Der Staub am Piz Cengalo hat sich verzogen, aber die Köpfe stecken noch tief im Nebel © screenshot srf/salis
Nur die Gefahrenzone eines Bergsturzes ist eingezeichnet. Die Murganggefahr fehlt. © srf/google earth
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Piz Cengalo: Bergtouristen in falscher Sicherheit

Kurt Marti / 11. Dez 2017 - Der Bergsturz am Piz Cengalo forderte acht Tote. Hintergründe zur Fehleinschätzung der Experten und zum Druck der Interessen.

Die Staubwolke am Piz Cengalo hat sich längst verzogen, doch die Köpfe der Experten, Beamten und Politiker stecken noch tief im Nebel:

  • Die Experten und Beamten suchen nach dem Wasser, das den Murgang ausgelöst hat – nota bene in einem Gebiet, wo das Wasser überall herausquillt und herabströmt. Trotzdem behaupten sie, mit einem Murgang direkt nach dem Bergsturz habe man nicht rechnen müssen. Am 15. Dezember 2017 wollen sie der Öffentlichkeit ihre neusten Erkenntnisse zum Bergsturz und zum Murgang am Piz Cengalo präsentieren.

  • Die Bündner Regierung und der Gemeinderat von Bondo weisen jegliche Verantwortung zurück. Man habe die Wanderer mit Warntafeln vor der Gefahr eines Bergsturzes ausführlich gewarnt.

  • Die Politiker und Kommentatoren üben sich im Vernebeln: Zum Beispiel Katastrophen-Franz Steinegger im «SRF-Club» vom 29. August 2017 und der Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli in der SRF-Rundschau vom 25. Oktober 2017. Beide erklären, sie wären trotz Warnschildern durch die angegebene Gefahrenzone gelaufen und verweisen auf die Eigenverantwortung der WandererInnen.

Das Murgang-Risiko wurde ausgeblendet

Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob Katastrophen-Franz und Regierungsrat Cavigelli durch die angegebene Gefahrenzone gelaufen wären, sondern:

Waren die WandererInnen durch die Warntafeln genügend informiert, um eine realistische Risikoabschätzung vorzunehmen?

Die Antwort lautet: Nein. Die zwei Warntafeln beim Parkplatz am Ende der Forststrasse (siehe Skizze unten) warnten nur vor dem Risiko eines Bergsturzes und blendeten das Risiko eines Murgangs aus.

Deshalb wogen sich die BerggängerInnen in falscher Sicherheit: Der eingezeichnete Gefahrenbereich des Bergsturzes (schraffiert) erstreckte sich nur über den hinteren Teil des Tales und der Wanderweg zur Sciora-Hütte tangierte den Gefahrenbereich nur am Rande.

Quelle: srf / google earth / Beschriftung: ktm

(Bild vergrössern)

Auf dem Wegstück am Rande des schraffierten Gefahrenbereichs konnten die WandererInnen damit rechnen, sich mit einem Sprint aus der Gefahrenzone zu retten, entweder bergwärts oder in Richtung des «sicheren» Parkplatzes am Ende der «sicheren» Alpstrasse.

Falls sie sich aber ausserhalb des angezeigten Gefahrenbereichs weiter talauswärts aufgehalten haben, wurden sie vom Murgang völlig ahnungslos erfasst, mit dem sie gemäss Warntafel nicht rechnen mussten.

Denn auf der Warntafel stand geschrieben:

In Tat und Wahrheit wurden in der Maiensässsiedlung Lera jedoch mehrere Gebäude durch den Murgang weggerissen.

Ganz anders hätte sich die Gefahrenlage für die BerggängerInnen präsentiert, wenn die Gefahrenzone nicht nur bis zum Ende der Alpstrasse, sondern das ganze Tal hinaus bis nach Bondo gereicht hätte und wenn diese Zone gesperrt gewesen wäre, wie übrigens ein Wanderweg weiter oben auch.

