe Diagramm für die Schweiz:

Treibhausgas-Emissionen in der Schweiz 1990 bis 2018 sowie die Entwicklung des BIP, jeweils pro Kopf (Our World in Data)

Die Schweiz, die die Kohlenstoffabgabe 2008 einführte, hat heute einen Steuersatz von 96 Franken pro Tonne CO2 (derzeit 90 Euro). Um wirkungsvoll zu sein, muss der Steuersatz mindestens 36 bis 73 Franken (40 - 80 Dollar) pro Tonne CO2 betragen, haben Ökonomen ausgerechnet.

Viele Länder liegen nach dem «Carbon Pricing Dashboard» der Weltbank darunter. Vergleiche, darauf weisen alle Organisationen hin, die CO2-Abgaben weltweit nebeneinander gestellt haben, sind wegen des in jedem Land unterschiedlichen Geltungsbereiches schwierig. Die Klimabewegung «Fridays for Future» fordert einen CO2-Preis von 193 Franken (180 Euro) pro Tonne.

Schwedens Einkünfte durch CO2-Steuern sind im letzten Jahrzehnt langsam, aber kontinuierlich gesunken. Auch das zeigt, dass die Steuer erfolgreich ist: Es gibt weniger Emissionen, die besteuert werden können. Um Klimaziele zu erreichen, wird die CO2-Steuer daher ständig nach oben angepasst.

Weitere Informationen auf Infosperber zu diesem Thema:

- "Das CO2-Gesetz - und die Chance, die das Parlament verpasst"

- "Flugticket und andere Abgaben machen Arme reicher"

- DOSSIER: Die Klimapolitisch - kritsch hinterfragt

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Carbon Taxes and CO2 Emissions: Sweden as a Case Study», American Economic Journal
«Looking back on 30 years of carbon tax in Sweden», Taxfoundation.org

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4 Meinungen

Na ja, interessante Studie. Wie immer halte ich mit aber an die Fakten und nicht an irgendwelche «Studien», die je nach Auftraggeber der Studie das eine oder das andere Resultat zeigen. Und da hilft die Statistik der Vergleiche des CO2-Ausstosses in der EU von 1990 bis heute. Und da steht Schweden trotz CO2-Steuer nicht besonders gut da. Schweden hat da einen Rückgang von 27,3 %, während Dänemark (-31,9%) oder Deutschland (-31,3%) deutlich besser dastehen, ohne CO2-Steuer. Und es gibt unzählige Studien, die Belegen, dass die Effizienz von CO2-Steuern minimal ist. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass die erhobenen Steuern ineffizient eingesetzt werden. Viel erfolgversrechender ist der umgekehrte Weg. Anstatt Steuern zu erheben sollten Anreize geschaffen werden um in Technologien zu investieren die ohne CO2-Emissionen auskommen. Das können Steuererleichterungen oder auch Förderprogramme sein. Das löst, im Gegensatz zu Steuern, einen Innovationsschub aus und dann gewinnen alle.
Reto Derungs, am 15. November 2020 um 13:17 Uhr
Nein,
das kann man für einmal NICHT mit Geld regeln. Weil es fehlt am Willen, und nicht am Geld.
Es gab mal eine Zeit, da kostete der Sprit an der Tanksäule um die 2.20 (und nicht 1.50 wie heute): das hat niemanden gekratzt. Kein einziges Dickschiff ist deswegen weniger verkauft worden und kein einziger Kilometer ist deswegen weniger gefahren worden, und kein einziges Gramm CO2 deswegen eingespart worden. Man kann nicht immer alles mit Geld grün waschen.
Mike Wieland, am 15. November 2020 um 17:55 Uhr
Wir werden wohl auch mit CO2-Steuern nicht verhindern können, dass die Sonneneruptionen seit Menschengedenken das Klima auf unserem Planeten beeinflussen. Schon die Wikinger profitierten von der Erderwärmung als sie Grönland und die Küsten Kanadas besiedelten. Wie viel Abgase müssten wir denn einsparen um die Vulkantätigkeiten auf unserer Erde zu kompensieren? Wir sind trotz fortschreitender Technologie kaum in der Lage das Klimageschehen zu ändern, aber wir könnten versuchen uns den Gegebenheiten anzupassen und das gewonnene Kapital sinnvoll einsetzen.
Friedrich Kuhn, am 16. November 2020 um 05:47 Uhr
Noch zielführender als der Kampf um eine CO2-Steuer in jedem einzelnen Land der Erde (auch wichtig) mit Widerständen wegen der Wettbewerbs-Verzerrung, ist meines Erachtens der
Global Climate Compensation (GCC) Plan von Prof. Nordborg:
https://nordborg.ch/

Prinzip: Die ca. 300 grössten fossilen Konzerne der Welt werden direkt CO2-besteuert und die Billionenerträge direkt allen Staaten pro Kopf ihrer Einwohner gutgeschrieben für Energiewende und/oder soziale Aufgaben.

Folgen: Bestmögliche soziale Klimagerechtigkeit und die Spielregeln (Verteuerung der fossilen Energie) sind global identisch.
Diesen Vorschlag könnte die Schweiz bei der nächsten globalen Klimakonferenz einbringen.
Am besten gestärkt durch ein wuchtiges JA nach der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative.
Dr. med. Paul Steinmann, am 16. November 2020 um 11:30 Uhr

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