Wer trotzdem auf- oder abgestiegen wäre, der hätte das Risiko in vollem Umfang gekannt und folglich in Kauf genommen und wäre im Falle eines Unglücks tatsächlich selber schuld gewesen.

Folgenschwere Trennung von Bergsturz und Murgang

Fakt ist: Ende 2011 gab es einen ersten Bergsturz am Piz Cengalo und darauf im Sommer 2012 insgesamt vier Murgänge, einer davon bis nach Bondo. Deshalb hatte man sich entschieden, zum Schutz für Bondo ein Rückhaltebecken zu bauen.

Die Situation verschärfte sich letzten Sommer zusätzlich: Weil sich ein weiterer Bergsturz abzeichnete, warnte die Gemeinde die Besitzer von Maiensässen ausserhalb der Gefahrenzone und sprach für einige Gebäude sogar ein Betretungsverbot aus, wie «Schweiz Aktuell» von SRF und die «Engadiner Post» berichteten. Dank diesen Warnungen forderte der Murgang laut «Engadiner Post» «keine Opfer in Maiensässen».

Dies zeigt klar: Seit dem Sommer 2012 rechnete man mit einem Murgang durch das ganze Bondasca-Tal bis nach Bondo. Die Gefahr eines Murgangs in den Sommermonaten war also bestens bekannt. Folglich hätte die Gefahrenzone auf den Warntafeln bis nach Bondo reichen müssen.

Das führt zur Frage:

Wieso war das Bachbett samt Umgebung vom Ende der Alpstrasse bis nach Bondo nicht im Gefahrenbereich eingezeichnet und warum haben die Warntafeln nicht vor einem Murgang gewarnt, sondern diesen Talabschnitt als «sicher» bezeichnet?

Die Antwort lautet:

  1. Wegen der zeitlichen Trennung von Bergsturz und Murgang, das heisst der Fehleinschätzung der Experten, die nicht mit einem gleichzeitigen Murgang rechneten. Diese Trennung führte dazu, dass das Ausmass eines Murgangs unterschätzt wurde.
  2. Wegen dem Interessen-Druck des Tourismus, der Maiensäss-Besitzer und der Hütten-Betreiber. Dieser Druck wurde durch Punkt 1 begünstigt, das heisst die Leute im Bergell waren durch die Fehleinschätzung der Experten nicht in der Lage, die Gefahr in ihrem vollen Ausmass zu erfassen.

Symptomatisch für die zeitliche Trennung von Bergsturz und Murgang ist der Expertenbericht «Einfluss von Permafrost auf Berg- und Felsstürze» der «Arge Alp» des Kantons Graubünden, der im Juni 2017 – also nur zwei Monate vor dem Bergsturz mit Murgang vom 25. August – veröffentlicht wurde.

Darin ist im Zusammenhang mit Berg- und Felsstürzen – unter anderem am Piz Cengalo – immer wieder vom Wasser im Permafrost und in den Felsklüften die Rede. Das Wort «Murgang» hingegen sucht man im Expertenbericht vergeblich.

Auf Anfrage von Infosperber erklärte Andreas Huwiler vom Bündner Amt für Wald und Naturgefahren: «Folgeprozesse wie Murgänge waren nicht Thema des Forschungsprojekts». Diese seien im Zusammenhang mit der Erstellung der neuen Gefahrenkarte Wasser «detailliert untersucht» worden.

Diese Untersuchungen führten zwar zum Bau des Rückhaltebeckens in Bondo, aber offensichtlich nicht zur Sperrung des Bondasca-Tals.

«Hast du die kugelsichere Weste eingepackt?»

Der Druck der touristischen Interessen spiegelt sich in einer Aussage, die der Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli im Interview mit der SRF-Rundschau gemacht hat. Auf die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, das Tal zu sperren, antwortet er:

«Nein, das ist nicht möglich. Wir sind in einem riesigen Gebirgsgebiet. Das Bondasca-Tal hat allein 5,5 Kilometer. Es hat dort einige Attraktivitäten für Bergwanderei, für Alpinisten und für Kletterer.»

Eindrücklich ist auch die Bemerkung von Hugo Raetzo, Gefahrenexperte beim Bundesamt für Umwelt, im SRF-Club. Auf die Frage, wie die Leute reagieren, wenn er komme und sage: «Nix mehr mit Alphütte», antwortete er:

«Es gibt Situationen, wo mich die Kollegen gefragt haben, hast du die kugelsichere Weste eingepackt?»

Die Experten suchen nach Wasser im Wasserschloss

Nach dem verheerenden Murgang im August standen die Vertreter der Bündner Regierung, die Kantons- und Bundesbeamten sowie die Hochschul-Experten ziemlich ratlos mit dem Rücken zur Wand, weil sie nicht mit einem Murgang direkt nach dem Felssturz gerechnet hatten. Gegenüber der SRF-Rundschau wies der Kanton Graubünden die Verantwortung weit von sich:

Nach dem Felststurz machten sich die Experten sofort auf die Suche nach den Gründen für ihre Fehleinschätzung und folglich nach dem Wasser, das es für einen solchen Murgang braucht.

Diese Suche entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn in diesem Gebiet quillt das Wasser aus allen Klüften, Ritzen und Schlünden: Sowohl im Permafrost, im darunterliegenden Gletscher und in den vorgelagerten Felsen.

Neben dem Bericht der «Arge Alp» geht das auch aus einer Masterarbeit (2015) «Veränderte Murgangaktivität nach plötzlichem Sediment-Input» von Patrick Baer an der Universität Zürich hervor.

Aber auch die Beamten des Kantons und des Bundes gaben im «Club» von SRF ausführlich Zeugnis vom grossen Wasservorkommen am Piz Cengalo.

Zum Beispiel Christian Wilhelm vom Bündner Amt für Wald und Naturgefahren, nachdem er das Bergsturzgebiet mit dem Helikopter überflogen hatte: «Das Material im Felsen oben war schon stark mit Wasser gesättigt. Schon in der Anfangsphase war wie ein Fliessen drin.» Und weiter: «Wenn man dort oben herumfliegt, sieht man das Schmelzen der Gletscher. Überall fliesst am Nachmittag Wasser über die Felsen herab. Da kommt einfach viel Wasser zusammen.»

Zum Beispiel Hugo Raetzo, Gefahrenexperte beim Bundesamt für Umwelt, beschreibt einen weiteren Murgang nach dem grossen Bergsturz am Piz Cengalo: «An mehreren Stellen brachen Murgänge los. Das Ganze war sehr flüssig. Es lief Wasser von den Gletschern her, Wasser aus den Moränen, Wasser aus den Klüften und Wasser aus dem Fels.»

Einen anderen Fokus setzte der Geologe Florian Amann von der Technischen Hochschule Nordrhein Westfalen und gleichzeitig Mitglied der Expertengruppe des Kantons Graubünden. Gegenüber dem SRF-Regionaljournal Graubünden erklärte er:

«Nach dem Ausschlussverfahren bleibt nur noch eine Möglichkeit übrig, nämlich dass das Wasser aus dem Gletscher erodiert ist. Auf dem Video sieht man, wie kleine Eisteile explosionsartig davongeschleudert wurden. Durch die Reibung entstand Wärme, die das Eis zum Schmelzen gebracht hat.»

Es gab Experten, die mit dem direkten Murgang rechneten

Dass die Experten das grosse Wasservorkommen und das Gletschereis als Wasserquelle übersahen und deshalb nicht mit einem Bergsturz mit anschliessendem Murgang rechneten, ist sehr erstaunlich.

Aber es gab auch andere Einschätzungen: Der Uni-Student Patrick Baer erwähnt nämlich in seiner oben erwähnten Masterarbeit einen solchen Zusammenhang mit Verweis auf ein Konzept «wie es u.a. Bardou & Jaboyedoff (2008) postulierten: Ein Sedimentinput in ein Gerinne, beispielsweise ausgelöst durch einen Felssturz oder das plötzliche Freilegen grosser vormals subglazialer Sedimentkörper, löst Ereignisse aus, welche die vorher geltenden Werte in Magnitude und Frequenz um ein Vielfaches übersteigen können. Diese Prozesse können je nach lokaler Situation direkt auf das Input-Ereignis folgen oder mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu mehreren Jahren auftreten.»

Mattmark-Katastrophe: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der Bergsturz von Bondo und der offizielle Umgang damit weist auffällige Gemeinsamkeiten mit der Mattmark-Katastrophe auf:

  • Zwar kamen bei der Mattmark-Katastrophe elfmal mehr Menschen ums Leben, aber auch im Bondasca-Tal hätte es viel mehr Tote geben können, wenn man bedenkt, dass vier Tage später im Tal ein Berglauf geplant war, wie die SRF-Rundschau vom 25. Oktober berichtete.

  • Wie im Fall Mattmark behaupten die Verantwortlichen, man habe nicht mit einem solchen Vorgang rechnen müssen. Der Murgang sei also nicht vorhersehbar gewesen und folglich sei die Sorgfaltspflicht nicht verletzt worden.

  • Im Fall Mattmark haben die Gewinn-Interessen der Stromwirtschaft die Wahrnehmung der Sorgfaltspflicht eingeschränkt, im Bergell waren es die touristischen Interessen, wobei erstere viel höher waren als letztere.

  • Im Unterschied zum Fall Mattmark, wo es aus Kostengründen nicht einmal eine Alarm-Anlage gab, haben der Kanton Graubünden und die Gemeinde Bondo für einen grossen Teil der gefährdeten Menschen umfangreiche Schutzmassnahmen getroffen, zum Teil gegen deren Willen.

Expertengruppe und Justiz: Fragezeichen

Fazit: Die Verantwortung lässt sich nicht so leicht vernebeln, wie dies die verantwortlichen Experten, Beamten und PolitikerInnen haben möchten.

Es liegt zwar in der Kompetenz des Gemeinderats von Bondo, die Sperrung des Tals zu veranlassen, aber er entscheidet aufgrund der wissenschaftlichen Vorgaben der Experten der Hochschulen und des Kantons.

Dass die Experten zum Zeitpunkt des Bergsturzes nicht mit dem direkten Murgang rechneten, ist ein Faktum. In Bezug auf eine mögliche Verletzung der Sorgfaltspflicht stellt sich aber die zentrale Frage, ob die Experten aufgrund der Fakten und aufgrund ihres Wissens mit einem direkten Murgang hätten rechnen müssen.

Mit der juristischen und wissenschaftlichen Bewältigung des Bergsturzes und des Murgangs beschäftigen sich zur Zeit die Bündner Justiz und eine kantonale Expertengruppe. Letztere wird am 15. Dezember 2017 über ihre Erkenntnisse informieren.

In der «unabhängigen» Expertengruppe sitzen auch bisherige ExpertInnen, die nicht mit einem Murgang unmittelbar nach dem Bergsturz gerechnet haben, und die folglich in dieser Sache befangen sind.

Auch die Bündner Justiz hat in letzter Zeit keine gute Falle gemacht: Stichwort «Cresta Run». Man darf also gespannt sein, wie die Experten ihre Fehleinschätzung nachträglich erklären und wie die Justiz deren Verantwortung einschätzt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Piz Cengalo: Wie lange noch schläft die Justiz?

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5 Meinungen

Das ist die beste journalistische Arbeit,die ich in meinem Leben gelesen habe.
Kein Zufall das ich in der Berichterstattung bei Blocher,SRG und Tamedia nichts derartiges finde.Die Touristiker schätzen eine derartige Berichterstattung nicht.
Man beachte einmal den Werbeetat gewisser Destinationen.
Aber vielleicht auch kein Zufall das die Bündner eine Milliardärstochter aus Zsueri in die Ochsenscheune nach Bern delegieren.
Andreas Willy Rothenbühler, am 11. Dezember 2017 um 11:11 Uhr
Wir sollten einmal von unserem Expertokratiewahn wegkommen. Das einzig Falsche ist, dass in der Bergen Schilder stehen wie: «Aufstieg durch Val Bondasca ... Nicht gefährdet».
Wer in den Bergen unterwegs ist, muss die Gefahren kennen. Kein «Experte» kann uns dieses Risiko abnehmen, weil es nie sicher angegeben werden kann.
Ueli Feller, am 11. Dezember 2017 um 12:53 Uhr
Ich schätze den Infosperber grundsätzlich als kritische Stimme. Doch vom Schiff aus, ohne jegliche Fachkenntnis, ein so komplexes Ereignis wie diesen Felssturz zu beurteilen und den involvierten Experten Befangenheit vorzuwerfen, ist unprofessionell.
Wenn man wegen jedem potentiellen Jahrhundertereignis präventiv ganze Täler sperren wollte, könnte man sich nirgends mehr frei bewegen. Bei potentiellen Gefahren soll gewarnt werden, der Rest ist Eigenverantwortung. Man kann doch nicht für jedes Zuschlagen des Restrisikos einen Sündenbock suchen und anklagen wollen.
David Liechti, am 11. Dezember 2017 um 13:52 Uhr
Bitte mehr solche Beiträge, in welchen die Haftung für Restrisiken klar irgendwelchen zum Beispiel profitsüchtigen Touristikern zugeschoben wird. Die Schweiz ist diesbezüglich ja relativ rückständig. In Deutschland wird jeder Spazierweg mit Tafeln vollgestellt mit der Botschaft «Begehen auf eigene Gefahr. Der Bürgermeister haftet nicht.» Im Schwarzwald gibt es kaum ein Haus ohne Tafel «Achtung Dachlawine!» (auch im Sommer). Bald werden die Schweizer Wanderwege ihre Wegweiser routinemässig mit dem Hinweis ausstatten «Begehen auf eigene Gefahr». Jedem Hotelgast wird ein Handbuch im amerikanischen Stil von Geräteanleitungen ausgehändigt, das vor allen möglichen und absurden Gefahren warnt. So können sich diejenigen, die allenfalls verantwortlich gemacht werden könnten, von einer Haftung befreien. Wenn sie sich nicht selber durch sehr bald auch absurde Haftungsklagen schützen wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig. Das Risiko landet damit wieder dort, wo es in der Vergangenheit immer war: beispielsweise beim Berggänger. Nur hat das Ganze inzwischen ungeheure Summern an Anwalts- und andere Kosten verschlungen. Ein Fortschritt?
Matthias Wiesmann, am 11. Dezember 2017 um 14:51 Uhr
Man kann nicht jede Katastrophe voraussehen. Ein Restrisiko bleibt. Als Bergwanderer muss man auch selbst Verantwortung übernehmen. Es wird nicht besser, wenn man einfach die ganze Landschaft mit Warnschildern vollpflastert.

Das alles ist unbestritten.

Aber offenbar hat man ja durchaus vorausgesehen, dass ein Bergsturz bevorstand. Und man hat auch vorausgesehen, dass sich ein grosser Murgang ereignen könnte, sonst hätte man ja kein Rückhaltebecken gebaut und kein Alarmierungssystem für Bondo eingerichtet.

Aber wenn sich ein Murgang ereignen könnte, der trotz Rückhaltebecken noch das Dorf gefährden könnte: Wäre es dann nicht fast unvermeidlich, dass auch die ganze Talsohle oberhalb gefährdet wäre? Ich glaube, es ist diese Frage, die sich die Behörden stellen lassen müssen.

Ich empfinde den Artikel von Kurt Marti keineswegs als unprofessionell.

Ich will auch keinen «Expertokratiewahn», was immer man sich darunter vorstellen soll. Aber wenn die Situation von Experten begutachtet wird, und wenn diese eine Gefahr erkennen, dann müssten doch alle gefährdeten Personen gleichermassen gewarnt werden werden!
Daniel Heierli, am 11. Dezember 2017 um 22:09 Uhr

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